Was bedeutet"Familie ermöglicht soziale Platzierung?

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hi,- es ist leider eine traurige Tatsache und mittlerweile bis zum Überdruß auch wissenschaftlich-statistisch belegt, das die Legende vom"Schuhputzer zum Millionär" die extreme Ausnahme, keinesfalls aber die Regel darstellt.

Dabei stellt die Familie gleich auf zweifache Weise einen entscheidenden Faktor bei der Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen gesellschaftlichen Teilhabe des Kindes dar. Dabei gilt für Gesellschaften wie der unsrigen, das sozialer Status mit ökonomischer Situation eng verflochten sind.

1) Die eigene ökonomische Position der Familie ist in der Regel mit der erhöhten Verfügbarkeit von "Netzwerken", der erhöhten Verfügbarkeit von Bildungsmitteln für das Kind und erhöhten Durchsetzungsoptionen der Aufstiegsinteressen verbunden.

Einfaches Beispiel: Leider ist es der Normalfall, dass in schwierigen Schulsituationen des Kindes, bei denen die Eltern vielleicht sogar in AG's der Schule selbst als Sponsor oder Mitwirkender aktiv sind, der Lehrer von "normalen entwicklungsbedingten Verhaltensschwankungen" ausgehen und den freundlichen Meinungsaustausch mit den "gebildeten" Eltern suchen wird. Betrifft dasselbe Problem ein "Hartz IV-Kind" ist sofort der Schulpsychologe am Start.

2. Die Familie als psychosozialer Verbund wird durch ihre ökonomische Situation und damit durch ihre gesellschaftliche Position ebenso wesentlich in ihren Intra-psychologisch-soziologischen Strukturen und Grundlagen geprägt.

Einfaches Beispiel: Eltern, die beide Vollzeit arbeiten müssen und ggf. dabei Abends auch noch mit Existenzsorgen und/oder Überlastungssyndromen ihr Kind treffen, das am gleichen Tag aus einer standardmäßig billig-schlampig geführten Verwahrung einer Ganztags"betreuung" einer Ganztagsschule kommt .... muß ich da noch weiter ausführen um zu erklären wie die psychosoziale "Förder"situation des Kindes in seiner Familie ist? Und wie sollte dort eine Anregung für das Kind, sich die Welt zu "erobern" entstehen, wenn es tagtäglich nur abgekämpfte und für Gemeinschaftserleben und Empatie zu müde Eltern als Vorbild erlebt.

PS: Es geht eigentlich fast nie um diesen plakativen Unterschied zwischen "Hartz IV-Versagern" und "erfolgreichen" Eltern. Das ist eine stereotype Vorstellung.

Gruß

Super gut erklärt! Danke :)

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@yogiboy

;-) Gerne doch - was mit Kindern heutzutage unter dem Namen des Fortschritts passiert macht mich sehr betroffen / PS: Danke für's Sternchen. Manchmal sind Sterne ja auch Orientierungen im Dunkeln. Wenn das so funktioniert hat - - - dann bin ich jetzt auch ein bischen stolz auf mich. :-)

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Die soziale Ausgangssituation wird dadurch bestimmt, aus welcher Schicht man kommt, was einem die Familie mitgegeben hat.

Z.B. Wer in eine Milliardärsfamilie hineingeboren wird,  braucht nichts zu leisten, um vor Ort zu den Treffen der Leute, die etwas zu sagen haben, eingeladen zu werden. 

Wessen Eltern jahrelang Hartz IV bekommen, steht in großer Gefahr, auch arbeitslos zu werden.

Das ist die Bedeutung des Satzes. - Selbstverständlich gilt er nicht für alle Fälle. 

Vielen Dank !

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Ich wuerde es auch so sehen: Ein Findelkind muss sich auf sich selbst gestellt alles erarbeiten oder sich Bezugspersonen finden.

Ein Kind mit Familie bekommt die Kontakte, Beziehungen und Erziehung (!) der Familie zugute, dessen Erfahrung und Knowhow und nicht zuletzt Schulbildung und Startkapital.

Dies umso mehr, je "besser" die Familie ist und je mehr Wert sie darauf gibt.

Ich wuerde nicht sagen in der heutigen Zeit das Söhne von Multimilonären und reichen besonders gut gestellt sind. Viele wurden schlecht erzogen, wurden vernachlässigt und ihnen fehlt der Biss, da verweichlicht.

Das gilt vielleicht in England und Indien, wo extrem an Klassenunterschieden festgehalten wird, und nicht die Leistung zählt und Länder in denen sich glücklich schätzen kann, wer eine Schulbildung geniesst.

Dankeschön für deine hilfreiche Erklärung!

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