Warum stehen die 10 Gebote zweimal in der Bibel?

7 Antworten

Hallo Launicorn,

es ist ja nicht so ungewöhnlich, dass in der Bibel einiges zweimal oder mehrmals steht. Denk mal an die 4 Evangelien,  Die ersten drei, Matthäus, Markus, Lukas,  werden zuweilen als synoptisch (was „mit gleicher Sicht“ bedeutet) bezeichnet, weil sie, verglichen mit dem Johannesevangelium, den Dienst Jesu von recht ähnlichen Gesichtspunkten aus beleuchten.

Ebenso wenig, wie die 3 synoptischen Evangelien wortwörtlich oder zu 100 Prozent gleich sind, so gibt es auch bei den 10 Geboten Unterschiede.

So wird im 4. Gebot der Sabbat gemäß 2 Mos 20,8-11 damit begründet, dass ja Gott selbst bei der Schöpfung auch nur 6 (symbolische) Tage arbeitete und seither ruht. Dagegen wird in 5Mose 5,Mose 5, 8-10 als Begründung auf die von ihnen als Sklaven in Ägypten geleistete Fronarbeit hingewiesen.


Dem 10. Gebot (Begehre nicht!) wird - jetzt, kurz vor der Eroberung des verheißenen Landes - das Haus hinzugefügt, als etwas, das man dem Nachbarn nicht neiden solle. Wieso? Während der Wanderung durch die Wildnis hatten sie keinen Grundbesitz. Schon bald würden die Israeliten jedoch die Stadthäuser und die Häuser auf dem Land in Besitz nehmen, als Kriegsbeute. Da gab ´s schon Unterschiede. Ebenso bei den Häusern, die neu gebaut werden sollten.

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Hier hast Du mal beide Texte zum Vergleichen:

2Mose 20,1 Dann redete Gott. Er sagte: 

2 "Ich bin Jahwe, dein Gott! Ich habe dich aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit. 3 Du wirst1 keine anderen Götter vor mich stellen!

4 Du wirst dir kein Götterbild machen, kein Abbild von irgendetwas im Himmel, auf der Erde oder im Meer! 5 Wirf dich niemals vor ihnen nieder und verehre sie auf keinen Fall! Denn ich, Jahwe, ich, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott. Wer mich verachtet und beiseite stellt, bei dem verfolge ich die Schuld der Väter noch bis zur dritten und vierten Generation. 6 Doch wer mich liebt und meine Gebote hält, dem schenke ich meine Gunst auf tausend Generationen hin.

7 Du wirst den Namen Jahwes, deines Gottes, nie missbrauchen! Denn Jahwe wird jeden bestrafen, der seinen Namen mit Nichtigkeiten in Verbindung bringt.

8 Denk an den Sabbattag und reserviere ihn für Gott! 9 Sechs Tage hast du, um all deine Arbeit zu tun, 10 aber der siebte Tag ist Sabbat für Jahwe, deinen Gott. An diesem Tag sollst du nicht arbeiten, weder du, noch dein Sohn oder deine Tochter, weder dein Sklave noch deine Sklavin, nicht einmal dein Vieh oder der Fremde, der in deinem Ort wohnt. 11 Denn in sechs Tagen hat Jahwe den Himmel und die Erde gemacht, das Meer und alles, was dazugehört. Am siebten Tag aber ruhte er. Deshalb hat er den Sabbattag gesegnet und für sich bestimmt.

12 Ehre deinen Vater und deine Mutter! Dann wirst du lange in dem Land leben, das Jahwe, dein Gott, dir gibt.

13 Morde nicht!2

14 Brich die Ehe nicht!3

15 Stiehl nicht!

16 Sag nichts Unwahres über deinen Mitmenschen! 

17 Begehre nichts,4 was deinem Mitmenschen gehört,5 weder seine Frau noch seinen Sklaven oder seine Sklavin, sein Rind oder seinen Esel oder sonst etwas, das ihm gehört!"

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5Mose 5,1 Mose rief ganz Israel zusammen und sagte: Höre, Israel, auf die Vorschriften und Bestimmungen, die ich euch heute verkünde! Lernt sie, bewahrt sie und tut sie! 2 Jahwe, unser Gott, hat am Horeb einen Bund mit uns geschlossen. 3 Er schloss diesen Bund nicht mit unseren Vätern, sondern mit uns, die wir heute und hier am Leben sind. 4 Auf dem Berg hat Jahwe mitten aus dem Feuer direkt mit euch geredet. 5 Ich stand damals zwischen Jahwe und euch, um euch seine Worte weiterzugeben, denn ihr habt euch vor Jahwe gefürchtet und seid nicht auf den Berg gestiegen. Er sagte:

6 "Ich bin Jahwe, dein Gott! Ich habe dich aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit. 7 Du wirst1 keine anderen Götter vor mich stellen!

8 Du wirst dir kein Götterbild machen, kein Abbild von irgendetwas im Himmel, auf der Erde oder im Meer! 9 Wirf dich niemals vor ihnen nieder und verehre sie auf keinen Fall! Denn ich, Jahwe, ich, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott. Wer mich verachtet und beiseite stellt, bei dem verfolge ich die Schuld der Väter noch bis zur dritten und vierten Generation. 10 Doch wer mich liebt und meine Gebote hält, dem schenke ich meine Gunst auf tausend Generationen hin.

11 Du wirst den Namen Jahwes, deines Gottes, nie missbrauchen! Denn Jahwe wird jeden bestrafen, der seinen Namen mit Nichtigkeiten in Verbindung bringt.

12 Achte auf den Sabbattag und reserviere ihn für Gott! Denn so hat Jahwe, dein Gott, es dir befohlen. 13 Sechs Tage hast du, um all deine Arbeit zu tun, 14 aber der siebte Tag ist Sabbat für Jahwe, deinen Gott. An diesem Tag sollst du nicht arbeiten, weder du, noch dein Sohn oder deine Tochter, weder dein Sklave noch deine Sklavin, nicht einmal dein Rind oder Esel oder dein Vieh oder der Fremde, der in deinem Ort wohnt. Auch dein Sklave und deine Sklavin sollen ruhen wie du! 15 Denk daran, dass du selbst Sklave in Ägypten warst und dass Jahwe, dein Gott, dich mit starker Hand und ausgestrecktem Arm von dort herausgeführt hat! Deshalb hat Jahwe, dein Gott, dir befohlen, den Sabbat zu feiern.

16 Ehre deinen Vater und deine Mutter, wie Jahwe, dein Gott, es dir geboten hat! Dann wirst du lange in dem Land leben, das Jahwe, dein Gott, dir gibt.

17 Morde nicht!

18 Brich die Ehe nicht!

19 Stiehl nicht!

20 Sag nichts Unwahres über deinen Mitmenschen!

21 Begehre nicht die Frau deines Mitmenschen! Begehre auch nicht sein Haus, sein Feld, seinen Sklaven oder seine Sklavin, sein Rind oder seinen Esel oder sonst etwas, das ihm gehört!"

22 Diese Worte sagte Jahwe auf dem Berg zu eurer ganzen Versammlung aus dem Feuer, den Wolken und dem Dunkel heraus mit gewaltiger Stimme und nichts weiter. Er schrieb sie auf zwei Steintafeln und gab sie mir.



Grüße, kdd

Weil die Bibel ein Sammelsurium verschiedener überlieferter Texte aus Tausenden von Jahren ist und nicht aus einer einzigen Feder stammt.

Albert Einstein schrieb dazu 1954: Das Wort Gottes ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch reichlich primitiver Legenden. Kein noch so feinsinnige Auslegung kann (für mich) etwas daran ändern. Diese verfeinerten Auslegungen sind naturgemäß höchst mannigfaltig und haben so gut wie nichts mit dem Urtext zu schaffen. Für mich ist die unverfälsche jüdische Religion, wie alle anderen Religionen, eine Incarnation des primitiven Aberglaubens.

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