Eine sog. „Kosmische Jahreszeit“ kann immer nur ein Gedankenkonstrukt des Menschen sein, weil Jahreszeiten ja sehr subjektiv gesetzte statistische Naturwechselphänomene darstellen, denen der definierende Zusatz „kosmisch“, also aus einem notwendigen kosmischen Geschehen heraus abgeleitet, nicht zukommt.

Bedingt durch die Bahnbewegungen und die verschiedenen Umkreisungszeiten in Kombination mit Eigenrotationen, ergibt sich für die Erde je nach Positionierung des beobachtenden Menschen auf ihrer Oberfläche ein stetiger Wechsel von Tag und Nacht, von der Höhe des Sonnenstandes, von mittleren Temperaturen und auch von anderen mehr oder weniger festgelegten meteorologischen Kenngrößen. Daraus haben menschliche Gemeinschaften dann die sog. Jahreszeiten zur Strukturierung ihrer eigenen Aktivitäten (speziell im landwirtschaftlichen Bereich) abgeleitet und Kalendern festgelegt.

Bilanz: Es gibt sicher kosmische Phänomene, die ganz bestimmten Regelmäßigkeiten unterworfen sind, und es gibt Zeitspannen, die den verschiedenen meteorologischen Parametern zugeordnet werden. Doch in diesen Zuordnungsprozessen finden sich etliche sehr subjektive Entscheidungen, die damit als rein anthropologisch zu deuten sind.

...zur Antwort

Die Aussage wird richtig, wenn man die Zeitspannen, von denen du sprichst, relativ kurz ansetzt. So etwa muss ich doch jeden Tag aufstehen, meiner beruflichen Arbeit nachgehen, muss essen, die stimmigen Verkehrsmittel verwenden, bestimmten familiären Verpflichtungen nachkommen, also alles verrichten, bei dem ich weiß, was ich tun muss.

Bei den unvorhersehbaren Ereignissen des Tages weiß ich dagegen nicht, was ich tun muss. So etwa weiß ich bei einem Unfall vor meinen Augen nicht, was ich jetzt tun muss. Ich habe lediglich - gemäß meiner Vorerfahrung - einige Optionen bereitliegen, auf die ich zurückgreifen kann. Ich kann z.B. einen Notarzt rufen, wenn das noch nicht von anderen beistehenden Passanten getan wurde. Falls ich sehe, dass kein kompetenter Helfer da ist, kann ich mich aufgefordert fühlen die sog. „Erste Hilfe“ zu leisten. Ich kann auch die Verantwortung für das Geschehen übernehmen, indem ich Anweisungen gebe, wer von den Beteiligten was zu erledigen hat (Sichern der Unfallstelle; Warnen anderer Verkehrsteilnehmer; Besorgen von wärmenden Decken; Anlegen von Druckverbänden; usw).

Bilanz: Im Verlauf eines jeden Tages wird es immer mehr oder weniger lange, resp.kurze Zeitspannen geben, wo ich genau weiß, was zu tun ist. In den daran anschließenden Zeitspannen, weiß ich dagegen nicht, was ich tun muss, sondern kann nur eine der vielen möglichen Optionen ergreifen, von denen ich denke, dass sie sie jetzt für mich gut und sinnvoll sind, um mein Leben in Sinnhaftigkeit zu führen.

...zur Antwort

Vermutlich sprechen Menschen nicht über die „Endlichkeit des Lebens“ als philosophisches Thema, doch sie denken sehr oft am Tage indirekt darüber nach.

Beispiel: Der momentan sichtbare Verfall unserer Kulturgemeinschaft, der drohende wirtschaftliche Kollaps und die perspektivlose Regierung bewegen zahlreiche Menschen dazu, sich eine Existenz außerhalb Deutschlands zu suchen. Genau in so einer Aktivität wird sichtbar, dass man aus der Tatsache nur ein Leben zu haben, dieses so klug wie möglich führen zu wollen.

Auch bei vielen weiteren Entscheidungen wird immer mit einberechnet, dass das Leben endlich ist: Sollte man noch ein Kind haben? Sollte man überhaupt Kinder haben? Sollte man aus eine „suboptimalen“ Partnerbeziehung entschlossen ausbrechen und nochmals einen Neuanfang wagen? Sollte man sich für eine Immobilie hochgradig und langfristig verschulden?

Das sind alles existentielle Fragen, bei denen immer das Bewusstsein um die eigene Endlichkeit einbezogen ist.

Bilanz: Wie thematisieren zwar nur selten das Thema Tod, Sterben, endliche Lebensspanne, aber wir denken und handeln bei zahlreichen großen Lebensproblemen mit genau diesem Bewusstsein im Hintergrund.

...zur Antwort

Versuchen wir doch zunächst einmal eine von dir genannte „materielle Übersättigung“ zu beschreiben:

Wer ein großes Anwesen mit einem luxuriösen Haus, großer Gartenanlage, Swimmingpool und einigen teuren Autos sein eigen nennt, wird sicher von keiner Übersättigung sprechen wollen. Wenn noch eine 16-Meter-Jacht, ein Privatflugzeug, einige Rennpferde und sechs Oldtimer dazukommen, wird die Sache schon kritischer. Engagiert sich dieser Mensch auch noch im Immobiliengeschäft, studiert täglich die Börsenkurse, geht regelmäßig auf Auktionen und gibt große Partys, kann er durchaus in genau die Situationen kommen, wo eine materielle Sinnkrise übermächtig in sein Leben einschlagen kann.

Die ununterbrochene Aufmerksamkeit, die er diesen ganzen hochgradig die Lebensenergie aufzehrenden Systemen zuwenden muss, um nicht unvermittelt substantielle Verluste hinnehmen zu müssen, sind solche Stressoren, dass über kurz oder lang starke Rückzugsneigungen auftreten werden - meist noch verbunden mit gesundheitlichen Einbrüchen. Oftmals wird noch eine gewisse Zeit mit sog. Enhancern, Kokain oder anderen Drogen der Kollaps hinausgezögert, aber dann kommt fast unvermeidbar die große Lebenskrise, die in deiner Frage als möglicher Neuanfang in ein Leben mit mehr Tiefe und Substanz einmünden kann.

Hier nun ist es allerdings keineswegs so selbstverständlich , dass jetzt ein Studium der Philosophie oder ein mehrjähriger Aufenthalt in einem indischen Ashram folgen kann. Oftmals fehlen in einer solcher Persönlichkeit die „Antennen“, die so einer Wertewelt gegenüber vorhanden sein müssen.

Bilanz: Eine Metamorphose eines Menschen aus einem Zustand materieller Übersättigung in eine sinnerfüllte Lebensweise setzt mindestens voraus, dass der/die Betreffende in einer frühen Lebensphase mit solchen Daseinswerten intensiv in Kontakt gestanden hat (Beherrschung eines Musikinstrumentes, politische oder gesellschaftliche Diskussionen im Elternhaus mit Museumsbesuchen und ausgewählter Literatur). Keineswegs kann man aber davon ausgehen, dass materieller Überfluss zu dieser Wandlung führen muss. Er kann genauso gut zu despotischem, unerträglich narzisstischen und arroganten Attitüden führen, die gepaart mit einem permanenten Mißtrauen gegenüber ausbeutenden Mitmenschen eine Persönlichkeit schaffen, der man nur zu gern aus dem Wege gehen möchte.

...zur Antwort

Wenn man sich über Nietzsches Positionierung zur Religion orientieren will, muss man sicher seine wichtigen Schriften zu diesem Thema heranziehen, so z.B. die „Genealogie der Moral“, den „Antichrist“ oder auch „Die fröhliche Wissenschaft“ und den „Zarathustra“.

Hier wird man finden, dass Nietzsche, der tatsächlich Theologie studiert hat, einige Zeit als Professor für Griechisch in Basel wirkte und damit extrem sachkundig in der Christlichen Dogmatik war, sich während seiner wichtigen Schaffensjahre äußerst kritisch mit der christlichen Religion und speziell mit der Rolle des Priesters auseinander gesetzt hat.

Diese Grundhaltung hat er nicht aufgegeben, auch wenn er immer wieder zugegeben hat, dass religiöse Verhaltensmomente sehr tief in der Psyche des Menschen verwurzelt sind. Nach 1890 ist er in eine geistige Umnachtung gefallen, und es läßt sich nicht sagen, wie er in diesen Bewusstseinszuständen gedacht hat.

Es ist also durchaus richtig, dass Atheisten sich auf viele Textstellen in Nietzsches Werk berufen können.

...zur Antwort

Solche Untergangsszenarien finden sich doch in großer Zahl sowohl in der Literatur als auch in Filmen. Besonders perfide Psychopathen mit überragender Intelligenz und destruktiven Allmachtsphantasien versuchen die Menschheit zu zerstören, weil sie der Meinung sind, dass nur so der Planet gerettet werden kann.

Ich denke, dass man mit solchen Visionen sicher große Ängste auslösen kann, dennoch kann ich mir nicht vorstellen, dass solche Einzelpersonen so lange ein so mächtiges Potential von der Weltöffentlichkeit unbemerkt aufbauen könnten.

Selbst ein Diktator wie der uneingeschränkte Despot, der Nordkorea beherrscht, hätte das Potential weltweite Massenzerstörungen in die Tat umzusetzen - und hier wird schon seit vielen Jahren an dem Potential zur Destruktion gearbeitet.

Ich denke, dass auch in Zukunft die lebenserhaltenden Initiativen der Völker so übermächtig sein werden, dass sie jeder versuchten Massenvernichtung rechtzeitig Einhalt gebieten werden.

...zur Antwort

Das „Nichts“ zu denken, ist für den Menschen nicht möglich. Bedingt durch seine stammesgeschichtliche Entwicklung kann er nur den „leeren Raum“ denken, der darüber hinaus auch frei von jeglicher Strahlung oder Feldern (z.B. Magnetfelder oder Gravitationsfelder) ist. Bereits bei den Neutrinos kommen viele Menschen ins Grübeln, was man darunter wohl verstehen könnte.

Lediglich den philosophischen Begriff kann man bewusst machen, aber dann haben wir natürlich eine Fülle von Interpretationsmöglichkeiten, je nach der philosophischen, religiösen oder esoterischen Grundposition.

Zugleich seiend und nichtseiend ist formallogisch wiederum nicht möglich, kann allerdings bei Übernahme unterschiedlicher Perspektiven wiederum akzeptiert werden.

Bilanz: In einem fest umrissenen Kategoriensystem hat deine Aussage keinen Bestand. Wenn man jedoch innerhalb der Aussagen den Perspektivenwechsel zuläßt, sind sie möglich, leider nur ohne Erkenntniswert, weil ich anderenfalls das ganze Theorienkonstrukt zur Aussage beigefügt haben müsste.

...zur Antwort

Bei der Schuld und den Schuldgefühlen kann man gut einen Zugang über die Stammesgeschichte des Menschen gewinnen.

Alle soziale Gruppierungen müssen für ein gutes Zusammenleben Regelwerke etablieren. Ganz wichtig sind dabei die Rangordnungsprobleme, also „wer kann vorschreiben?“ und „wer muss den Vorschreibungen folgen?“ In der Regel werden die kompetentesten Mitglieder von der Gemeinschaft autorisiert, die Weichenstellungen für das erfolgreiche Weiterleben der Gruppierung festzulegen. Und genau danach muss es wiederum weiterführende Festlegungen geben, was mit den Mitgliedern geschehen soll, die sich für einen persönlichen Vorteil nicht an das Regelwerk halten, also das Problemfeld von Strafe und Belohnung.

In unserer Fragestellung bezüglich der Schuld wollen wir nun die Arten der Strafe kurz aufzeigen: Das beginnt beim „Anstarren“ nach kleinen Missgeschicken über die Anklage, die öffentliche Ächtung, das Wegsperren, die Zufügung von peinigenden Maßnahmen bis hin zur physischen Auslöschung mit der Todesstrafe.

Sind von Kindheit an diese Gesetze verinnerlicht, funktioniert ein Mensch so, dass er bei Übertretung oder Nichterfüllung die bekannten Schuldgefühle bekommt. Das funktioniert völlig automatisch, auch wenn ein sog. „Freigeist“ für sich rational die Entscheidung fällt, diesen Gesetzen nicht entsprechen zu wollen.

Schulgefühle stellen sich also zwanghaft automatisch ein und werden nur dann abgebaut, wenn sog. „Wiedergutmachungsleistungen“ gegenüber dem oder den Geschädigten geleistet worden sind. Dabei ist es wichtig, dass die Verminderung der Schuldgefühle nur dann erfolgt, wenn der Verursacher ein substantielle Verminderung eigener Werte erlebt (harte Arbeit über längere Zeit; wirtschaftliche Einbußen; Abgabe von Machtmomenten; Demütigungen) immer in Verbindung mit der öffentlichen Sichtbarmachung dieser Nachteile.

Bilanz: Jeder normal sozialisierte Mensch unterliegt der Ausbildung von Schuldgefühlen, wenn er die Regeln des sozialen Zusammenlebens bricht. Und genau dieses hochwirksame Element unseres Dasein bezeichnen wir als Schuld, die in umfangreichen Gesetzestexten thematisiert wird - meist zum Vorteil eines guten Zusammenlebens in der Gemeinschaft.

...zur Antwort

Ist möglich, allerdings unter bestimmten Voraussetzungen. Man sollte eine Bärengesundheit besitzen, denn Krankheiten, Verletzungen und Empfindlichkeiten können das Unternehmen in Rekordzeit beenden.

Man kann so ein „persönliches Experiment“ nur bei warmen Wetter und in einer Umwelt durchführen, die minimale Risiken bezüglich Beraubung oder körperlichen Angriffen bietet.

Man sollte echte manuelle Kenntnisse, eine robuste Ignoranz gegenüber hygienischen Unzulänglichkeiten, eine große freundliche Offenheit gegenüber allen noch so abwegig erscheinenden Mitmenschen und eine richtig gute Stressresistenz haben.

Klar ist, dass man nie alles geschenkt bekommen wird und folglich seine Arbeitsleistung anbieten muss. Hier gilt es vielseitig zu sein, und sich schnell in wirklich belastende Tätigkeiten eingewöhnen zu können.

Gut ist natürlich, wenn man diese Reise dann irgendwann auch wieder abbrechen kann und jetzt immer noch Perspektiven hat, sich wieder in die ganz normale Arbeitswelt einzugliedern.

...zur Antwort

In der Psychologie arbeitet man - bezogen auf deine Fragestellung - besser mit dem Begriff der „Intentionalität“, also einem Gerichtetsein jeglichen Tuns. Es gilt dann, dass es kein Tun geben kann, das ohne eine Ausrichtung auf ein Ziel denkbar wäre.

Interessant ist nun, dass die frei flottierenden Phantasien, oder die in Tagträumen auftretenden komplett ungewollten Geschehnisse letztlich zumindest immer auf ein „weiter“ hin ausgerichtet sind. Willensmomente sind dabei lediglich nebulöse Anmutungen ohne Intentionalität.

Auch in Meditationen gibt es Vorsatzformeln wie z.B. „Es atmet mich!“, die auch im autogenen Training zur Anwendung kommt. Hier wird das persönliche Willensmoment aufgelöst oder auch fallen gelassen und auf ein autonomes Geschehen aus einer unbekannten anderen Quelle gewartet.

Auch in der Psychotherapie des „katathymen Bilderlebens“ nach Hans-Karl Leuner, was ich selber praktiziert habe, ging es um ein vollständiges Zurücknehmen jeglicher Initiativen, also aller Willensmomente. Im Zustand vollständiger Willenslosigkeit tauchten dann Bilder und Szenen auf, die aus dem Unbewussten an die Oberfläche drängten, und hier ein völlig ungesteuertes Geschehen produzierten.

Bilanz: Es gibt sicher einige Verfahren, bei denen alle Willensmomente ausgeschaltet bleiben, Vorgängen also, denen man sich anvertrauen kann, die aus den Tiefen des Unbewussten aufsteigen, bei denen man dann nur noch Zuschauer und nicht mehr Gestalter ist.

...zur Antwort

Ich denke, dass wir primär um Anerkennung kämpfen, weniger um Bedeutsamkeit und Wichtigkeit. Wer sich selbst gegenüber eingestehen muss, dass er keine ausgeprägten Talente und Fähigkeiten besitzt, sondern eher „unterdurchschnittlich performt“ will nicht „bedeutsam“ werden.

Allerdings immer bleibt das Verlangen nach Anerkennung dessen, was man nun dennoch innerhalb der Gemeinschaft zu leisten vermag. Auch ein Lagerarbeiter freut sich riesig, wenn ihm gute und zuverlässige Arbeit von seinem Chef bescheinigt wird, wenn die Kollegen ihm wertschätzende Worte an seinem Geburtstag sagen, und seine Frau stolz auf ihn ist, weil er umsichtig und verantwortungsvoll gehandelt hat, als ein Wassereinbruch beinahe einen großen Schaden verursacht hätte.

Leute, die nun über ausgeprägte Talente verfügen, sei es, dass sie hervorragend reden können, dass sie ein ausgezeichnetes Gedächtnis oder sehr gute naturwissenschaftliche oder politische Talente haben, entwickeln oftmals ein ausgeprägtes Rangordnungsverhalten, d.h. Sie wollen die „Karriereleiter“ hinaufsteigen. Sie wollen dominieren, Weisungsbefugnis erlangen, Verantwortlichkeiten bekommen und natürlich auch gehaltsmäßig substantiell zulegen.

Dies ist nun ein ganz archaisches in der Stammesgeschichte des Menschen erworbenes und folglich angeborenes Verhalten, wie wir es in völlig gleicher Weise auch in Tierverbänden beobachten können. Das Streben nach Macht und Einfluss schafft Zugang zu den begehrtesten Ressourcen wie Paarungspartnern, Reichtum und damit Gestaltungsmöglichkeit und vor allem die Fähigkeit, die Gruppe auf eigene Ziele hin auszurichten.

...zur Antwort
Besteht das Leben aus Erinnerungen eines gelebten Lebens?

Beim sterben ist die letzte Hirnaktivität viel intensiver als ein normaler Traum und auch anders, wo nacheinander alle Erinnerungen abgerufen werden.

Vielleicht ist unser aktuelles Leben ebenfalls so etwas.

Also wenn wir vor diesen Leben ein anderes Leben durchlebt haben und wir irgendwann sterben, das es ebenfalls wieder mit der Kindheit beginnt.

Sterben wir als Beispiel mit 80 und Leben A ist für uns beendet und in Leben B fangen wir an einer Stelle an, wo beim Kleinkind das "Ich Bewusstsein" beginnt, was für einen selbst viel länger anfühlt als für alle anderen Menschen, also sobald die Hirnaktivität der sterbenden Person erloschen ist, hat die Betroffene Person bereits ein weiteres Leben für Jahrzehnte durchlebt, während es für uns nur Minuten sind.

In Leben A waren wir als Beispiel von 1987 - 1989 in Kindergarten (gegenüber ist eine Grundschule), haben dort auch einen Patrick kennengelernt, haben in dem 2020er Jahre auch YouTube Videos von z.B. Stella (angehende Ärztin mit Tourette) gesehen und irgendwann sterben wir, aber in Leben B geht es irgendwie weiter.

In Leben B sind die Erinnerungen aus dem Kindergarten weiter hinten, also es ist eine Firma, wo wir 2015 anfangen, lernen dort ebenfalls einen Patrick kennen, die Stella aus dem YouTube Videos ist diesmal eine Arbeitskollegin, in der Kantine sitzen wir in der Mittagspause gemeinsam am Tisch und Patriock isst als Nachtisch ein Eis.

Haben wir in Leben A zusätzlich auch YouTube Videos von Gewitter im Kopf gesehen, wo Jan Zimmermann auch Pommes sagt, könnte Jan Zimmermann in Leben B ohne Tourette, ohne ADHS und ohne Epilepsie sein und z.B. bei McDonalds oder in einer Pommesbude arbeiten und wir dort als Kunden Pommes essen.

Haben wir in Leben A als Kleinkind in einen Haus gewohnt und unser Planschbecken stand auf der rechten Seite der Terasse und die Tür ins Haus war auf der linken Seite, das in Leben B die Räumlichkeiten in Haus unserer Kindheit anders aufgeteilt sind und der Planschbecken auf der anderen Seite der Terasse steht und die Tür ins Haus auf der rechten Seite ist.

Also das sich bei der letzten Hirnaktivität alles vermischt und verändert, so ähnlich wie es in unseren Träumen passiert, also das alles neu kombiniert wird.

Was meint Ihr? Vielleicht beginnen wir bei jeden sterben immer und immer wieder an der Stelle, wo das "ICH-Bewusstsein" des Kindes beginnt und das es keinen endgültigen Tod gibt.

...zum Beitrag

Bedenke doch, dass all unsere Phantasien über ein Leben nach dem Tod der Tatsache entspringen, dass wir es als unerträglich empfinden dereinst völlig zu verschwinden. Diese totale „Nichtung unserer Existenz“ ist ein absolut schmerzlicher Prozess, der mit „allen Mitteln der Kunst“ abgestritten, verleugnet und zurückgewiesen wird, wobei dann quasi als „Beweis“ teilweise ganz absurde Konstrukte angeboten werden.

Die immer wieder angeführte Argumentation, dass man weder ein Leben nach dem Tod noch kein Leben nach dem Tod beweisen könne, und folglich beide Theorien gleich gültig sein würden ist philosophisch leider falsch.

Wenn ich z.B. behaupte, dass es zwölfbeinige Giraffen gibt, obwohl nur vierbeinige bisher gesehen wurde, und nun sage, dass es sehr wohl sein könne, dass diese Tiere existieren auch wenn sie noch nicht beobachtet worden sind, stelle ich ebenfalls eine nicht gültige These auf.

Es gibt keinen einzigen Beweis für ein Leben nach dem Tode, weil alle Versuche zur „Reinkarnation“ (die bekannten Dalei-Lama Berichte) nie im Doppelblindverfahren durchgeführt wurden. Dabei darf der Experimentator nicht die Lösung der Probleme kennen, die durch den Probanden gefunden werden sollen. Bisher war immer der Versuchsleiter informiert und hat durch winzige Signale Hinweise (zum Teil unbewusst) gegeben, die der „angeblich Reinkarnierte“ dann identifizieren konnte.

Gegen die Reinkarnation spricht die gewichtige Stammesgeschichte des Menschen aus einzelligen Ursprüngen über Vielzeller zu Chordatieren, weiter zu Fischen, Amphibien, Reptilien zu spitzmausartigen Säugern und schließlich über Halbaffen zu echten Affen und endlich über die Menschenaffen im „Tier-Mensch-Übergangsfeld“ zu den echten Menschen (Australopithecinen, Homo habilis, Homo erectus, Homo sapiens.

Wo in dieser langen 3,5 Milliarden langen Stammesgeschichte hätte denn die Reinkarnation einsetzen sollen? Nein wir sind „leider“ nur biologische Wesen, die zwar ungemein hoch entwickelt sind, aber dennoch immer reine stoffliche Wesen geblieben sind, die am Ende ihres Lebensweges ganz schlicht zu anorganischer Materie wieder abgebaut werden. Eine schmerzliche Erkenntnis aber wir sollten uns damit lernen anzufreunden.

...zur Antwort

Ein sehr ansprechendes Stück Poesie. Denke, dass es eine tiefgründige Erweiterung und Ergänzung des „Wanderers im Nebel“ ist. „Seltsam im Nebel zu wandern; Leben ist Einsamkeit; Kein Mensch kennt den anderen; Jeder ist allein.“

Du gehst zunächst auf das Lebensproblem der Dichotomie: Wirklichkeit gegen Illusion, Traumwelt, imaginierte Selbstüberhöhung in Allmachtsphantasien und Fremdbestimmtheit ein. Zweifellos ein fundamental wichtiger und richtiger Punkt - lediglich deine eigene Abwertung „ein Drang ohne Verstand und Ziel.“ kann ich so nicht teilen, da wir fast immer „Ziele ansteuern“, selbst wenn sie ohne innere Logik oder auf absurde Hoffnungen hin ausgerichtet sind. Zudem lässt sich der Verstand nie ausschalten, auch wenn er Brüche, Widerspüche oder chaotische Ungereimtheiten in den Abstraktionsebenen locker in ein bizarres Konglomerat integriert.

Die beiden folgenden Zeilen sind sehr poetisch und gut formuliert.

Es folgt die philosophisch in allen Epochen hoch virulente Zeitproblematik, die in der Begrenzung der Lebensspanne ihre existentielle Ausgestaltung findet - hier sicher sehr angebracht.

Beim „Sehnen“ bin ich wiederum nicht so negativ, weil es ein ungemein stimulierendes Element der Phantasie und Kreativität darstellt. Gleiches gilt dann für die von dir angesprochene Not, die ich so nicht in der Einsamkeit erlebe, weil gerade das partielle Alleinsein immer Räume für spekulative Gedankengänge eröffnet. Nicht umsonst wurde und wird in zahlreichen esoterischen Systemen die einsame Meditation als absolute Form möglicher innerer Bereicherung und Selbstfindung empfohlen.

Bilanz: Ein sehr schönes Stück poetischer Selbstreflektion, die Anlass gibt auf diesem Wege weitere Schritte zu wagen.

...zur Antwort

In der Geschichte der Geisteswissenschaften war die Philosophie zweifellos der Vorreiter für anthropologische Problemfelder, also die Bereiche, in denen beide Wissenschaften große Überlappungsgebiete haben.

Aus der Philosophie hat sich dann die Psychologie als eigenständige Disziplin herausentwickelt, als im philosophischen Diskurs immer mehr Gewicht auf das stammesgeschichtliche Gewordensein des Menschen gelegt wurde. Darwins Erkenntnisse waren hier wegbereitend. Freud brachte dann die ganze Problematik der unbewussten Anteile der Persönlichkeit in Form der Psychoanalyse auf den Plan, was abermals den traditionellen Kanon der Philosophie, bestehend aus Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie, Logik, Ethik, Ästhetik und Metaphysik erweiterte.

Manche Philosophen haben dann die spezifisch anthropologischen Themen versucht zu integrieren (Hartmann, Scheler, Nietzsche), andere haben sie ausgeklammert, bis schließlich Wissenschaftler die ganze Philosophie umgingen, um nur noch das „menschliche Verhalten“ als ihren Gegenstand hochspezifisch und mit sog. exakter wissenschaftlicher Methodik (primär der mathematischen Statistik) zu bearbeiten.

Damit lässt sich deine Frage nun gut beantworten: Die Philosophie kommt heute ohne Psychologie nicht mehr aus (Kants berühmte vierte Frage „Was ist der Mensch?“). Die Psychologie dagegen kann ohne jede Frage gut auf die gesamte Philosophie verzichten, selbst wenn sie bisweilen darüber sinniert, wie hilfreich die ganze psychologische Forschung für das Lebensglück des Menschen denn nun wohl sein könnte.

...zur Antwort

Menschen "funktionieren" in ihrem Denken und Überlegen nicht nach formallogischen Prinzipien, sondern nach stammesgeschichtlich erworbenen Überlebensstrategien. Und diese sind primär situationangepasst. Ein Verhalten, das in einer Situation günstig ist, kann in einer anderen ungünstig sein, wobei es dann gegengesetzlich - also widersprüchlich - zum ersten erscheint.

Entscheidend ist also immer der erkennbare Überlebensvorteil und nicht die Widerspruchsfreiheit.

Zweifellos kann man in großer intellektueller Strenge versuchen, sein eigenes Leben weitgehend kohärenten Prizipien zu unterwerfen, doch ich denke, dass absolute Widerspruchsfreiheit unerreichbar ist, da starke Emotionen das Handen unvermittelt dominieren können.

...zur Antwort

Sicher eine gute Frage, auf die es schwierig ist eine gute Antwort zu finden. Dennoch ein Versuch: Der politische Faschismus ist extrem aggressiv, sehr intolerant, kommt mit einem Absolutheitsanspruch, der Andersdenkende mental quasi vergewaltigt. Jede kritische Äußerung kann zur existentiellen Katastrophe führen, wie man an den politischen Morden in seinem Namen ablesen kann.

Da ist die Allgegenwart von Technik doch ungleich friedfertiger. Sie trägt doch weitgehend immer noch den Status des Angebotes. Gut, du hast Recht bei der Notwendigkeit ein Bankkonto zu führen und seine Bezahlungen darüber abwickeln zu müssen. Doch ob du nun ein Handy mit Hunderten von Apps verwendest, bleibt dir doch wirklich selbst überlassen. Ich selbst habe Zeit meines Lebens mit der Hand den Abwasch gemacht, bin mit meinem Standardkühlschrank seit 16 Jahren vollauf zufrieden, des gleichen mit der Waschmaschine, bei der ich zwischen etwa fünf Programmen wechsele, und der Staubsauger kennt nur die Stellungen „voll“ oder „weg“. Da fühle ich mich von der Technik in keinster Weise fremdbestimmt.

Sicher habe ich schon Heideggers Technikkritik studiert, doch letztlich haben uns technische Entwicklungen doch auch große Vorteile gebracht. Ich habe vor wenigen Monaten meine Augenlinsen erneuern lassen. Das war eine Offenbarung. Kann jetzt wieder auf beiden Augen mit 125 % Sehschärfe meine Umwelt studieren. Meine meeresbiologische Studien als Taucher werden mir bleibend in Erinnerung sein. Und so manche phantastische Erfahrung konnte ich erst durch die Hilfe technischer Systeme machen, die sich anboten, einfach ganz unaggressiv auf ein freies Ergreifen von irgend einem Menschen warteten.

...zur Antwort

Auf jeden Fall muss auf eine Leistung eine „Antwort“ erfolgen. Anderenfalls ist die Beziehung durch das „ignorante Verhalten“ belastet, wenn nicht sogar „beschädigt“.

Wenn nun aber der „Schenker“ aus einer sehr komfortablen Situation heraus agiert und dem Beschenkten mit seiner Gabe unterstützen will, dann sind freundliche Dankesworte durchaus ausreichend.

Auch in Abhängigkeitsverhältnissen sind Gegengeschenke nur hin und wieder erforderlich, weil der Beschenkte gar nicht in der Lage ist, eine Kompensation zu leisten.

Bilanz: Es ist viel Feingefühl erforderlich, auf Geschenke immer die richtige Antwort zu finden. Wichtig ist nach meinem Dafürhalten, dass sich in dem Gegengeschenk die Wertschätzung für den Gebenden gut erkennen lässt. Die absolute Gleichstellung der Werte ist nicht erforderlich.

...zur Antwort

Hier hat Merlin 128 bereits die wesentliche Aussage gegeben.

Ich selbst würde jedoch wieder die begrifflichen Unschärfen des Zitates kritisch hinterfragen wollen. Mit „Liebe“ kann eben so unendlich viel Verschiedenes gemeint sein, vor allem kann Liebe auch zerstörerisch, egoistisch, dominierend und Leid erzeugend sein, dass man sie nur sehr bedingt in so absoluten Pauschalsätzen verwenden kann.

Letztlich kann man die angebliche Aussage von Einstein so weit reduzieren, dass man behauptet: Am Ende wird das Gute über das Böse triumphieren. Und da ist es doch interessant, dass die Evolution ja immerhin stets das Leben weiterführt und damit die aufbauenden Kräfte immer über die zerstörerischen dominieren werden. In der Bilanz könne wir also das in Rede stehende Zitat in seiner Gültigkeit anerkennen.

...zur Antwort

Mit der Metapher des Konstruktionsbaukastens kann man durchaus ein wenig spielen. So sind auch im realen Leben bestimmte Strukturen mit ihren je eigenen Funktionen sicher immer vorgegeben. Jeder Mensch hat seine Eltern mit ihren Einflüssen, immer hat man sich bestimmten beruflichen Notwendigkeiten zu stellen, muss auf Existenzsicherung hin agieren, strebt nach Partnerschaften mit den ganzen Implikationen, und hat schließlich für alle Unternehmungen immer nur begrenzte Zeiträume zur Verfügung.

Allerdings würde ich immer sagen, dass jeder Konstuktionsbaukasten ungleich beschränkter ist als die Möglichkeiten mit all ihren feinen Varianten, die im Leben eines Menschen gegeben sind. Vor allen wenn man sich die Bildungschancen eines Menschen in unserer Gesellschaft vor Augen führt, sind alle Analogien zu einem vorgegebenen Baukasten hinfällig.

Mit der vorgegebenen Partitur, die es im realen Leben zu interpretieren gilt, wird man jedoch noch weniger zurecht kommen. Hier käme man ganz schnell in sehr deterministische Vorstellungen, die wir hier im Forum schon endlos oft widerlegt haben. In einer Partitur sind halt doch die Sätze in ihrer Länge, die Melodien und viele weitere Instrumentalisierungen stark vorgezeichnet. Die ungeahnte Länge eines Menschenlebens mit seinen extremen Zufälligkeiten lässt sich folglich mit der von dir vorgeschlagenen Metapher nicht einfangen, auch wenn ich zugeben muss, dass damit ein Reiz für das Durchdenken so einer Konstellation durchaus gegeben ist.

...zur Antwort

Formallogisch ist nur die erste Aussage zulässig. Dabei gilt es zu beachten, dass natürlich auch die Träume, die Phantasmagorien oder die Wahnvorstellungen als neurophysiologische Phänomene unseres Gehirns zur Wirklichkeit zu zählen sind. Gleiches gilt für Ideen, Anmutungen, Stimmungen, Gefühle oder verklungene Gesänge. In all diesen Fällen können wir von „Existierendem“ sprechen, und folglich ist deine erste Aussage zutreffend.

Aus „Wirklichkeit“ kann jedoch das Existierende nicht bestehen, weil dabei die philosophische Begrifflichkeit falsch angewandt wäre.

...zur Antwort