Was ist mit der lateinischen Sprache passiert?

9 Antworten

Sprachen stehen nicht still, sie entwickeln sich weiter.

Latein hat sich verändert, und zwar zu zahlreichen romanischen Sprachen, z.B. Sardisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Rumänisch und anderen. Natürlich sind diese Sprachen alle kein Latein mehr, aber ihre Basis ist die lateinische Sprache gewesen, die sich in zahlreiche Dialekte aufgespalten hatte, welche sich lokal unterschiedlich weiterentwickelten.

Französisch hatte nicht nur Lautverschiebungen mitgemacht (z.T. waren diese so radikal, dass man den lateinischen Stamm kaum noch erkennt, z.B. aqua > eau oder schola > école), sondern auch ein paar keltische (gallische) Lehnwörter mitgenommen (z.B. ein paar Tiernamen, gallisch alauda = Lerche, cauannus = Waldkauz wurden zu alouette und zu chat-huant).

Spanisch stammt ebenfalls vom Latein ab, hier kamen einige interessante baskische Lehnwörter hinzu. Z.B. links = izquierda von baskisch ezkerra. Das entsprechende französische Wort (gauche) ist völlig anders.

Auch Rumänisch ist im Grunde ein modernes Balkanlatein, die rumänische Grammatik ist aber interessant, da sie agglutinierende Elemente hat (ähnlich wie die nicht besonders nah verwandte Sprache Albanisch). codru (Wald), codrul (der Wald) und codrului (des Waldes, mit 2 agglutinierten Elementen -l- und -ui). Auch hier gab es Lautverschiebungen, z.B. lingua > limba.

Sardisch ist wohl diejenige Sprache, die heute dem Lateinischen am ähnlichsten ist (eher noch als Italienisch). Während Französisch 44% Differenz aufweist (wie das berechnet wurde, weiß ich nicht), hat Sardisch nur 8% Differenz zu Latein.

https://en.wikipedia.org/wiki/Sardinian_language

Latein ist nicht wirklich "ausgestorben", sondern hat sich im Laufe der Zeit aus dem so genannten "Vulgärlatein" regional zu veschiedenen romanischen Sprachen entwickelt: Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Katalanisch, Rätoromanisch, Rumänisch u.a.

Überspitzt (und nicht ganz korrekt) könnte man sagen: Diese romanischen Sprachen sind "modernes Latein".

Man muss erst einmal unterscheiden zwischen "klassisches Latein" (das man in der Schule lernt!) und "Vulgärlatein". Häufig heißt es, Latein lebe in den romanischen Sprache weiter und deswegen sei es hilfreich Latein in der Schule zu lernen. Das ist im Prinzip aber Quatsch, da der Unterschied zwischen klassischem Latein und den romanischen Sprachen immens ist.

Latein ist "ausgestorben", da das römisches Reich untergangen ist, um es vereinfacht auszudrücken. In den neuen Herrschaftsgebieten haben sich die Formen des Vulgärlateins weiterentwickelt.

Du würdest dich auch nicht mit einem alten Germanen unterhalten können .. Sprachen entwickeln und verändern sich. Selbst das Deutsch in der DDR oder in Österreich hat sich in den 70 Jahren seit dem Krieg verändert, ich meine nicht nur die Dialekte sondern auch die Verwendung und Bedeutung mancher Worte.

Das Latein, dass bei uns in der Schule gelehrt wird und in der katholischen Kirche verwendet wurde und wird, ist dagegen eine eingefrorende Sprache, um nicht den Begriff "tote Sprache" zu verwenden. Es wurde schon zu Zeiten der Römer als Amtsspache in ganz unterschiedlichen Regiuonen eingeführt und war damit eine Sprache mit von oben diktierten Regeln. Die kleinen Leute werden in den Provinzen kaum Latein gesprochen haben. Das gleiche gilt später in der Kirche .. die Texte, die Verwendung der Begriffe und die Grammatikregeln haben sich nicht entwicklet, sondern standen fest. Und so hat Latein alle Europäischen Sprachen beeinflusst, hat sich als Sprache aber seit 2000 Jahren nicht mehr verändert.

Die Latiner, also die Einwohner der Region um Rom, haben dagegen die Sprache gesprochen und die hat sich in den 2000 Jahren zum heutigen Italienisch entwickelt. Wobei viele Volkabeln aus dem Lateinischen immer noch hilfreich sind, in italienischen Texte ein bisschen zu verstehen, worum es geht .. mehr aber auch nicht.

In diesem Sinne ist die Sprache 'tot', weil nicht mehr weiterentwickelt. Ist halt ein Unterschied, ob ausgestorben oder status nascendi (status quo? >> Spät-Latein).

Das ist die Ansicht von Nicht-Lateinern, weil sie die Verwendung und Zusammenhänge des Latein nicht verstehen.

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@Pauli010

Na ja, die Sprache ist "tot", weil sie nicht mehr gesprochen wird. Ein Ammenmärchen, das man häufig (auch von Lateinlehrern) hört, ist die Aussage, man solle doch Latein in der Schule lernen, da die romanischen Sprachen sich ja aus dem Latein entwickelten und man diese dann alle super einfache lernen könne. Das Problem: die Romania hat sich aus dem Vulgärlatein und nicht dem klassischen Latein der Schule entwickelt. :-)

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Da hast du falsche Ansichten.

Lies mal das Buch 'Latein - Mutter der europäischen Sprachen'.

Der intensivste Wortschatz mit über 1 Mio Wörtern besteht zu etwa 60% Latein: die englische Sprache.

Reines Latein (Unterhaltung, ganze Sätze) wird nicht zur verbalen Kommunikation mehr verwendet, jedoch bei historischen Texten wird Latein geschrieben.

So kann man nicht direkt von Aussterben sprechen.

Basis der romanischen Sprachen Italienisch, Rumänisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Räto-Romanisch.

Lehnworte in vielen germanischen Sprachen.

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