Warum tun sich selbst viele Muttersprachler in der Grammatik der deutschen Sprache so schwer?

14 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Es wäre auch interessant zu wissen, wie Kinder Grammatik lernen.

Schulen kämpfen immer noch häufig damit, heranwachsen Kinder eine ordentliche Grammatik beizubringen. Vielleicht kommen ja hier einige Ideen zusammen.

Bei uns wurde stumpf auswendiggelernt, ohne jede Erklärung warum was wie heißt und wo es verwendet wird. Entsprechend haben es wohl die allermeisten Schüler gleich nach der Klassenarbeit wieder vergessen.
Das Thema kam auch nur exakt 1x dran, in der 7. Klasse soweit ich mich erinnere.

So hat das jedenfalls nicht funktioniert ;)

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Ich habs mir selbst angelernt durch Bücher lesen, den Grammatikunterricht in der Schule fand ich immer sinnlos, verworren und nicht praxistauglich.

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Das sollte man eigentlich in der Familie schon lernen.

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Wobei die Komplexität ja auch einem Zweck dient (und sich offenbar früher von alleine so entwickelt hatte - durch den Sprachgebrauch). Im Japanischen sind ja schon "ich" und "du" kompliziert. Alleine für "ich" gibt es mehrere Wörter (watashi, ore, uchi...) und für "du" gibt es weit mehr als nur "anata". Im Koreanischen gibt es 7 Höflichkeitsstufen bei Verben. Dagegen sind unsere Höflichkeitsformen mit "Sie" recht einfach (sie entsprechen der normalen 3.Person Plural).

Manche Sprachen (sogar viele, wenn man es weltweit sieht) unterscheiden zwei Sorten von "wir" (der Angesprochene gehört zur eigenen Gruppe, inklusives Wir, oder eben nicht, exklusives Wir).

Sicher macht auch ein Muttersprachler manchmal Fehler (das passiert mir sicher auch manchmal), aber im Großen und Ganzen kann man schon sagen, dass erwachsene Deutsche die Grammatik zumindest passabel beherrschen. In letzter Zeit beobachte ich ein Problem beim Akkusativ, Sätze wie "Ich habe ein Freund" oder "Ich habe ein Hund." liest man leider doch recht oft (das -en im Akkusativ ist im Rückzug begriffen, was auch phonetische Gründe hat).

Auch wenn ich die deutsche Rechtschreibung gut beherrsche, haben Viele KeinLust alles Immer perfect zu schreiben, da man sich so oder so versteht :D merkst du den Unterschied? ^^

In der Schule müsste man darauf achten, aber auf diese Seiten reicht es aus wenn man verständlich schreibt, der Rest ist meiner Meinung nach egal.

Ganz gleich, ob der Satz nun von Oscar Wilde oder Mark Twain (oder von wem auch immer) stammt: Er ist hübsch formuliert und mag für den Sprecher auch zutreffen, nicht jedoch für den typischen Muttersprachler.

Ich sehe hier das deutsche Abendland noch nicht sprachlich untergehen, jedenfalls noch nicht ganz - auch wenn ich bei GF manchmal meine Zweifel habe.

Die Komplexität der deutschen Grammatik bewegt sich meiner Ansicht nach im internationalen Vergleich im oberen Mittelfeld. Es gibt Leichteres, und es gibt Schwereres. Kein Grund zur Verzweiflung.

;-)

Gruß, earnest

auch wenn ich bei GF manchmal meine Zweifel habe.

So geht es mir auch.

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Von Experte earnest bestätigt

Ich behaupte jetzt mal, dass die meisten Muttersprachler Deutsch - im Gegensatz zu deiner Behauptung - doch relativ gut beherrschen. Was man dabei aber beachten muss: Es gibt mehr als nur eine "richtige" Variante des Deutschen! Standarddeutsch, gemeinhin auch Hochdeutsch genannt, ist auch nur eine davon.

Wie ich in vielen Antworten, die hier auf Fragen zu sprachlichen Themen gestellt werden, immer wieder sehen muss, denken die meisten, alles, was nicht Standard-oder Nachrichtensprecher-Deutsch sei, wäre im Deutschen falsch. Aber diese Ansicht ist schlichtweg nicht haltbar. Zum einen sind Dialekte und Umgangssprachen (und ihre ganz eigenen Grammatiken) nicht weniger richtig als der Standard, zum anderen ist angesprochener Standard eine mehr oder weniger künstliche Schöpfung. In aller Kürze gesagt entwickelte sich der Standard als eine überregionale Verkehrssprache aus den einzelnen deutschen Dialekten, die die "eigentlichen, natürlichen" Sprachen sind.

Insofern kann man schlechterdings behaupten, man mache Fehler, wenn man seine eigene Umgangssprache bzw. seinen eigenen Dialekt spricht. Auch wenn Formen enthalten sein sollten, die es im Standard nicht gibt. Deutsch ist eben eine sehr vielfältige Sprache, das sollte man wertschätzen...

P.S.: Ausnahmen bestätigen die Regel, Fehler sind menschlich. Aber im Großen und Ganzen sehr ich das (deutsche) Abendland nicht untergehen. ;)

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