Warum fühle ich mich in Gesprächen so dumm und habe keine klare Meinung?

14 Antworten

Hallo kaydanbotu,

zunächst einmal möchte ich etwas Grundsätzliches sagen: Bei vielen Themengebieten ist es auch gar nicht so einfach, einen eindeutigen Standpunkt einzunehmen. Das liegt aus meiner Sicht oft daran, dass es z.T. eine Unmenge an Informationen zu allen möglichen Sachgebieten gibt, so dass es äußerst schwierig ist, herauszufinden, welche Informationen zutreffen und welche nicht.

Wenn man sich aber nach genauer Abwägung aller Fakten eine Meinung gebildet hat, dann sollte man diese auch mutig vertreten. Dass Du Dich in Diskussionen als "weniger intelligent" siehst, kann jedoch in der Tat an einem mangelnden Selbstbewusstsein liegen. Was könntest Du tun?

Wenn Du selbstbewusster werden willst, solltest Du eines nicht mehr tun: Dich mit anderen zu vergleichen! Das kann nämlich sehr leicht zu Unzufriedenheit und Frustration führen.

Bedenke bitte: Jeder hat bestimme Persönlichkeitsmerkmale und sein Aussehen vererbt bekommen. Dass Du Dich von anderen unterscheidest, zeigt, dass Du einzigartig bist! Um Dich wohl zu fühlen, brauchst Du doch keine "Kopie" von jemand anderem sein! Stehe daher zu Dir, zu Deinem Wesen, Deiner Persönlichkeit und Deinem Aussehen! Das fällt Dir wahrscheinlich am Anfang sehr schwer, doch je öfter Du das tust, umso selbstverständlicher wird es Dir werden!

Einem Idealbild von Dir hinterherzulaufen, trägt ebenfalls nicht zu einer gesunden Selbstachtung bei. Solch ein Idealbild hast Du Dir höchst wahrscheinlich nicht selbst erdacht, sondern stammt in der Regel von den Eltern oder auch von anderen, die Einfluss auf Dich ausgeübt haben.

Besser wäre es, wenn Du selbst entscheidest, wer oder was Du sein möchtest - sei also ganz Du selbst! Das gibt Dir eher ein Gefühl von Stärke und Sicherheit. Nachfolgend möchte ich Dir noch ein paar Tipps geben, die Du einmal ausprobieren könntest:

Nimm Dir z. B. eine kleine Sache vor (Zimmer aufräumen, Arbeiten im Haushalt etc.) und zieh sie durch. Je öfter Du das tust, desto mehr kleine Erfolgserlebnisse wirst zu haben. Der Erfolg wiederum stärkt Dein Selbstvertrauen.

Suche auch regelmäßig nach einer Möglichkeit, Dich körperlich zu betätigen und auszupowern. Vielleicht versuchst Du es ja mal mit schwimmen, Fahrrad fahren, joggen etc. Das führt zur vermehrten Ausschüttung von Endorphinen, was wiederum Glücksgefühle auslöst.

Eine andere Möglichkeit wäre, wenn Du Dich kreativ betätigst. Baue oder bastele etwas Sinnvolles. Etwas zustande gebracht zu haben, hebt das Selbstbewusstsein. Wie wäre es damit, einmal etwas Neues auszuprobieren?

Du könntest z. B. an einem Kurs teilnehmen, ein Musikinstrument erlernen o. ä. Dabei kommst Du mit anderen Menschen zusammen und erwirbst neue Fähigkeiten und Fertigkeiten. Auch das könnte Deinem Selbstvertrauen einen neuen Schub geben.

Vielen, denen es an Selbstwertgefühl mangelt, haben kein gesundes Verhältnis zum eigenen Ich. Sie haben ständig an sich etwas auszusetzen und sind nie mit Ihren Leistungen zufrieden. Sie denken permanent schlecht von sich und lassen kein gutes Haar an sich selbst.

Wenn es Dir auch so ergeht, dann wird es höchste Zeit, das Steuer herumzureißen. Statt Dich selbst zu verurteilen und schlecht zu Dir zu sein, versuche es doch einmal mit dem Gegenteil: Sei gut zu Dir, gönne Dir bewusst etwas Schönes und habe Verständnis für Deine Fehler und Schwächen.

Probiere doch einmal die einfache Übung aus, indem Du immer wieder zu Dir selbst sagst: "Ich mag mich!" Vielleicht kommt Dir das ein wenig albern vor, doch mit der Zeit wird es Wirkung zeigen.

Damit gibst Du Dir das, was Du bisher von anderen zu wenig oder gar nicht gehört hast. Ein gesundes Selbstwertgefühl kann auch nur dann entstehen, wenn Du Dich selbst bedingungslos annimmst. Knüpfe diese Selbstannahme nicht an Bedingungen, wie z. B. Leistung oder Perfektion. Nimm Dich also auch dann an, wenn Du eben nicht perfekt bist!

Was das Selbstvertrauen enorm stärkt, sind, wie bereits erwähnt, Erfolge. Da jeder Mensch irgendwo Erfolge erzielt, sie aber nicht immer wahrnimmt, sollte er es lernen, sie sich bewusst zu machen. Wenn Du glaubst, nicht erfolgreich zu sein, dann könnte es daran liegen, dass Du einfach nicht von Deinen Fähigkeiten und Leistungen überzeugt bist. Lerne es daher, an Dich zu glauben. Versuche auch an frühere Erfolge anzuknüpfen.

Jeder hat andere Talente und Fähigkeiten mitbekommen und ist in einer anderen sozialen Umgebung aufgewachsen. Allein schon aus diesen Gründen bringt es nichts, sich mit anderen zu vergleichen. Besser ist es, auf das zu blicken, was Du im Laufe Deines Lebens alles zustande gebracht und erreicht hast. Bestimmt gibt es auch Dinge, die Du besonders gut kannst, besser als die meisten anderen.

Neben all den genannten Tipps solltest Du sofern Du an Gott glaubst - auch eines nicht aus dem Blickfeld verlieren: Du bist wertvoll in seinen Augen! Das geht z. B. aus den Worten Jesu hervor, durch die er seinen Jüngern klar machen wollte, wie wertvoll sie für Gott waren.

Jesus sagte: "Verkauft man nicht fünf Sperlinge für zwei Münzen von geringem Wert? Doch nicht einer von ihnen wird vor Gott vergessen. Aber sogar die Haare eures Hauptes sind alle gezählt. Fürchtet euch nicht; ihr seid mehr wert als viele Sperlinge" (Lukas, Kapitel 12, Verse 6 u. 7).

Die Wendung "die Haare eures Hauptes sind gezählt", bedeutet, dass Gott sich so sehr für jedes Detail unseres Lebens interessiert, als ob er sozusagen die komplette Anzahl unserer Haare wüsste. Ist das nicht ein sehr schöner Gedanke, der Dir helfen kann, Dich in einem besseren Licht zu sehen?

Wie Du also siehst, gibt es Möglichkeiten, etwas gegen Dein mangelndes Selbstwertgefühl zu tun. Du kannst jederzeit damit anfangen! Mit der Zeit wirst Du Veränderungen in Deinem Denken und Fühlen feststellen und Dich in eine positive Richtung entwickeln!

Ich wünsche Dir viel Erfolg mit diesen Tipps und hoffe, dass sie Dich etwas weiterbringen!

LG Philipp

Den Hintergrund für deine lange Frage kann ich sehr gut nachvollziehen, ging es mir doch früher ebenso. Da ich jetzt mehr Hintergründe kenne und Lebenserfahrung habe, fühle ich mich aber in der Lage, dir vielleicht schon ganz schnell zu deutlich mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen. :-)

Da fange ich gleich bei deinem Selbstvergleich an, wo du schreibst: '... sehe, wie viel besser sich manche Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen auskennen, wie intensiv sie sich mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen und was für eine klare Haltung sie dazu haben, fühle ich mich nicht wirklich intelligent.'

Schau mal, allein die Tatsache, dass du diese Selbstreflexion anstellst, ist schon intelligent. Das, was du bemängelst, ist das Wissen, das andere in ihrem Leben aus diesen und jenen Gründen schon erworben haben.

Das kannst du aber selber auch, wenn du dich für spezielle Themen (Hobby, Interessensgebiete, Pflichtlektüre) engagierst, darüber liest oder auch schreibst. Schon die Recherche für das erforderliche Hintergrundwissen ist umfangreich, wenn es einem auf ein gutes Resultat ankommt.

Methodisch kann dir sehr helfen, immer Notizen zu machen und sie chronologisch oder thematisch abzuheften oder zu speichern.

Wissenserwerb ist eine lebenslange Prozedur, die nie endet, so lange man offen für Neues und neue Synapsen ist. Mit den richtigen Gesprächspartnern wirst du über alles sprechen können - sie sind wichtig, um auch mal Pro und Contra zu diskutieren.

Unbekannte Inhalte und Begriffe solltest du bei Interesse gleich nachschlagen. Da du ja Sprachenfan bist, genau wie ich, kannst du viele fremde Begriffe schon aus den Wurzeln herleiten. Mit dieser Fähigkeit hat man eine Menge Vorteile gegenüber anderen, denn man kann sich ausdrücken, kennt Stilrichtungen und ist flexibel in der Wortwahl. Damit kommst du auch intelligent rüber.

Um dir all dies erstmal bewusst zu machen, brauchst du Rückmeldungen eines Publikums. Also von Freunden oder aber wie hier bei GF, durch Vergleiche und Bewertungen: da merkst du dann schon selbst, wie du dich einschätzen kannst und woran du noch mehr arbeiten solltest.

Rhetorische Prinzipien zu studieren, kann eine große Hilfe sein. Oft haben andere nämlich gar nichts Großartiges zu sagen: sie tun es aber in einer bestimmten gekonnten Form, und das lässt sie klug erscheinen. Indem du darüber Bescheid weißt, WAS genau da wirkt, bringt dich schon weiter.

Das Denkmuster 'Wem nützt etwas' (Cui bono?), wie Zetra erwähnt, ist so mit das Wichtigste, um der Motivation anderer auf den Grund zu gehen; es gehört zur Menschenkenntnis. Im Laufe des Lebens merkt man nämlich oft, dass andere Menschen nicht immer nur gute Ziele und Motive haben, sondern gern ungute Motive verstecken, indem sie so tun, als wollten sie nur das Gute und Beste. Da kam es bei mir zu großen Enttäuschungen und es tat weh, wenn ich erkennen musste, wie mies und verschlagen andere sein können, wenn sie ein Ziel erreichen wollen. Arglistige Täuschung als Mittel gehört dazu (die wäre, wenn man sie beweisen kann, auch strafbar).

Insgesamt verwechsle bitte nicht Intelligenz mit Wissen: Intelligenz bringt man von Haus aus mit, Wissen kann man sich aneignen. Über flexible Fragen und Einstellungen zu definieren, geht man nach einer inneren Checkliste vor, die die relevanten Entscheidungskriterien umfasst. Da spielen sowohl sachliche wie gefühlsmäßige Kriterien eine Rolle - mit Intelligenz hat das wieder nichts zu tun.

Ich denke, mein Punkt ist rübergekommen, so dass ich dir nur wünschen kann, nicht so hart mit dir zu sein: du bist bereits auf einem guten Weg zur Erkenntnis!

Alles Gute!

Ich denke, eine differenzierte Meinung zu einem Thema zu haben, ist das Gegenteil von dumm.

Und ich bin mir sicher, du hast zu einzelnen konkreten Punkten bei einem Thema durchaus eine gefestigte Meinung (?). Du kannst nicht alles zu einem Thema wissen, das tun auch die anderen nicht, aber zu einem konkreten Punkt ist es möglich, sich praktisch vollumfänglich zu informieren. Dann konzentrier dich auf einen dieser konkreten Punkte und diskutier genau darüber. Dann kannst du diskutieren.

Ich kann dir ein Beispiel zu einem Thema geben, zu dem ich in seiner Gänze keine eindeutige gefestigte Meinung habe, aber zu konkreten Punkten schon: Rassismus in den USA. Das Thema ist so riesig und komplex, dass es mir nicht möglich ist, dazu alle Fakten zusammenzusuchen und mir eine vollumfängliche Meinung zu bilden, dafür müsste ich tagelang Studien usw. wälzen. Aber WAS ich weiß, ist, dass es keine überproportionale rassistische Polizeigewalt gegen Schwarze gibt, die die Grundlage für BLM ist. Dafür muss man sich nur ein paar Zahlen anschauen. Diese Meinung kann ich problemlos auf Grundlage dieser wenigen Zahlen und mit simpler Logik und ein paar Analogien verteidigen.

Geht es um Werte und du kannst beide Seiten verstehen, dann frag dich: Was will ich? Was ist mir wichtiger? Und vielleicht kommst du auch zu dem Schluss, dass es wirklich gleichgültig ist oder das Thema an sich nicht wichtig. Zu sagen, ein Thema sei nicht wichtig, ist auch eine starke Meinung. Und es ist meistens eine Sache des Abwägens, auch bei anderen, auch wenn sie so tun, als wären sie 100% auf einer Seite.

Liebe kaydanbotu,

ich hoffe, dass diese Antwort nicht zu lang wird ;)

Ich habe mir deinen Text durchgelesen und muss sagen, dass ich deine Position vollkommen nachvollziehen kann! Ich weiß nicht, in welchem Alter du bist, aber manchmal spielt das Alter auch eine Rolle bei "Entscheidungsprozessen" - vor allem als Teenager versucht man ständig, seine Meinung bezüglich eines Themas zu finden und sich zu identifizieren, um von sich selbst und sich als Person ein Bild zu erstellen. Aber da du vermutlich schon mit der Schule abgeschlossen hast (du hast ja gesagt: als ich in der Schule "war") und kein Teenager mehr bist, fällt das also weg.

Bei mir hat sich beim Lesen deines Textes allerdings der Eindruck erstellt, dass du nicht genügend Selbstvertrauen in dir hast. Du hast ja auch selbst am Ende erwähnt, dass du nicht wirklich selbstbewusst bin. Das denke ich auch, denn das Gefühl, nicht "gut genug" zu sein, deutet auf eine innere Beklommenheit hin. Ich finde allerdings, dass du keinen Grund hast, dich schlecht oder dumm zu fühlen, wenn du keine eindeutige Meinung hast. Man muss nicht immer eine Meinung zu etwas haben, denn bei manchen Themen ist es wirklich schwer, sich für etwas zu entscheiden. Und sich mit jedem Thema perfekt auseinanderzusetzen, ist einfach nicht möglich und kann einen wahnsinnig machen. Daher denke ich, dass du dich nicht so stressen solltest. Nur weil du zu etwas keine wirkliche Meinung hast, heißt es nicht, dass du dumm bist. Im Gegenteil - vielleicht bist du somit sogar intelligenter, weil du dich nicht wie ein sturer Ochse von einem einzigen Aspekt überzeugen lässt, sondern auch die Kontraposition in Betracht ziehst und beide Seiten abwägst. Das ist (oft) viel besser, als sich an ein Mantra zu klammern und es sich die ganze Zeit vorflüstern zu lassen.

Bezüglich des "Sich-in-Themen-auskennen"-Problems kann ich dir nur sagen, dass jeder Mensch seine Schwächen und Stärken hat. Der eine kennt sich im politischen Bereich besser aus, der andere im medizinischen und der dritte in einem ganz anderen. Jeder hat etwas an sich, was ein anderer nicht hat und das macht jeden von uns so einzigartig und besonders! Du hast gesagt, dass sich jemand im politischen Bereich mit einem Thema gut auseinandersetzt? Tja, du beherrschst dafür Sprachen und das wird dir im Leben auch viel Gutes bringen. Dafür erreicht vielleicht derjenige, der sich mit politischen Themen befasst, nicht dein Niveau an Kenntnissen und Wissen über Sprachen.

Wenn du dich aber trotzdem mit einem Thema konkreter beschäftigen willst, dann informiere dich einfach darüber, indem du etwas über das Thema liest oder recherchierst. Heutzutage gibt es ja viele Möglichkeiten diesbezüglich :)

Aber ansonsten kann ich nur sagen: Akzeptiere dich so wie du bist! Du kannst etwas, was andere nicht können - und das solltest du bedenken. Selbst eine ach so intelligente Maschine wie ein Roboter kann nicht alles. Und das Finden der Meinung kommt so oder so mit dem Alter, da du mehr Erfahrungen sammelst und so mehr Wissen erlangst.

Liebe Grüße

Danke dir für deine ausführliche Antwort! Ich habe vor 2 Monaten mein Abi gemacht, hätte ich wohl dazu schreiben sollen :)

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Ich interessiere mich für Politik, sehr sogar! Ich informiere mich oft über das wichtigste was passiert, aber ich habe zu so vielen Themen trotzdem keine richtige Meinung

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Selbstbewusstsein waechst mit der Zeit, wer sich abschottet, erreicht diese Eigenschaft nie, somit muss mitten im prallen Leben gestanden werden, um letztlich mitreden zu koennen.

Die erste Frage ist immer, wenn etwas geschieht, wem nutzt das?

Ursache und Wirkung sollte grundsaetzlch beachtet werden, damit keine falschen Schlussfolgrerungen gezogen werden.

Dummes Gerede aus dem Weg gehen, da soll nur provoziert werden und somit eine Verunsicherung des Beteiligten.

Freunde um sich scharren, welche auch eine gesunde Meinung vertreten, somit kann man sich austauschen und auch beurteilen, wo liegen die eigenen Staerken und Schwaechen.

Bei der Verfolgung von Fragen und deren Antworten, kann ohne weiteres erkannt werden, wo die einzelnen Beteiligten einzuordnen sind, somit kommt dabei ein gesundes Selbstwertgefuehl bei heraus und man kann Heureka rufen.

Ich denke doch, meine Zeilen werden dir helfen und nicht verwirren, packe es an, es wird, zetra.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Sorry, habe aus Versehen nicht hilfreich angeklickt, dabei war deine Antwort genau das Gegenteil Ich hoffe ich kann das mit dem Danke ausgleichen

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@kaydanbotu

Ich habe das eben ausgeglichen und sowohl auf Hilfreich als auch auf Danke geklickt. Das ist nämlich eine echt tolle Antwort!

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