Könnte man mit einem solchen Nachtzugnetz mit dem Flugzeug konkurrieren?

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11 Antworten

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Ich denke um wirklich mit dem Flugzeug konkurrieren zu könnte müsste es auch Verbindungen von Deutschland in die Schweiz & nach Italien geben. Sowas wie:

  • Hamburg/Köln - Frankfurt/M. - Zürich
  • (Amsterdam) - Köln - München/Wien
  • München - Venedig/Florenz/Rom

Der Großteil dieser Verbindungen existiert, müsste aber halt mit in die Karte aufgenommen werden. Um die Züge dann wirklich als ein europäisches Nachtzugnetz vermarkten zu können.

Zu Warschau, Moskau, St. Petersburg, Kiew: Es gibt (zurzeit coronabedingt eingestellte) Nachtzüge in diese Richtung:

  • Paris - Strasbourg - Frankfurt/M - Berlin - Warschau - Minsk - Moskau
  • Nizza - Genua - Mailand - Insbruck - Wien - Warschau - Minsk - Moskau
  • Berlin - Warschau - Moskau
  • Wien - Budapest - Lemberg - Kiew
  • und auch aus Warschau, Bohumin & Prag gibt es direkte Züge nach Moskau

Insofern könnte man diese Züge auch der Karte hinzufügen. Aber das Problem ist halt, dass man auf diesen Verbindungen oft keine wirklich attraktiven Nachtzugverbindungen hinbekommt. Den die Strecken sind oft zu lang um sie in einer Nacht zu schaffen. Bei Berlin - Moskau kommt man nachmittags in Moskau an, bei Wien - Kiew kommt man ebenfalls nachmittags an und bei Paris - Moskau kommt man zwar morgens in Moskau an hat aber 2 Nächte & einen ganzen Tag im Zug. Und oft sind auch Teilstücke zeitlich nicht attraktiv. Bei Paris - Moskau kann man Paris - Berlin fahren (die Ankuft ist aber mit 7 Uhr relativ früh) & Brest - Moskau. Bei Wien - Kiew ist Wien/Budapest - Lemberg zeitlich attraltiv als Teilstück.

Aber ja! Eigentlich eine nette Vorstellung, einfach abends einen Zug zu besteigen, vielleicht einmal umzusteigen und am nächsten Morgen ausgeschlafen am Reiseziel anzukommen. Statt sich 2 h im Voraus am Flughafen einzufinden, Gepäckabgabe, Sicherheitskontrolle, kilometerweite Marschwege, am Zielflughafen wieder weit laufen, Gepäck abholen...

Also ich sehe auf jeden Fall das Potential! Und offenbar auch andere, denn z.B. das aktuelle Nachtzugangebot der ÖBB ist ständig ausgebucht. Die ÖBB würde ihr Angebot anscheinend sogar gerne ausweiten, nur fehlt es an geeigneten Schlafwagen...

Das Problem, das ich dabei sehe, sind die Zeiten der Zwischenstopps. Ja, ein Zug der abends in Hamburg startet und morgens in Wien ankommt (eine existierende Linie, die auf deiner Karte nicht eingezeichnet ist), ist toll. Nur hat dann jemand, der in Mitteldeutschland zusteigen würde, das Nachsehen: Er müsste gegen 01:30 Uhr am Bahnhof sein...

Auch das sehe ich allerdings eher entspannt, wenn das Angebot ausgeweitet würde und es eben auf derselben Strecke nicht nur einen Zug gäbe, sondern mehrere zeitversetzte.

Mit einem größeren Angebot hätte ich auch die Hoffnung, dass die Preise sinken. Im Moment kostet der Nachtzug etwa das Doppelte einer Flugverbindung.

Im Hinblick auf die Umwelt wäre es absolut wünschenswert, einen möglichst großen Teil des innereuropäischen Personenverkehrs auf die Schiene zu bringen. Nicht nur in Nachtzügen; ich verstehe einfach nicht, warum nicht wenigstens die ganz großen Metropolen wie London, Hamburg, Paris, Madrid und Rom mit durchgehenden 300 km/h-Linien verbunden werden. Wenn darauf dann alle 30 Minuten ein Zug fährt und man sich das Ganze auch leisten kann (wie z.B. TGV Ouigo), könnten wir uns den Flugverkehr echt sparen.

Mir fehlen Verbindungen in Osteuropa (Warschau, Kiew, Moskau,St. Petersburg, Baltische Staaten)

Das ist insofern mit Schwierigkeiten verbunden, als dass in Russland und der Ukraine eine andere Spurweite verwendet wird. Ein Zug kann also nicht von Berlin nach Moskau durchfahren.

Allerdings hast du da eine Karte eines französischen Plans. Da geht es in erster Linie mal darum, Frankreich mit den Nachbarstaaten zu verbinden. Deshalb sind auf der Karte auch z.B. schon exisiterende Nachtzugverbindungen von Österreich nach Deutschland, Italien und den Niederlanden nicht eingezeichnet.

Das ist insofern mit Schwierigkeiten verbunden, als dass in Russland und der Ukraine eine andere Spurweite verwendet wird. Ein Zug kann also nicht von Berlin nach Moskau durchfahren.

Vor Corona gab es dreimal pro Woche Züge, die von Berlin nach Moskau durchgefahren sind. Und dann halt in Brest umgespurt wurden. Das Problem hier ist eher das die Strecken zu lang sind um sie in einer Nacht zu schaffen.

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@thelasse

Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass 1600 km Luftlinie zu lang für eine (ggf. etwas großzügiger ausgelegte) Nacht wäre. Jedenfalls nicht, wenn man eine 200 km/h Schnellfahrstrecke voraussetzt und nicht an jeder Milchkanne stoppt. Von den Geschwindigkeiten eines TGV (effektiver Durchschnitt über 200 km/h) rede ich da noch gar nicht erst.

Ob es umspurfähige Fahrzeuge für eine so große Geschwindigkeit gibt, ist eine andere Frage.

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@RedPanther

Sowohl die Waggons die auf Paris -Berlin - Moskau eingesetzt werden als auch die Strizh-Triebzüge für Berlin - Moskau sind für 200km/h zugelassen. Aber diese Geschwindigkeit kann auf der bestehenden Strecke nirgendwo ausgefahren werden.

Natürlich könnte man die Strecke entsprechend ausbauen. Ob sich das wirtschaftlich lohnt müsste man schauen. Denn es handelt sich natürlich nicht um die am stärksten befahrenen Strecken.

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In dieser Form nicht, alle Verbindungen sind nur auf Frankreich ausgerichtet, womit elementar wichtige Achsen fehlen. Ein weit ausgedehntes Nachtzugnetz mit guten Direktverbindungen über ganz Europa hinweg wäre aber auf jeden Fall gut geeignet, um Fahrgäste suf die Schiene zu locken und viele innereuropäische Flüge überflüssig zu machen.

Ja, kann man, und das sollte man auch, lieber früher als in 10 Jahren. Die Kurzstreckenfliegerei ist nicht mehr zu rechtfertigen. Allerdings werden sich die Bahnbetreibergesellschaften noch ein wenig bewegen müssen, damit das attaktiv wird.

So lange ich für so einen Trip mein Reisegepäck kaum im Wagen unterbringen kann, oder es vier Tage vor Abfahrt aufgeben muss, und es erst frühestens weitere vier Tage nach Ankunft am Bahnhof abholen kann, so lange hat die Bahn die falsche Kundendienst-Pholosophie und muss noch viel bei den Luftfahrtgesellschaften lernen.

Bewerbe mich hiermit als EU-Bahnminister.

Auf jeden Fall. In den letzten Jahren sind die Verbindungen übrigens immer schlechter geworden. 2011 fuhr ich noch direkt von Berlin nach Petersburg mit einem Kurswagen, der in Belarus vom Hauptzug nach Moskau abgekoppelt wurde. In späteren Jahren hätte man immer umsteigen müssen. Dann war (und ist vielleicht immer noch) die Verbindung nach Russland wegen Corona ganz unterbrochen. Und was die jetzigen Sanktionen gegen Belarus bedeuten, weiß ich nicht. Da der ganze Verkehr nach Russland über Belarus ging (alte Strecken über Polen und das Baltikum nach Petersburg gibt es schon lange nicht mehr), kann man wohl nach Russland mit dem Zug nur noch mit einem gewaltigen Umweg über Dänemark, Schweden und Finnland. Das ist nur was für Bahnfreaks mit viel Zeit und viel Geld.

Übrigens konnte man in den 1920ern von Nürnberg nach Prag mit dem Zug viel schneller fahren als heute. Im Osten (auch im Südosten in die Türkei) ist alles schlechter geworden. Schuld war daran zunächst mal der Rückbau der Schiene im östlichen Mitteleuropa (weniger in Deutschland und Russland) und später dann die Verschlechterung der politischen Beziehungen bzw. die Sanktionen des Westens gegen Russland und vor allem Belarus.

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