Habt/Hattet ihr in der Schule eine Art "Bande"?

Das Ergebnis basiert auf 22 Abstimmungen

Ja, und zwar... 86%
Nein 14%

12 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Ja, und zwar...

Der Wunsch irgendwo dazuzugehören, teilt jeder Mensch. Schmerzhaft wird es, wenn ein Mensch sieht, dass er zu Menschen, die er sympathisch finden würde, nicht dazu gezählt wird.

Nicht dazuzugehören, kann so schmerzhaft für einen einzelnen sein, dass er anfängt, eifersüchtig zu sein. Und hier gilt wieder: Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schaft.

Anfang der Mittelstufe hatte ich keine feste Bande/Freundeskreis, ich hatte aber schon die Leute, mit denen ich auf dem Schulhof immer zusammen hing. Dagegen hatte ich eine Jugendgruppe (DPSG.de), in der wir uns wöchentlich trafen, und eigene Projekte planten und realisierten. Neben den Spielen, die wir ansonsten auch noch gespielt haben.

In der Oberstufe ergab es sich, dass einige Personen mit gemeinsamen Interessen öfter zusammen standen, sich dann auch verabredeten, und Aktion planten. Ein loser Kontakt zu Mitgliedern aus dieser Gruppe besteht noch heute. Diese Gruppe hat sich aber auch nie als geschlossen verstanden, so kam es, dass auch immer wieder vereinzelt andere Personen mit dabei waren. Es gab kein formelles Gründungsmanifest, und die Gruppe wurde nie formell aufgelöst.

Ich wünsche allen Menschen immer wieder Gruppen, denen sie sich zugehörig fühlen, die Mitglieder haben, mit denen sie sich verstehen, mit denen sie sich immer wieder gerne treffen.

[Edit: Getrenntschreibung korrigiert.]

Nein

In meiner letzten Schule hatte ich ca. 80 Schulfreundinnen 😂😂. Also somit nicht Teil einer kleinen Gruppe. Einfach von vielen Klassen viele andere Frauen, mit denen ich mich freundschaftlich verstand.

Also für mich war es in einem Monat in der Schule schon möglich, mit allen meiner Schulfreundinnen tiefe Gespräche zu führen. 🤣 Halt manchmal so mit vielen anderen Frauen gleichzeitig die Mittagspause verbracht.

Ja, und zwar...

Ich war als Jugendlicher und junger Erwachsener Mitglied einer Gothic-/Emo-/Manga-Clique, wir sind immer noch befreundet, leider ist der Kontakt nicht mehr ganz so intensiv weil wir nicht mehr in der selben Ecke wohnen, aber es sind sich alle treu geblieben und man ist immer noch befreundet. Ich trug zwar nie die typischen Outfits, mental sind wir aber immer noch auf der selben Ebene und die Subkultur ist bei uns, wenn wir uns treffen, auch noch immer existent, obwohl sich keiner mehr so anzieht (wir sind alle in den 30ern). Es hat mich damals auch indirekt schon geärgert, dass einer aus der Stufe oft behauptete, er sei ein Emo, dabei war er einfach nur Mainstream und hatte mit uns, die das Ganze schon i.wie aus tiefer Überzeugung lebten, nichts gemeinsam. Er hätte auf die Frage, was einen Emo oder Gothic oder Manga ausmacht wahrscheinlich keine Antwort geben können.

Wir kamen zusammen, als ich in der Pause mal sah, dass einer den EMP Katalog dabei hatte, den ich auch super fand. Wir tauschten uns darüber aus, schnell merkte man, dass wir auf einer Wellenlänge sind und ich war zuerst mal zum Grillen eingeladen und dann dabei. Der Umgangston war wertschätzend, ehrlich, tolerant, liebevoll ... es fiel nie ein böses Wort, bis heute nicht!

Die Emo-Kultur bedeutet sowieso viel mehr als nur "was gemeinsam machen" und geht viel tiefer als oft gedacht, bei uns gehörte vor allem Toleranz dazu und sehr tiefe Gespräche über Gesellschaft, Religion, Gefühle, einfach alles ... und die Atmosphäre war, auch weil wir oft unter uns waren, immer zutiefst freigeistig und offen.. wir stammten alle durchweg aus Problemfamilien; meine Situation (ich wuchs bei meinem Opa auf) war noch die Harmloseste. Wir haben mit ganz geringen Mitteln viele tolle Sachen gemacht, von Partys über Grillabend bis Fahrradtour oder so, es war immer schön. Einer für alle, alle für einen :-)

Damals waren längere Haare, dunkle Frisuren, bei den Mädchen dunkle Schminke, eher dunkle Kleidung oder auffällige Manga-Outfits und teilweise auch Schmuck "optische Erkennungszeichen". Ich rannte eher mit schlabbriger Cargohose und meist "Kurzarm über Langarm" rum so wie heute, das war optisch eher so mainstreamig bis leicht "grungemäßig", aber auch das wurde optisch von denjenigen, die Jeans trugen, immer in die Emo-Ecke gestellt.

Das war für mich eine sehr prägende und schöne Zeit. Auch musikalisch natürlich - aber vor allem durch diese ganz besonders tiefe Form von Wärme, Geborgenheit, ehrlicher Freundschaft und Zusammenhalt. Ich freue mich immer, wenn ich heute Emos, Gothics oder Mangas sehe und denke mir... soooo schön, dass es das noch gibt; wir waren damals ganz genauso wie ihr jetzt seid ;-)

Man konnte und kann immer über alles reden und wusste, die anderen interessieren sich dafür und fühlen mit. Man hat sich permanent in allem gegenseitig getragen und gestützt, egal was war, ob es in der Schule Kummer gab oder in der Ausbildung was vorfiel oder ob man daheim Ärger hatte oder einen Todesfall oder ob jemand krank war und Hilfe brauchte - ich bin auch mal mit einem aufs Arbeitsamt als Begleiter, weil er als Jugendlicher nach einem dummen Erlebnis große Angst vor weiteren Gesprächen mit dem Berufsberater hatte; ich habe mir dann in der Ausbildung einen Tag freigenommen, um den Freund zu begleiten und dann mit ihm in ein Café zu gehen - zumal er das Gleiche sofort für mich gemacht hätte. Das war so typisch für diese Clique, das hätte jeder für den anderen gemacht. Und man war total vorurteilsfrei gegenüber anderen, auch wenn sie anders dachten und handelten wie wir oder uns belächelt haben. Der Zusammenhalt war enorm und ist es immer noch, ich bin aber inzwischen umgezogen und wir sehen uns leider nicht mehr so oft.

Wenn ich heute Jugendliche bzw. junge Erwachsene sehe, die optisch in die Emo-/Gothic-Ecke gehören (gibt's durchaus immer noch), dann denke ich mir immer leicht gerührt ... ach schön, dass es das noch gibt & ich freue mich innerlich irgendwie total, weil ich dann an diese tolle Zeit damals zurückdenke und an den unerschütterlichen, ehrlichen Zusammenhalt und diese Wärme, die man spürte und ich freue mich auch für diejenigen, weil ich mir vorstelle, dass sie sich so getragen fühlen von der Gruppe wie ich bzw. wie wir damals.

Ich hatte bis vor einigen Wochen (leider hat sie den Arbeitgeber gewechselt, weiß der Kuckuck warum.. ich find's so schade) auch eine etwa gleichaltrige Kollegin einer anderen Abteilung, die der Szene zugehörig ist und zwischen uns war irgendwie gleich so eine Verbindung da, obwohl wir uns optisch so gar nicht viel geben - sie rennt auch auf der Arbeit entsprechend herum und ich bin halt derjenige, der mit Sakko, Hemd und Koffer kommt. Aber menschlich ist da ganz viel Gemeinsames vorhanden, wir haben es schnell gespürt. Es ist so ... frei und ... ich weiß nicht, irgendwie besonders. Sie strahlt so viel Liebe, Güte, Wärme, was auch immer aus - obwohl sie auf den ersten Blick fast abweisend aussieht. Man kann mit ihr lachen und weinen ... und eine auf den ersten Blick leicht verstörende Frau mit lila-roten Haaren, hat mich anfangs aus ähnlichem Grund auch überfordert, bis ich merkte, die ist in Ordnung, das könnte was fürs Leben werden. Wenn man es genau nimmt, ist sie heute die private Zweier-Fortsetzung meiner damaligen Clique.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung
Ja, und zwar...

Ich war in der 4. Klasse der Anführer einer kleinen Bande. Wir haben damals abgesprochen, dass wir - wenn wir Erwachsen sind - eine Geheimagentenorganisation gründen. Unsere Kommandozentrale war der verbotene Speicher, in dem Festbänke und Weihnachtsdekoration herum stand.

Da wir dort nicht rein durften, haben wir hinter einem Container herum gelungert und gelauert, bis die Pausenaufsicht vom Schulgebäude entfernt war. Dann sind wir in das Zimmer der Klasse 1 c reingeklettert, weil die Lehrerin nie das Zimmer abgeschlossen hat.

Dann mussten wir uns noch am Hausmeister vorbei schleichen, um zum Treppenhaus zu gelangen. Das war immer sehr spannend.

Oben angekommen, haben wir Yu-Gi-Oh, Gameboy Advance, Nintendo DS (meist Mario Cart), Klatscher (Fußballkarten umdrehen), Schere-Stein-Papier mit Körperstrafen, Wahrheit oder Pflicht, Münz-Fußball, Uno oder Ochserles (ich hoffe ich schreibe es richtig) gespielt. Auch das Mickeymaus-Heft wurde oft mitgenommen oder kleine Billig-Gameboys aus dem Happy Meal, außerdem rauften wir viel.

Das Zahlenschloss an der Speichertür war primitiv und machte bei der korrekten Zahl immer ein leichtes "Klick". Die Kombination war 7-3-6-9. Das werde ich nie vergessen.

Manchmal gab es auch Schlägereien auf dem Schulhof. Das waren dann die Momente, in denen unsere Clique schlecht zusammen hielt.

Privat hat es auch nie funktioniert, da unsere Eltern sich gegenseitig hassten. Das hat die Bande schlussendlich zerstört.

Schade.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung – Gewerkschaftsmitglied ✊🏼
Ja, und zwar...

Ich bin komplett gegen Clubs und Banden. Das ist immer eine geschlossene Gruppe, die konkret Menschen abweist. Sowas wird nur gemacht, um sich selber zu erhöhen oder andere zu mobben.

Ich wurde gemobbt, als ich kein Mitglied mehr davon war.

1