Religion. Eine Lüge um die Menschheit zu kontrollieren?

43 Antworten

Ich bin Buddhist und der Ansicht, dass die Religion dem Menschen sowohl helfen, als auch schaden kann.

Bereits im Glauben ohne organisierte Religion können Menschen Halt und Trost finden und in die Lage versetzt werden, Situationen zu überstehen, an denen sie andernfalls emotional zerbrechen würden.

Diese positiven Aspekte allgemeiner Religiosität können durch die Mitgliedschaft in einer Gemeinschaft von Gläubigen noch durch soziale Komponenten verstärkt werden.

Positive Sichtweise

Positiv gesehen spendet Religion das Gefühl von Gemeinschaft, gemeinsame Rituale die von Gläubigen auf der ganzen Welt begangen werden, schaffen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und mit Geistlichen gibt es moralische Instanzen, an die man sich wenden kann.

Negative Sichtweise

Negativ gesehen ist organisierte Religion ein Machtinstrument, mit dem man Menschen mit religiösen Geboten, Schuldgefühlen und moralischer Erpressung manipulieren und gefügig machen kann, um sie dann im Rahmen einer Ideologie zu  missbrauchen und auszunutzen.

Organisierte Religion ist für den Menschen

Ich unterscheide zwischen Religiosität und organisierter Religion.

Religiosität sehe ich als eine Art natürlichen Instinkt des Menschen an - die Ehrfurcht vor dem Sternenhimmel, oder das sprachlose Staunen über die majestätischen Niagara-Fälle sind für mich schon einfache Formen der Religiosität. Das "kindliche Staunen" angesichts des Großen.

Organisierte Religion mit Geistlichen, Versammlungsorten, heiligen Bauten, Ritualen, religiösen Symbolen und Zeremonien ist von Menschen geschaffen und verfolgt verschiedene Ziele.

Wozu den Religion? Sind wir nicht in der Lage gute Menschen zu sein/werden, ohne Religion?

Religiöse Gebote sorgen dafür, dass Menschen eine Richtlinie haben, an der sie sich bei Gewissensnöten orientieren können.

Einen anderen Menschen zu töten ist schlecht, das ist uns bereits durch unsere Fähigkeit zur Empathie bewusst, ohne gläubig sein zu müssen.

Doch sobald es Situationen gibt, in denen es zu Gedanken kommt wie "gilt das auch, wenn....?" oder "Ist es vielleicht doch erlaubt, wenn...." wünschen sich viele eine höhere Instanz an die sie sich richten können.

Religiöse Lehren und Schriften geben eine Orientierung.

Man muss sie dabei nicht zwangsläufig als unumstößliche Regel aus Gottes Mund verstehen, sondern schon die Bereitschaft, irgendeine Schrift als Inspiration zu verwenden, kann beim persönlichen Entscheidungsfindungsprozess helfen.

Manche Religionen haben einen vergleichsweise losen Rahmen und sprechen eher Empfehlungen aus, während andere auf göttliche Autorität pochen und sehr strenge Maßstäbe setzen.

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Führung und klaren Verhältnissen, fühlen sich in einem religiös konservativen Rahmen wohl.

Menschen die lediglich ihren eigenen Geist um neue Ansichten erweitern wollen, werden sich eher in liberalen Glaubensgemeinschaften wohl fühlen.

In beiden Fällen hilft ihnen die Religion.

Es wäre sicher schön, wenn alle Menschen weitsichtig, tolerant und charakterstark genug wären, um ohne äußere Führung ein selbstbestimmtes, verantwortungsbewusstes und zugleich rücksichtsvolles Leben führen zu können

So lange der Mensch noch nicht soweit ist, wird er sich Orientierung suchen und sie vielleicht in einer der verschiedenen Religionen finden.

Ich bin Buddhist und ...

Omg - das wissen wohl inzwischen alle 2 Mio. User dieser Platzform^^

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@Gegengift

Nur jene die sich nicht von Israelflaggen und langen Texten abschrecken lassen - beides kommt häufiger vor als gedacht. ;-)

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Wenn ich mal vom Christentum ausgehe, dann war das früher eine Art Lebensleitlinie. Einerseits gab es Halt und Hoffnung, auf der anderen Seite gab es Regeln vor, nach denen man zu leben hatte. Dies waren einerseits Regeln, die in jeder Gemeinschaft mehr oder weniger galten - nicht stehlen, nicht töten -  und andererseits Regeln, die sowohl Halt gaben, als auch einschränkten. Beides verhalt dem Leben aber zu Ordnung und Sinn. 

Nach und nach wurden diese Regeln in bestimmten Gemeinschaften immer einschränkender und weniger sinn- und ordnungsstiftend.

Heute sind viele der Regeln - ich meine nicht die 10 Gebote, sondern alles andere, was man als christliche Regeln ansehen könnte - überholt und passend nicht mehr zum modernen Leben. Zudem machen wir uns jetzt unsere eigenen Regeln, indem wir uns aussuchen, wie und wonach wir leben wollen, z.B. vegan, minimalistisch etc. - wie wir unser Leben mit Sinn füllen.

Mein persönliches Problem mit vielen Religionen ist die Angst, mit der gearbeitet wird: Man macht etwas aus Angst vor Fehlern. Man möchte "Gottgefällig" sein und tut daher etwas (nicht), das man eigentlich gern tun würde (z.B. als Katholik sich scheiden zu lassen oder wieder zu heiraten).

Ich denke, heute bringt es viel mehr, sich selbst seine Leitlinien zusammenzusuchen - in den meisten Fällen aus verschiedenen Glaubensrichtungen, Lebensphilosophien und Bewegungen. 

Das Problem mit "Gott, Religion und Kirche" - drei verschiedenen Aspekten - ist mMn, dass die meisten Menschen Leitlinien brauchen.

Sie sind unsicher und wollen Vorgaben haben. Wenn sie ohne Kirche und religiöse Vorgaben "an Gott" glauben würden, käme das einem Aberglauben gleich, bei dem sie immer unsicher wären, ob sie "richtig glauben". Auch mit Kirche sind viele unsicher und lassen sich daher leicht von extremen Vorgaben einlullen.

Ohne Zweifel sind viele Kirchen und "Kirchenmitarbeiter" viel mehr am eigenen Geld interessiert als an den Leitlinien der Religion.

Einfaches Beispiel: Ein Pastor verdient gut und behält im Regelfall das meiste für sich, er spendet nicht bis zum Anschlag für arme Gemeindemitglieder. Er feiert Weihnachten normalerweise alleine mit der Familie, nicht mit einsamen oder obdachlosen Gemeindemitgliedern. Er lässt Ehrenamtliche ohne Bezahlung in der Kirche arbeiten, auch wenn er weiß, dass einige davon am Existenzminimum leben. Er fährt in Urlaub und spendet das Geld dafür nicht für Menschen, die weniger haben als er.

Das ist alles normal und sollte niemandem vorgeworfen werden, zeigt aber, dass auch solche "Kirchenleute" mehr predigen, als sie oft selbst zu tun und zu geben bereit sind. Viele sehen den Job halt als Job - ja, sie sind religiös, aber nur bis zu einem gewissen Punkt bereit, sich aufuzopfern, auch wenn das in der Bibel oft gefordert/ gepriesen wird.

Dagegen gibt es viele nicht-religöse Menschen, die einen Großteil ihres Gehaltes und ihrer Zeit anderen spenden auf die eine oder andere Weise. Das kann man also tun, ohne einer Kirche anzugehören. Man kann ein Sinn erfülltes Leben führen, ohne einer Kirche anzugehören. Man kann beides aber auch auch tiefer Gläubigkeit, weil man einer Kirche angehört und sich den Glaubensleitlinien verbunden fühlt.

Nur ist die Kirche als Sinnstifterin und "Ordnungshüterin" heute nicht mehr zwingend nötig. Und darf auch mal kritisch betrachtet werden.

Leider werden aber zunehmend wieder im Großen und Kleinen "Glaubenskriege" geführt. Also wird die Kirche für Intoleranz und Gewalt instrumentalieisert - im Großen (Krieg) und im Kleinen (Streit, Intoleranz gegenüber Andersgläubigen).

Dafür müsste man sich sensibilisieren: Zählt am Ende nicht, was man tut und gibt, ohne zu frage, aus welchem Motiv (aufgrund welcher religiöser Leitlinien) man dies tut?

Ist nicht der Atheist so gesehen "besser", weil er wissentlich für sein Wohlgefühl wohltätig ist, während der Gläubige dadurch "bei Gott Punkte sammeln" will?

Das Problem ist, dass die großen Religionen von deren Glauben so schwer zu trennen sind, weil sie lange Zeit die Oberhand darauf hatten.

Die Kirche besaß die Bücher und die Mönche waren die wenigen, die diese lesen und schreiben konnten. Nicht nur der Glaube konnte Einfluss auf die Kirche nehmen, sondern auch die Kirche auf den Glauben.

Das Risiko ist hoch, dass der Glaube heute so ist, wie die Kirche ihn haben wollte. Willst du keiner Religion angehören, aber gläubig sein und als Basis deines Glaubens zum Beispiel die Bibel hernehmen, nimmt die (ehem.) Kirche doch wieder indirekt Einfluss auf dich.

Der Mensch ist leider auch nicht fantasiereich genug, um sich etwas komplett anderes auszudenken. Irgendwie hat Glaube doch immer etwas mit Gott, Geister oder anderen Formen von Transzendenz zutun.

Es bleibt einem nur die Wahl, etwas Vorgegebenes anzuerkennen oder sich etwas komplett Eigenes auszudenken. Denkst du dir selber etwas aus, musst du ein großes Selbsttäuschungsvermögen besitzen oder dich selbst schon für etwas sehr Besonderes halten, das auch noch als wahr anzuerkennen. 

Nimmst du den Glauben der Kirche (oder durch andere Institutionen beeinflusste Religionen) an, vertraust du darauf, dass sie keine Verfälschungen eingebracht hat.

Wenn du Teile der Bibel anzweifelst ist es genauso, wie wenn du die ganze Bibel anzweifelst, denn du bringst deine Willkür ein. Du bestimmst, was richtig ist und was falsch ist. Dieser Weg unterscheidet sich nicht von dem, sich komplett etwas Eigenes auszudenken.

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