Organspende. Ja/ Nein? Warum?

Das Ergebnis basiert auf 31 Abstimmungen

Nein (zu Organspende) 48%
Ja (zu Organspende) 45%
unsicher 6%

13 Antworten

unsicher

Ich selber habe eine Organspende bekommen und wollte dies zuerst nicht, weil ich den Lauf der dinge so akzeptieren wollte. Ich habe mich dann, als ehemaliger Dialysepatient erst sehr spät dafür entschieden und finde es aus es aus jetziger Sicht, eine sehr gute Entscheidung. Zudem kam die Transplantation und die damit verbundene Passgenauigkeit fast einen Wunder gleich. Man sagte mir, dass die Gewebsübereinstimmung fast der von einem Eineiigen Zwilling gleichen würde bzw. wie ein Sechser im Lotto sei. Ich selber darf z.B. deswegen auch kein Blut spenden und auch andere Dinge fallen aufgrund der Erkrankung und Medikamentierung weg. Ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden würde, wenn ich jetzt gesund wäre. Fakt ist, ich würde aufgrund meiner Erfahrung mit Krankheit zu Lebzeiten nicht einfach ein Organ an irgendjemanden abgeben, weil mir mein Leben gezeigt hat, wie wichtig körperliche Gesundheit ist und wie schnell und einfach diese nicht mehr da sein kann... und dann geht es los mit Schwächegefühlen, Arbeitsplatzverlust, Kreislaufstörungen, Müdigkeit, Übelkeit, neuer Ausbildung/Studium, den Versuch wieder neu irgendwo reinzukommen ohne Chancen etc....

Auf der anderen Seite halte ich vieles was man über die Organentnahme so hört, auch für Schauermärchen. Mit den Narkotika, das habe ich selber schon von meinen Ärzten gehört, das mit dem "Anbinden", was sich ja gruselig anhört, noch nicht. Ja, und bestimmt kann man über die Definition von "Hirntod" diskutieren.

Ich weiß zumindest, dass es heftig sein soll für Verwandte und Bezugspersonen von einem Menschen Abschied zu nehmen, weil diese oft nicht begreifen können, dass die Atmung nur noch durch Maschinen aufrecht erhalten wird. Allerdings habe ich dafür bzw. für die Problematik des Verlusts/Trauer aber auch vollstes Verständnis und dem Festhalten an jedem Zeichen. Ich weiß nur, dass mein "Spender" jünger war als ich und an Hirnblutungen gestorben ist bzw. "Hirntod" war. Leider kann ich mich nicht bei ihm bedanken, ich finde es aber gut.

Ich bin mir "unsicher" was die Spende selbst betrifft, die Frage hat sich nämlich für mich nicht gestellt und stellt sich nicht mehr, weil man dazu sehr gesund sein muss. Der Weg zum Organversagen ging schnell. Als Kind/Jugendlicher eine Art unentdeckte Entzündung, Chronifizierung und Folgeerkrankungen bzw. zwei Erkrankungen, die die Sache negativ bedingt haben. Bums. Aus die Maus. Ich bin sogar gesund auf die Welt gekommen. Da das bei mir im Alter von ca. 12 Jahren zum ersten mal Sichtbar wurde und ich mit ca 22 transplantiert wurde, sind an mir auch viele diesbezügliche fragen vorbeigegangen... Auch weil ich trotz meiner eigenen Betroffenheit, selbst nie an die ewig vorausgesagte Ultimo Ratio denken wollte und auf gesunde Ernährung, Sport, Entspannung etc. gesetzt habe..

Mich stört gegenwärtig nur an der Debatte, dass viele Leute jetzt regelrecht "rumtrotzen", wo es ggf. ein sogenanntes "opt-out-Verfahren" geben soll. Ich habe schon viele Leute gesehen, die früher sinngemäß gesagt haben, "mir doch egal, was die dann mit mir machen, von mir aus können die meine Organe spenden", sich aber auch nicht um einen Organspendeausweiß gekümmert haben. Wenn man nun sagt, diejenigen, die es nicht wollen entscheiden sich einfach "dagegen" und man würde das in einer zentralen Datei festhalten, fände ich das ganz okay. Nun, wo es so rum ist, höre ich aber dann auch Trotzreaktionen, die dahingehen, dass man es einfach nur nicht will, weil man nun das Verfahren umgekehrt hat.

Zu sämtlichen erwähnten Punkten würde mir zwar noch mehr pro und contra einfallen, ich lasse es aber hier mal gut sein. Schließlich möchte ich auch erwähnen, dass eine andere damit verbundene Thematik auch diejenige ist, dass Krankenhäuser oft nicht den Raum und die finanziellen und vor allem personellen Kapazitäten haben, potentielle Organentnahmen durchzuführen. Letzteres vor allem, weil Ärzte vorerst lebende Menschen operieren und es zu Konkurrenzen zwischen Organentnahme (oder "Ausschlachten", wie es einige Gegner nennen)und anderen wichtigen Operationen kommt. Deshalb soll nach meinem Wissen, auch vieles gar nicht gemacht worden sein, was den Vorschlag von Herrn Spahn schon mal partiell lächerlich erscheinen lässt.

Mit dem Thema "Hirntod" ggf. mit Nahtoderfahrungen (z.B. Elisabeth Kübler-Ross) und/oder "out-of-body-experiences" nebst den einzelnen Maßnahmen bei der Organentnahme sollte man sich persönlich beschäftigen, bevor man sich entscheidet. Aufgrund der Fragestellung möchte ich mich auch bei Gelegenheit noch mal tiefer damit auseinandersetzen.

Nein (zu Organspende)
  • Organspende ist für die Angehörigen sehr oft eine große Belastung. Der Angehörige wird noch künstlich am Leben gehalten und wirkt keineswegs tot. Da fällt der Abschied und das innere Abschließen oftmals schwer, denn es fehlt die Offensichtlichkeit des Todes, des finalen Endes. Auch die Freigabe zum Ausweiden ist für viele eine enorme emotionale Belastung, die in diesem Moment des Schocks und der Trauer das Fassen und Verarbeiten dieser schrecklichen Wendung erschwert. (Beispiel: https://initiative-kao.de/warum-ich-organentnahme-ablehne/)
  • Organspender sind lebende, schwer verletzte Menschen, deren Gehirn irreversibel so stark geschädigt ist, dass sie nie wieder ein bewusstes Leben haben werden. Die Medizin hat den Begriff "hirntot" eingeführt, damit dieser Zustand irgendwie das Prädikat "tot" erhalten kann, obwohl der Körper und seine Organe noch leben. In Wirklichkeit ist der Mensch mitten im Sterbeprozess, meistens nur noch durch Maschinen und modernste Medizintechnik künstlich am Leben gehalten. Die Definition von Hirntod ist daher umstritten und schlichtweg willkürlich. Wir reden hier also von einer formalen Definition und nicht von naturwissenschaftlichen Fakten. Der Hirntod ist nur ein Schritt des Sterbeprozesses.
unsicher

Ich denke, es ist schwer, über eine solche Frage zu entscheiden, wenn man es (wie wir alle hier) selbst nicht erlebt hat. Natürlich rettet man damit einem anderen Menschen das Leben, aber die Frage ist, welchen Preis man dafür bezahlt. Ich habe schon einmal ein Buch von einer Frau gelesen, die laut Ärzten hirntot war, aber dann wieder aufgewacht ist. Sie erzählt in ihrem Buch, dass sie während dieser Zeit nicht wirklich tot war, sondern alles um sie herum mitbekommen hat. Dies wurde dadurch bewiesen, dass sie die Gespräche von Ärzten während der Untersuchungen korrekt wiedergeben konnte. Das mit dem Hirntod ist eine komplizierte Sache, bei der es keine eindeutige Lösung gibt. Was man allerdings bedenken sollte: Wenn der Organspender zum Zeitpunkt der Organentnahme wirklich tot ist, warum wird er dann an Armen und Beinen auf dem Operationstisch fixiert?!

Was allerdings durchaus zu befürworten ist, sind Organspenden wie z B eine Niere, denn die kann man auch hergeben ohne dafür zu sterben. Und natürlich Blutspenden. Es gibt auch Organe, die kann man noch nach dem Tod spenden, wie etwa die Hornhaut.

Wenn man sich allerdings gegen Organspenden ausspricht und selbst kein Spender ist, sollte man meiner Meinung nach (außer natürlich Kinder) auch selbst so korrekt sein und keine fremden Organe annehmen, wenn man sie benötigt. Die Wartelisten sind nahezu endlos lang.

Genau der Punkt mit dem anbinden und der Narkotisierung verunsichert mich auch. Ich bin auch der Meinung, dass das bei einem "Toten" eigentlich nicht mehr notwendig sein sollte.

Ich finde aber definitiv auch, dass man keine Organe annehmen sollte wenn man sich selbst kein Spender sein will.

Danke für die ausführliche Antwort :)

2

Gern geschehen :). Ich habe vor zwei Jahren eine Seminararbeit im Fach Religion über dieses Thema geschrieben. Bevor ich das Buch gelesen hatte und von der Fixierung am Operationstisch und der Narkose nichts wusste, war ich ebenfalls dafür und wollte mir einen Organspenderausweis besorgen. Es ist auch seltsam, dass man im Netz von so gut wie allen Operationen sehr viele Videos findet, nur von Organentnahmen nicht. Da muss doch etwas faul sein.

1
@Bellini161

Ja dann ist es bei dir ziemlich ähnlich wie bei mir. Ich war ja auch eindeutig dafür und habe mich jetzt wegen einer GFS näher damit beschäftigt. Zwar in Bio aber ja :D

0
@schlauermolch

Du hast Glück, dass du deine GFS in Biologie hältst, denn dann musst du dich mit diesem schwierigen ethischen Konflikt in der Facharbeit nur oberflächlich oder gar nicht befassen. Falls der Lehrer da nämlich anderer Meinung wäre, könnte es je nach Professionalität des Lehrers passieren, dass du an dieser Stelle einige Punkte einbüßen würdest. Da zählen in Biologie dann wohl eher die anatomischen Aspekte und die sind eindeutig :)

0
Ja (zu Organspende)

Ich habe den Letzten Satz vor kurzem beschrieben. Wenn es aus Seite der Fachleute und meine Vertrauensperson für richtig halten , aber dann noch ein Schlafmittel,

Mann kann nie Wissen, was ich dann noch was mitbekomme. Das möchte ich dann auch nicht.

Ein Toter kann man keine Organe entnehmen, nur jemand bei dem der Blutkreislauf noch mit Maschinen erhalten wird

Ja (zu Organspende)

Ich habe einen Spenderausweis. Sollte mir einmal etwas zustoßen, kann dadurch möglicherweise einem anderen Menschen geholfen werden.

Ich selbst würde allerdings keine Spenderorgane annehmen, aus ähnlichen Gründen, wie du sie in deinem Fragetext angibst: ich klammere mich nicht an mein eigenes Leben.

Jemand anders ist aber vielleicht gerade sehr glücklich, und möchte noch nicht Lebewohl sagen. Wenn ich durch meinen Tod so jemandem das Leben retten könnte, hätte die Sache doch noch etwas Gutes gehabt.

Was möchtest Du wissen?