Welche Rassen gab es bei den Nazis angeblich?

3 Antworten

Hans F. K. Günther, der spätere führende Rassenexperte des Dritten Reiches, unterschied in seiner Rassenkunde des Deutschen Volkes bereits in den 1920ern zwischen nordischer, westischer, ostischer, dinarischer und ostbaltischer Rasse. Später differenzierte er von der nordischen Rasse noch eine fälische Rasse und schließlich kam noch eine sudetische Rasse hinzu, die er aber später wieder fallen ließ.

Weniger genau sah Günther bei den nichteuropäischen Rassen hin. Er entwickelte hier nur die Begriffe der vorderasiatischen und orientalischen Rasse sowie der innerasiatischen Rasse, in die er einfach alle „Asiaten“ (im heutigen Sinne) hineinwarf. Bei den Schwarzafrikanern unterschied er nur zwischen der negerischen und der hamitischen Rasse. Für die indianischen Rassen der Neuen Welt interessierte er sich überhaupt nicht.

Sein Konzept für die Rassentypen außerhalb Europas galt auch damals als viel zu grob und somit anthropologisch nicht haltbar. Seriösere Rassenanthropologen wie z. B. Egon von Eickstedt haben es auch entsprechend kritisiert. Günther war aber mehr politisch und historisch interessiert und er beschäftigte sich vor allem mit den Rassen, mit denen die von ihm idealisierte nordische Rasse geschichtlich etwas zu tun gehabt hatte.

Die europäischen und nahöstlichen Typen hingegen sind recht exakt definiert und wurden auch von der seriösen Anthropologie verwendet bzw. werden dies, ungeachtet der grundsätzlichen Kritik des Konzeptes der Rassen, auch heute noch. Meist dann aber mit den auf –id endenden englischsprachigen Bezeichnungen. Hier eine Übersicht über die heutige Einordnung der von Günther beschriebenen Rassentypen:

Nordisch (Nordid)

http://humanphenotypes.net/basic/Nordid.html

Westisch (Mediterranid)

http://humanphenotypes.net/basic/Mediterranid.html

Ostisch (Alpinid)

http://humanphenotypes.net/basic/Alpinid.html

Dinarisch (Dinarid)

http://humanphenotypes.net/basic/Dinarid.html

Ostbaltisch (East Europid)

http://humanphenotypes.net/basic/EastEuropid.html

Vorderasiatisch (Armenoid)

http://humanphenotypes.net/basic/Armenoid.html

Orientalisch (Orientalid)

http://humanphenotypes.net/basic/Orientalid.html

Innerasiatisch: Kann nicht einem Begriff der seriösen Fachanthropologie zugeordnet werden. Da Günther bei den „Asiaten“ nicht zwischen verschiedenen Rassen unterschied, wäre höchstens der ganz grobe, allgemeine Oberbegriff der „Mongoliden“ passend. „Innerasiatisch“ im Wortsinne wären hingegen die Turaniden, die allerdings nicht rein mongolid sind, sondern leichte europische Einschläge haben:

http://humanphenotypes.net/basic/Turanid.html

Wichtig für Günther waren aber weniger die körperlichen, sondern mehr die psychologischen Rasseneigenschaften. Aber hier wird die Rassenanthropologie weniger seriös und fängt, wenn auch auf der Grundlage realer empirischer Beobachtungen, mit dem Spekulieren und bloßen Abschätzen an. Günthers Meinung dazu war, ganz knapp skizziert:

Nordische Rasse: Unternehmerisch, schöpferisch, hat Führungsfähigkeiten, kühl, nüchtern, distanziert, konstruktiv, hohe Intelligenz; von Günther als insgesamt für Kultur und Zivilisation als am wertvollsten eingeschätzte Rasse; spielt im deutschen Volk zahlenmäßig mit die größte Rolle

Westische Rasse: Extravertiert, heiter, darbieterisch, gestaltlerisch, im Gegensatz zu nordischen Menschen mehr an den Meinungen über die Dinge interessiert als an den Dingen selbst, Intelligenz weniger gut entwickelt; von Günther etwas kritisch, aber auch noch als kulturell wertvoll betrachtet; spielt bei den romanischen Kulturvölkern die zahlenmäßig die Hauptrolle, in Deutschland aber nur wenig vertreten

Ostische Rasse: Konservativ eingestellt, etwas spießig, wirtschaftlich begabt, wenig schöpferisch veranlagt; Günther schätzt sie eher weniger wertvoll ein; spielt in Deutschland (vor allem im Süden) aber zahlenmäßig eine bedeutende Rolle

Dinarische Rasse: Derb, kriegerisch, etwas aggressiv, sehr nationalistisch, selbstbewusst; nach Günther durchaus wertvoll durch ihre „männlichen“ Eigenschaften; spielt in Österreich und Süddeutschland zahlenmäßig eine gewisse Rolle

Ostbaltische Rasse: Passiv, halt- und planlos, entschlussunfähig, bedarf der Führung anderer, immerhin gute Intelligenz und psychologisches Gespür; Günther zufolge die am wenigstens wertvolle der europäischen Rassen; spielt im äußersten Osten Deutschlands (Preußen, Schlesien) als Einschlag eine gewisse Rolle

Vorderasiatische Rasse: händlerisch veranlagt, chauvinistisch, zwischen brutaler Sinnlichkeit und abstrakter Vergeistigung hin- und herpendelnd, innerlich zerrissen; für Günther volksfremd; kommt in Deutschland kaum vor (heute allerdings infolge der türkischen Zuwanderung vertreten)

Orientalische Rasse: religiös, tribalistisch, unbeständig, aggressiv; nach Günther europafremd; kommt in Deutschland nicht vor (als Typus der arabischen Semiten heute aber infolge der jüngeren Zuwanderungen durchaus vertreten)

Dabei war es Günther und anderen Rassenexperten damals natürlich völlig bewusst, dass diese „Rassen“ fast nirgends unvermischt auftreten, sondern sich im Laufe der Geschichte permanent vermischt und neue Sub- und Übergangstypen gebildet hatten.

Reine Ideologen wie Heinrich Himmler haben die Systematik, die Günther geschaffen hatte, aufgegriffen und daraus eine rassistische Ideologie konstruiert. Dabei hat Himmler vor allem zwischen der nordischen und der ostbaltischen Rasse polarisiert: Jene vor allem sei die wertvolle, führende und kulturschaffende Rasse Europas, diese aber die minderwertige, die der Herrschaft anderer Rassen bedürfe. Zwar wurde entgegen dem Mythos im NS niemals der Begriff „Herrenrasse“ für die nordische Rasse verwendet, doch ging das Denken zumindest von Leuten wie Himmler schon in die entsprechende Richtung. Die kulturell-zivilisatorische Überlegenheit der germanischen Völker gegenüber den slawischen deuteten Leute von Günther bis Himmler als Folge der andersartigen rassischen Zusammensetzung beider Völkergruppen. Die bei den Russen dominierende ostbaltische Rasse galt als unfähig zur Selbstherrschaft, was man durch historische Argumente (Russland wurde stets von fremdrassischen Gruppen wie den nordischen Warägern, den innerasiatischen Mongolen, später den Romanows, dann den nach NS-Vorstellung vor allem jüdischen Bolschewiki beherrscht) zu begründen suchte.

Theoretiker wie Alfred Rosenberg haben des Weiteren argumentiert, dass die „rassisch wertvolleren“ Bestandteile des Russenvolkes, also bürgerliche Oberschicht, Unternehmer, Adel usw. von den Bolschewiki größtenteils abgeschlachtet worden waren, so dass seit der Einführung des Sowjetsystems in den Massen der russischen Bevölkerung größtenteils nur noch die als weniger wertvollen bzw. „minderwertigen“ Menschen ostbaltischer und innerasiatischer Rasse zu finden waren. Diese waren nach NS-Vorstellung die Träger, vor allem aber Juden die Führer des bolschewistischen Systems. Ziel der nationalsozialistischen Russlandpolitik war es somit letztlich, die Sowjetunion zu besiegen, die bolschewistischen Machthaber ab- und sich selbst an deren Stelle zu setzen.

Ist dieser Eurozentrismus in der Anthropologie normal gewesen?

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@AIK90

Jein. Wir müssen auch für das 19. und 20. Jahrhundert streng differenzieren zwischen der rein anthropometrischen Fachanthropologie und der mehr philosophischen Rassenforschung in historischer, soziologischer und psychologischer Hinsicht.

Reine Fachanthropologen wie den USA Carleton Coon oder in Deutschland Egon von Eickstedt haben sich im Wesentlichen nur für die bloße Somatologie interessiert, um die Menschheit sachlich zu ordnen. Da sie weder an tieferen psychologischen oder historischen Fragen und schon gar nicht ideologisch interessiert waren, war ihr Fokus weniger eurozentrisch. Vor allem von Eickstedt wollte die gesamte Menschheit mit weltweit gleicher "Genauigkeitsstufe" in verschiedene Typen ordnen. Er kam auf 82 verschiedene Rassen, davon sind die meisten keine europäischen.

Weitergehende Rassenforscher wie in Frankreich etwa der berühmte Soziologe George Vacher de Lapouge, in den USA der Biologe Madison Grant oder bei uns der Philologe Hans F. K. Günther haben sich hingegen vor allem für soziologische, völkerpsychologische (Mentalitäten usw.) und geschichtliche Fragen interessiert. Vor allem die Indogermanenproblematik war damals interessant. Man erkannte zum Beispiel, dass die alten Hochkulturen in Südeuropa und Südasien von ganz anderen Menschentypen geschaffen wurden als von denen, die heute dort leben. Diese Erkenntnisse haben das abendländische Geistesleben sehr bereichert und es entstanden komplexe, oft auch hitzige und kontroverse Debatten über diese Thematik. Schließlich fanden diese Rassenerkenntnisse auch Eingang in die Politik, etwa in den USA, deren restriktivere Einwanderungsbestimmungen in den 1920ern unter Coolidge tatsächlich zurückgingen auf das Rassenbewusstsein, das Denker wie Madison Grant geschaffen worden, der dargelegt hatte, dass die Größe und Bedeutung des weißen Amerikanertums („Yankees“) auf der Einwanderung von keltischen und germanischen Nordwesteuropäern (Iren, Briten und Deutschen) beruhte, die mehr oder weniger der sogenannten nordischen Rasse (nordic race) angehörten. In Deutschland wiederum hatten wir unseren Hans F. K. Günther, der einen gewissen Einfluss auf die Rassenpolitik im Nationalsozialismus hatte.

Solche, durchaus ideologisch-politisch interessierten Denker, haben naturgemäß ihr primäres Augenmerk auf die europäischen Menschentypen gelegt und bei den farbigen Rassen nicht weiter differenziert. So subsumiert Günther die Schwarzafrikaner einfach zur „negerischen Rasse“, während von Eickstedt dort über 20 verschiedene Typen unterscheidet.

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Hallo

Gelbe, Rote, Schwarze, Weisse (?) (sorry für die Ausdrücke, nur rezitiert)

Aber die sind mehr als Archetypen zu sehen, denn daraus entstanden all die Mischlinge.

Es gibt keine reinrassigen Arier mehr, soweit ich informiert bin, auch nicht nach derer Lehre. Auch Juden sind, nach derer Lehre, ein Mischlingsvolk, nur, dass sie genauso ihre "Hochzucht" anstreben (sich mit ihrerseits kreutzen)

Das Bild von Segler1968 zeigt das Ganze noch deutlicher

LG

Dass Deutsche, bzw. Germanen 'Arier' gewesen wären, hat sowieso nie gestimmt.

Die wirklichen Arier sind eher eine indoiranische Sprachgruppe, die im Raum Iran bis Indien lebten und leben.

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@Satiharu

Etwas Allgemeinwissen sollte man schon haben.

Schau Dir einfach an, was man bei Wikipedia zu den Ariern findet.

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@tanztrainer1

Etwas Allgemeinwissen? Ich lese Bücher darüber, deswegen frage ich

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@Satiharu

Außerdem sind in dieser geposteten Karte einige gravierende Fehler drin.

Die Nazis haben Dinge behauptet, die einfach nicht stimmen. Die Euro-Arier gab es gar nicht und sind eine Erfindung.

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@tanztrainer1

Kann sein, dass sie was anderes behauptet haben, als was du kennst.

Aber über "stimmen" oder "nicht stimmen", wie will ich darüber urteilen?

Es ist einfach eine These.

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@Satiharu

Und diese These übernahm Hitler von Christian Lassen und Friedrich Max Müller.

Abseits jeglicher wissenschaftlicher Nachweise wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts dann den Ariern zugeschrieben, genetisch und kulturell anderen Menschengruppen, wie etwa den Semiten (Juden und Araber) überlegen zu sein und die Theorie von einer mitteleuropäischen Herrenrasse entwickelt.

https://www.politische-bildung-brandenburg.de/lexikon/arier

So wie Du das jetzt geschrieben hast, unterstellst Du mir geradezu, dass ich keine Ahnung hätte. Eher fällst Du auf den Schwachsinn rein, der von den Nazis übernommen wurde.

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@tanztrainer1

Wieso reinfallen? Ich sage nicht, die Theorie wäre wahr, sondern nur, dass es sie gibt. Ich finde die Themen; Deutsche Sprache und nordische Mythologie interessant, da stosse ich manchmal darauf.

Ich verstehe nur noch nicht, weshalb man zu der Überzeugung kam, der Arier wäre am "fortschrittlichsten". Ich meine okay, die gehen davon aus, dass die Kultur dem Arier entstamme, aber was interessiert mich Kultur? Mich interessiert die Harmonie mit dem Umfeld, dementsprechend denke ich, dass man "Rassen" nicht grundsätzlich in gut und schlecht bewerten kann

Ich habe keine Ahnung, welche Ahnung du hast, und wollte dir nichts unterstellen

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@Satiharu

Diejenigen, die heutzutage noch behaupten, dass diese Theorie sinnvoll ist, sind eben unverbesserliche Neonazis.

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Nazi sein ist eine Gesinnung. Ein Nazi verurteilt jeden, der nicht "rein arisch" ist. Aber selbst Hitler war Österreicher und Halbjude. Außerdem gibt es heutzutage keine reinrassigen Menschen mehr. Jeder hat irgendwie einen Migranten-Hintergrund. Su musst dir nur die Geschichtsbücher anschauen. Die Völker sind immer schon gewandert und haben sich woanders nieder gelssen. Hungersnöte, Kriege und und und

"Nazi" ist ein Wort, welches "Sozis" verwendet haben, um ein Gegenstück für dieses scheinbar lächerliche Wort zu haben

Nationalsozialist heisst, dass das eigene Volk an erster Stelle steht. (Sozial zum Volke)

Und wie du sagst, es gibt keinen oder kaum reine Arier.

Ob Hitler Halbjude war, das weiss ich nicht.

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Das ist eher ein "Märchen", dass Hitler jüdische Wurzeln gehabt hätte.

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