Warum heisst das heutige Deutschland nicht "viertes Reich" oder "deutsches Reich"?

19 Antworten

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Wir waren ja, wie du schon sagst, auch vorher nicht immer durchgängig ein "Reich":

Heilige Römische Reich Deutscher Nation (962–1806)

Deutsche Kaiserreich von 1871 bis 1918

1933–1945 "drittes Reich" (Begriff aus der Propaganda der NSDAP zum Zeichen der Ablehnung der Weimarer Republik)

Interessant aber was dazu auch bei Wiki steht:

"In den Beratungen des Parlamentarischen Rates über das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, den in den westlichen Besatzungszonen geplanten deutschen Teilstaat, wurde im Oktober 1948 darüber diskutiert, ob dieser die Bezeichnung Deutsches Reich weiterführen sollte. Man entschied sich aus „Gründe[n] psychologischer Art“ dagegen: Das Reich habe „bei den Völkern um uns herum einen aggressiven Akzent“ und werde „als ein Anspruch auf Beherrschung“ verstanden, so Carlo Schmid während der Beratung; Theodor Heuss sprach von einem „aggressiven Ton“, den das Wort bekommen habe."

Zur Ergänzung: Zwischen 1806 und 1871 gab es erst den Deutschen Bund und dann den Norddeutschen Bund.

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Okay danke euch

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Hierbei ist anzumerken, dass der 1.Bundestagspräsident, Eugen Gerstenmayer, ein Mann des Widerstandes gegen die Nationalismus, nur mit viel Glück einer Verurt6eilung durch den Volksgerichtshof entkommen, also über jeden Nazi-Vorwurf erhaben, in einem späteren Interview bedauerte, dass die Bundesrepublik den Namen Deutsches Reich abgelegt habe. Es gab auch bis zur Wiedervereinigung eine Reichsversicherungsanstalt, und die Staatsbahnen der DDR hatten ihren Namen Deutsche Reichsbahn ebenfalls während ihrer 40-jährigen Existenz nicht geändert. Grund genug, nicht gewaltbereiten "Reichsbürgern" gegenüber etwas mehr Gelassenheit zu zeigen.

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@KHLange
Es gab auch bis zur Wiedervereinigung eine Reichsversicherungsanstalt,

In deiner Fantasie. Die Reichsversicherungsanstalt gab es bis 1945, dann wurde sie unter Treuhandverwaltung gestellt und 1953 wurden ihre Aufgaben von der BfA übernommen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsversicherungsanstalt_f%C3%BCr_Angestellte

und die Staatsbahnen der DDR hatten ihren Namen Deutsche Reichsbahn ebenfalls während ihrer 40-jährigen Existenz nicht geändert.

Weil man in der DDR annahm, dass eine Namensänderung irgendwelche Einflüsse auf die Besitzverhältniss hätte.

Grund genug, nicht gewaltbereiten "Reichsbürgern" gegenüber etwas mehr Gelassenheit zu zeigen.

Warum sollte man Spinner nciht Spinner nennen? Warum sollte man Leute, die den deutschen Staat und seine Gesetze ablehnen, gewähren lassen?

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Der Begriff impliziert das Vorhandensein einer Monarchie. Die Bezeichnung 'Bundesrepublik' ist wesentlich zutreffender.

'Drittes Reich' war übrigens nie eine offzielle Bezeichnung des Deutschen Reichs.

Okay , dankeschön.

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Hallo Bruks

Die Bezeichnung "Reich" bei einem Staat ist die Abkürzung von "Königreich" oder Kaiserreich". Dann kann es noch ein anderer Name für "Imperium" sein.

Beides traf auf die früheren Deutschen Reiche zu - sie hätten sich auch Deutsches Imperium nennen können und wenn ich mich nicht irre, dann führte Wilhelm II auch den Titel "Imperator Rex".

Beides tritt auf die Bundesrepublik nicht zu. Weder sind wir eine Monarchie, noch ein Imperium, also wäre die Bezeichnung "Deutsches Reich" prinzipiell falsch.

Übrigend haben die früheren Reiche sich nicht durchnummeriert - das waren erst die Historiker - ausgenommen die Nazis, die sich inoffiziell so nannten.

Schönen Gruß

Ok super , danke für deine schnelle Info.

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Klingt schön und einluchtend, hat aber einen Schönheitsfehler: Die Verfassung der Weimarer Republik war ganz offiziell "Die Verfassung des Deutschen Reiches" und dies ganz ohne König und Imperium. Offenbar hatte sich der Begriff "Reich" bereits so banalisiert, dass er auch auf einen Staatenbund/ Bundesstaat ohne monarchische Spitze anwendbar war.

So dürfte der Grund für den Bonner Verzicht auf die Bezeichnung "Dt. Reich" in der Antwort von LuckyLunch zu finden sein.

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@Maxieu

Ich habe nicht geschrieben, daß ein Staat sich nicht beliebig nennen darf - die DDR nannte sich ja auch "Demokratische Republik", aber deshalb muß das noch keine korrekte Bezeichnung sein.

Die Weimarer Republik sah sich in der Nachfolge des Kaiserreichs. Eine Gründung eines neuen Staates gab es damals ohnehin nicht - man hat lediglich den Kaiser rausgeworfen und die Verfassung ausgewechselt. Hätte man auch noch den Namen gewechselt, dann hätte das zu Widerständen führen können, die man garnicht gebrauchen konnte.

Außerdem waren die damaligen Politiker (inkl. SPD) national eingestellt. Keine Ahnung, ob die 1918 insgeheim eine koloniale Restauration planten? Die ehemaligen Kolonien waren ja nicht quasi enteignet, sondern vorübergehend dem Völkerbund unterstellt worden.

Im Gegensatz zur W.Rep. war die BRD keine direkte Fortführung des vorigen Staates, sondern eine Neugründung, die als solche die Rechtsnachfolge des D.Reiches angetreten hat. Bei der Rechtsnachfolge spielte auch eine Rolle, daß man das auf ganz Deutschland bezog, die DDR also nicht anerkannte und sie problemlos hätte wieder eingliedern können.

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@nax11
Im Gegensatz zur W.Rep. war die BRD keine direkte Fortführung des vorigen Staates, sondern eine Neugründung, die als solche die Rechtsnachfolge des D.Reiches angetreten hat

Die Bundesrepublik Deutschland betrachtet sich weder als Neugründung noch als Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs, sondern als mit ihm identisch. Selber Staat, anderer Name.

Dazu gibt es diverse Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichts, z.B. den zum Grundlagenvertrag. Zitat:

Die Bundesrepublik Deutschland ist also nicht "Rechtsnachfolger" des Deutschen Reiches, sondern als Staat identisch mit dem Staat "Deutsches Reich", - in bezug auf seine räumliche Ausdehnung allerdings "teilidentisch", so daß insoweit die Identität keine Ausschließlichkeit beansprucht.

http://www.servat.unibe.ch/dfr/bv036001.html#Rn078

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