Beginn und Ende der Weihnachtszeit?

16 Antworten

Der Aufbau des Kirchenjahres, also auch Beginn und Ende der Weihnachtszeit, sind in der "Grundordnung des Kirchenjahres und des neuen Römischen Generalkalenders" (Normae universales de anno liturgico et de calendario) von 1969 geregelt. Dort heißt es unter Abschnitt "Die Weihnachtszeit" (De tempore Nativitatis) hierzu:

"Die Weihnachtszeit reicht von der ersten Vesper der Geburt des Herrn bis zum Sonntag nach Erscheinung des Herrn bzw. dem Sonntag nach dem 6. Januar einschließlich." (GOK Nr. 33)

Zur Erläuterung:

  1. Die Weihnachtszeit umfasst zwei Feste, die aufs engste miteinander im inneren wie äußeren Zusammenhang stehen: Weihnachten als eigentliches Geburtsfest Christi (25. Dezember) und Erscheinung des Herrn (6. Januar). In der frühen Kirche wurden die Geburt und das offenbarende Erscheinen Christi in ein und demselben Fest gefeiert, jedoch mit verschiedenen Festdaten: In der Westkirche (als erstes in Rom) seit der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts am 25. Dezember, in der Ostkirche (als erstes in Alexandrien) seit etwa derselben Zeit am 6. Januar. Schnell kam es zu einem gegenseitigen Festtausch: Der "Osten" übernahm den 25. Dezember, der "Westen" den 6. Januar. Das weihnachtliche Festgeheimnis von Geburt und Erscheinung Christi wurde auf zwei weihnachtliche Feste aufgeteilt. In der ostkirchlichen Tradition wird als Erscheinung (Epiphanie) seit jeher der Taufe Christi im Jordan gedacht. In der Westkirche ist dies etwas anders. In dieser Tradition wurde ebenfalls der Festinhalt von Epiphanie aufgeteilt: Am 6. Januar, dem Hochfest Erscheinung des Herrn, steht die Huldigung Christi durch die Sterndeuter im Vordergrund, die Taufe Jesu wurde ausgelagert und wird seit 1970 am Sonntag nach dem 6. Januar gefeiert. Deshalb endet die Weihnachtszeit heute in der Katholischen bzw. Lateinischen Kirche mit diesem Sonntag, frühestens also am 7., spätestens am 13. Januar.
  2. Sonntage und Hochfeste beginnen in der katholischen Liturgie bereits am Vorabend mit der sog. ersten Vesper. Die Vesper ist das Abendgebet der Kirche. Ein Sonntag oder Hochfest hat also die erste Vesper am jeweiligen Vorabend und die zweite Vesper am Abend des jeweiligen Tages selbst. Weihnachten am 25. Dezember ist ein solches Hochfest: Weil das Weihnachtsfest somit mit der ersten Vesper beginnt, beginnt auch die Weihnachtszeit mit dieser Feier am Abend des 24. Dezembers.
  3. Von der Weihnachtszeit ist die Adventszeit zu unterscheiden. Das verwechseln hier die meisten Antwortgeber/innen. Die Weihnachtszeit als solche ist die festliche Entfaltung des Weihnachtsfestes. Die vorgelagerte Adventszeit hat dagegen einen anderen Charakter, einerseits als Vorbereitungszeit auf die Feier der weihnachtlichen Hochfeste, andererseits als Zeit der Erwartung der Wiederkunft Christi am Ende der Zeit (vgl. GOK Nr. 39). Die Adventszeit beginnt mit der ersten Vesper des ersten Adventssonntages, d. i. der Sonntag, der auf den 30. November fällt oder diesem Datum am nächsten kommt. Frühestens beginnt der Advent also am 27. November, spätestens am 4. Dezember. Logischerweise endet die Adventszeit mit Beginn der Weihnachtszeit am Abend des 24. Dezembers. Der 24. Dezember als solcher ist ein Tag im Advent (vgl. hierzu GOK Nr. 40).

Nun zur Weihnachtszeit "früher":

Seit Ende des 6. Jahrhunderts lassen sich der vier Sonntage umfassende Advent und eine Weihnachtszeit als in sich geschlossene liturgische Zeiten in der Römischen Kirche nachweisen. Der Beginn der Weihnachtszeit war seit jeher der gleiche. Unterschiede gibt es nur im Hinblick auf ihre Ausdehnung. Seit dem Jahr 1570 ergibt sich folgende Situation in der Lateinischen Kirche:

Das Ende der Weihnachtszeit war bis zum Codex Rubricarum von 1960 beweglich und vom Osterdatum abhängig. Der vorösterlichen Fastenzeit, die ebenfalls seit Ende des 6. Jahrhunderts mit dem Aschermittwoch beginnt, war noch eine sog. Vorfastenzeit vorgelagert, die drei Sonntage umfasste und mit dem Sonntag Septuagesima begann. Mit dieser Vorfastenzeit begann also drei Sonntage vor dem Aschermittwoch bereits der Osterfestkreis. Die Weihnachtszeit reichte damals bis zum Beginn dieser Vorfastenzeit, endete also am Samstag vor dem Sonntag Septuagesima. Nun gab bzw. gibt es ein weiteres weihnachtliches Fest, das inhaltlich und terminlich von Weihnachten abhängig ist, aber nach heutiger Einteilung außerhalb der Weihnachtszeit liegt: Das Fest Darstellung des Herrn am 2. Februar, 40 Tage nach Weihnachten, das früher Mariä Reinigung oder Mariä Lichtmess genannt wurde. Das Ende der Weihnachtszeit war vom Zusammentreffen des beweglichen Sonntages Septuagesima und dem unbeweglichen Fest Mariä Reinigung abhängig:

  • Septuagesima lag vor dem 2. Februar: Weihnachtszeit und Vorfastenzeit (Osterfestkreis) überlappten sich. Weihnachtszeit wurde am 2. Februar abgebrochen.
  • Septuagesima fiel auf den 2. Februar: Das Fest Mariä Reinigung musste auf den 3. Februar verschoben werden, mit dem dann die Weihnachtszeit abgebrochen wurde.
  • Septuagesima lag nach dem 2. Februar: Weihnachtszeit endet am Samstag vor Septuagesima, d. i. spätestens der 21. Februar.

Von 1570 bis 1960 endete die Weihnachtszeit also frühestens am 2. Februar, spätestens am 21. Februar.

Im Codex Rubricarum von 1960 wurde eine neue Ordnung festgelegt:

Umfasste vorher die Weihnachtszeit alle "Sonntage nach Erscheinung des Herrn" bis zum Sonntag Septuagesima, wurden diese nun ausgelagert und einer neuen Kirchenjahreszeit zugeordnet: der sog. "Zeit im Jahreskreis" (Tempus per annum). Es wurde zudem unterschieden in weihnachtliche Zeit (Tempus natalicum) und eigentliche Weihnachtszeit (Tempus Nativitatis). So ergab sich folgendes Bild:

  • Die eigentliche Weihnachtszeit endete bereits am 5. Januar vor dem Erscheinungsfest (Epiphanie).
  • Die weihnachtliche Zeit umfasste die eigentliche Weihnachtszeit und die Epiphaniezeit. Diese reichte bis zum 13. Januar, umfasste also den Zeitraum der bereits 1955 abgeschafften Epiphanieoktav. Die weihnachtliche Zeit endete damals mit dem Gedächtnis der Taufe des Herrn am 13. Januar. Die Tage ab dem 14. Januar bis zum Sonntag Septuagesima gehörten folglich zur allgemeinen Zeit im Kirchenjahr, der "Zeit im Jahreskreis".

Also: Die Weihnachtszeit endet(e)

  • in den Jahren 1570 bis 1960 frühestens am 2., spätestens am 21. Februar;
  • in den Jahren 1961 bis 1969 am 5. bzw. 13. Januar;
  • seit dem Jahr 1970 frühestens am 7., spätestens 13. Januar inklusive.

Die Adventszeit als Vorbereitung auf Weihnachten beginnt mit der 1. Vesper des 1. Adventssonntags (also frühen Abend vorher) und endet mit der Non am Vorabend zum 25. Dezember.

Die Weihnachtszeit selbst beginnt am Heiligabend mit der 1. Vesper zum 25. Dezember und endet mit der Komplet am späten Abend am Fest "Taufe des Herrn", dem ersten Sonntag nach dem 6. Januar. Sowohl der Beginn der Adventszeit als auch das Ende der Weihnachtszeit ist kalendarisch variabel.

Vor der Liturgiereform 1969/1970 begann die Adventszeit am 11. November (40 Werktage vor Weihnachten). Ende der Weihnachtszeit war bis dahin Mariä Lichtmeß am 2. Februar, dem 40. Tag seit Weihnachten.

Schön geschrieben.

0

Beginn:
am Tag nach Totensonntag (der folgende Sonntag ist der 1. Advent) = Beginn des Kirchenjahrs

Ende:
6. Januar (Epiphanias = Dreikönigstag)

Falsch!

0
@kwon56

Offiziell heißt es:
das Kirchenjahr beginnt am 1. Advent und endet am Totensonntag.

Zwischen Totensonntag und 1. Advent herrscht wohl das Nichts ...

so ungefähr wie bei der Redewendung
"zwischen den Jahren"

0
@Volens

Zunächst eine kleine Spitzfindigkeit: Gemäß Themenauswahl bezieht sich der oder die Fragesteller/in wohl auf das katholische Kirchenjahr, auch wenn dies freilich nicht in der Fragestellung deutlich wird. Der letzte Sonntag im Kirchenjahr heißt dann nicht Totensonntag, sondern Christkönigssonntag. Oder, korrekter ausgedrückt: Auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr bzw. im Jahreskreis, der stets als der 34. Sonntag im Jahreskreis gezählt wird, fällt das Hochfest Christus König.

Nun aber zum Wesentlichen:

"Offiziell heißt es: das Kirchenjahr beginnt am 1. Advent und endet am Totensonntag."

Naja...

...einerseits: Offiziell wird der Aufbau des Kirchenjahres geregelt in den Normae universales de anno liturgico et de calendario, promulgiert 1969 durch Papst Paul VI. Dort heißt es offiziell zu Beginn und Ende des Kirchenjahres: Nichts. Aus keiner Formulierung geht dort hervor, dass das Kirchenjahr am 1. Adventssonntag beginnt. Vielmehr setzen die Ausführungen zum Aufbau des Kirchenjahres bei dessen Mittel-, Angel-, Dreh- und Höhepunkt an: an Ostern und dessen liturgischer Entfaltung in Osterzeit und Fastenzeit. Zudem bezeichnet die Grundordnung das, was wir als Kirchenjahr oder liturgisches Jahr bezeichnen, im Original treffend als annus circulus. Um im Bild zu bleiben: Ein Kreislauf, der Ostern als seinen Dreh-, Angel- und Mittelpunkt versteht, braucht bzw. hat weder Anfang noch Ende.

...andererseits: Offiziell beginnen die liturgischen Bücher in ihrer Entfaltung dieses Jahreszyklus ganz pragmatisch mit dem 1. Adventssonntag, freilich ohne diesen explizit als Beginn des Kirchenjahres zu bezeichnen. Einen solchen Hinweis sucht man vergeblich in den Einführungen aller katholischer Liturgiebücher. Dass das Proprium de Tempore hier mit dem 1. Adventssonntag beginnt, hat indes pragmatische Gründe: Mit dem 1. Advent beginnt in der katholischen (Mess-) Liturgie der neue Lesezyklus. Theologisch ließe sich dies auch damit begründen, dass die Anamnese des Heilsmysteriums Christi, die im Kirchenjahr entfaltet wird, chronologisch (!) bei der Menschwerdung Christi ansetzt.

Bleiben wir auf dieser Spur mit dem Kompromiss, dass gemäß des Aufbaus der liturgischen Bücher das Kirchenjahr mit dem 1. Adventssonntag beginnt. Nun endet das Proprium de Tempore keinesfalls am Sonntag davor, dem Christkönigssonntag, sondern erst am Samstag vor dem 1. Adventssonntag, d. i. nach liturgischer Wochenzählung der Samstag der 34. Woche im Jahreskreis.

Also:

"endet am Totensonntag"

Nein, sondern am höchstens am folgenden Samstag, direkt vor dem 1. Advent.

"Zwischen Totensonntag und 1. Advent herrscht wohl das Nichts ..."

Keineswegs!

  1. Im Kirchenjahr gibt es kein Nichts. Gemäß der o. g. Grundordnung des Kirchenjahres und des neuen Römischen Kalenders (GOK) ist jeder Tag auch liturgischer Tag und damit integraler Bestandteil des Kirchenjahres. An jedem Tag feiert die Kirche Gottesdienst, deshalb ist auch jeder (Wochen-) Tag liturgisch geordnet (vgl. GOK Nr. 3).
  2. Das Kirchenjahr wird insbesondere durch die Woche als Zeiteinheit unterteilt und gegliedert. Analog zum Osterfest für das ganze Jahr ist der Sonntag der Höhepunkt der Woche. Die Grundordnung versteht die Woche deutlich weniger zyklisch als das Jahr. Dementsprechend ist sie sehr deutlich, was den Beginn der Woche angeht: Der Sonntag ist der Beginn der Woche (vgl. GOK Nr. 5).

D. h., wenn der letzte Sonntag im Kirchenjahr der Christkönigssonntag ist und als 34. Sonntag im Jahreskreis (besser: Sonntag der 34. Woche im Jahreskreis) gezählt wird, müssen gemäß katholischer (bzw. westkirchlicher) Zählung noch sechs Wochentage folgen. Diese Woche endet dann am Samstag vor dem 1. Advent und zählt noch - entsprechend des Aufbaus der liturgischen Bücher - zum alten Lesezyklus, bevor mit dem 1. Advent ein neuer beginnt.

"so ungefähr wie bei der Redewendung 'zwischen den Jahren'"

Touché. Wobei zwischen Weihnachten und Neujahr als dessen Oktavtag ebenfalls keinesfalls ein liturgisches "Nichts" besteht ;)

0

Die Woche nach dem Totensonntag (kath. Christkönigsfest) gehört noch nicht zur Adventszeit. Also frühestens mit dem Vorabend des 1. Advent.

Ende ist (bei Katholiken) im engeren Sinne am Sonntag nach Drei Könige (Taufe des Herrn) - im weiteren Sinne am 2. Februar zu Mariae Lichtmess. Die Sonntage dazwischen wird schon grün getragen, übrigens auch in der alten Form.

(Ah, hat ja schon ein anderer richtig geschrieben, sorry.)

0

Die Weihnachtszeit beginnt mit im Advent, sondern mit Weihnachten, Heiliger Abend.

0

In Schweden beginnt die Weihnachtszeit am Lucia-Tag (13. Dezember) und endet am Knuts-Tag (13. Januar).

In anderen Ländern ist es sicher noch anders.

Die Weihnachtszeit beginnt NICHT am 1. Advent, weil da beginnt die Adventszeit.

Die Feiern, die vor Weihnachten stattfinden sind auch Adventsfeier, keine Weihnachtsfeiern. Auch dass der Weihnachtsmarkt meist vor Heilig Abend endet ist eigentlich unsinig, weil da ja erst die Weihnachtszeit beginnt.

Die Weihnachtszeit beginnt am Heiligen Abend und geht heute bis Sonntag nach dem 6.Januar, Taufe des Herrn, früher ging sie bis 2.2. zu Mariä Lichtmess, dass wird auch heute noch manchmal so gehalten, aus alter Tradition.