Welche Vorgeschichte muss wohl passiert sein, dass ein hübscher Mensch der Überzeugung ist, hässlich zu sein?

Wurde er jemals gemobbt?

Das weiss ich noch nicht.

13 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo Rosenmary,

ich halte es sehr für möglich, dass es Ereignisse gegeben hat, die ihn in drastischer Weise diskriminiert haben, dass vielleicht die eine oder andere (körperliche) Fähigkeit defizitär ist.

Da kann z.B. permanentes Mobbing, gegen das er sich nicht hat wehren können, dem er auch nicht ausweichen konnte, eine Rolle gespielt haben. Auch kann er im Vergleich zu einem Freundeskreis recht häufig von Mädchen oder Frauen abgelehnt worden sein - beobachtet haben, dass die "Weiblichkeit" sich eher an die Freund als an ihn gehalten hatte.

Er sucht nach eine Ursache - und findet, dass er "hässlich" sein muss, da er ggf. wahrgenommen hatte, dass andere in seinen Augen attraktivere Leute eher Erfolg hatten.

Etwas ganz anderes - z.B. eine bestimmte Charaktereigenschaft - könnte ihn anders als die anderen gewesen sein lassen - und leider dann auch nicht so "selling" wie andere, wenn ich das mal so formulieren darf. Die Charaktereigenschaft muss nicht bewusst sein - und so sucht sich das Bewusstsein eine andere "offensichtlichere" Eigenschaft, wobei dies dann im Laufe der Zeit so unterbewusst wird, dass es schon als eine "Wahrheit" darsteht.

Da kannst Du mit behutsamem Coaching helfen, indem Du einen Gegenpol zu dieser falschen Wahrnehmung bildest: z.B. viele Komplimente, als gute Freundin eine Nähe, die mit der damals beobachteten gleich kommt oder bewusst noch näher ist.

Ferner sprecht in Eurer guten Freundschaft über sehr viel Gefühle. Vielleicht gräbt sich ja die wahre Ursache aus - und ist sofort eine seiner Stärken, die Dich selbstverständlich sofort anspricht. Dann darf die Stärke greifen - und die falsche Wahrnehmung gerät in den Hintergrund.

Das kann ein durchaus längerfristiger Prozess sein - doch nimmt er Deinen Freund an die Hand und führt ihn aus etwas heraus, in dem er nicht sein braucht.

Mit vielen lieben Grüßen
EarthCitizen

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – langjährige Lebenserfahrung und persönliche Anschauung

Hallo Rosenmary,

hab vielen herzlichen Dank für den Stern. Ich freue mich sehr, wenn ich Dir habe helfen können.

Mit vielen lieben Grüßen
EarthCitizen

1
Von Experten Rosenmary und DianaValesko bestätigt

Auslöser hierfür sind nach meinem Dafürhalten und nach meiner Erfahrung Situationen im Delta zwischen Entwürdigung bis zur Grenze auf menschlicher Ebene, Diffamierungen aller Art; Schmälern oder Nichtanerkennen der eigenen erbrachten (objektiv zufriedenstellenden oder guten) Leistungen, Vergleiche mit anderen (Geschwistern, Mitschülern, Nachbarkindern, Cousin/Cousine usw.) die angeblich in jeder Hinsicht alles besser können; dazu gesellen sich latent ausgedrückte aber für die meist sehr aufmerksamen Kiddies von klein auf spürbare Unzufriedenheit der Eltern und meist auch fehlende Möglichkeiten, Lob und Dank zu erhalten oder die fehlende Gewissheit vermittelt zu bekommen, dass man gut so ist, wie man ist und gern gesehen ist. Wenn Kinder so was jahrelang vermittelt bekommen, glauben sie es irgendwann - auch mangels eigener Erfahrungen, Vergleichswerte und Gedanken oder auch aus Angst gegenüber den Eltern oder auch Lehrern oder sonstigen einflussreichen Bezugspersonen, die erwachsen sind und "immer recht haben". Mir hat mein Opa auf anderer Ebene auch viel Mist (sorry!) teilweise auch über meine Herkunft und meine Mam erzählt, was ich ihm mangels Erfahrungen, aber auch aus gewisser Ehrfurcht bis vor wenigen Jahren noch fast blind geglaubt habe. Ich war zwar nie der Überzeugung hässlich zu sein und ja, ich halte mich inzwischen dank einem "Umstyling" zu Klamotten in denen ich mich wohlfühle auch für attraktiv, hoffe es klingt nicht arrogant - aber was ich damit sagen will: So was frisst sich rein und ist nur schwer aus den Köpfen rauszukriegen, oft noch nicht mal durch echte Erfolgserlebnisse - zumal die Eltern usw., wenn sie davon erfahren, so was sowieso gleich wieder "richtig stellen" und schmälern, oft wird einem auch erklärt, jedes freundliche Wort eines anderen Menschen sei geheuchelt und eigentlich machen sich alle über einen lustig und man sei auch nicht wohlgelitten, sondern im Grunde der Leo für alle und erfüllt nicht die Erwartungen der anderen.

Das meiste in der Hinsicht passiert ab frühester Kindheit und beginnt meist mit ca. 3-4 Jahren, das zieht sich dann so durch und man wächst damit auf, entwickelt kein Selbstwertgefühl bzw. die Meinung, sowieso unnütze zu sein und überspitzt gesagt noch nicht mal als schlechtes Beispiel dienen zu können - und so gibt eines das andere. Da liegen die Fehler zu 90 Prozent in der Erziehung. Die Grenze zwischen unhöflichen Bemerkungen und Mobbing/Diffamieren ist dabei wie Frischhaltefolie: Man sieht sie nicht, aber man spürt sie umso deutlicher.

Ein weiterer Faktor kann Mobbing sein: Das frisst sich rein und wenn da nix gemacht wird, kann das Selbstwertgefühl auch deswegen einen Knacks bekommen und solche Gefühle bewirken ------> nach dem Motto, ich werde zu Recht gemobbt, weil ich hässlich/dick/ein schlechter Schüler/ein Ausländer/ein Larry bin usw., und auch da kann man sich reinsteigern.

Kenne einige solcher Biographien - u.a. auch meine Freundin/Frau - der laut eigener Erzählungen immer vermittelt worden ist, dass man ihr böse war, weil sie ein Mädchen war und nicht der erhoffte Sohn nach zwei Schwestern und der in der Realschule und im Wirtschaftsgymnasium wohl oft gezeigt wurde, dass sie "nicht dazu gehört" aufgrund ihrer problematischen Verhältnisse zuhause und ihrer als lottelig bekannten Eltern. Dabei ist sie - für mich - eine brutal hübsche Frau und objektiv eine sympathische, liebe Erscheinung :-)

Entgegen steuern kann man dem nur mit viel Liebe, Ehrlichkeit, Geduld und Zeit. Vor allem Zeit ist wichtig, da man wirklich arbeiten muss: Meist sind solche Menschen auch sehr misstrauisch; ihnen wurde nicht selten vermittelt, dass sie für alles und jeden eine Belastung seien und deswegen auch nicht erwünscht. Jeder weitere Rückschlag wirkt dann wie ein Brandbeschleuniger.

Teilweise geschieht so etwas durch die Eltern, es kann aber auch wie angemerkt Mobbing ein Auslöser sein, ebenfalls das Umfeld in der Schule; es kann ein böser und gehässiger Lehrer sein, der gern austeilt oder irgendein Großhals, der zwar mehr oder weniger Sch... am laufenden Band erzählt, dem die Kiddies aber glauben, weil sie (noch) mehr oder weniger ahnungslos sind und er Einfluss ausübt. Ist das typische Szenario; geht wie gesagt meist in frühester Kindheit los und die Kiddies wachsen im Glauben auf, die größten Pflaumen zu sein, die sich auf der Erde rumtreiben und es überspitzt formuliert nicht wert sind, am Leben zu sein.

Dieses ganze "Erlebte und Erlittene" muss man erst mal aus den Köpfen rauskriegen. Geht durchaus auch über eine (gute) Gesprächstherapie wobei das aus meiner Sicht überbewertet ist und kein Muss; hilfreich kann ein guter Beruf im Einklang mit den eigenen Fertigkeiten sein oder auch ein gutes Umfeld, in dem die Eltern oder sonstige Wiedersacher keinen Zutritt mehr haben und in dem man selbst bestimmt, wen man in diese Zone lässt und wen nicht. So etwas gibt aus eigener Erfahrung ohne Ende Selbstwertgefühl - mit mir ging es auch erst richtig aufwärts, als ich meine Heimat verließ und mich nicht mehr mit Energiefressern abgeben muss, auf der Arbeit keine ehemaligen Mitschüler mehr als Kunde oder Kontaktperson in anderen Firmen habe, mit meiner Frau und meiner Mam und ein paar Leuten, die es gut meinen zusammen bin und Zwischengas geben kann. Vielleicht braucht das der Mann, den du schilderst und der sich auch in meinen Augen (bin Hetero) als durchaus adretter und auf Frauen sympathisch wirkender Mensch liest - ich stelle mir den grad bei einem schönen Spaziergang mit seiner Freundin oder auf einer Party vor; mit schwarzem Langarmshirt, Chino und Sneakers zu einer schicken Uhr (so ähnlich wie ich) vor, gelockert und entspannt; ein Lebemann mit gutem Herzen, der Zuversicht ausstrahlt - auch mal und sollte einen Ortswechsel anstreben in eine "Zone", in der ihn nix mehr an die Familie, diese materialistische Trutschel mit ihrem Hundegedöns und ihre Hühner auf der Stange erinnert. Da kommt er dann sicher zur Ruhe so wie wir auch.

Entschuldige bitte diese überlange Antwort, aber ich hoffe, ich konnte dir damit helfen.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Ich fand mich auch früher hässlich und hatte alles mögliche an mir auszusetzen.. Aber das lag an meiner Mutter, die mir das eingeredet hat. Nichts war gut genug. Aber wenn ich von anderen Leuten Komplimente bekommen habe, war sie plötzlich ganz stolz, weil ich bin ja schließlich ihre Tochter. Also total paradox das alles. Habe zwar seitdem ich den Kontakt zu ihr aus vielen Gründen abgebrochen habe, endlich ein Selbstbewusstsein, aber irgendwie sitzt das immernoch in mir.

Ich denke es muss bei diesem Typen auch was mit der Familie zu tun haben oder mit Mobbing. Mobbing kann auch aufs Aussehen abzielen, sogar wenn jmd gut aussieht. Hauptsache beleidigen. Rational ist Mobbing nie.

Das kann alles sein. Davon abgesehen sieht man sich selbst oft kritischer und mit anderen Augen als Außenstehende, vielleicht hat er etwas an sich was ihn selbst sehr stört.

Ich war als Jugendlicher lange einfach nur ein kleiner fetter Junge und das hat sich bei mir auch eingebrannt. Ich bin jetzt zwar eher groß und Muskulös und wohl objektiv sicher nicht hässlich, trotzdem ist das so eingebrannt das ich nicht hübsch bin....

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Aus langen Beziehungen, derzeit Bisexuell und ehem. Swinger

Was möchtest Du wissen?