Es ist sicher unbestritten, dass jeder Mensch in seiner Biographie (nicht nur in seiner Kindheit) Enttäuschungen, Kränkungen, Demütigungen und andere Zurücksetzungen erfährt. Der Punkt ist nur: Wie verarbeitet er diese Erfahrungen! Da gibt es die ganze Palette beginnend bei einem "lockeren Wegstecken und nicht mehr daran denken" bis hin zu "schwerer Traumatisierung mit einer tiefen Verankerung im Unbewussten mit manifester Neurotisierung".

Und gerade die Verarbeitungsmechanismen sind es, die für das Leben eines Menschen entscheidend sind. Wer also durch durch eine liebevolle, akzeptierende und dennoch Grenzen setzende, werteorientierte Erziehung eine stabile Persönlichkeitsstruktur ausbilden konnte, kann mit Negativerfahrungen meist zeitlebens relativ gut umgehen. Wer jedoch in hoch konfliktbesetzten Familienstrukturen groß werden musste, entwickelt oftmals massive Neurosen und findet sich dann in einer angstbesetzten Grundhaltung, die ständig in Anklagehaltung, Rachephantasien, Selbstmitleid und einer Dämonisierung seiner nicht gelungenen Begegnungen einmündet.

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Unter dem Bewusstsein versteht man die Fähigkeit, akustische, optische und andere sinnliche Informationen aus der Umwelt so zu filtern, zu ordnen, zu systematisieren und mit vorhandenen Informationen abzugleichen, dass damit sinnhaltige Gedanken entstehen, die speziell dann beachtet und integriert werden, wenn sie einen Neuigkeitswert enthalten. Bewusst sind also fast immer nur Kontrastphänomene, die für die Lebenswirklichkeit der Person relevant sind. Im Gegensatz dazu bleiben stereotype, sich wiederholende Phänomene ohne Neuigkeitswert oftmals unbewusst.

Unter einem Spektrum versteht man nun eine Spannbreite gleichartiger aber dennoch in bestimmten Parametern unterschiedliche Phänomene (z.B. Licht bestimmter Wellenlängen), was man als Kriterium für Charakterisierung von Bewusstseinsinhalten sicher nicht anwenden kann. Dazu sind diese Inhalte einfach zu heterogen.

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Ein bemerkenswerter Befund ist doch, dass man als geistig lebenslang aktiver Mensch auch im Alter kaum große Änderungen durchläuft. Wer immer schon sein Leben recht eng an moralischen Prinzipien entlang führt, wird dies auch im Alter tun, allerdings wird ihm das dann von Jüngeren oftmals als Altersstarrsinn ausgelegt, da viele jüngere Menschen geneigt sind anzunehmen, dass bei alten Leuten mit den körperlichen Leistungseinbußen notwendigerweise auch ein Abbau geistiger Kompetenz einher geht. Wer in seinem Leben eher zur Toleranz gegenüber anderen Meinungen und Haltungen neigte, erscheint im Alter oftmals geradezu sanftmütig und wird dann auch weit geliebt und respektiert. Aber letztlich findet sich immer nur eine relative Konsistenz in den Grundhaltungen.

Ein Freigeist nach der Interpretation Nietzsches wird mit Sicherheit auch im Alter diese Wesenseigenschaft zeigen. Das ist ganz unabhängig von schmerzlichen Erfahrungen, die der Betreffende vielleicht in seinem Leben machen musste. Ein Freigeist kann einfach keine depressive Grundstruktur haben, und so kann er zwar ein wenig mehr zum Sarkasmus neigen, wird aber dennoch seine typische Wertewelt bewahren (Entfremdung von den Fesseln der Tradition; Opposition gegen die Allmacht des Staates; Freiheit von den Dogmen der Religion und die Wertschätzung von Künstlern, Genies und mutigen Verkündern alternativer Werte (Montaigne, Voltaire).)

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Man kann dir voll zustimmen bei deiner Grundaussage, die ein wenig erweitert vielleicht so zu formulieren wäre: "Leben bedeutet immer Wandlung, Dynamik, Fehler begehen und Fehler reparieren, Versuch und Irrtum, Intentionalität und Optimierung, Wille zur Macht aber auch Wille zur Erhaltung der Potentiale und damit Vermeidung von Verschwendung. Leben bedeutet aber auch Fortsetzung und Erhaltung der eignen Existenz in der Erzeugung, Pflege und Förderung eigener Nachkommen.

Damit bedeutet Leben keineswegs nur Veränderung, sondern vielmehr "zielgerichtete Dynamik auf optimierte Anpassung an die gegebenen Außenweltbedingungen". Erreichen lässt sich diese allerdings nur durch die Möglichkeit zur Veränderung, sofern diese förderlich ist. Und hier kommt der gegenläufige Aspekt ins Blickfeld, nämlich die Suche nach Bewahrung des Bewährten. Das ist das konservative Element. So z.B. sollte eine witterungsfeste und feindabwehrende Behausung von einem Tier nicht aufgegeben werden, weil diese Aufgabe seine Überlebenschancen eindeutig vermindern würde. Veränderung und Dynamik müssen also immer in ausgewogenem Maße eingesetzt werden, um nicht durch Verschwendung von Ressourcen die Potentiale für das eigene Überleben und den Erfolg bei der Aufzucht der Jungen zu schmälern.

Bilanz: Leben bedeutet mehr als Veränderung, aber eindeutig ist das Potential zur Veränderung ein absolut wichtiges Kennzeichen aller Lebensprozesse.

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Sich stets bewusst zu sein, dass man sterblich, d.h. endlich ist, bringt viele gute und wertvolle Eigenschaften des Menschen verstärkt zur Geltung. So reflektiert man viel häufiger über seine eigenen Handlungen, ob sie wirklich wichtig sind. Zudem überlegt man, ob ein begonnenes Projekt, z.B. das Erlernen einer weiteren Sprache, was zunächst mit Begeisterung in Angriff genommen wurde, wirklich den enormen Zeitaufwand rechtfertigt, den man dafür investieren muss. Auch fragt man sich, ob man ganz unerfreuliche menschliche Beziehungen weiterhin pflegen sollte - immer in der Hoffnung, dass sich daraus ja vielleicht noch etwas Gutes entwickeln könnte.

Man wird also in dem Bewusstsein der eigenen Endlichkeit verantwortungsvoller mit seinem Zeitbudget (von dem so denkt, dass man noch so und so viel Jahre vielleicht zu leben hat) umgehen lernen. Bekannt ist hier auch die alte Weisheit des "Carpe diem!", die nichts anderes sagt, als dass man klug mit seiner verfügbaren Lebenszeit umgehen sollte. So werden Banalitäten eher sein gelassen. Filme werden eher ausgeschaltet, wenn man feststellt, dass ihr Thema im Grunde einfältig und unergiebig ist. Auch überlegt man sich viel häufiger, ob man einen Konflikt, bei dem es letztlich nur um wenig geht, wirklich unermüdlich weiter verfolgen sollte. Jeder Streit setzt bekanntlich beim Menschen eher die unguten Kräfte frei, und da kann man dann schnell schneller entscheiden, die Sache auf sich beruhen zu lassen.

Bilanz: Nicht unbedingt das Gefühl für den eigenen Todes ist hilfreich (das kann eher Trauer oder Schwermut auslösen) aber das Bewusstsein für die eigene Endlichkeit führt zu vermehrtem verantwortlich Umgang mit der Lebenszeit.

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Bücher die Emotionen/Gefühle detaliert beschreiben?

Hallo zusammen,

ich würde gerne Bücher lesen, in denen Gefühle und Emotionen besonders gut beschrieben werden.

Mir ist aufgefallen, dass ich oft verzweifle, weil ich nicht weiß was ich fühle. Ich kann es immer nur physisch beschreiben und auch das nur sehr begrenzt (z.B. mir wird schlecht, ich habe Druck auf der Kehle, mein Herz schlägt wie wild, etc).

Doch weshalb sich mein Körper anfühlt wie er sich anfühlt, kann ich nie sagen. Ich kenne gefühlt nur 3 Gefühle (Trauer, Wut, Freude) aber damit ist es nicht getan. Oft ist es einfach nicht spezifisch genug und mir ist aufgefallen, dass mir einfach das Vokabular (ernsthaft) fehlt, um meine Emotionen und Gefühle zu beschreiben und zu betiteln. Denn das ist ebenfalls ein Problem: könnte ich sagen wie sich was anfühlt, dann könnten mir andere helfen und sagen, durch dieses und jenes könnte es dies und das sein.

Denn oft merke ich, dass Leute genau das sagen, was ich fühle, wozu ich aber niemals die Worte gefunden hätte. Und es hilft mir unfassbar meine Gefühle in Worte zu fassen aber noch kann ich es nicht.

Deshalb möchte ich gerne Bücher lesen, die viel umschrieben sind und sehr detailreich Gefühle/Emotionen der Charaktere beschreiben.

Habt ihr Empfehlungen?

Ich bin für alles offen - Romantik, Drama, Abenteuer, Thriller, Angst, Freude, Liebe.

Einfach alles. Es darf auch gerne sehr tiefgründig sein.

Vielen Dank schonmal im Voraus und eine schöne Woche euch!

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Ein älteres aber sehr gutes psychologisches Buch ist das von Wolfgang Rost: "Emotionen. - Elixiere des Lebens" im Springer-Verlag ISBN: 3-540-52265-4

und mehr aus philosophischer Perspektive das ebenfalls sehr gute Buch:

Sabine Döring, "Philosophie der Gefühle" ISBN: 978-3-518-29507-6

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Da wir als Menschen grundsätzlich in Gemeinschaften leben, übernehmen wir die Denkmuster und Denkinhalte unserer Eltern, Lehrer, Freunde und anderer Mitmenschen. Zudem lesen wir Bücher, schauen Filme und kommunizieren mit unseren Mitmenschen, die aus einem bestimmten Kulturkreis stammen, und damit übernehmen wir praktisch alle wesentlichen Parameter für die Bewertung und Einordnung der Realität und auch der Phantasie. Somit kann schließlich das, was wir als "unsere Wahrheit" bezeichnen könnten, nur in geringem Maße von den Wahrheiten unserer Mitmenschen unterscheiden.

Bilanz: Da jeder Mensch zwar ein Einzelindividuum ist mit einer je eigenen genetischen Ausstattung und einer je eignen Biographie, unterscheidet er sich doch letztlich nur geringfügig von seinen Mitmenschen, die ebenfalls in ihrer Körperlichkeit, ihrer psychischen Ausstattung und ihrer Sozialisation sehr vergleichbare Prozesse durchlaufen haben. Damit sind auch die "Wahrheiten", also das, was für einen Menschen wegweisend ist, was seine Wertewelt ausmacht und worauf seine Internationalität hin ausgerichtet ist, weitgehend ähnlich. Wer hier dennoch durch sehr starke Verhaltensabweichungen aus dem System herausfällt, ist schnell isoliert, wird als wunderlich, skurril, gestört oder sonst wie abartig eingestuft, er findet keine Freunde, keine Partner und erfährt die sog. "Ausschlussreaktion", eine archaische Form der Absonderung von Menschen aus Gemeinschaften, die keine ausreichenden Gemeinsamkeiten zeigen.

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"Geist" ist ein Terminus, der von Menschen geschaffen wurde, um die besonderen Leistungen von Menschen zu beschreiben, gedanklich Probleme bewältigen zu können, die über einfache Reiz-Reaktionsschemata nicht zu lösen wären. Damit ist "Geist" aber immer noch eine Leistung unseres Gehirns und bedarf keiner neuen "ontologischen Ebene", also eines weiteren Seinsbereiches, der jenseits der stofflichen Welt anzusiedeln wäre. Man kann das recht gut daran sehen, dass simpelste physiologische Faktoren (z.B. bestimmte Pharmaka) die Funktionen des Geistes massiv beeinträchtigen, was nicht sein sollte, wenn der Geist ein autonomes System wäre, das unabhängig von den Körperfunktionen arbeiten würde.

Da bisher nie etwas "Jenseitiges" nachgewiesen wurde( trotz unendlich vieler Geschichten, Romane, Filme und ganzer Organisationen (speziell religiöser)), und jeder Mensch ganz simpel organisch sterblich ist, bleibt nach seinem Tod nichts "Geistiges" übrig. Obwohl unsere Gedanken an eine "bleibende geistige Existenz" sehr erbaulich sind und für viele Menschen eine Quelle von Zuversicht und Hoffnung darstellen, muss man bei nüchterner Überlegung anerkennen, dass leider, leider keine Metaebene existiert, auf der wir dann doch so ein klein wenig unsterblich sein könnten.

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Betont gelassen wirken, ist eine Attitüde der Stärke, der Souveränität, der Überlegenheit. Sie wird oft von Menschen geradezu kultiviert, die ein eher "schwaches Selbstwertgefühl" haben. Mit dieser nach außen gezeigten Haltung wollen sie markieren, dass "sie schon alles kennen", "dass ihnen niemand etwas vormachen kann", "dass sie einfach welterfahren sind".

Aber, und jetzt kommt das "aber", ist diese Haltung nur dann stimmig, wenn sie auch unter Belastungssituationen noch gezeigt werden kann. Und da findet sich nun gerade dein formuliertes Erstaunen über das Beispiel deines Bekannten, der schon bei kleinen Infragestellungen seiner Positionen gänzlich unsouverän reagiert, indem er im Tonfall ausfällig und unfähig zur sachbezogenen Diskussion wird.

Bilanz: Der von dir erwähnte Bekannte zeigt lediglich die Merkmale der Überlegenheit und Welterfahrenheit ohne sie jedoch tatsächlich durch eine ausreichende Kompetenzausbildung für sich verwirklicht zu haben. Dieses "mehr scheinen als sein" findet sich in unserer Gesellschaft immer häufiger, weil die Ausbildung tatsächlicher Welterfahrenheit ein wirklich steiniger Weg mit vielen Entbehrungen ist, den nur die wenigsten bereit sind zu gehen. Übrigens als Partner sind solche Leute eher weniger geeignet, weil sie meist noch sehr narzisstisch sind und kaum Fähigkeiten zeigen wirklich liebevoll und emphatisch auf ihre Mitmenschen einzugehen.

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Zweifellos "funktionieren" die Gehirne der Menschen so, dass sie lernfähig sind, und das schließt auch ein, dass sie auf bestimmte Erfahrungen, wenn sich diese viele Male wiederholen, mit unterschiedlichen Reaktionsmustern "antworten".

Da gibt es zum einen die "Sensibilisierung", d.h. einen psychischen Mechanismus, der bewirkt, dass wir auf gewisse sich wiederholende Reize immer empfindlicher reagieren. (Beispiel: wenn jemand ein Musikinstrument erlernt, wird er bestimmte kleine Disharmonien zunächst nicht bemerken. Wenn er jedoch sein Instrument besser beherrscht und die Feinheiten des Spiels verinnerlicht hat, wird er kleinste tonale Abweichungen leicht bemerken und korrigieren können.

Der umgekehrte Mechanismus ist die "Gewöhnung". Hierbei erfährt man ein Phänomen zunächst als auffällig und reagiert mit Erstaunen, Interesse und emotionaler Reaktion. Wenn das Phänomen sich dann wiederholt, wird die eigene Antwort darauf allmählich immer schwächer ausfallen. Das gilt sowohl für angenehme Erfahrungen als auch für die unangenehmen. Ein Kind, dass man immerzu belohnt, wird auf diese Belohnung mit der Zeit kaum noch mit einem Freudegefühl reagieren. Und auch umgekehrt wird ein Kind, das ständig kritisiert wird, kaum noch mit einer Emotion darauf reagieren.

Damit kann nun auch deine Frage beantwortet werden: Ja, Menschen können eine gewisse Resilienz, d.h. eine gewisse emotionale Abstumpfung gegenüber Mißerfolgserfahrungen aufbauen. Man nennt das dann oft eine Abhärtung gegenüber enttäuschenden Erlebnissen, die besonders für bestimmte Lebenssituationen charakteristisch sind (sozialer Abstieg, extreme Belastungen durch Krisen, Wetterextreme, Verlust von Hab und Gut, Verlust wichtiger Bezugspersonen, massive körperliche Beeinträchtigungen nach Unfällen, usw.).

Bilanz: Die Gewöhnung kann als ein Anpassungsmechanismus im Verhalten von Menschen und Tieren angesehen werden, der einen hohen adaptiven Wert hat, weil er keine unnötigen Energien zu seiner Verarbeitung bindet. "Man steckt die Misslichkeit einfach weg" und ist damit frei für andere "erfreulichere Aspekte" des Lebens, die sich irgendwo anders dann doch bieten werden.

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Nein

Menschen erfahren sich und ihre Umwelt stets in Prozessen, Vorgängen, Abläufen und Geschehnissen. All diese Erlebnisse werden wahrgenommen als ein "Nacheinander" einzelner Zustände, die in der Regel fließend ineinander übergehen. Wenn ich meinen Arm heben will, kann ich beobachten, wie er erst unten ist, sich dann ein wenig höher befindet, nochmals höher und schließlich ganz oben. Dabei erfahre ich, dass dieser Vorgang langsam oder schnell durchführbar ist, und genau hier empfinde ich das Früher oder Später, also die sog "Zeitdimension". Damit wird das ganze Leben gequantelt, d.h. in Zeiteinheiten erfassbar gemacht.

Wenn nun diese zeitlichen Abfolgen ein substantieller Teil unserer Lebenswirklichkeit sind, bleibt uns nichts anderes übrig als "Zeit" als Grundgröße des Seins anzuerkennen. Sehr viel hat zu diesem Phänomen, seiner Wahrnehmung und gedanklichen Verarbeitung Edmund Husserl beigetragen.

Bilanz: Zeit als naturwissenschaftliche und philosophische Gegebenheit ist eine Konstante der Lebenswirklichkeit und damit keine Illusion. Illusionen sind ja gerade dadurch definiert, dass ihnen keine Entsprechung in der Realität zukommt - bis auf den Gedanken der Illusion selbst, der immer ein mentales Konstrukt bleibt. Und wenn alle Aspekte der Lebenswirklichkeit Zeitabläufen unterliegen, müssen wir sie als Realität anerkennen.

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Wenn Nietzsche von den Guten und Gerechten spricht, dann meint er diejenigen, die sich für gut und gerecht halten, und genau aus so einer Haltung heraus entsteht Überheblichkeit und Verachtung derjenigen, die sich nicht den etablierten Normen und Werten unterwerfen.

Der Hass dieser Menschen gilt jedoch nicht denjenigen, die lediglich dumpf ihre vitalen Bedürfnissen ohne Rücksicht auf Moral verfolgen, die also habgierig, betrügerisch, skrupellos und aggressiv agieren. Nein, diese werden nur verachtet.

Der Hass gilt vielmehr denjenigen, die etablierte Werte hinterfragen, die feststellen, dass viele "gute Taten" letztlich nur aus Eigennutz erfolgen, etliche Wohltaten nur deshalb vollzogen werden, um eigene moralische Überlegenheit zu demonstrieren, um andere zu demütigen oder zu kränken. Wer die tatsächlichen Motive eines solchen "guten Menschen" entlarvt, der wird nach Nietzsche bekämpft, weil damit dessen Tugend in Frage gestellt wird. Jener fühlt sich seines Wertes beraubt, und dieser Schmerz löst blanken Hass aus.

Nietzsche vertieft die Position dieses "Psychologen", der die etablierten Werte entlarvt und damit entwertet, noch durch den Hinweis, dass gerade dieser der "Schaffende" ist, also derjenige, der neue bis dahin unbekannte Einsichten zu Tage bringt. Zweifellos sieht sich Nietzsche selbst als genau denjenigen, der als Schaffender neuer Einsichten in das Wesen des Menschen den Hass der Gläubigen und der Anhänger etablierter Moralvorstellungen auf sich zieht.

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unklug

Die Hoffnung Allah dereinst zu begegnen, ist ein völlig unrealistischer naiver Kinderglaube, der zeigt, dass du im Grunde nicht wirklich erwachsen bist. Dein Wunsch, keine Verantwortung übernehmen zu wollen und es dir möglichst angenehm machen zu wollen, ist ebenfalls eine kindliche Haltung, weil der Erwachsene in der Regel Lust auf Selbstverwirklichung, auf Gestaltung, auf Kompetenzgewinn, Verantwortung und Sinnstiftung hat, also alles Elemente, die deinem Weltbild entgegenstehen.

Nur behaglich vor sich hin zu leben und nicht anecken zu wollen, ist ein absolut armseliges Lebenskonzept. Zudem enthält es die typischen Kennzeichen der Schwachheit, d.h. andere Menschen mit mehr Selbstbehauptungswillen werden dir gehörig in die Quere kommen, was sehr schnell für dich eine Leidenssituation bedeuten kann.

Bilanz: Es besteht für dich erheblicher Bedarf nochmal gründlich über diesen "Lebensentwurf" nachzudenken und sich mit klugen, lebenserfahrenen Menschen zu besprechen, ob "Alternativen" nicht doch mehr Chancen bieten können ein erfülltes Leben zu führen.

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Dass der Logik ein so hoher Rang zugemessen wird, ist sehr gut nachvollziehbar. Bedenke, dass die logischen Denkprozesse im realen Leben zu den Resultaten führen, die unser Leben im Wesentlichen positiv gestalten. Logisch stimmige Berechnungen führen zu Gebäudekonstruktionen, die stabil über Jahrzehnte bestehen. Computer funktionieren nur, weil alle Berechnungen zur Entwicklung von Hardware und Software logischen Prinzipien entsprechen. Das gesamte Wirtschaftswachstum und Finanzsystem unterliegt logischen Prozessen, ja selbst die Psyche des Menschen funktioniert nach logischen Gesetzmäßigkeiten.

Von "absoluter Wahrheit" wird heute kaum noch in der Wissenschaft oder in den Fachdisziplinen gesprochen. Man hat sich mehr oder weniger von diesem Konstrukt verabschiedet, weil die Suche danach unergiebig ist. Jede Aussage, jede Theorie, die den Anspruch nach absoluter Wahrheit formuliert, würde umgehend von anderen ebenfalls kompetenten Denkern in Frage gestellt werden. Die sog. "Absolute Wahrheit" ist ein nicht konsensfähiges Konstrukt und kann demzufolge aufgegeben werden, zumal gerade die hochproblematischen "Ideologien" , die soviel Unheil in die Welt bringen, fast generell von ihrer "absoluten Wahrheit" sprechen, was immer Machtansprüche, Konflikte und schließlich Kriege heraufbeschwört.

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Wenn man in Länder schaut, in denen praktisch alle psychogen wirksamen Drogen legitim sind, also insbesondere auch die Opiate, findet man in der Regel eine recht hohe Quote von Menschen, die viele Stunden des Tages mehr oder weniger vor sich hin dämmern und nur sehr wenig Produktivität entfalten. Man könnte nun denken, dass sie dadurch mehr "Lebensqualität" erfahren, weil das Genießen der euphorisierten Bewusstseinszustände doch frei macht von den harten Anforderungen der Lebenswirklichkeit. Man wird bescheiden, gibt sich einer unkritischen Halbapathie hin, lebt in einem Gefühl der großen Toleranz gegenüber all und jedem, und tut niemandem etwas zuleide.

Ich selbst habe in meinem Umfeld auch etliche Menschen scheitern gesehen an Alkoholproblemen. Fitte, unternehmungslustige Leute mit oftmals guten Jobs und erfreulicher sozialer Einbettung in einen großen Freundes- und Bekanntenkreis fielen immer mehr aus diesen Beziehungen heraus, eckten an, verwahrlosten, ergingen sich nur noch in ihren für Alkoholiker typischen Lügengeschichten und waren schließlich sozial abgeschrieben.

Wenn man nun den zweiten hochbedenklichen Drogenkreis neben dem Alkohol praktisch legitimiert, dann sehe ich das bilanzmäßig für eine Gesamtbevölkerung als ungemein bedenklich an. Die meisten Menschen können eine zur Sucht hin offene Stoffklasse nicht wohldosiert konsumieren. Neben Alkohol haben wir ja bereits die Adipositas als Volkskrankheit. Dazu kommt noch die sich immer weiter verbreitende Neigung zur Arbeits- und Leistungsverweigerung. Wenn jetzt als weiterer Baustein auch noch die Cannabisfreigabe hinzu kommt, wird nochmals mehr Leistungspotential gebunden. Genau das wird dann wiederum mehr Flucht in die Sozialsysteme bedeuten, die heute schon praktisch unbezahlbar sind.

Bilanz: Alle neu etablierten Systeme, die die Kreativität, den Leistungswillen und die Lust zur Gestaltung und Selbstverwirklichung negativ beeinträchtigen, sind schädlich für eine Gesellschaft, die sich im harten Wettbewerb der Sozialsysteme weltweit befindet. Von da aus gesehen bedeutet die Cannabisfreigabe einen Schritt in die falsche Richtung.

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Ich denke, dass wir in den letzten 20 Jahren in Deutschland eine Verschiebung der politischen Grundüberzeugungen von eher ausgewogen nach eindeutig links durchgemacht haben. Die alte CDU unter Kohl wurde von Merkel durch ihre ständigen Kompromisse mit dem linken Koalitionspartner immer weiter nach links bewegt, so dass die CDU schließlich eine reine Linkspartei geworden ist.

Besonders wichtig ist auch, dass die bedeutenden Journalistenschulen Deutschlands praktisch alle eine reine linke Agenda verfolgten, so dass auch die Presse praktisch die linke Agenda als Mainstream deklarierte. Zudem veränderten die Journalisten ihren gesellschaftspolitischen Auftrag weg von einer möglichst ausgewogenen Darstellung des existierenden politischen Spektrums der Meinungen zu einer explizit "erzieherischen" Grundkonzeptition, die eine rein links-grüne Agenda verfolgte. So wurden z.B. auch die Aktivitäten der Antifa als wegweisend und vorbildlich dargestellt, was man z.B. daran sehen konnte, dass im Berliner Abgeordnetenhaus zahlreiche Computer der dort agierenden Politiker das Antifa-Logo zeigten.

Ich denke, dass es trotzdem immer auch eine ganze Reihe konservativ denkender Menschen (auch unter den Politikern) gab, die sich allerdings kaum noch mit ihren Meinungen Gehör verschaffen konnten. Hinzu kam die recht wirksame Strategie der Linken, dass sie bereit alle nur konservativ klingenden Meinungen als "linksextrem" deklarierten. Hier denke ich nur an Georg Maaßen mit seiner behutsamen Art die Dinge erst einmal sorgfältig zu prüfen ehe er sie dann politisch einordnen konnte, was ihm als "rechte Gesinnung" angekreidet wurde und zu seinem Austausch führte.

Wenn jetzt - wie du richtig festgestellt hast - in zahlreichen Ländern Europas die konservativen politischen Positionen wieder stärker nach vorne kommen, kann man das als Gegenbewegung zu den extrem linkslastigen der Gegenwart einordnen.

Du schreibst zwar, dass diese Positionen "rechtsextrem" seien, doch - wie ich bereits oben dargestellt habe, wird in der momentan noch meinungsdominanten Presse ja jede konservative Position als "linksextrem" gebrandmarkt, um die Personen zu verunglimpfen, die sich einer solchen Wertewelt verbunden fühlen.

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Wie auch immer ich ein Abbild der Realität erreichen will, es kommt darauf an, welchen Aufwand ich betreibe. Ein gutes Beispiel ist hier die Mikroskopie, mit deren Hilfe ich kleinste Strukturen sichtbar machen kann. Hatte das Lichtmikroskop seine Grenze bei 2000-facher Vergrößerung, so konnte das Elektronenmikroskop dann nochmals um den Faktor 1000 höher auflösen, allerdings nicht am lebenden Objekt. Heute können wir mit dem Rasterkraftmikroskop schließlich die einzelnen Atome in einer Struktur sichtbar machen.

Eine Digitalisierung bringt den eindeutigen Vorteil, dass man die Abbildungen gut speichern, elektronisch weiterleiten und hervorragend in jede beliebige Dimension vergrößern oder verkleinern kann. Insofern ist die Digitalisierung die Technologie der Zukunft, weil das Kriterium des begrenzten Speicherplatzes - wie in der Anfangszeit der Digitalisierung - heute kein Thema mehr ist.

Dennoch wird es immer Lebensbereiche geben, die sich einer Digitalisierung entziehen. Hier denke ich z.B. an ein therapeutisches Gespräch. Die große Vielzahl von kleinsten emotionalen Signalen, die sich in Mimik, Stimme, Gestik, Wortwahl und sichtbarer Erregungs - Aufladung zeigen, sind nicht zu digitalisieren, weil sie primär über Resonanzeffekte beim Therapeuten wahrnehmbar werden. Auch das weite Feld der zwischenmenschlichen Interaktionen unterliegt vergleichbaren Kriterien. Man kann zwar digitale Filmaufnahmen von einem äußeren Geschehen machen, doch die Wahrnehmung und die Interpretation der Geschehnisse zwischen den beteiligten Menschen wird immer im sog. analogen Feld erfolgen.

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Das von Dir beschriebene Phänomen ist gut bekannt. Ein "Denken im komplett leeren Raum" ist selbstverständlich gut möglich, doch prozesshaftes Denken, wo also Geschehnisse ablaufen, läßt sich leichter in einer visualisierten oder imaginierten Gegend oder aber in einem Raum durchführen. Die räumliche Zuordnung lässt das Geschehen realer werden. Gerade abstrakte Gedanken werden besser verwirklicht, wenn man sie einem anderen gegenüber als Argument in einem Dialog anbietet. Interessant ist dabei, dass dann natürlich auch die Gegenrede des anderen aus dem eigenen Bewusstsein kommt und nicht etwa als Produkt dem Gegenüber zugeschrieben werden kann.

Wenn Menschen sie emotional bewegende Träume erzählen, neigen sie dazu z.B. aggressive Äußerungen ihres Gegenübers als dessen Sichtweise zu interpretieren. Nein, auch diese Äußerungen entstammen ihrem eigenen Bewusstsein. Alle Beteiligten eines Gespräches sind die Kreationen des Träumers, ja er ist auch der Regisseur des Geschehens.

Bilanz: Gedanken lassen sich oft weit besser präzisieren, wenn man sie in Akteure imaginiert, die dann in Räumen oder Landschaften auftreten und interagieren. Gerade konfliktbesetzte Überlegungen sind viel besser möglich, wenn sie auf unterschiedliche Akteure verteilt werden. Sicher ist das Denken in Räumen stammesgeschichtlich ursprünglich, denn unsere tierartigen Vorfahren haben vermutlich mit dem Denken in Situationen begonnen, weil das ihrer Lebenswirklichkeit weit mehr entsprochen hat.

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Es kommt sehr darauf an, ob der längere Text inhaltlich reichhaltig ist. Wer viele Worte benutzt, um eine Banalität endlos aufzublähen, wird sicher wenig Resonanz erfahren, doch wenn der Text eine gewisse Länge haben muss, um die Komplexität der Frage klar herauszuarbeiten, dann werden sich auf jeden Fall all jene Teilnehmer freuen, die gerne mal ein echtes Problem durchzudiskutieren geneigt sind.

Etwas schwierig finde ich nur deine Erwähnung einer sog. Random-Frage, weil ich nicht genau weiß, was du damit meinst, wenn du gerade eine komplexe Problematik darstellen möchtest.

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Dass wir Menschen so stark auf das sog. "moralische Handeln" fixiert sind, ist durchaus nachvollziehbar. Schließlich sind wir soziale Wesen und unter denen (auch in individualisierten Tiergemeinschaften) gelten immer bestimmte Verhaltensregeln, um für die Gruppe ein gedeihliches Zusammenleben zu ermöglichen. Konflikte sind in jeder Gemeinschaft unumgänglich, weil Essen, Wohnplätze, sichere Aufenthaltsorte, Ressourcen, Paarungspartner, Schutz der Nachkommen und andere Werte stets einer Verteilung unter den Mitgliedern unterliegen. Da ist der Wettbewerb um eben diese Güter Teil des Lebenskonzeptes, und folglich muss es bestimmte ritualisierte Verhaltensformen geben, die die wichtigsten Prinzipien der Verteilung festlegen. Genau diese für alle Mitglieder der Gemeinschaft gültigen Verhaltensformen werden durch die "gültige Moral" dieser Gruppe festgelegt.

Bilanz: Ohne so eine Moral als "Verhaltenscodex für die Weisen des Zusammenlebens" kann keine Gemeinschaft von individualisierten Mitgliedern bestehen. Folglich wird die Moral immer ein ganz zentraler bedeutungsvoller Aspekt des menschlichen Lebens sein und sie ist damit auch völlig unabhängig von der sog. "Sinnhaftigkeit des menschlichen Lebens nach kosmologischen Kriterien".

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