Sohn Selbstmord meines Bruders erklären?

22 Antworten

Gib ihm erst mal nur die Info. Warte, ob er Fragen stellt. Sage ggf. auf Nachfrage, dass der Onkel sich selbst getötet hat und dass ihr anderen Erwachsenen aus der Familie das auch noch nicht nachvollziehen könnt.

Die Frau, in die er verliebt war, hatte übrigens KEINE Schuld!

Man hätte ihn ansprechen können, hätte ihm Anlaufstellen geben können, hätte anbieten können, selbst mit ihm über seine Enttäuschung zu reden - aber du kannst und darfst niemanden zwingen, Liebe vorzuheucheln oder für jemanden da zu sein, mit dem er eigentlich nichts zu tun haben möchte, damit derjenige sich nicht tötet. Nicht derjeinge, der die Enttäuschung (unabsichtlich) verursacht hat, trägt die Verantwortung für den Gefährdeten, sondern man kann Alarmsignale erkennen und Hilfe organisieren. Du darfst keinen Menschen erpressen, für einen anderen da zu sein. Zu sagen oder denken oder anzudeuten, "wenn du dich nicht um ihn kümmerst, tötet er sich vielleicht" ist KEINE Option! Die Lösung lautet dann, denjenigen so aufzubauen, dass er auch ohne diese Person weiter Interesse am Leben hat.

Außerdem wisst ihr nicht, ob das der einzige Grund war, ob die Sache geplant war oder eine Kurzschlussreaktion. Depression kann vieles auslösen in einem Menschen. Manche sehen dann keinen Ausweg mehr. Es gibt Behandlungsmethoden gegen Depression, aber diese sollte nicht lauten "ich bleibe vorsichtshalber gegen mein Eigeninteresse für immer bei ihm".

Denkbar wäre jetzt, dass ihr den Hausarzt oder ggf, falls vorhanden, Therapeuten des Bruders bittet, ein Gespräch mit euch und eurem Sohn heute zu führen. Eventuell hat ein Arzt mehr Erfahrung oder Schulung in so etwas. Alternativ ruft einen Krankenhausseelsorger an und fragt, ob der mit euch so eine Sitzung heute machen kann.

Ist das jetzt eben erst passiert? Dann solltest du erstmal selber damit klar kommen, dich damit auseinander setzen und das verarbeiten.

Falls es schon länger her ist - warum sollte dein Sohn das jetzt erfahren?

So oder so, WENN du mit ihm darüber sprichst, dann sollte es die Wahrheit sein, das ist meine Meinung. Bei Kindern fährt man am besten, wenn man deren Fragen altersgerecht beantwortet. Also: Du erzählst, dass dein Bruder gestorben und du deswegen ganz traurig bist und fragst ihm, wie es ihm damit geht. So kommt ihr ins Gespräch. Und nur, wenn er nach dem "Warum" fragt, gibt es kleine Portionen altersgerechte Antworten, die immer nur genau die Frage beantworten - nicht viel mehr. Und das geht so lange, bis eben alle Fragen geklärt sind, die dein Sohn hat.

Selbstmord kann man niemandem wirklich erklären, denn die Gründe sind für alle anderen eben meist kein Grund aus dem Leben zu treten, weil es ja objektiv eigentlich immer mindestens einen anderen Weg gibt.

Mein Beileid.....Wenn sich alles genau so verhält wie du es geschrieben hast, solltest du dir ein paar Tage Zeit nehmen, um das selbst einigermaßen zu verpacken. Und wenn du dann mit deinem Sohnemann redest, Erzähle es ihm so wie es ist. Du musst bzw. solltest nicht in jedes kleine Detail gehen, aber Kinder in dem Alter sind nicht Dumm. Sie checken sehr genau ob du um irgendwas herum redest, etwas verschweigst oder du ihnen irgendeinen Mist Erzählst. In dem Alter haben sie sensiblere Antennen und sind weitaus Cleverer, als wir Erwachsene so gemeinhin glauben oder vermuten.

Abgesehen davon erfährt er es ohnehin mal. Also bleibe bei der Wahrheit. Druckse nicht herum und sage wie es ist, und wer oder wie dein Bruder war. Dein Sohn wird mit Sicherheit wissen wollen, warum sein Onkel das gemacht hat. Und auch das solltest du ihm sagen. Wie er sich das Leben genommen hat, musst du ihm nicht unbedingt Erklären. Es sei denn er würde auch diese Frage stellen. Benutze einfache klar verständliche Worte. Stelle dir vor wie du es dir gewünscht hättest, dass man dir so etwas in dem Alter sagt.

Du solltest ihm die Wahrheit sagen. Kinder verstehen sehr wohl, was das bedeutet, Kinder verstehen viel mehr als wir wissen oder glauben. Ich war sogar erst vier Jahre alt, als ich zum ersten Mal in Kontakt mit dem Thema Tod gekommen bin, auch wenn ich selbst nichts davon miterlebt habe. Damals ist der Vater meines Vaters an Krebs gestorben. Aber dennoch haben meine kleine Schwester und ich damals schon verstanden, dass er tot war und was das bedeutet. Sieben Jahre später ist dann mein anderer Opa gestorben, zu welchem ich eine viel stärkere Beziehung hatte. Damals habe ich gelernt, wie sich der schlimmste Schmerz anfühlt und dass es Leiden jenseits aller Vorstellungskraft gibt. Zumal im gleichen Jahr dann auch noch die Frau meines zuerst gestorbenen Opas das Zeitliche gesegnet hat, bei ihr waren es die Folgen ihrer Schlaganfälle.

Zufälligerweise bin ich übrigens selber Autist😂

Es ist wie gesagt besser, wenn du deinem Sohn die Wahrheit sagst, denn er wird es so oder so erfahren. Außerdem haben Lügen bekanntlich kurze Beine und gerade Kinder haken oft nach, wenn sie etwas nicht verstehen. Es gibt im Internet sogar Ratgeber zum Thema Kinder und Tod.

Ich würde mit einer minimalen Info anfangen. Er sollte schon wissen, dass sein Onkel tot ist.

Dann wird er von selbst fragen, was ihn interessiert. Du musst das Geschehnis nicht bis ins letzte Detail ausbreiten. Fragt er zum Beispiel, woran er gestorben ist, sagst du bspw. an einer Überdosis Medikamente (je nachdem, was passiert ist).
Wenn er fragt, wie das passieren konnte, sagst du, dass dein Bruder sehr traurig war.
Usw.

Mein Beileid für dich und deine Familie.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Kulturwissenschaften

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