Astronomie studieren ohne Physik?

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Hallo Fraser174,

ja, das geht... aber Du wirst im Bachelorstudium viel als neu hören, was die, die Physik weitergeführt hatten, schon gehört haben. Das bedeutet schon einen Mehraufwand. Und das sollte man nicht unterschätzen.

Ich hab' in den 1980ern Abi gemacht. Damals gab es noch das alte System mit Leistungskursen und Grundkursen. Die Leistungskurse haben den Stoff erheblich vertieft durchgearbeitet. Entsprechend galt damals als ideale Vorbereitung auf ein Physikstudium die Leistungskurskombination Mathe + Physik. Und alle Komilitonen an der Uni hatten auch genau diese Kombi gemacht. Nur ich hatte Mathe und Deutsch gemacht.

Und ja, in den ersten beiden Semestern ist es mir deshalb oft so gegangen, dass ich ein Thema zum ersten Mal gehört habe, das die anderen schon kannten. Entsprechend waren die Grundlagenvorlesungen in Experimentalphysik für mich arbeitsintensiver als bei den anderen. Das war aber schon der ganze Nachteil.

In diesen Einführungsvorlesungen wird der gesamte Stoff wiederholt - wenn auch sehr viel schneller. Und auch vertieft. Es ist also nicht so, dass die anderen nicht genauso neu lernen mussten.

Sehr viel wichtiger als das ist, dass Du möglichst viel Kenntnisse in Mathematik mitbringst. Mathematik und Formeln an sich sollten Dich schon begeistern. Es sollte auch so sein, dass es Dir Spaß macht, wenn Dich ein Problem erst so richtig fordert und eben NICHT einfach zu lösen ist.

Gerd Binnig - immerhin ausgezeichnet mit dem Physiknobelpreis - hatte in Physik zum Beispiel auf der Schule nur eine Drei. Die kam aber, wie er gerne erzählt, daher, dass er immer zu faul war, Formeln zu lernen. Er hat sich in der Schulaufgabe eben alles selber hergeleitet... und wurde dann hinten raus nicht fertig. Sein Lehrer habe aber immer gesagt "Mensch, Gerd, wenn's richtig schwierig wird, dann biste auf einmal da..." - Und da musst Du halt einfach sehr selbstkritisch mal nachdenken, ob das bei Dir auch so ist... oder ob Dir die Physik wegen der Mathematik drin keinen Spaß gemacht hat. Dann wäre das eher nüscht.

Vorsicht: Quantenphysik ist NICHT der psychedelische Schmarrn, der auf esoterischen Webseiten als "und die Quantenphysik sagt das auch" verkauft wird. Also kein "alles ist mit allem verbunden"-Blabla... sondern eine mathematisch verd** harte Physik. Das ist nicht umsonst der Zeitpunkt, an dem nicht wenige das Handtuch werfen...

Mach' Dir klar, dass Physik ein langer und schwerer Studiengang ist. Das Arbeiten ist anders als an der Schule, wo in den Hausaufgaben praktisch nur wiedergekäut wird, was im Unterricht dran war. An der Uni hört man Vorlesungen, die den Stoff grob umreißen ... und muss sich die Anwendung des Gehörten anhand der Hausaufgaben selbst erarbeiten. Da fühlt man sich schon oft "ins kalte Wasser geworfen" und nicht nur zeitlich überfordert. - Das wollen die: Auch in der Grundlagenforschung muss man sich in ungelöste Probleme festbeißen. Man darf nicht gefrustet sein, wenn man keine Ahnung hat, wie man eine Fragestellung angehen soll. Das ist aber noch mal eine Qualifikation, die man da mitbringen muss, die wieder anders ist als die mathematisch analytische Abstraktionsfähigkeit, die man für die Physik selber braucht.

Zudem: Pflege Dein Englisch, indem Du zum Beispiel ein paar Fachvideos auf Englisch anschaust... gibt suuuuper Kanäle auf YouTube für Astrophysik. Englisch ist "die" Sprache der Wissenschaft und man hält praktisch alle Vorträge auf Englisch.

Physik studiert man genau dann, wenn man weiß, dass es einem sein Leben lang leid tun wird, es nicht gemacht zu haben. ;-)

Grüße

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Diplom in Physik, Schwerpunkt Geo-/Astrophysik, FAU

Danke!

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Das Astronomie-Studium fängt als Physikstudium an. Du brauchst Wärmelehre, Klassische Mechanik, Quantenmechanik, Chemie, Hydrodynamik, Informatik, Optik und Kernphysik. Wenn dich Physik nicht grundsätzlich interessiert, klingt das nicht nach einem geeigneten Studium für dich. Die Grundlagen sind wichtig.

Man muss allerdings nicht unbedingt in der Schule Physik belegt haben, denn man macht im Studium alles neu, allerdings viel gründlicher.

danke für die Antwort!

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@mjutu:

"man macht im Studium alles neu, allerdings viel gründlicher"

Sorry, aber das ist nicht viel mehr als ein altes Märchen ! Leute, die es immer noch verzapfen, sind manchmal solche, die denken, auf die Schulen könnte man sowieso verzichten und Krethi und Plethi gleich in die Hochschulen lassen. Ob aus diesen Menschen später "nützliche Glieder der Gesellschaft" werden, wage ich zu bezweifeln.

Wer z.B. in der Schule in einem Fach nicht aufgepasst und nicht wirklich aktiv mitgemacht hat, tut sich in einem nachfolgenden Studium (in diesem, aber wohl auch in anderen Fächern) deutlich schwerer. Und dazu kommt: wer in der Schule Probleme beim Lernen hat, erhält in der Regel auch Hilfe von den Lehrkräften, wenn er danach fragt. An der Hochschule kann man solchen Support in der Regel gleich vergessen.

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@rumar

Es ist aber so. Was willst du von Schulphysik im Physikstudium verwerten? Das hilft vielleicht über 3 Wochen, aber das wars.

Deshalb sehe ich das wie mjutu.

Leute die Physik abwählen sind aber daran oftmals desinteressiert. Daher ist das einmal kein gutes Vorzeichen...

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@michiwien22

Ich habe auch nicht behauptet, dass Schulphysik das Physikstudium praktisch schon "vorwegnehme". Aber ich behaupte mit Nachdruck: wer in der Schule sich für Physik (und Mathe und Sprachen) nie so richtig eingesetzt hat, wird mit 100% Garantie auch kein guter Physikstudent und kein guter Physiker !

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@rumar

Nein, das ist kein Märchen. Im Physikstudium wird die gesamte Mathematik und Physik der Schule nochmals ausführlich besprochen und erklärt. Wer also kein Physik in der Schule hatte, kann das trotzdem studieren. Das schon mal ansatzweise gelernt zu haben verschafft aber einen gewissen Vorteil von vielleicht 2 oder 4 Wochen Arbeit - also durchaus aufholbar. Wer also Chemie, Latein und Sport als Leistungskurse hatte, kann immer noch ein guter Physiker werden.

Weil man gleichzeitig mathematische und physikalische Grundlagen erlernt, kann man z.B. mit komplexer Algebra und Differentialgleichungen umgehen. In der Schule fehlten diese Werkzeuge und so bietet sich im Studium ein viel leichterer Zugang. In Mathe fängt man bei den Grundlagen an, die noch vor der ersten Klasse liegen: "Wenn man zwei Zahlen a und b hat, ist a entweder kleiner oder größer als b, oder gleich groß." Darauf aufbauend erarbeitet man ein weit aus größeres Fundament, so dass die gesamte Mathematik der 3 Jahre Oberstufe (meine Schulzeit liegt weit vor G8) in gerade mal 3 Doppelstunden umfassend abgehandelt werden konnte: Stochastik, Geometrie, Vektoralgebra, Differential- und Integralrechnung. Wenn man also Mathe in der Schule vernachlässigt hat, hat nach den ersten beiden Mathe-Nebenfach-Semestern überhaupt keinen Nachteil dadurch.

Wenn man aber in de Schule Physik schon abgewählt hat, weil es einem nicht liegt, ist das natürlich ein ernster Nachteil. Das schrieb ich ja explizit.

Meine Aussage hat überhaupt nichts damit zu tun, dass man "Krethi und Plethi" auf die Universitäten lassen sollte. Wer in der Schule nicht gelernt hat zu lernen und konzentriert zu arbeiten, wird auf der Uni verloren sein.

An den Unis bekommt man durchaus Hilfe von Übungsgruppenleiter und Mitstudenten. Es gibt Lern-Gruppen und Psychologen. Trotzdem kann man im Allgemeinen davon ausgehen, dass erfolgreiche Abiturienten die Fähigkeiten für ein Studium mitbringen. Das ist zwar nicht in allen Fällen so, aber ich kenne auch überraschend dumme und einfältige Promovierte.

Darüber zu urteilen, wer ein "nützliches Mitglieder der Gesellschaft" ist, halte ich für bedenklich.

wer in der Schule sich für Physik (und Mathe und Sprachen) nie so richtig eingesetzt hat, wird mit 100% Garantie auch kein guter Physikstudent und kein guter Physiker !

Das kann ich nicht bestätigen. Viele Menschen zünden erst später oder hatten furchtbare Lehrer. Hier eine "100% Garantie" zu geben, ist vermessen.

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@mjutu

"...so dass die gesamte Mathematik der 3 Jahre Oberstufe (meine Schulzeit liegt weit vor G8) in gerade mal 3 Doppelstunden umfassend abgehandelt werden konnte..."

sorry: das ist Schwachsinn

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@mjutu

Ich sehe das auch so. In der Mathematik konnte ich von meinem Schulwissen im Studium fast nichts verwerten. Hier ging es einfach um ganz andere Dinge.

Die Analysis wurde von der Pieke an aufgerollt, aber das war ein ganz andere Vorgehensweise als jemals an der Schule, wo es immer um Rechnen ging. Ich musste irgendwann feststellen, dass meine Rechenkünste abnahmen, je weiter ich mich mit der Hochschulmathematik beschäftigte. Während ich in der Schule ein Sammelsurium von Integralen und Lösungsmethoden beherrschte, war dieses Wissen kaum noch gefragt. Es ging z.B. nicht mehr darum, einen gegebenen Ausdruck zu integrieren, sondern um Existenzbeweise und Herleitungen von allgemeinen Sätzen. Zahlen als Rechenbasis kamen irgendwann kaum noch vor.

Das war Mathematik - wenn ich nun an die Schulphysik denke, so trifft das alles noch viel stärker zu. Was mir in der Schule über ein Semester lang an "Mechanik" vermittelt wurde, stand gerade mal als Einleitungstext im Skriptum. Wir konnten gar nicht so schnell schauen, als wir Lagrange und Hamilton Formalismus durchnahmen, die Eulerschen Gleichungen für den starren Körper kamen schon nach ca. einem Monat dran. Zu diesem Zeitpunkt war die Hörerschaft schon auf etwa die Hälfte geschrumpft. Danach gab es die Theorie der mechanischen Wellen, wo wir Eigenmoden gekoppelter Systeme exzessiv durchnahmen und wir erstmalig lernten, was Eigenwertsysteme und Orthogonalisierung bedeutet. Sowas gab es ich der Schule nicht mal im Ansatz und es hätte mir nichts genützt, hier etwas über F=m*a gehört zu haben, oder dass die Planetenbahnen Ellipsen sind, da das in einer halben Stunde abgehakt war bzw. sowieso streng hergeleitet wurde.

Wenn man mathematisch interessiert ist, reicht es - egal ob man einen Schulphysikkurs hatte oder nicht. Es ist einfach so.

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@rumar
sorry: das ist Schwachsinn

Du hast da eine sehr konkrete Meinung, die du allerdings mit keinem Argument belegst. Ich habe von meinen eigenen Erfahrungen berichtet und gehe davon aus, dass andere Physikstudenten das ähnlich erlebt haben.

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@mjutu

Ich spreche sehr wohl auch aus intensiver und langjähriger Erfahrung als Schüler, Student, Lehrer und Prüfexperte. Aber ich will hier keine langen Berichte schreiben, da sich Leute wie du wohl gar nicht davon überzeugen lassen möchten. Die hohen Austrittsraten unter Mathematik- und Physikstudenten sprechen jedenfalls nicht so sehr für die didaktischen Qualitäten von Hochschuldozenten (ich weiß, auch da gibt es gute Beispiele, aber sie sind leider nicht die Regel).

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@rumar

Die didaktischen Qualitäten der Hochschuldozenten oder Abbruchrate der Studenten war gar nicht das Thema der Frage oder meiner Antwort. Der Einwurf "das ist Schwachsinn" ist in der Tat nicht überzeugend, vor allem wenn er offensichtlich ein ganz anderes Thema betrifft.

Zur Abbruchrate: Wir waren im ersten Semester 200 Studenten. Es war das ausdrücklich erklärte Ziel der Professoren, die Zahl bis zum Vordiplom auf 30 zu reduzieren, die dann das Zeug für das Hauptstudium haben. Der Schnitt wurde in den Klausuren so gesetzt, dass diese Zahl erreicht wurde. "Didaktische Qualität" war dabei nicht relevant. Die Uni ist keine Schule und Pädagogik steht nicht oben auf der Liste der Prioritäten. Das widerspricht zwar den modernen Kenntnissen der Kognitionstheorie, nach denen das Lernen in dazu geeigneter Umgebung effizienter ist. Aber im Arbeitsleben ist das auch eher die Ausnahme. Mobbing, Leistungsdruck, Gewinnmaximierung - das Leben ist ein Schlachtfeld.

Der FS interessiert sich aber dafür, ob man erfolgreich Physik studieren kann, ohne es als Hauptfach in der Schule gewählt zu haben. Meine Antwort bleibt: Ja, das kann man, und zwar ohne bedeutende Nachteile. Gute Motivation, Lerneifer, Durchhaltevermögen und guter Kaffee sind wichtiger. Eine externe Finanzierung (Eltern, Bafög) ist auch im Allgemeinen förderlich.

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@mjutu

"Es war das ausdrücklich erklärte Ziel der Professoren, die Zahl bis zum Vordiplom auf 30 zu reduzieren"

Wenn du das mit den Unterschriften von einigen der Dozenten belegen könntest, die das so sagten, wäre das eine gute Tat gegenüber dem Staat, der einen solchen Leerlauf in den ersten Studiensemestern finanzieren muss !

(Die Folge wäre aber wohl, dass auch einige der Dozenten entlassen würden)

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@rumar

Die Professoren aus meinen Studienzeiten sind längst im Ruhestand. Das Grundstudium, also die ersten 4 Semester, sind billig. Die Zahl der Studenten bis zum teuren Hautstudium zu reduzieren ist also aus finanztechnischer Sicht sicherlich gewollt. Auf die Anzahl der Studienanfänger haben die Dozenten keinen Einfluss bei Fächern ohne Numerus Clausus. Dass nur etwa 30 Studenten übrig bleiben werden, wurde direkt und offen in der Einführungsvorlesung erklärt. Das ist sicherlich kein Grund für eine Entlassung.

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Ich glaube Physik hat eine hohe Abbruchrate, da viele Studenten das Lernpensum unterschätzt haben. Sie sind auch von dem hohen Anteil Mathe überrascht und überfordert. Wenn du schon in frühen Jahren der Schulzeit Physik abgewählt hast, ist das schon kein gutes Vorzeichen. Diese Fragen wurden schon oft gestellt.

Der Klassiker ist ebenfalls, dass viele die an den Sternen und Science Fiction interessiert sind, ein falsches Bild von der heutigen Astronomie haben und was da alles dazugehört und enttäuscht werden. Mit einem Teleskop in die Sterne schauen macht nur noch einen winzigen Teil aus.

erstmal danke für deine antwort.

Ich habe noch recht viel Zeit, um zu überlegen, ob ich wirklich physik/astronomie studieren will, da ich erst nächstes Schuljahr mein Abi mache.

Mich persönlich interessiert bei Science Fiction Filmen vor allem immer der physikalische/wissenschaftliche Hintergrung (Bsp Interstellar). Deswegen denke (hoffe) ich dass mein bild von der Astronomie richtig ist :)

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Im Prinzip ja, in der Praxis schwierig.

Es gibt in Deutschland kein Astronomie-Studium als eigenes Studienfach. Man muss zuerst das Grundstudium der Physik absolvieren und kann dann Astronomie als Teilgebiet der Physik studieren.

Deshalb braucht man unbedingt Physik für Astronomie.

Aber (positiv): In Deutschland ermöglicht das Abitur als Schulabschluss das Studium aller Fächer, auch der Physik. Du kannst also Physik studieren, obwohl du in der Schule Physik abgewählt hast. Prinzipiell möglich, aber - wenn ich ehrlich bin - sicher nicht leicht.

Und da das Physikstudium wirklich nicht leicht ist - Nach dem Vordiplom damals (heute etwa Bachelor) waren nur noch die Hälfte der damaligen Anfänger des Physikstudiums an Bord.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Ja, du müsstest dafür vermutlich (und solltest!) Physik studieren. Später kannst du dich auf Astronomie fokussieren. Einen Leistungskurs musst du nicht besucht haben. Vielleicht hast du es im 1. Semester etwas schwieriger, aber spätestens im 2. Semester sollten alle gleichauf sein.

ich habe physik komplett abgewählt :/ geht es mit der entsprechenden Motivation trotzdem?

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