Das 5. Gebot - aber alle essen Fleisch ...

87 Antworten

  • Das 5. Gebot meint erstens MORDEN und nicht TÖTEN. Es bezieht sich ganz klar erkennbar nicht auf jede Tötung, sondern auf willkürliches Morden. Direkt im Kontext der 10 Gebote gibt es genug weitere Gebote, die geradezu zur Tötung von Menschen und Tieren auffordern, z.B. "siehst Du eine Hexe, so töte sie", "liegt ein Mann bei einem Manne, so töte sie beide" und so weiter.
  • Die Tötung von Tieren wird im Alten Testament sehr regelmäßig verlangt, sei es als Opfergabe oder als Strafe für die Übertretung eines Gebots.
  • Das Alte Testement hat sehr ausführliche Nahrungsvorschriften und erwähnt ganz ausdrücklich, welche Tierarten gegessen werden dürfen und wie eine Schlachtung abzulaufen hat. Das Essen von Tieren ist für die Bibel absolut normal und richtig.

Ich glaube, Du verrennst Dich mächtig, wenn Du "töten" nicht korrekt als "morden" auslegst und nicht erkennst, dass sich das 5. Gebot ganz offensichtlich auf Menschen bezieht und nicht auf Tiere.

Das Gebot "Du sollst nicht töten" bezieht sich eindeutig auf Menschen. Das ist schon daraus ersichtlich, dass die 10 Gebote Teil der Thora sind und diese auch Speisevorschriften enthält, die sich auf eine omnivore Ernährung beziehen. Außerdem gibt es in der Bibel auch Szenen, in denen Fleisch und Fisch gegessen wird.

Trotzdem kann man mit dem Christentum für eine vegetarische Ernährung argumentieren, da ein wichtiger Leitsatz des Christentums die Gewaltlosigkeit ist, zu sehen im Gleichnis des barmherzigen Samariters oder im berühmten Spruch "wenn dir jemand auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm auch die linke hin." Natürlich kann man argumentieren, dass der Mord an einem Menschen eine andere Qualität von Grausamkeit hat als das Töten eines Tieres, um seinen Hunger zu stillen. Es kommt aber sicherlich darauf an, wie Leben und Tod des Tiers waren. Wenn jemand einen Fisch fängt oder einen kleinen Bauernhof hat und dort ab und zu ein Tier schlachtet, die Tiere aber mit viel Liebe groß zieht und das Fleisch dankbar annimmt und dazu verwendet, seinen und den Hunger anderer Menschen zu stillen und mit der daraus gewonnenen Energie ein gutes Leben führt, dann ist dieser Mensch wohl nicht als Gewalttäter einzustufen. Wenn wir uns aber die grausamen Zustände in der Massentierhaltung anschauen und auch die negativen Konsequenzen für Menschen in der dritten Welt, dann sind wir durch unser Kaufverhalten für viel Leid verantwortlich und können die Gewaltlosigkeit, wie Jesus sie fordert, für uns sicherlich nicht beanspruchen.

Darüber hinaus finde ich noch einen Punkt entscheidend und das hat mit der Gier zu tun. Fleischessen ist nicht unbedingt nötig, man bekommt auch sonst alle notwendigen Nährstoffe, jedenfalls in unserer Zivilisation. Das heißt, Fleischkonsum ist reiner Lustgewinn auf Kosten von Lebewesen. In der Bibel steht aber, dass man durch Lusterfüllung nicht glücklich wird und dass man sein Glück statt in den vergänglichen Genüssen des Diesseits lieber in Gott finden soll. Besonders ersichtlich wird das im Gleichnis vom verlorenen Sohn, als der Junge sein Leben mit Prassen verbringt und schließlich in der Hungersnot feststellt, dass das Prassen eine vergängliche Freude war und er das Glück erst durch seine Rückkehr zum Vater bzw. zum Glauben gefunden hat. Wenn man also sein Glück in seinem Glauben findet, dann kann man ja auf einige sinnliche aber schädliche Genüsse (ich wiederhole gerne noch mal, Massentierhaltung ist nicht nur für Tiere sondern auch für Menschen schädlich, auch für den Konsumenten dank Antibiotika, Hormonen und co.) verzichten. Wer einen sehr starken, haltgebenden Glauben hat kann gleich Vegetarier werden, ansonsten kann man zumindest den Fleischkonsum reduzieren und dafür ab und zu Biofleisch kaufen. Das ist in doppelter Hinsicht besser fürs Gemüt, weil er einerseits sein Glück aus seinem Glauben zieht und andererseits kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn er Gottes Schöpfung grausam behandelt.

Nun, um das zu verstehen, muss man die Religion etwas differenzierter betrachten. Das Gebot: "Du sollst nicht morden." steht da zwar scheinbar allgemeingültig da, aber es bezieht sich nur auf die eigene Gruppe.

Ein in der Menschheit weit verbreitetes Phänomen ist das Denken in den Kategorien "ingroup" und "outgroup" (auch unter "Schwarz-Weiß"-Denken bekannt), das einen respektvollen Umgang innerhalb der Gruppe und einen teilweise grausamen Umgang mit Gruppenfremden zur Folge hat. In vielen Religionen, wie auch im ursprünglichen Christentum, tritt diese Kategorisierung auf.

Das beste Beispiel ist Osama bin-Laden: Er war innerhalb seiner Gruppe ein sehr freundlicher zuvorkommender Mann, hat einen Großteil seines Vermögens gespendet und ähnliches; war also innerhalb seiner Gruppe ein Vorbild und hinsichtlich dessen auch aus unserer Sicht kein schlechter Kerl.

Aber gegenüber den Gruppenfremden (wie z. B. dem Westen) beschwor er den Tod, ließ Menschen umbringen, forderte die Zerstörung der westlichen Kultur usw.

Das selbe Phänomen liegt hier auch vor. Wenn da steht: "Du sollst nicht morden." so ist gemeint, dass man keine Gruppenmitglieder töten soll. Das gilt nicht für alle Menschen. Immerhin fordert Gott in Lev. 20.13 die Todesstrafe für Homosexualität, um nur ein Beispiel zu nennen, das dem Gebot scheinbar widerspricht.

Wenn also nicht einmal alle Menschen mit diesem Gebot gemeint sind, dann sind natürlich auch alle anderen Tiere (auch wenn man früher dachte der Mensch sei die "Krone der Schöpfung"; also kein Tier) ausgenommen und es stellt keinen Verstoß dar, Fleischzu essen.

Ich hoffe ich konnte dir helfen :)

Schönen guten Abend, das 5. Gebot sagt du sollst nicht töten. Warum essen dann 99% der Gläubigen Fleisch?

Der Christen? Würde ich nicht sagen. Ich denke es sind mehr als 1 % die verzichten. Darunter auch viele, die aus religiösen Gründen auf Fleisch verzichten.

  • Weil Religion als Kultur zur Konkurrenz anderer kultureller Einflüsse steht,

  • weil Bibeltexte nichts anderes als Interpretationen zulassen,

  • und weil Bibeltexte nicht Gottes Wort sind und somit keine universelle Wahrheit abbilden .. außer Fundamentalisten wissen das auch alles. Das bedeutet, dass die Bibel für viele eine Leitlinie ist - mindestens genauso entscheident ist aber der Kontext der Person, die diese Texte interpretiert.

Das Gebot bezieht sich auf die Tötung von Menschen. Der Mensch ist im Gegensatz zum Tier als Ebenbild Gottes geschaffen und mit Geist und Vernunft ausgestattet, was ihm erlaubt, auch Verantwortung für das eigene Tun zu tragen und einmal Rechenschaft vor Gott zu abzulegen. Tiere dagegen folgen ihrem Trieb und dienen einander zur Nahrung und Beute. Tiere sind zur Freude der Menschen erschaffen, aber auch - als Nutzvieh - zur Nahrung. Das ist ganz eindeutig in der Genesis zu lesen. Jesus selbst hat das Bereiten des Osterlammes für das Passah-Mahl angeordnet und davon gegessen.

Aber das heißt nicht, dass Tiere grundsätzlich "zum Abschuss freigegeben" sind und zum Objekt von sadistischen oder perversen Tötungsorgien werden dürfen. Der Mensch ist auch verpflichtet, gegen das Leid der Tiere zu kämpfen und entsprechende Produkte nicht zu kaufen, die zum sinnlosen Tod dieser armen Kreaturen führen.

Grundsätzlich gilt, dass wir Gottes Schöpfung nicht willkürlich zerstören dürfen - weder aus Lust, noch aus irgendwelchen Launen heraus. Zur Tötung von nicht-menschlichem Leben muss immer ein angemessener, rechtfertigender Grund vorliegen.. Aber diese Regelung gilt nur für Tiere, die einer biologisch höheren Gattung angehören - kein Mensch, der auf seinem Auto einen Aufkleber "Ich bremse auch für Tiere" kleben hat, würde für jede Fliege, die ihm vor seine Windschutzscheibe gerät, eine Vollbremsung machen. Insekten, die uns (vor allem im Haus oder sogar Schlafzimmer) lästig fallen oder sogar (wegen Krankheitsübertragungen) gefährlich werden, dürfen sicherlich genauso getötet werden wie kleine Einzeller, die Auslöser von Krankheiten sind.

Das fünfte Gebot bezieht sich nur auf menschliches Leben; dennoch ist leichtfertiges und grundloses Töten von Tieren ebenso wenig moralisch zu rechtfertigen wie das grundlose Quälen und Misshandeln von Tieren jeglicher Art (Insekten inklusive). Ich persönlich bin als Tierschützerin auch gegen das Hobby-Jagen und -Angeln und darf mir auch das Schlachten nicht vorstellen noch könnte ich ein Tier zum Schlachten abgeben (z.B. Hauskaninchen). Ich würde mir wünschen, alle Tiere dürften ein glückliches Leben führen. Ich habe eine naturgemäße Abneigung gegen Fleisch, doch kann man dies nicht allen Menschen gleichermaßen empfehlen. Nicht alle können vegetarisch oder veganisch leben und nach Gottes Willen ist das auch nicht nötig.

Ich würde mir wünschen, alle Tiere dürften ein glückliches Leben führen.

Fressen würden sie sich deshalb trotzdem, und die welche gefressen werden, wären dann immer weniger glücklich...

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