Warum durften Juden im Mittelalter nur Bank oder Kaufleute werden?

11 Antworten

Nee, nee, sie durften nicht nur Bankleute sein. Das Monopol der Banken und des Geldverleihs lag bei den christlichen Bankiers, trotz Zinsverbot. Man kann sich heute noch in Köln alte Gebäude der christlichen Banker - aus Italien übrigens - sowie Südfrankreich - und keine deutsch-jüdischen Banken.

Es waren ja auch die Italiener, genauer die lombarddischen Kaufleute, die das Banken- und Zinssystem, wie es heute noch ausgeführt wird, erdacht und verfeinert haben - es etwabliert haben. Diese Kaufleute waren es auch, die mit dem Orient Handel trieb. Wer also Händler werden wollte,musste sich mit den christlichen Italienern oder Franzosen gut verstehen.

Die Handwerksberufe lagen in der Hand der Gilden/Zünfte. Diese aber waren "christlich", man musste Christ sein, um einer Gilde biezutreten. Wer im Mittelalter in der "Großstadt" nicth in einer Gilde war, bekam keinen Afutrag oder in einigen Städten wars auch verboten, Aufträge an Handwerker zu vergeben, die nicht der Gilde angehörten.

Wer Mitglied werden durfte und wer nicht, entschieden hohe Mitglieder der Gilde selbst. Da floß jedesmal auch Backschich - Schmiergeld.

Hier, alles schönb eschrieben:

Diese Vielfalt änderte sich mit dem Aufkommen der Zünfte im Hochmittelalter. Sie begannen, die Handwerksberufe zu kontrollieren und zu reglementieren. Nur Mitglieder der Zunft durften ihre Waren produzieren und auf dem Markt oder im eigenen Laden verkaufen, Konkurrenten wurden nicht geduldet. Da die Zunftgilden voraussetzten, dass alle Mitglieder Christen zu sein hatten, wurden die Juden abrupt vom Handwerk ausgeschlossen. Es gab auch weiterhin jüdische Handwerker, sie konnten aber nur noch innerhalb der jüdischen Gemeinde ungestört ihre Waren verkaufen.

Ein Problem, welches die Juden das gesamte Mittelalter hindurch hatten, war die kleine Basis von Erwerbstätigen. Selbst in den größten Gemeinden stieg die Zahl der jüdischen Bevölkerung selten über einige hundert Personen. Es brauchte christliche Angestellte für die Arbeiten auf dem Feld, im Laden und für die Hausarbeit, sonst konnten die Betriebe nicht ausreichend bemannt werden.

Dies wiederum wurde vor allem von der Kirche kritisiert, da kein Christ sich dem Vertreter einer anderen Religion unterordnen durfte, auch nicht als Knecht oder Dienstmagd. Dies führte schließlich im Laufe des Mittelalters zu mehreren Verboten, dass Christen nicht mehr für Juden zu arbeiten hatten. Und so verbot man den Juden direkt gesamte Geschäftstätigkeiten.

Im antisemitisch-katholischen Köln gab es nach der Ausrottung der Juden durch den Progrom im 11. Jahrhundert gar keine Juden mehr bis zur Erlösung Kölns aus der katholischen Finsternis durch napoleonische Besatzungstruppen...

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@atzef

"Im antisemitisch-katholischen Köln gab es nach der Ausrottung der Juden durch den Progrom im 11. Jahrhundert gar keine Juden mehr bis..."

Den Pogrom im 11. Jahrhundert entfesselten die Kreuzfahrer, die in Köln einfielen wie die Heuschrecken. Der Kölner Erzbischof konnte ihn nicht verhindern. Die Kreuzfahrer hielten das auch weiterhin so. Nicht nur in Köln.

Die große Pest wurde den Juden angelastet, weshalb der antisemitisch-katholische Mob auch in Köln glaubte, sie erschlagen zu dürfen. Das war im 14. Jahrhundert. Verbannt wurden die Juden erst im 15. Jahrhundert aus Köln. Durchgeführt wurde das kaum, wie das in anderen Herrschaftsgebieten, z. B. Hanau, ebenfalls nicht durchgeführt wurde.

Atzef, nimm deine Scheuklappen ab, dann ist es auch vor deinen Augen nicht mehr finster. Bitte warte damit nicht, bis ein neuer Napoleon erscheint. Das wird erfahrungsgemäß fürcherlich.

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@Wurzelstock

P.S.: "Der Kölner Erzbischof konnte ihn nicht verhindern. Die Kreuzfahrer hielten das auch weiterhin so. Nicht nur in Köln."

Der Grund liegt auf der Hand, denn es ist immer derselbe. Wenn die Kreuzfahrer sich anschickten, die Stadt leerzufressen, reagierten die Bürger nach dem St. Floriansprinzip: "Wieso denn ich? - Geht zu den Juden, die haben Geld!"

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@atzef

Pogrom - mit einem "R" - nur mal nebenher. Ach, da muss ich glatt mal lange überlegen, ob ich das überhaupt wusste - dass Köln die Juden shcon so frühzeitig vertrieb. Interessant.

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@Lorimara

Ach ja, deshalb sind die dann nach Deutz - die überlebten - daran kann ich mich noch dunkel erinnern (Stadtführung und Geschichte) -
Der erlässt 1266 auch das „Judenprivileg“. Es gibt ausschließlich Juden das Recht, Geld zu verleihen. Und schürt damit Neid und Diskriminierung. Es kommt zu Pogromen: Im 14. Jahrhundert wird den Juden die Schuld an der in der Stadt wütenden Pest zugeschoben. Sie hätten Brunnen vergiftet, so die Hetze, damit die Seuche verursacht. Folge ist die totale Zerstörung des jüdischen Viertels am 23. und 24. August 1349. Fast alle Bewohner werden umgebracht. Ihr Vermögen eignen sich die Kölner gerne an.

Erst 1372 dürfen wieder Familien jüdischen Glaubens in der Stadt leben. Das Ende dieser mittelalterlichen Gemeinde kommt 51 Jahre später: Am 16. August 1423 beschließt der Rat die endgültige Ausweisung jüdischer Bürger. Sie hat bis ins 18. Jahrhundert Gültigkeit.

Nun siedeln die Juden in Deutz.

– Quelle: https://www.express.de/2890940 ©2018

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@Wurzelstock
  • wahre Worte - genauso ist es. Geh zu dem und denen, die haben die Kohle.
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"Es waren ja auch die Italiener, genauer die lombarddischen Kaufleute, die das Banken- und Zinssystem, wie es heute noch ausgeführt wird, erdacht und verfeinert haben - es etwabliert haben. "

Lorima - die Italiener kamen erst ab dem 17. Jahrhundert nach Deutschland und brachten auch erst ab dieser Zeit ihr Bankwesen mit.( In Italien gab es ab dem 12. Jh. Banken. Als älteste gilt/galt die "Banco di Siena", dortselbst.) Von diesen Zugereisten des 17. Jh. stammen viele der italienischen Namen in Deutschland, wie Carossa, Brentano, etc.

Die italienischen Bankleute wurden nicht besser behandelt wie vorher die jüdischen Geldverleiher (es waren keine Banker!): Sie wurden in vielen Städten bei Nacht und Nebel zum Teufel gejagt. Im Unterschied zu den Juden hatten sie keinen verfassten Schutz. Beide Gesellschaftsgruppen hatten nichts miteinander zu tun.

Es ist generell nicht sinnvoll, die Ereignisse und Strömungen der Geschichte emotional zu beurteilen, da sie in Raum und Zeit zu vielschichtig sind. Das gilt auch für die Rolle und den Status der Juden. Er war sehr unterschiedlich und letztlich auf beiden Seiten personenbezogen. So sollte man beachten, dass bei aller Willkür dennoch grundsätzliche Grenzen gab. So galt z. B. immer: Mord ist in jedem Falle Mord. Er wurde immer geahndet.

Bei aller Drangsal versuchten die gesellschaftlichen Organe dennoch, den Umgang mit den Juden in Rechtsformen zu fassen. Es gab "Judenschläger" und solche, die sie jagten.

Wer aber unbedingt ein moralisches Maß anlegen will, der sollte sich nicht an Missständen und Verbrechen aufgeilen, sondern an solchen Menschen, die dem entgegentraten.Wo sich das eine zeigt, ist stets auch das andere. Wahrscheinlich auch in Kölln. :-)

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@Wurzelstock
  • die älteste Bank der Welt, die bis heuet noch existiert (meine aber mit nun mehreren Aktienhaltern) aus Siena - Namen vergessen, hatte eine Niederlassung auch in Köln. Die Bank ist im 15. JH entstanden.
  • die lombardischen Kaufleute waren sehr wohl beriets im 12. JH am Rhein. Sie waren im Prinzip schon vorher da - die RÖMER - und ab den Römern war Köln eine beliebte Handelsstadt.

Köln war zur Zeit der Römer und noch wenige Jahrhunderet später, die größte bekannte Stadt in der (alten) Welt, jedenfalls die größte Stadt, die eben in Euroasien bekannt war, bzw. bekannt bis auf die Arabische Halbinsel. - so groß - wie es psäter dann mal New York war.

Die italienischen Banker, im 13. JH am Niederrhein - auch in Köln:

https://de.wikipedia.org/wiki/Lombarden_(Bankiers)

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@Lorimara

"die lombardischen Kaufleute waren sehr wohl beriets im 12. JH am Rhein."

Wir reden vom Bankwesen; und den Namen der ältesten Bank habe ich dir genannt.

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@Lorimara

Lorima, ich habe den verlinkten Wikipedia-Artikel gelesen. M.E. setzt er falsche Schwerpunkte. Sicher gab es auch im 14. Jahrhundert schon einen Italiener in Köln. (Es gab ja auch im 18. Jahrhundert schon einen deutschen Italientourist.) Die Schwerpunkte lagen aber im 17. Jahrhundert und führten unmittelbar zur Vertreibung in vielen Städten.

(Meine Kenntnisse sind zwar etwas älter als Wikipedia - dafür sind sie aber auch nicht von Beweisheinis gesiebt.)

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@Wurzelstock

ach so sorry - hab ich übderlesen, bin hier sporadisch sozusagen, zwischendurch sind heir die Handwerker Zugange, müssen durch mein Wohnhzimmer - aufs Dach :-( - Sturmschäden, die nur provisorisch befestigt waren.
Ja genau, diese Bank, irgendwas mit Pasche oder Paschi - ich google mal.
Also, häötten wir dich zum Geschichtslehrer gehabt, wären wir in der Klasse alle super gewesen, super Wissen, viel Wissen, umfangtreiches, richtiges - sozusagen felsenfestes Wissen, dass immer richtig ist. Großes Lob - bin beeindruckt.

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@Lorimara

"Sturmschäden, die nur provisorisch befestigt waren."

Bist Du ganz sicher, dass es nicht durch die Flüchtlinge kommt? Oder von den Juden?

Nimm mich nicht auf die Schippe! ;-))

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Das Geld und Bildung mächtig ist, war den Schustern und Bauern im Mittelalter nicht bekannt. Zu dem waren die Häuptlinge zur damaligen Zeit sehr idealistisch eingestellt.

Das mit dem Idealismus würde ich so nicht sagen. Intrigen gab es schon immer, und wer Macht wollte, mußte sich gegen andere mit allen Mitteln durchsetzen.

Machiavelli ist ein Begriff? Der Mann lebte im 15./16. Jahrhundert...

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es war ja nicht so, das juden nur Bänker werden dürften... es war so, das NUR juden Geld verleihen durften, weil der jew glaube es den anderen verboten hat,

dadurch wurden die juden halt sehr reich und mächtig - weil auch viele Staatsoberhäupter sich Geld von ihnen geliehen haben...

Die Juden durften fast keine anderen Berufe ausüben, sie wurden dazu gezwungen sogenannt "unehrliche Berufe" auszuüben, die sogenannten "Christen" waren sich zu schade dafür. Deshalb wurden viele Juden, gezwungenermassen, zu Geldverleihern, Händler, Philosophen und Wissenschaftler. Als sie dies mit Erfolg machten, wurden sie aus Neid umgebracht, gequält, und verspottet.

Das lag wohl daran dass der größte Teil der Handwerklichen Berufe von christlichen Zünften vereinnahmt wurde.

Das hier ist auch ganz interessant:

"Bereits in den ersten frühchristlichen Jahrhunderten war im Rahmen mehrerer Synoden, das heißt im Rahmen mehrerer Zusammenkünfte von Kirchenoberhäuptern, ein generelles Zinsverbot als Grundsatz des christlichen Glaubens formuliert worden. Im Mittelalter wurde dieser Grundsatz von Papst Innozenz III. im Jahre 1215 in Form eines generellen Zinsverbotes rechtlich institutionalisiert. Im Rahmen dieses „kanonischen Zinsverbots“ galt das Nehmen von Zinsen fortan nicht nur als Sünde, sondern auch als ein Kapitalverbrechen, das mit Raub, Brandstiftung oder Prostitution gleichgesetzt wurde. Die Phase des Zinsverbotes im katholischen Teil Europas erstreckte sich über mehrere Jahrhunderte und erfuhr erst mit der Reformation und der Unabhängigkeit vieler Landesfürsten von den Vorschriften der katholischen Kirche eine zumindest teilweise Auflösung. Die katholische Kirche selbst hielt bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts an der Doktrin des Zinsverbotes fest.

Da auch die mittelalterliche Wirtschaft Europas nicht ohne das Verleihen von Geld auskommen konnte, wurden Geldgeschäfte im Wesentlichen auf den jüdischen Teil der Bevölkerung übertragen. Auf diese Weise konnte das kirchliche Zinsverbot umgangen und gleichzeitig das Judentum als Inbegriff der Sündhaftigkeit gebrandmarkt werden. Bereits im Jahr 1179 hatte Papst Alexander III. den jüdischen Gemeinschaften das Recht zugestanden, Geld gegen Zinsen zu verleihen. Von Seiten der Juden, die ihren Lebensunterhalt per Gesetz ohnehin nur über Handel und Geldgeschäfte verdienen durften, wurde das alttestamentliche Zinsverbot in der Weise interpretiert, dass es sich ausschließlich auf Leute ihres „Volkes“ (vgl. Exodus 22, Vers 24), nicht aber auf „Ausländer“ (vgl. Deuteronomium 23, Vers 21) bezog. Das „Volk“ war in diesem Sinne die jüdische Glaubensgemeinschaft, die „Ausländer“ alle, die nicht jüdischen Glaubens waren."

https://zinsfrei.de/ueber-uns/zinsen-im-christen-judentum/

Man muß die Bösartigkeit des Ganzen fast bewundern. Man erklärt Zinsen zur Sünde, drängt Juden durch Berufsverbote in den Beruf des Geldverleihers, nimmt deren Dienste gern in Anspruch, nur um dann auf die bösen Juden schimpfen zu können, die durch ihren Beruf jeden Tag sündigten, also geradezu berufsmäßig Gott ein Dorn im Auge waren.

Perfide.

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