Ist die evangelisch-lutherische Kirche eine Sekte?

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8 Antworten

Lutheraner haben sich wie alle Protestanten von der Kirche durch die Reformation abgespalten. "Sekte" kommt vom lat. Wort "secare", was schneiden heißt. Sie sind also abgeschnitten von Mutter Kirche und somit sind sie zumindest etymologisch eine Sekte. Wenn man den Ast eines Baumes abschneidet, stirbt er ab.

Allerdings trifft dies nicht auf den heutigen Begriff von Sekte zu (Scientology, Zeugen Jehowas, Mormonen, etc.), da da ja noch einmal Welten dazwischen liegen. 

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Man kann den Begriff "Sekte" unterschiedlich definieren - emotional (Gehirrnwäsche), sozial (Abgrenzung von der Welt), wirtschaftlich (Geld machen) oder eben historisch, so wie Du es gemacht hast (Abspaltung von einer grösseren Religion).

In diesem Sinne ist die evangelisch-lutherische Kirche eine Sekte der römisch-katholischen Kirche. Man könnte noch weiter gehen und das Christentum generell als eine jüdische Sekte bezeichnen, was auch immer wieder mal geschieht. 

Ich bin der Meinung, dass man den Begriff "Sekte" nicht mehr verwenden sollte, denn er ist heute out weil er eine abwertende Bedeutung bekommen hat. Viel mehr spricht man heute von Sondergruppen und meint Kirchen und religiöse Bewegungen, die nicht dem Mainstream entsprechen. 

In diesem Sinne ist die ev.-luth. Kirche sicher keine Sondergruppe / Sekte, denn sie vertritt eine grosse Bewegung innerhalb des Christentums.   

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Mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 wurden erstmals durch reichsrechtliche Beschlüsse die grundlegenden Bedingungen für eine friedliche und dauerhafte Koexistenz von Luthertum und Katholizismus im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation festgesetzt.

Dazu zählten einerseits eine weitgehende Verwirklichung der Parität der Konfessionen durch den Gleichheitsgrundsatz, andererseits die implizite Verkündung eines Landfriedens. Außerdem verdrängte der Augsburger Reichs- und Religionsfrieden die Idee des universalen christlichen Kaisertums, wobei die Vorstellung einer eventuellen späteren Wiedervereinigung der beiden Konfessionen nicht ausgeschlossen wurde. (Wikipedia)

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Die evangelisch-lutherische Kirche gehört zur EKD (Evangelische Kirche Deutschlands) und ist demnach keine Sekte. Sie hat etwas andere Ansichten über die Auslegung der Bibel und stimmt nicht mit allen Lehren der Protestanten zu 100% überein. Bei der Abendmahlfeier sind die Lutheraner eher bei den Katholiken, weil sie glauben, dass Jesus tatsächlich in Brot und Wein anwesend ist, während Protestanten die Abendmahlfeier nur als Gedächtnisfeier abhalten.
Vielerorts haben sich Protestanten und Lutheraner zur unierten Kirche zusammengeschlossen und feiern gemeinsam Gottesdienst.

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Kommentar von misterx1234321
03.08.2016, 23:24

Meine Frage bezog sich eher darauf, ob sie nach dieser Definition eine Sekte sind, weil sie sich ja vor nun fast 500 Jahren von der katholischen Kirche abgespalten haben.

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Kommentar von Katsa1
04.08.2016, 18:08

Nein sind sie nicht, da Sekte folgendermaßen definiert wird eine Glaubensgemeinschaft, die im Gegensatz zu den großen Religionsgemeinschaften relativ wenig Mitglieder hat. 2. abwert. eine kleinere (Glaubens-)Gemeinschaft, oft mit einem hierarchischen Aufbau, deren Ansichten meist sehr radikal und abwegig sind sowie den ethischen Grundwerten der Gesellschaft widersprechen.

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Kommentar von Katsa1
04.08.2016, 20:04

Zitat aus Duden Fremdwörterbuch 8. neu bearbeitete und erweiterte Auflage von 2005 Sek|te die; -,-n

1. kleinere, von einer größeren Glaubensgemeinschaft, einer Kirche abgespaltene religiöse Gemeinschaft, die andere Positionen als die ursprüngliche Gemeinschaft betont. 2. (meist abwertend) kleinere Gemeinschaft, die in meist radikaler, einseitiger Weise bestimmte Ideologien vertritt, die nicht den ethischen Grundwerten der Gesellschaft entsprechen . Punkt 2 trifft auf jeden Fall nicht zu... Punkt 1 nur bedingt. Die Leute, die die an der Reformation beteiligt waren hatten sich nicht zum Ziel gesetzt eine neue Religionsgemeinschaft zu gründen. Vielmehr prangerten sie Missstände in der katholischen Kirche an. Weil sich nichts änderte haben sie dann doch ne eigene Kirche gegründet. Allerdings wurde gleich zu Beginn etwa die Hälfte der Menschen evangelisch, weil jeder den Glauben annehmen musste, den sein Fürst/Herrscher hatte. Manche von den evangelischen glaubten weiterhin, dass beim Abendmahl Brot und Wein in Leib und Blut Christi verwandelt werden. Das sind bis heute die lutherischen. Die anderen möchten das Abendmahl nur als Gedenkfeier abhalten, die reformierten. Mittlerweile gehören sie aber alle zur EKD (Evangelische Kirche Deutschlands). Zum Teil feiern sie auch in den unierten Gemeinden gemeinsam ihre Gottesdienste. Da bereits in den frühen Anfangstagen sehr viele Menschen freiwillig und unfreiwillig evangelisch-lutherisch waren halte ich diese Kirche nicht für eine Sekte. Falls du sie aber für eine Sekte halten möchtest, kannst du das gerne tun, denn das ist Auslegungssache. Allerdings sind dann die (katholischen) Christen eine jüdische Sekte genau wie die Muslime, die Reformierten, die evangelisch-lutherischen, die Russisch-orthodoxen, die griechisch-Orthodoxen,... alles Sekten, die aus der katholischen Kirche entstanden sind ...

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Der Sektenbegriff hat nichts mit der Anzahl der Anhänger zu tun, noch mit einem unorthodoxen Glauben. Auch ist der heutige Sektenbegriff sehr viel weiter geworden als nur eine religiöse Gemeinschaft und umfasst auch äußerst weltliche Gruppierungen. Dementsprechend ist die Begriffsherleitung einer Abspaltung (secare) überholt, obwohl linguistisch sich das Wort Sekte nicht von secare ableitet, sondern vom lateinischen secta, das sich aus dem Verb sequi (= jemanden folgen) gebildet hat.

Für den Begriff Sekte sind andere Faktoren von wesentlicher Bedeutung: Er bezieht sich auf die Rolle des Anführers, die Machtstruktur, die Verletzung der Rechte ihrer Mitglieder, auf Unterdrückung der Persönlichkeit und zum selbstständigen Denken und Handeln, die soziale Struktur und den systematischen unethischen Einsatz von raffinierten psychologischen und sozialen Beeinflussungsmethoden, um Mitglieder zu werben oder sie anderen schädlichen Einflüssen zu unterwerfen, um sie in der Gruppe zu halten. Nicht zuletzt spielt noch die Art und Weise eine Rolle, wie umfassend die Methoden und die Intensität der Mittelwie Kontrolle ausgeübt werden.

destruktive-gruppen-erkennen.com

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Nein. 

Die strammen Katholiken von damals haben die Protestanten sicher zunächst als Sekte verstanden und waren der irrigen Meinung, man könne mit dieser "Sekte" so verfahren wie zuvor mit Katharern, Waldensern und anderen "Häretikern" - also: Köpfe rollen lassen oder ab auf den Scheiterhaufen, und dann ist Ruhe. 

Merke: "Sekte" - das sind immer die anderen. Diejenigen, die nicht im Besitz der allein selig machenden Wahrheit sind.

(Heute hat der Begriff angesichts totalitärer religiösen Gruppierungen verständlicherweise einen Bedeutungswandel erfahren - aber das Grundprinzip blieb erhalten.) 

Gruß, earnest


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aus sicht der alleinigen katholischen kirche, ja (selbst wenn es nicht zugegeben wird)

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Danke für die Antworten, die sagen mir aber auch nur das was ich im Geschichtsunterricht auch hatte. Ich bin nur über diese Definition gestolpert und war neugierig, ob diese nicht auch auf evangelische Kirche zutrifft.

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Kommentar von earnest
04.08.2016, 09:38

Na, dann gratuliere ich dir zu einem ganz tollen Geschichtsunterricht. Gruß an deinen Lehrer. 

;-)

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