Wie wird eine verufte Sekte zu einer anerkannten Kirche?

36 Antworten

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Liegt dieses daran, dass Adventisten mit anderen Kirchen zusammenarbeitet und ihre Glaubenslehre den anderen Kirchen angepasst hat

Im Prinzip ja.

Zwischen 7-Tags-Adventisten (STA) und evangelischer Kirche hat es in den 70-er Jahren Gespräche gegeben. Anfang der 80-er habe ich in einer Broschüre darüber gelesen. In den Gesprächen wurden Missverständnisse ausgeräumt, etwa haben die Adventisten klargestellt, dass die Schriften von E.G. White nicht als unfehlbare göttliche Prophetie angesehen werden. Wie weit dabei auch die Lehre der Adventisten "angepasst" wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

Als Konsequenz wurde die Polemik der Adventisten gegen andere Kirchen ruhiger, und sie STA nicht mehr als Sekte angesehen.

Andere adventistische Gruppen (die aber im Vergleich zu den STA ziemlich klein sind) gelten immer noch als Sekte. Ob alle anderen, weiß ich jetzt aber nicht ...

und kann dieses Schicksal auch Zeugen Jehovas zu Teil werden

Wenn sie die Trinitätslehre anerkennen, sich nicht mehr als die einzige wahre Kirche sehen, und einige weitere Dinge mehr: ja. nur ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass sie sich so entwickeln.

Beide Religionsgemeinschaften sind in gleicher Epoche in Nordamerika entstanden.

Die Adventisten sind älter, stammen aus den Resten einer Massenbewegung und waren nach innen stets freikirchlich-demokratisch organisiert, die ZJ sind eine "theokratische" Organisation, die eher nach "Befehl und gehorsam" funktioniert.. Der Gründer der ZJ (die damals noch "ernste Bibelforscher" hießen) hat zwar einige Gedanken von Adventisten übernommen, aber nie direkt Kontakt mit denen gehabt. Und während die Adventisten den Fehler der Miller-Bewegung, das Datum der Rückkehr Jesu zu berechnen, sviw nie wiederholt haben, haben die ZJ immer wieder Termine genannt. zunächst einen sichtbare Rückkehr im Jahr 1914 (40 Jahre nach einer angeblich unsichtbaren Rückkehr im Jahr 1874), dann ein weniger präzises Datum ("Millionen jetzt lebender Menschen werden nie sterben"), ich erinnere mich noch an "bevor die Generation von 1914 stirbt", ob die heute schon wider eine "Termin" haben, weiß ich nicht.

Also: der Weg, den die ZJ zurücklegen müssten, ist deutlich weiter als bei den STA.

Hier in Bonn arbeiten die Adventisten weder bei der ACK noch beider Evangelischen Allianz mit! Auch sind sie nicht am interreligiösen Dialog beteiligt! Man muuss bei den Adventisten aber zwischen der amerikanischen Zentrale (die hetzen immer noch sehr aggressiv gegen das Christentum) und der deutschen Sektion unterscheiden! Die sog. "Zeugen Jehovas" lehnen jede Beteiligung an der Ökumene und am interreligiösen Dialog ab! Die schotten sich noch mehr ab als manche "gemäßigten" Salafisten!

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Studium an div. Universitäten sowie Intereligiöser Dialog.

Das geht ganz einfach: Wer genug Mitglieder hat, wird als Kirche anerkannt. Daneben kommt noch dazu, dass sich sowohl die Gemeinschaft der Siebenten Tags Adventisten als auch die großen Kirchen in den letzten 30 Jahren sehr gewandelt haben.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Studium und 20 Jahre Gemeindeerfahrung

Was soll denn eine "anerkannte Kirche" sein? Anerkannt durch wen?

Was die staatliche Perspektive angeht: Artikel 9 des Grundgesetzes garantiert allen Deutschen, das Recht, Vereine und Gesellschaften zu bilden, sofern sie dabei keine strafbaren, verfassungsfeindlichen oder gegen die Völkerverständigung gerichteten Absichten verfolgen. Niemand muß diese Vereine und Gesellschaften "anerkennen".

Was vielleicht manche mißverstehen: Eine Religionsgemeinschaft kann auf Antrag als "Körperschaft des öffentlichen Rechts" anerkannt werden, so wie die Handwerkskammer für Unterfranken und das Bayerische Rote Kreuz. Das ist eine rechtliche Angelegenheit, nicht anders als wenn man einen "e.V." oder eine "GmbH" gründet, was man als Kegelclub oder Dönerbudenbetreiber ja tun oder auch lassen kann. Niemand käme auf die Idee, deshalb von einem "anerkannten Kegelclubs" oder "anerkannten Dönerbuden" zu sprechen.

Die Idee, eine Kirche als solche müsse "anerkannt" (oder, was ich auch schon hörte: "offiziell") sein, entstammt der in Deutschland hinter uns liegenden Zeit des autoritären Obrigkeitsstaates, der vielfach mit privilegierten Staatskirchen verfilzt war. Eine Verfilzung, die lange anhielt, z.T. bis heute oder bis in jüngste Vergangenheit (Italien und Spanien mit dem Katholizismus, skandinavische Staaten mit lutheranischen Staatskirchen, Großbritannien mit der anglikanischen Kirche, das zaristische und Putin-Rußland mit der Russisch-Orthodoxen Kirche)

Ja, das kann passieren, denn nach dem Motto "der Feind meines Feindes ist mein Freund" rücken Atheisten, Paganisten, Hindus, Buddhisten und Christen unterschiedlichster Couleur immer enger zusammen.

WotansAuge, das ist eine schöne, schlüssige Antwort. Es ist, wie´s ist. Zu niemandem dieser Couleur zu gehören, ist wahrscheinlich die gesündeste Lebensart. Man schadet niemandem, kann trotzdem Zivilcourage zeigen und ein nützliches, friedvolles und auch kritisches Mitglied dieser Gesellschaft sein. Für Nächstenliebe und Mitgefühl braucht man keine Religion.

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@geschoepf

Zu niemandem dieser Couleur zu gehören, ist wahrscheinlich die gesündeste Lebensart.

Richtig, wobei der Begriff "Atheist" ausgeklammert werden muss, da er dort nicht hineinpasst. Denn atheismus ist keine Überzeugung sondern einfach nur das Nichtvorahdensein von Glauben, nud das ist bei jedem Menschn von Geburt an der normale zustand.

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@wildcarts

Ja, ich weiß das. Viele Atheisten wissen nicht einmal, dass man sie so bezeichnet, ungeachtet, ob sie Gutes tun und tägliche Nächstenliebe leben. Ich kann nur hoffen, dass das möglichst viele hier lesen.

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