Warum sind Pilze, evolutionär, näher mit uns (Menschen) verwandt, als mit den Pflanzen?

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Weil Pilze und Tiere einen gemeinsamen Vorfahren haben, der jünger ist als der gemeinsame Vorfahre von Pflanzen, Tieren und Pilzen. Die heutige Systematik des Lebens gründet sich nicht auf anatomischen Ähnlichkeiten, sondern auf die tatsächlichen Verwandtschaftsbeziehungen. Gemeinsam mit einigen einzelligen Lebewesen wie den Kragengeißeltierchen (Choanoflagellata) bilden Pilze (Fungi) und die Tiere (Metazoa) das Taxon Opisthokonta, während die Pflanzen (Embryophyta) zur Gruppe der Archaeplastida gehören und damit näher mit den übrigen Chloroplastida, zu denen die Pflanzen selbst gehören, den Blaugrünen Algen (Glaucophyta), den Rotalgen (Rhodophyta) und den erst 2019 beschriebenen Rhodelphidia verwandt.

Diese Einteilung des Lebens beruht heute größtenteils auf molekularbiologischen Methoden, also z. B. dem Vergleich der DNS-Sequenzen. Grundlage dafür ist die Annahme, dass moderne DNS-Sequenzen sich aus der DNS-Sequenz eines gemeinsamen Vorfahren entwickelt haben. Nimmt man nun an, dass die Mutationsrate in etwa konstant ist (in der Tat ist sie das, aber die exakte Geschwindigkeit kann sich bei den einzelnen Genen stark unterscheiden), dann kann man anhand der Ähnlichkeit der DNS-Sequenzen auf die Verwandtschaft schließen: je näher zwei Taxa miteinander verwandt sind, umso größer ist die Übereinstimmung der DNS-Sequenzen. Im Fall der Pflanzen, Pilze und Tiere haben die DNS-Sequenzen der Pilze demnach also mehr Ähnlichkeit mit denen von Tieren als mit solchen der Pflanzen.

Auch morphologisch sind Plize und Pflanzen grundverschieden, obwohl beiden zumeist eine festsitzende (sessile) Lebensweise gemein ist. Beide besitzen Zellwände, die jedoch völlig anders ausfgebaut sind und daher nicht geeignet sind, um eine nähere Verwandtschaft anzunehmen. Während bei den Pflanzen Cellulose, Hemicellulose und Lignin hauptsächliche Bestandteile der Zellwände sind, besitzen Pilze Zellwände aus Chitin - das gleiche Material, welches auch im Exoskelett von z. B. Insekten vorkommt.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Das ist keine Warum-Frage. Es ist halt so. Warum bin ich mit meiner Schwester näher verwandt als mit meiner Cousine? Weil unsere letzten gemeinsamen Vorfahren später gelebt haben.

Es sind ja keine theoretischen Uberlegungen, sondern konkrete Wesen, gemeinsame Vorfahren eben. Klar findet man die nicht mehr, aber das lässt sich rekonstruieren. Heutzutage natürlich durch DNA-Vergleiche, früher durch Sequenzanalysen von Proteinen. Noch früher gar nicht, weshalb Pilze lange zur Botanik gehörten.

Pilze sind keine Pflanzen, betreiben keine Photosynthese und sind wie Tiere (und Menschen) darauf angewiesen, sich von organischem Material zu ernähren. Irgendwann und irgendwo muß es einen gemeinsamen Vorfahren von Pilzen und Tieren gegeben haben. Möglicherweise zu einer Zeit, als es überhaupt noch keine Mehrzeller gab. Aber das ist eine Vermutung meinerseits.

Beide gehören zu den Opisthokonta.

Es gibt neben den vielzelligen Tieren und den Pilzen (die beide keine Photosynthese betreiben und sich daher zumeist von anderen Lebewesen, z.B. Pflanzen ernähren) etliche andere Gruppen, die auch dazu gehören.

Z.B. die Kragengeißeltierchen (sie fressen Bakterien)

Auch gehören einige Parasiten zu den Opisthokonta (z.B. Ichthyosporea, die leben von Fischen).

https://de.wikipedia.org/wiki/Pilze#Äußere_Systematik

Ich nehme auch an, dass der gemeinsame Vorfahr ein Einzeller war.
Etliche dieser Einzeller haben eine Geißel (zur Fortbewegung). Pilze sind jedoch weitgehend stationär - es gibt aber auch einzellige Pilze (z.B. Hefepilze).

Pflanzen ernähren sich normalerweise nicht von anderen Lebewesen (es gibt Ausnahmen: auch da gibt es Parasiten, und es gibt fleischfressende Pflanzen).

Hefepilze haben aber auch eine andere Ernährung gefunden: sie verstoffwechseln Zucker. Ständerpilze ernähren sich meist von Pflanzenmaterial.

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