Geschichtsfrage: War die Politik der NSDAP tatsächlich sozialistisch (das ist keine Hausaufgabe!)?

7 Antworten

Das System des NS-Regimes war nichts weiter als ein Staatskapitalismus, der als Sozialismus verkauft wurde. Das System war von oben bis unten durchstrukturiert und hierarchisch aufgebaut.

Die Industrie und die Regierung an oberster Stelle, alle anderen sind dem unterstellt und werden sowohl kontrolliert, als auch auf ihren ökonomischen und kriegerischen Wert reduziert. Die gesamte Gesellschaft wurde auf Wachstum und Kriegstreiberei ausgelegt. Kinder wurden gezielt zu Hausfrauen oder eben Soldaten erzogen, die Staatseinnahmen durch Steuern wurden überwiegend in die Rüstungsindustrie investiert und Menschen die dem Staat auf der Tasche liegen (wie Behinderte) wurden aussortiert. All das widerspricht in nahezu jeder Hinsicht einem sozialistischen System.

Interessanterweise war Hitler ja lange bevor seiner Radikalisierung noch überzeugt von linkspolitischen Ideen und Ideologien. Da er aber die Macht im Rechtsextremismus erkannt hat, wendete er sich schnell von linker Politik ab und versuchte sein Glück in völkischen Ideen, Propaganda und Volksverhetzung.

Dieser Antwort kann ich mich anschließen, auch wenn ein paar Aspekte fehlen.

Aber sozialistisch waren die Nazis echt nicht.

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@vanOoijen

Dann bist du dazu eingeladen weitere Aspekte zu nennen, die ich vielleicht übersehen habe ;)

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@erikbhrdt

Das werde ich wohl noch in einer Antwort hier.

Bin aber gerade nicht ganz fit.

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Nein, diese These würde ich nicht unterschreiben. Elementar für mich ist dabei zum Beispiel die weitgehende Freiheit vieler Unternehmen, zum Beispiel von Krupp, die weiterhin in Familienbesitz blieben und nicht durch Enteignungen zu Staatsbetrieben umfunktioniert wurden. Enteignet wurden hauptsächlich tatsächliche oder vermeintliche Staatsfeinde.

Außerdem liegen auch zwischen den Zielen beider Systeme grundlegende Unterschiede, beispielsweise streben Sozialisten in aller Regel zumindest ideologisch langfristig den Kommunismus an, während der Nationalsozialismus sich schon von Anfang an als endgültige und langfristige Staatsform präsentierte, Stichwort ,,Tausendjähriges Reich".

Bis auf den Namen hat der Nationalsozialismus wenig mit Sozialismus zu tun.

Sozialisten geht es um die Aufhebung der kapitalistischen Wirtschaftsweise und der Klassengesellschaft. Internationalismus und der Gleichheitsgedanke spielen dabei zentrale Rollen, weshalb Nationalismus und Rassismus als spalterisch abgelehnt werden.

Der Nationalsozialismus ist hingegen eine Ideologie der Ungleichheit. Er propagiert nicht nur die Minderwertigkeit von anderen Nationen und Rassen, sondern auch die wirtschaftlichen und politischen Hierarchien innerhalb der Nation. Die Nazis wollten nicht die Klassen, sondern den Klassenkampf abschaffen, um eine klassenübergreifende "Volksgemeinschaft" zu schaffen, in der die Arbeiter mit ihrer unterlegenen Stellung zufrieden wären und die Position der wirtschaftlichen und politischen Eliten unangetastet bleibt.

Die Nazis und die Faschisten in anderen Ländern zogen ihr Mobilisierungspotential gerade aus der Sorge vor einer erstarkenden sozialistischen Linken und den Abstiegsängsten des Kleinbürgertums, das sich durch die Arbeiterbewegung bedroht sah.

Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter waren deshalb die ärgsten ideologischen und politischen Gegner der Nazis und wurden von ihnen massenhaft verhaftet, gefoltert und ermordet, während Liberale und Konservative sich in vielen Fällen mit den Nazis abfanden oder sie sogar aktiv unterstützten und zu ihnen überliefen. Nach Kriegsende waren es CDU/CSU und FDP, die den alten Nazikadern eine neue politische Heimat boten.

Der Antikapitalismus, der bei den Nazis vor allem in den 20er Jahren noch eine Rolle spielte (und spätestens mit der Ermordung von Ernst Röhm endete), war auf Phrasen begrenzt, inkonsequent, widersprüchlich und ging nur so weit, wie er antisemitisch ausgeschlachtet werden konnte. Deutlich wird das an dem Bild des "raffenden" Finanz- und Handelskapitals, das mit dem Judentum assoziiert wurde, und dem "schaffenden" Industriekapital, das mit Deutschtum und Tugendhaftigkeit verbunden wurde.

Die Nazis mobilisierten also lediglich gegen die abstrakten Seiten des Kapitalismus, lobten aber hingegen den sozialdarwinistischen Konkurrenzkampf auf dem freien Markt. Tatsächlich sind das nur zwei Seiten des gleichen Systems. Das Finanzwesen war auch keinesfalls nur jüdisch besetzt, und tatsächlich gehörten die meisten jüdischen Deutschen der Arbeiterklasse an. Die absurde Folge davon ist, dass nicht nur das Finanzkapital, sondern auch der Kommunismus als "jüdisch" galt.

Im Zuge dieser oberflächlich antikapitalistischen Mobilisierung wurden auch zahlreiche aus dem Marxismus stammende Begriffe völlig umgedeutet, eben auch der "Sozialismus", der zur Volksgemeinschaft umgedeutet wurde. Bei denjenigen Arbeitern, die bereits sozialdemokratisch oder kommunistisch organisiert waren, verfing diese Strategie kaum, unter den Arbeitslosen fanden die Nazis mit dieser Strategie aber eine gewisse Basis.

Nach der Machtübergabe an die Nazis zeigte sich, dass sie weder den Arbeitern noch den Kleinbürgern tatsächliche Vorteile boten, tatsächlich schlossen sie Bündnisse mit dem Großbürgertum, das nun viel hilfreicher für die Ausrichtung der gesamten Industrie auf rassistischen Vernichtungskrieg war. In der Folge wurden Monopole gefördert, Löhne auf niedrigen Niveau eingefroren, Streiks illlegalisiert, die Gewerkschaften und Arbeiterparteien zerschlagen, Banken, Reichsbahn und Metallindustrie privatisiert und Sozialleistungen gestrichen bzw. an halb-private Organisationen abgegeben und an rassische Voraussetzungen gebunden.

Auch die Führung der kleinbürgerlichen und proletarischen Nazi-Schlägertruppen, darunter Ernst Röhm und Gregor Strasser, wurde kaltgestellt, weil sie in dieser Phase der Naziherrschaft nicht mehr benötigt wurden. Den großen Kapitalisten ermöglichten die Nazis hingegen riesige Profite durch die Beschlagnahmung jüdischen Vermögens, die Plünderung der besetzten Gebiete und den Einsatz von Zwangs- und Sklavenarbeit.

Der Rassenwahn der Nazis stand aber immer an erster Stelle und machte in manchen Fällen Interventionen in die Privatwirtschaft notwendig. So wurden bestimmte Industrien zwangsweise auf die Herstellung von Rüstungsgütern ausgerichtet. Auch der Holocaust bedeutete punktuell Konflikte zwischen der Naziführung und Unternehmern, denn diese hätten mehr davon profitiert, die Arbeitskraft von ethnischen und politischen Gefangenen auszubeuten, statt sie im großen Stil zu vernichten.

Die Lenkung der Wirtschaft während des Krieges war auch kein Alleinstellungsmerkmal der faschistischen Diktatur, sondern wurde in ähnlicher Weise auch in den liberal-kapitalistischen Ländern, wie etwa England und Frankreich, praktiziert - hier wie dort aus reiner Notwendigkeit. Weder äußerten die Anführer der Nazis die Absicht, die planwirtschaftlichen Elemente nach dem Krieg beizubehalten, noch waren die deutschen Unternehmer zu irgendeinem Zeitpunkt über diese Möglichkeit besorgt. Das allein spricht Bände, da Unternehmer für gewöhnlich gegen jede Einschränkung ihrer Profitaussichten Sturm laufen.

nur teilweise und augenscheinlich, aber sie war mehr sozial-darwinistisch und völkisch-rassistisch...die führenden "Sozialisten" innerhalb der NSDAP ließ Hitler allerdings schon 1934 ermorden und vorher diente(n) sie nur als Verlockung für die Arbeiterklasse. Mit dem Sozialismus von Marx, Lenin und Mao hatte er nichts zu tun und auch nicht mit der SPD. Auch oberflächliche Gemeinsamkeiten ändern daran nichts. Da hatte der NS-Staat ja mehr mit dem wilhelminischen Staat gemein.

In gewisser Hinsicht könnte man es als eine Art völkischen Sozialismus bezeichnen, der aber eher nur zur Indoktrinierung (zB "Kraft durch Freude") benutzt wurde.

Aber einen echten Sozialismus, der ja auch der Internationalen (Aufhebung der Nationalstaaten) verbunden ist, kann man da nicht ausmachen.