Psychoterror im Studium?

6 Antworten

Zunächst mal: Ich fühle mit dir.

Ich erspare dir eine Predigt, dass ein Studium viel Eigeninitiative und Durchhaltevermögen bedarf, das hilft dir gerade nicht.

Ich bin Physiker, Biophysiker und arbeite darum teilweise in einem medizinnahen Umfeld also an Kliniken, mit Ärzten. Grundsätzlich kann ich bestätigen, dass in den Studiengängen, die ich kenne, also Physik, Mathe, Informatik und Biowissenschaften sehr großer Respekt den Studenten und Kollegen gegenüber vorherrscht.

Ich glaube dir aber sofort, dass es bei Medizin anders läuft. Mediziner sind aus unserer Sicht komische Vögel, die den ganzen Tag im Laborkittel rumlaufen um dich abzuheben, die ein paar Seiten Papier Doktorarbeit nennen und schwache Leistungen in ihrem kleinen Physik-Praktikum liefern. Würden wir etwas davon offen äußern um uns besser zu fühlen? Natürlich nicht.

Aber ernsthaft, das Medizinstudium ist verkrustet und altmodisch, fördert Einzelkämpfer und Ellenbogenmenschen und du bist in dieses System reingeraten.

Sicher hast du schon einen Wechsel zu Biologie o.ä. erwogen, den nc hast du ja offenbar. Ich würde dir aber gerne Mut machen, dass es besser wird. Auch als Mediziner kannst du in die Forschung gehen und dort geschätzt werden, falls dir der Klinikalltag letztlich missfällt. Dazu kommt, dass man die Angst vor Blamage und öffentlichem sprechen schnell ablegt, wenn man etwas Praxis darin bekommt.

Ich hoffe du findest deinen Weg.

Hi, dein Problem kenne ich. Du kommst mit der mündlichen Befragung nicht klar. Auch sich präsentieren, eine Präsentationsprüfung leisten gehört dazu und könnte bei dir schwierig laufen, weil du dann aufgeregt bist. Diese mündlichen Prüfungen sollen dich auf deinen Job vorbereiten, wenn du jeden Tag etwas mit Patienten zu tun hast und dich präsentieren musst. Du musst dann sehr selbstbewusst und redegewandt sein. Wenn es dir schwer fällt, solltest du dir überlegen ob der Beruf etwas für dich ist. Es gibt weitere Studiengänge die abverlangen, dass man sich präsentiert wie z.B. Jura oder Lehramt. Anwälte und Lehrer haben viel mit Menschen zu tun und müssen selbstbewusst auftreten.

Anders ist es, wenn du Informatik studierst. Da sitzt du am Ende vor dem Computer und programmierst den ganzen Tag.

Also ich hatte auch so ein Problem wie du, bzw. Habe es immer noch. Und nun mache ich einen Master in einem Beruf, wo ich später nur noch im Büro sitze. Ich habe nur schriftliche Prüfungen. Ich habe mein Problem erkannt und gemerkt, dass Berufe mit viel Menschenkontakt nichts für mich sind und ich dabei schnell ausbrenne.

Ich hoffe das hilft dir weiter.

Ansonsten hab ich momentan noch einen Nebenjob mit bisschen präsentieren und ich bekam letztens eine Panikattacke deswegen und konnte nicht mehr reden. Ich versuche nun, das Wichtige auf Karteikarten zu schreiben und notfalls abzulesen und vorher viel zu üben.

Lg

Hallo Elene8,

vielen Dank für deine Antwort. Tatsächlich ist es aber bei mir ein wenig anders als von dir beschrieben. Vor mündlichen Prüfungen oder Präsentationen bin ich immer sehr nervös, damit hast du recht. Allerdings meistere ich sie in der Regel mit Bravour. So hatte ich in der Schule in Referaten nie etwas schlechteres als 13 Punkte. Und auch jetzt in der Uni wurden wir in Anatomie 1 (Bewegungsapparat) mündlich geprüft und auch diese Prüfung habe ich bestanden. Solange ich mich gezielt vorbereiten kann, ist "alles gut". Sobald ich aber keine Ahnung habe, wann ich wie über was abgefragt werde, ist es eine Katastrophe. So sind nicht mündliche Prüfungen/Präsentationen mein Problem, sondern UNANGEKÜNDIGTE Prüfungssituationen vor vielen Leuten.

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@Whbabbwtisacoal

So wird es aber im Joballtag ablaufen: du musst spontan auf alles reagieren und dich 8 Stunden präsentieren. Du musst dein Wissen trotz Stressituation abrufen. Damit wollen sie testen, ob du immer noch leistungsfähig bist. Ein Referat in der Schule ist nicht vergleichbar mit einer mündlichen Befragung im Studium. Hier geht es nicht mehr darum auswendig Gelerntes aufzusagen, sondern die Inhalte vorzuleben. Du wirst keine Zeit haben alles auswendig zu lernen bis du es im Schlaf beherrscht.

Ein bisschen habe ich auch den Eindruck in deinem Studiengang wird selektiert. Achte mal darauf und rede mit deinen Prüfern.

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Leider weiß ich nicht, wie es in Medizin aussieht, in MINT-Fächern ist es aber genau so, wie du es dir vorstellst: Man wird nie vom Dozenten oder Tutor drangenommen (schon gar nicht unaufgefordert!), einerseits weil da auch diese Befürchtung da ist, die Studenten möglicherweise bloßzustellen, andererseits weil schlicht die Zeit dafür nicht ausreicht. Es sitzen leider häufig Studenten in allen möglichen Veranstaltungen und verstehen nur Bahnhof, da wäre es für sie sehr unangenehm unaufgefordert aufgerufen zu werden...

Wie läuft es denn bei deinen Kommilitonen? Hast du den Eindruck, nur du hast mit dem Vorgehen der Dozenten ein Problem oder trifft es auch andere ungünstig? Wäre es vielleicht eine gute Idee das Problem mit so etwas wie einem Studienberater zu besprechen? Oder mit einem Tutor, falls es bei euch Tutoren gibt?

Hallo PhotonX,

da klingen die MINT-Fächer aber toll! Habe auch schon von vielen anderen Studiengängen gehört, in denen es "normal" zugeht. So wie man sich die Uni eben vorstellt.

Allerdings möchte ich ja Medizin studieren um Ärztin zu werden. Ein Wechsel in einen anderen Studiengang ist dementsprechend eigentlich keine Option.

Mit den Kommilitonen sieht es wie folgt aus: Es gibt selbstverständlich einige Überflieger, die für die Medizin leben und es lieben ihr Wissen vor anderen zu präsentieren. Viele finden die Umstände wie ich selbst nicht schön, doch gefühlt hat niemand so ein großes Problem oder so eine große Angst wie ich.

Wie schon erwähnt ist mir bewusst, dass ich vorbelastet bin und deshalb so "empfindlich" reagiere.

Die Studienberatung befindet sich an einem anderen Campus und ich finde unter dem ganzen Lernen wirklich nicht die Zeit dort hinzufahren. Unser Dekanat ist eine Katastrophe. Als ich anrief, kurz vorm Nervenzusammenbruch, um zu erfragen, wie es ist, sein Studium um ein Jahr zu verlängern, wurde mir nur um die Ohren gehauen, wieso ich dann überhaupt Medizin studiere und dass ich doch lieber abbrechen soll. Tutoren haben wir nicht wirklich. Allerdings gibt es eine Art Seelsorgetelefon des Fachbereichs Psychologie. Vielleicht rufe ich dort mal an.

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@Whbabbwtisacoal

Im 2. Semester schon kurz vorm Nervenzusammenbruch? Vielleicht kann dir ein Therapeut helfen.

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@Whbabbwtisacoal

Hmm, kompliziert... Gibt es bei euch denn so etwas wie eine Fachschaft? Vielleicht haben die Leute dort einen guten Tipp? Sind ja auch Studenten, nur eines etwas höheren Semesters.

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Im Studium ist es normal, dass man sehr viel selbstständig vor- und nachbereiten muss. Viel mehr als jemals zuvor in der Schule. Und sogar in den wichtigen Klausuren gilt dann nicht mehr "Aber das war in der Vorlesung doch gar nicht dran!". Nee, da wird halt verlangt, dass man auch die kleine Randnotiz, die der Dozent im ersten Semester in der zweiten Vorlesung gemacht hat, nachschlägt, nachbereitet und somit das Thema kennt...

Wenn du aber solche Angst davor hast, vor anderen "ausgefragt" zu werden, solltest du wirklich dringend mal an den nächsten Schritt denken und dir überlegen, ob du dem Arztberuf überhaupt gewachsen bist! Stichwort Visite, Stichwort Patienten mit Doktor Google. Und ja, der hierarchische Aufbau bleibt auch weiterhin so bestehen im späteren Beruf und wird eher noch schlimmer, wenn dann die "Mitstreiter" plötzlich auch noch zu Konkurrenten werden, wenn es um die Karriere geht... Mal ganz abgesehen davon, dass auch ohne diesen ganzen Kram der Beruf eine maximale psychische Belastbarkeit erfordert, wegen der hohen Verantwortung, die man dort tagtäglich übernimmt.

Also, überleg dir ganz genau, ob du für dich eine Chance siehst, dein Problem in den Griff zu bekommen und dich mit den Gegebenheiten zu arrangieren - oder ob du dich nicht doch lieber schnell noch für einen anderen Studiengang und Beruf entscheiden möchtest!

Hallo HappyMe1984,

ich kann deine Meinung verstehen und auch nachvollziehen, allerdings finde ich es doch auch ein wenig schade. Schließlich ist es etwas völlig anderes einen Patienten auf Visite GEZIELT vor zwei Personen vorstellen zu müssen, als plötzlich mündlich über Hinz und Kunz vor 80 Leuten abgefragt zu werden, trotz dass die Leistungskontrolle eigentlich erst in einem Monat stattfindet. Auch die psychische Belastbarkeit des Berufs des Arzts hat mit meiner Frage wenig zutun. Ob ich mit Tod und Verlust umgehen kann setzt sich schließlich nicht mit meinem Umgang mit Blossstellung gleich.

Ich habe bereits das dreimonatige Pflichtpraktikum im Krankenhaus abgeleistet und auch mehrere Male in Arztpraxen ein Praktikum gemacht. Dort stelle ich jedes Mal aufs neue fest, dass es mein absoluter Traumberuf ist und der Beruf verhältnismäßig wenig mit dem Aufbau des Studiums zutun hat.

Vielen Dank dennoch für deine Antwort.

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@Whbabbwtisacoal

Auch im Arztberuf wirst du schnell und aus dem Stehgreif Fragen beantworten können müssen. Und ja, auch mal zu Themen, von denen du eventuell nur marginal Ahnung hast. Angst davor, nicht alles perfekt zu wissen bzw. eventuell vor den Anwesenden zu "versagen", passt einfach nicht dazu.

Und du sprichst ja bereits in der Überschrift deiner Frage von "Psychoterror". Das klingt massiv dramatisierend in Bezug auf das, was dann folgt. Auch keine besonders gute Voraussetzung, um den massiven psychischen Belastungen des Arztberufes, die weit über "den Umgang mit Tod und Verlust" hinausgehen, standzuhalten...

Wenn es also dein Traumberuf ist und du unbedingt dabei bleiben willst, arbeite an deinem Problem! Such dir dafür professionelle Unterstützung. Werde "stabiler". Lerne, mit persönlichen Niederlagen besser umzugehen, dich mehr zu trauen. Das sind enorm wichtige Aspekte in diesem Beruf!

Übrigens, unangekündigte Leistungskontrollen waren zu meiner Schulzeit in Thüringen (Abi 2003) absolut üblich. So sehr wir sie gehasst haben - anscheinend waren die wohl eigentlich trotzdem eine ganz sinnvolle Vorbereitung auf Studium und Leben ;).

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Und mein Lebensziel war es,Ärztin zu werden.Der Studienplatz ist am NC gescheitert.Wenn ich das jetzt so lese!!!Ich habe aber das ganze Studium meiner Kusine mitverfolgt ,mittlerweile hat sie eine eigene Praxis.Sie berichtete auch in der Art,betonte aber im wieder,nach dem Vorklinikum ändert sich alles.

Hallo Heinemann208,

das tut mir sehr leid zu hören. Wir haben auch viele, die an die 12-13 Jahre auf ihren Studienplatz gewartet haben. Nur weil ich ein gutes Abitur habe, werde ich schließlich nicht automatisch eine gute Ärztin.

Danke für den Erfahrungsbericht deiner Cousine. Habe ähnliches gehört und versuche mich bis zum Physikum durchzuquälen.

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