Ja, weil Reichtum nicht auf der eigenen Arbeit beruht, sondern auf der Ausbeutung fremder Arbeit.

Die Gesellschaft ist grundsätzlich gespalten in diejenigen, die kein Kapital besitzen und für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen und damit mal besser, mal schlechter hinkommen; und die diejenigen, die genügend Kapital besitzen, um andere für sich arbeiten zu lassen und dadurch Reichtum anzuhäufen. Diese Gruppen sind Klassen, und zwar die Klasse der Lohnarbeiter und die Klasse der Kapitalisten.

Die Arbeit der Lohnarbeiter schafft den Reichtum, aber angeeignet wird er durch den Kapitalisten, der davon den Lohn seiner Arbeiter, seinen eigenen Konsum und Investitionen für weiteres Wachstum finanziert. Der Kapitalist kann also nur reich sein und immer reicher werden, weil die Lohnarbeiter arm und deshalb abhängig von seinen Arbeitsplätzen sind, auf denen sie von ihm weiter ausgebeutet werden.

Weder ist also Armut selbstverschuldet, noch basiert Reichtum auf der eigenen harten Arbeit (sondern auf fremder harter Arbeit). Ein Rechenbeispiel: Elon Musk besitzt etwa 244 Milliarden US-Dollar, oder ausgeschrieben 244.000.000.000 $, die Hälfte der US-Amerikaner besitzen weniger als 90.000$. Musks Vermögen ist das 2.711.111-fache dieses Wertes.

Musks stündliches Einkommen wird auf 16.300.000 $ geschätzt, der Mindestlohn in den USA beträgt 7,25 $, der Durchschnittslohn 20,15 $. Liberale wollen uns also glauben machen, dass Musk 2.248.275-mal produktiver arbeitet als einer seiner Angestellten auf Mindestlohn und 808.933-mal produktiver als der durchschnittliche US-Amerikaner und trotzdem noch Zeit findet, Unsinn auf "X" (ehemals Twitter) zu schreiben?

Laut Bloomberg war Musk auch der erste Mensch, der mehr als 200.000.000.000 $ verloren hat. Sein Geld verdankt er also offensichtlich auch keinem guten Geschäftssinn, sondern er ist einfach so reich, dass er auch solche extrem risikoreichen oder unklugen Unternehmungen sich leisten kann.

Wie kam Elon Musk eigentlich zu seinem Startkapital? Sein Vater besaß Smaragdminen in Apartheidssüdafrika, und Musk ging auf eine von den Armen und Farbigen abgeschirmte Privatschule.

Musk ist nur ein Beispiel, weil er so prominent ist, und das ist auch keine reine USA-Problematik. Der reichste Deutsche, Dieter Schwarz, ist der Besitzer von Lidl und besitzt mit etwa 50.000.000.000€ etwa ein Fünftel von Musks Vermögen. So reich wird man nur durch die Ausbeutung fremder Arbeitskraft, und dafür braucht man schon vorhandenes Kapital, z.B. von reichen Eltern, reichen Gönnern oder durch einen Kredit, für den man allerdings kreditwürdig, also reich sein muss.

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RECHTSEXTREMISMUS IST EIN GRÖßERES PROBLEM

Der Extremismusbegriff und die damit verbundene Hufeisen- und Totalitarismustheorien sind ganz grundsätzlich kritisch zu sehen, weil sie völlig gegensätzliche Weltanschauungen anhand von oberflächlichen Ähnlichkeiten auf eine Stufe stellen, während die unvereinbaren Unterschiede zwischen ihnen ignoriert werden. "Extremismus" ist vor allem ein politisches Werkzeug, das bevorzugt gegen Linke eingesetzt wird, und keine sachliche Beschreibung.

Grundsätzlich wird unter Extremismus alles verstanden, was weit abseits des "gewöhnlichen" Meinungsspektrums liegt und damit ist schon klar, dass es höchst subjektiv und orts- und zeitabhängig ist, welche Meinung als extremistisch eingestuft wird.

Der Extremismusbegriff dient deshalb vor allem den Mächtigen, die politische Gegner kriminalisieren und gesellschaftliche Umwälzungen verhindern wollen. In einem autoritär regierten Land wie Russland werden z.B. auch liberaldemokratische Oppositionelle und seit neuestem auch LGBT-Gruppen als extremistisch bezeichnet, und in der Vergangenheit wurden im Westen auf diese Weise Gruppen gebrandmarkt, die z.B. gegen Kolonialherrschaft oder Rassentrennung gekämpft haben.

In Deutschland wird unter alles als Extremismus gefasst, was sich in irgendeiner Weise gegen das Grundgesetz richtet. Aus welchen Motiven das geschieht, findet keine weitere Beachtung; linke Ideologien, die fehlende Gleichheit und Mitbestimmung im Parlamentarismus anprangern und die kapitalistische Ausbeutung beenden wollen, werden effektiv gleichgesetzt mit rechten Ideologien, die Menschen unterschiedlichen Wert zuordnen bis zu dem Punkt, dass bestimmte Menschengruppen vertrieben und vernichtet werden sollen.

Liberale Ideologien, wie sie derzeit in Deutschland und der westlichen Welt vorherrschen, befürworten ebenso wie die Rechte Ungleichheit und Hierarchien, mit dem geringfügigen Unterschied, dass sie sie durch angebliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit rechtfertigen statt über biologische oder kulturelle Merkmale.

Liberale standen historisch und stehen immer noch der extremen Rechten viel offener gegenüber als der Linken, denn erstere hinterfragt nicht die kapitalistischen Machtverhältnisse, und deshalb unterstützten und befürworteten Liberale vielerorts grausame Diktaturen, wenn sie die Machtergreifung von linken Kräften verhinderten. Während des Nationalsozialismus beispielsweise fügten sich ehemals liberale und konservative Politiker größtenteils leicht in die faschistische Diktatur ein und in der BRD wurden FDP und Union die neue politische Heimat zahlreicher Altnazis.

Auch ist Gewalt kein Alleinstellungsmerkmal von angeblich extremistischen Bewegungen, denn auch ein liberaler Staat und seine Eliten sind für ihren Machterhalt auf Gewaltanwendung angewiesen, sowohl physisch (Polizei und Militär) als auch wirtschaftlich (Ausbeutung und Sanktionen).

All diese Verbindungen zwischen liberalen und rechten Ideologien werden durch den Extremismusbegriff und die Hufeisentheorie völlig verschleiert; die hauptsächliche Funktion dieses Begriffes ist und bleibt die Delegitimierung von linken Ideen und Absicherung der bestehenden kapitalistischen Verhältnisse.

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Meinung des Tages: Vier Jahre nach Hanau - was muss gesellschaftlich sowie politisch gegen Rechtsextremismus getan werden?

Vor vier Jahren wurden bei einem rechtsextremistischen Anschlag in Hanau insgesamt zehn Menschen ermordet. Beim Gedenken an die Opfer des Anschlags rief Innenministerin Nancy Faeser zum Kampf gegen Rechtsextremismus auf. Dabei stellt sich auch die Frage danach, was gesellschaftlich und politisch noch zu tun wäre...

Der Anschlag von Hanau am 19.02.2020

Wenige Tage vor dem vierten Jahrestag des rassistischen Anschlags von Hanau haben ca. 5.000 Demonstrierende in der hessischen Stadt an die Opfer der Tat erinnert. Dabei ging es den Demonstranten nicht nur darum, die Opfer sowie deren Familien zu würdigen, sondern zudem darum, ein entschiedenes und generelles Zeichen gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus zu setzen. Der 43-Jährige Tobias R. hatte am 19. Februar 2020 aus rassistischen Gründen neun Menschen mit Migrationshintergrund, seine Mutter sowie sich selbst getötet.

Innenministerin Faeser forderte die Gesellschaft am vierten Jahrestag des Anschlags zu einem entschlosseneren Kampf gegen Rechtsextremismus auf. In Anbetracht der Tatsache, dass es rechtsextremistische Tendenzen gäbe, denen zufolge Menschen allein aufgrund ihrer Herkunft Deutschland verlassen sollten, sei es umso wichtiger, sich derartigen Haltungen und Äußerungen entgegenzustellen. Auch Bundeskanzler Scholz verwies auf X darauf, dass Rechtsextreme "Bürgerinnen und Bürger ausgrenzen, sogar vertreiben" wollen. Justizminister Marco Buschmann bezeichnete Rassismus als "Gift, das sich in unserer Gesellschaft niemals ausbreiten" dürfe. Darüber hinaus appellierte er an die - häufig schweigende - Mehrheit der Bevölkerung, ihre Stimme gegen Fremdenfeindlichkeit jeglicher Art demonstrativer zu erheben.

Was sollte gegen Rechtsextremismus getan werden?

Seit mehreren Wochen bereits protestieren in Deutschland viele Menschen gegen Rechtsextremismus. Auslöser war die Veröffentlichung einer Correktiv-Recherche zu einem Treffen in Potsdam, in welchem dem Rechercheformat zufolge mögliche Deportationspläne von Ausländern besprochen worden sind. Wo zu Beginn der Protestwelle häufig mehrere zehntausend Menschen auf die Straße gegangen sind, sind die Teilnehmerzahlen seit einer Weile allerdings rückläufig. Hierbei stellt sich die Frage danach, was gesellschaftlich und politisch unternehmen werden müsste, um Rechtsextremismus in Deutschland dauerhaft und nachhaltig bekämpfen zu können. Ein großer Stolperstein beim Kampf gegen Rechtsextremismus liegt laut Extremismusforscher Matthias Quent in der Veränderung rechtsextremistischer und -terroristischer Strukturen und Akteure: Wo Rechtsextreme in der Vergangenheit häufig durch einschlägige Netzwerke / Gruppierungen sichtbarer waren und die Radikalisierung innerhalb spezifischer Gruppen erfolgte, findet die politisch-ideologische Radikalisierung heute oftmals alleine und in den eigenen vier Wänden via Social Media / Online-Plattformen statt.

Unsere Fragen an Euch: Wie sollte gesellschaftlich / politisch gegen Rechtsextremismus vorgegangen werden? Was klappt gut und wo besteht Verbesserungsbedarf? Inwieweit könnt Ihr als Nutzer und Bürger virtuell und im Privaten agieren? Welche Rolle spielen Schule und Universität bei der Bekämpfung von / der Aufklärungsarbeit zu Rechtsextremismus? Welche Schritte erhofft Ihr Euch von Justiz, aber auch von den Betreibern von Online-Plattformen?

Wir freuen uns auf Eure Antworten.

Viele Grüße

Euer gutefrage Team

Quellen:

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2024-02/hanau-anschlag-rassismus-demonstration-gedenken-jahrestag

https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/hanau-anschlag-102.html

https://www.sueddeutsche.de/panorama/kriminalitaet-aufruf-zu-kampf-gegen-rechtsextremismus-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-240219-99-41953

https://www.tagesschau.de/inland/hanau-gedenken-122.html

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Wer Faschismus und Rechtsextremismus bekämpfen will, kann sich dabei nicht auf den bürgerlichen Staat verlassen, denn das sind nur zwei Seiten der gleichen Medaille. Rassismus ist keine Besonderheit der extremen Rechten, sondern ein zentrales stützendes Element des gesamten kapitalistischen Systems, das die Überausbeutung von migrantischer Arbeitskraft ermöglicht und die armen Schichten entlang von ethnischen Linien spaltet.

Erst auf diesem Nährboden können rechte Ideologien gedeihen. Die gleichen Regierungsparteien, die sich jetzt medienwirksam als Gegenpol zur AfD inszenieren und den Toten von Hanau gedenken, haben Asylrechtsverschärfungen wie die GEAS-Reform und die Ausweitung der Abschiebehaft durchgedrückt und treiben die Militarisierung der BRD voran.

Antifaschisten und Linke wurden immer wieder kriminalisiert, während sich rechtsextreme Netzwerke in Polizei, Bundeswehr und Verfassungsschutz gründen konnten. In der Tatnacht von Hanau waren 13 Beamte im Einsatz, die der SEK-Einheit angehörten, die später wegen rechtsextremen Chatgruppen aufgelöst wurde. Da kann es nicht als Zufall bezeichnet werden, wenn Opferangehörige rassistischen Schikanen seitens der Polizei ausgesetzt waren und nicht vor den andauernden Belästigungen und Einschüchterungsversuchen des Vaters des Attentäters geschützt wurden.

Politik und Medien versuchen gerne, den bürgerlichen Staat von der Verantwortung freizusprechen, indem rechte Terroristen als psychisch kranke Einzeltätern dargestellt werden. Auch wenn der Attentäter von Hanau kein Mitglied einer rechten Gruppierung war, entstand seine Ideologie nicht im luftleeren Raum, sondern baute auf dem allgegenwärtigen stillen Rassismus im Kapitalismus und auf dem offenen, hetzerischen Rassismus von rechten Gruppen und Influencern auf.

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Antisemitismus als eine Form der rassistischen Unterdrückung widerspricht den linken Zielen einer gleichberechtigten und befreiten Gesellschaft und wird deshalb von linken Gruppen gezielt angesprochen, verurteilt und bekämpft.

Seit dem Wiederaufflammen des Nahostkonflikts vor einigen Monaten betreiben die großen deutschen Medienhäuser und die bürgerlichen Parteien aber Schmierkampagnen, die jeder Empathieäußerung für das Leid der Palästinenser, jeder Anklage gegen die israelische Besatzung und die aktuelle Militärkampagne, jeder Forderung nach Frieden und jeder kritischen Aufarbeitung der israelischen Geschichte pauschal Antisemitismus und Terrorverherrlichung vorwerfen.

Wer Israel mit dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung und der Gleichsetzung Israels mit dem jüdischen Volk pauschal gegen jede Kritik immunisiert, leistet Juden und dem Kampf gegen Antisemitismus damit einen Bärendienst.

Weder sind alle Israelis oder Zionisten jüdisch, noch kann ein Staat wie Israel das jüdische Volk an sich vertreten, noch haben alle Juden auf der Welt gemeinsame Ziele und Interessen, die sich vertreten lassen könnten, noch unterstützen alle Juden Israel oder den Zionismus, es gibt sogar zahlreiche Juden, die Israel aus unterschiedlichen Motiven verurteilen und tragende Rollen in der palästinasolidarischen Bewegung spielen. Also sind Antisemitismus, Antizionismus und gegen Israel gerichtete Kritik auch auseinanderzuhalten.

Es ist deshalb auch kein Widerspruch, dass die politische Linke den Antisemitismus bekämpft und größtenteils palästinasolidarisch ist, während die politische Rechte Antisemitismus und antisemitische Denkmuster pflegt und gleichzeitig fest hinter Israel steht.

Eine wissenschaftlich fundierte Definition von Antisemitismus mitsamt Abgrenzung zu Aussagen und Ansichten, die nicht per se antisemitisch sind, bietet die Jerusalemer Erklärung, die von hunderten Forschern zu Antisemitismus, Holocaust, Nahost, Palästina und Israel verfasst wurde:

The Jerusalem Declaration on Antisemitism | JDA

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Die Widersprüche und katastrophalen Folgen des Kapitalismus sind heute so aktuell wie vor hundert Jahren. Kapitalismus bedeutet Armut, Ausbeutung, Diskriminierung, Imperialismus, Krieg und Umweltzerstörung, er führt durch seine eigenen Dynamiken zwangsläufig zu Wirtschaftskrisen und er dringt in jeden Bereich unseres Lebens ein, um ihn zur Ware zu machen - alles für grenzenloses Wachstum zugunsten einer kleinen Minderheit.

Die Alternative ist eine bedürfnisorientierte Wirtschaft, die auf demokratischer Planung und Gemeinbesitz beruht. Nicht anderes sind Sozialismus und Kommunismus. Für die absolute Mehrheit der Menschheit, die im Kapitalismus ausgebeutet und unterdrückt wird, wäre der Sozialismus natürlich eine bessere Alternative als das derzeitige kapitalistische System. Ein objektives Interesse an der Erhaltung des Kapitalismus hat hingegen nur die kleine Minderheit von kapitalistischen Unternehmern, die vom derzeitigen System profitiert.

Gerade weil diese Klasse der Kapitalisten aber die wirtschaftliche und gesellschaftliche Macht auf sich konzentriert, hat sie auch die Möglichkeiten, unter der breiten Bevölkerung Rechtfertigungen für ihre privilegierte und herrschende Stellung zu streuen, mit anderen Worten Ideologie und Propaganda zu verbreiten. Mit kapitalistischer Ideologie ist man z.B. in der Schule oder in den Massenmedien ständig konfrontiert und auch viele der übrigen Antworten hier geben solche Vorstellungen wieder, wie z.B. folgende:

  • dass der Kapitalismus Leistung belohnen würde und jeder reich werden könnte, wenn er sich nur genügend anstrengt. Tatsächlich basiert immenser Reichtum nicht auf der eigenen Arbeit, sondern auf der Ausbeutung der Arbeit anderer Menschen. Die Chance, tatsächlich aus bescheidenen Verhältnissen in den Club der Reichen aufzusteigen, ist verschwindend gering, trotzdem bringt diese Aussicht viele Leute dazu, sich selbst mit ihren Ausbeutern zu identifizieren und aus diesem Grund z.B. Vermögenssteuern abzulehnen, obwohl sie selbst davon profitieren würden.
  • dass der Kapitalismus schon immer existiert hätte und der menschlichen Natur entsprechen würde - hat er nicht und tut er nicht. Kapitalismus und mit ihm profitorientiertes Wirtschaften und Lohnarbeit sind in Europa erst seit wenigen Jahrhunderten vorherrschend und wurden in anderen Erdteilen noch später eingeführt. Die menschliche Natur ist eben nicht festgelegt, sondern wird von den gesellschaftlichen Bedingungen geformt. Im Kapitalismus werden Eigenschaften wie Gier und Egoismus stärker an die Oberfläche gekehrt und gefördert als Solidarität und Kooperation, zu denen der Mensch ebenfalls fähig ist. 
  • dass Kommunismus mit stalinistischer Diktatur gleichzusetzen ist - ist er nicht. Die Oktoberrevolution in Russland erzeugte eine bisher noch nie dagewesene Form der Rätedemokratie, Umverteilung des Reichtums und Rechte für Frauen und nationale Minderheiten. Dass diese Errungenschaften nicht von Dauer waren und die Rätedemokratie durch die stalinistische Diktatur abgelöst wurde, war nicht eine unvermeidbare Folge des kommunistischen Programms, sondern der spezifischen damaligen Bedingungen, d.h. der Armut Russlands, der Zerstörung und Entvölkerung des Landes nach Welt- und Bürgerkrieg und der globalen Isolation nach dem Scheitern der Revolutionen in den stärker industrialisierten Ländern wie Deutschland. Die kapitalistischen Großmächte haben durch den Versuch, die junge Sowjetunion militärisch zu zerschlagen, selbst ihren Teil dazu beigetragen, sie zu einem autoritären Staat umzuformen.
  • dass der Kapitalismus sich bändigen lassen würde, z.B. in Form einer "sozialen Marktwirtschaft". An den grundlegenden Spielregeln und Widersprüchen ändert auch ein Grundmaß von sozialer Absicherung nichts, dadurch kann die Zunahme der Ungleichheit nur verlangsamt werden, aber nicht aufgehalten oder umgekehrt, und auch Krisen und imperialistische Kriege bleiben unvermeidlich. Zudem sollte man sich vor Augen führen, dass alle sozialen Regelungen durch harte Kämpfe dem Kapitalismus abgerungen wurden und in Momenten der Schwäche der Arbeiterbewegung deshalb auch wieder verloren gehen können, wie es in Deutschland im Zuge des Neoliberalismus seit den 80er Jahren der Fall ist.
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Für die absolute Mehrheit der Menschheit, die im Kapitalismus ausgebeutet und unterdrückt wird, wäre der Kommunismus natürlich eine bessere Alternative als das derzeitige kapitalistische System. Ein objektives Interesse an der Erhaltung des Kapitalismus hat hingegen nur die kleine herrschende Minderheit der Kapitalisten, die vom derzeitigen System profitiert.

Gerade weil diese Klasse der Kapitalisten aber die wirtschaftliche und gesellschaftliche Macht auf sich konzentriert, hat sie auch die Möglichkeiten, unter der breiten Bevölkerung Rechtfertigungen für ihre privilegierte und herrschende Stellung zu streuen und alternative Vorstellungen zu verteufeln, mit anderen Worten Ideologie und Propaganda zu verbreiten.

Die angeblichen 100 Millionen Toten sind genau so ein Propagandamachwerk. Diese Zahl wurde ursprünglich von Stéphane Courtois in seinem "Schwarzbuch des Kommunismus" aufgestellt und war dermaßen unhaltbar, dass sogar drei seiner fünf Koautoren sich später davon distanzierten und ihm Schludrigkeit, Übertreibung und Voreingenommenheit vorwarfen.

In die Zahl fließen tatsächliche Todesopfer von politischer Repression ebenso ein wie Tote durch Hungersnöte und Kriege, die allesamt eindimensional auf die Ideologie der jeweils regierenden kommunistischen Partei zurückgeführt werden, ohne dass äußere Einflüsse oder historische Umstände zur Geltung kommen.

Mehr als die Hälfte der Todesfälle gehen allein auf die Hungersnot in China infolge der schlecht geplanten Industrialisierung (Großer Sprung nach vorne) zurück, obwohl es hierzu keine verlässliche Zahlen und keinen Konsens über die tatsächliche Zahl der Todesopfer gibt, und Courtois hat sich natürlich die allerhöchste Schätzung rausgepickt, ohne sie belegen zu können.

Es ist legitim, den Stalinismus für sein autoritäres politisches System und die gewaltvolle Repression zu kritisieren. Diese Kritik wurde bereits früh von demokratisch-sozialistischer, räte- und linkskommunistischer sowie von trotzkistischer Seite geleistet und nach Stalins Tod teilweise auch von marxistisch-leninistischer Seite.

Davon mal ganz abgesehen, dass Faschismus und Kommunismus völlig gegensätzliche Inhalte haben, übersieht das stumpfe Bodycounting noch etwas Wesentliches: Die Errichtung einer stalinistischen Diktatur war keine Folge des kommunistischen Programms, und die Verursachung von Hungersnöten war auch kein Ziel der stalinistischen Bürokratien, sondern eine Folge ihrer Fehleinschätzungen. Die Massenmorde und Vernichtungskriege der Faschisten hingegen sind eine logische Folge ihrer Ideologie der Ungleichwertigkeit.

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Warum wird Karl Marx von Kommunisten so glorifiziert?

Bitte nicht gleich runternehmen ich habe in den Text schon so gut wie es geht die Schimpfwörter unkenntlich gemacht!!!

Der hätte einen Staat wahrscheinlich sehr ähnlich wei die Nazis regiert. (Siehe Text).

Aus den Briefen und Artikeln von Karl Marx geht ein erschütternd minderheitenverachtendes Weltbild hervor. An seinen politischen Freund Arnold Ruge schrieb Marx, wie "widerlich" ihm "der israelitische Glaube" sei. Sein Text "Zur Judenfrage" (1843) legt den geistigen Grundstein für blanken antisemitischen Hass: "Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus der Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld." Die Passagen von Marx über Juden lesen sich zuweilen wie Originaltexte von Nazis. Das Judentum sei "ein allgemeines gegenwärtiges antisociales Element". In der jüdischen Religion liege "die Verachtung der Theorie, der Kunst, der Geschichte, des Menschen als Selbstzweck". Selbst "das Weib wird verschachert". In seinem Zentralwerk "Das Kapital" schreibt Marx 1872, dass alle Waren "in der Wahrheit Geld, innerlich beschnittene Juden sind, und zudem wundertätige Mittel, um aus Geld mehr Geld zu machen".
Seine Briefe entlarven Marx als blanken Rassisten. So wird Ferdinand Lassalle, der Gründer des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins und politischer Konkurrent von Marx, wegen seiner jüdischen Herkunft erst als "Jüdel Braun", "Ephraim Gescheit" und "Itzig" verunglimpft. Nachdem Lasalle ihn 1862 in London besucht hatte, beschimpfte Marx ihn als "jüdischen Ni$$er Lasalle" und schrieb: "Es ist mir jetzt völlig klar, dass er, wie auch seiner Kopfbildung und sein Haarwuchs beweist, von Neg*** abstammt, die sich dem Zug des Moses aus Ägypten anschlossen. Nun, diese Verbindung von Judentum und Germanentum mit der negerhaften Grundsubstanz müssen ein sonderbares Produkt hervorbringen. Die Zudringlichkeit des Burschen ist auch ni$$erhaft." Selbst seinen eigenen Schwiegersohn Paul Lafargue, dessen Mutter eine kubanische Kreolin war, erniedrigte er in einem Brief an seine Tochter Jenny als "Negrillo" und "Abkömmling eines Gorillas". Als sich Marx wieder einmal über seinen nicht-weißen Schwiegersohn aufregte, schrieb er an Engels: "Lafargue hat die üble Narbe von dem Ne$erstamm: kein Gefühl der Scham."

Quelle: https://www.n-tv.de/politik/politik_person_der_woche/Karl-Marx-war-einer-der-uebelsten-Rassisten-article21848678.html

Ich musste den Text sogar verändern sonst könnte ich das hier nicht einmal hochladen.

Wie kann man so jemanden akzeptieren? Gerade weil die meisten Kommunisten Anti Nationalsozialistisch sind. Einen Antisemiten wie er im Buche steht auf Kommunistische Plakate zu geben ist sehr gewagt meiner Meinung nach?

Was ist eure Meinung dazu?

Übersehe ich was?

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Marx' Gesamtwerk war auf die Beendigung jeder Form von Unterdrückung gerichtet, und das ist ebenso wie die Richtigkeit seiner historischen und materialistischen Analysen unabhängig vom Inhalt einiger aus dem Zusammenhang gerissener Passagen.

Deshalb kamen alle späteren emanzipatorischen Bewegungen nicht um Marx herum. Der Marxismus hatte immer eine herausragende Rolle im Kampf gegen Antisemitismus, gegen Rassismus, Kolonialherrschaft, Unterdrückung der Frau und Homo- und Transfeindlichkeit, während der Konservatismus diese Unterdrückung zementierte und der Liberalismus alle Fortschritte im Nachhinein für sich beanspruchte.

Der positive Bezug auf Marx bedeutet nicht, dass man verleugnet, dass er persönliche Fehler und Schwächen hatte, einige seiner frühen Ansichten widerrief und viele seine Werke unvollendet ließ. Was in dem Artikel von n-tv hingegen betrieben wird, ist Rosinenpickerei mit einer klaren Agenda, und keine ehrliche und ausgewogene Berichterstattung.

Ja, es stimmt, dass Marx in seinen privaten Briefen rassistische Beleidigungen gegen Lassalle und Lafargue geäußert hat, und die lassen sich nicht durch die damaligen Sprachgewohnheiten entschuldigen. Demgegenüber steht aber, was Marx in seinen öffentlichen Schriften schrieb, denn dort forderte er die Abschaffung der Sklaverei und die Emanzipation der Schwarzen, und damit war er den meisten seiner Zeitgenossen weit voraus, inklusive den damaligen großen liberalen Denkern.

"Zur Judenfrage" gehört zum Frühwerk von Marx (es erschien 4 Jahre vor dem Kommunistischen Manifest und ganze 23 Jahre vor dem Kapital) und ist nicht sein gelungenster Text, es enthält Stereotypen über Juden und setzt passend zum damaligen Sprachgebrauch das Judentum mit Schacherei gleich. Trotzdem muss man den Text willentlich missverstehen, um daraus ein Werk des Antisemitismus zu machen. Das klar benannte Anliegen von Marx in diesem Text ist gerade die Emanzipation der Juden, die damals Gegenstand von Debatten war. Marx antwortet darin auf einen Text von Bruno Bauer und kritisiert ihn unter anderem für seinen Antisemitismus!

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Ja, weil Reichtum nicht auf der eigenen Arbeit beruht, sondern auf der Ausbeutung fremder Arbeit.

Die Gesellschaft ist grundsätzlich gespalten in diejenigen, die kein Kapital besitzen und für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen und damit mal besser, mal schlechter hinkommen; und die diejenigen, die genügend Kapital besitzen, um andere für sich arbeiten zu lassen und dadurch Reichtum anzuhäufen. Diese Gruppen sind Klassen, und zwar die Klasse der Lohnarbeiter und die Klasse der Kapitalisten.

Die Arbeit der Lohnarbeiter schafft den Reichtum, aber angeeignet wird er durch den Kapitalisten, der davon den Lohn seiner Arbeiter, seinen eigenen Konsum und Investitionen für weiteres Wachstum finanziert. Der Kapitalist kann also nur reich sein und immer reicher werden, weil die Lohnarbeiter arm und deshalb abhängig von seinen Arbeitsplätzen sind, auf denen sie von ihm weiter ausgebeutet werden.

Weder ist also Armut selbstverschuldet, noch basiert Reichtum auf der eigenen harten Arbeit (sondern auf fremder harter Arbeit). Ein Rechenbeispiel: Elon Musk besitzt etwa 244 Milliarden US-Dollar, oder ausgeschrieben 244.000.000.000 $, die Hälfte der US-Amerikaner besitzen weniger als 90.000$. Musks Vermögen ist das 2.711.111-fache dieses Wertes.

Musks stündliches Einkommen wird auf 16.300.000 $ geschätzt, der Mindestlohn in den USA beträgt 7,25 $, der Durchschnittslohn 20,15 $. Liberale wollen uns also glauben machen, dass Musk 2.248.275-mal produktiver arbeitet als einer seiner Angestellten auf Mindestlohn und 808.933-mal produktiver als der durchschnittliche US-Amerikaner und trotzdem noch Zeit findet, Unsinn auf "X" (ehemals Twitter) zu schreiben?

Laut Bloomberg war Musk auch der erste Mensch, der mehr als 200.000.000.000 $ verloren hat. Sein Geld verdankt er also offensichtlich auch keinem guten Geschäftssinn, sondern er ist einfach so reich, dass er auch solche extrem risikoreichen oder unklugen Unternehmungen sich leisten kann.

Wie kam Elon Musk eigentlich zu seinem Startkapital? Sein Vater besaß Smaragdminen in Apartheidssüdafrika, und Musk ging auf eine von den Armen und Farbigen abgeschirmte Privatschule.

Musk ist nur ein Beispiel, weil er so prominent ist, und das ist auch keine reine USA-Problematik. Der reichste Deutsche, Dieter Schwarz, ist der Besitzer von Lidl und besitzt mit etwa 50.000.000.000€ etwa ein Fünftel von Musks Vermögen. So reich wird man nur durch die Ausbeutung fremder Arbeitskraft, und dafür braucht man schon vorhandenes Kapital, z.B. von reichen Eltern, reichen Gönnern oder durch einen Kredit, für den man allerdings kreditwürdig, also reich sein muss.

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Weil Reichtum nicht auf der eigenen Arbeit beruht, sondern auf der Ausbeutung fremder Arbeit.

Die Gesellschaft ist grundsätzlich gespalten in diejenigen, die kein Kapital besitzen und für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen und damit mal besser, mal schlechter hinkommen; und die diejenigen, die genügend Kapital besitzen, um andere für sich arbeiten zu lassen und dadurch Reichtum anzuhäufen. Diese Gruppen sind Klassen, und zwar die Klasse der Lohnarbeiter und die Klasse der Kapitalisten.

Wenn Reichtum investiert wird, wird er zum Kapital, das sich selbst vermehrt. Für jemanden, der bereits reich ist, ist es deshalb sehr einfach, noch reicher zu werden, und je größer ein Kapitalist ist, desto schneller kann er noch mehr Reichtum anhäufen.

Wer kein oder nur sehr wenig Kapital besitzt, für den ist es hingegen so gut wie unmöglich, zu nennenswertem Vermögen zu kommen. Tatsächlich ist sein bescheidener Lebensstandard sogar immer wieder durch Krisen gefährdet, und seit einigen Jahren ist die Krise des Kapitalismus zum Dauerzustand geworden.

Weder ist also Armut selbstverschuldet, noch basiert Reichtum auf der eigenen harten Arbeit (sondern auf fremder harter Arbeit). Ein Rechenbeispiel: Elon Musk besitzt etwa 244 Milliarden US-Dollar, oder ausgeschrieben 244.000.000.000 $, die Hälfte der US-Amerikaner besitzen weniger als 90.000$. Musks Vermögen ist das 2.711.111-fache dieses Wertes.

Musks stündliches Einkommen wird auf 16.300.000 $ geschätzt, der Mndestlohn in den USA beträgt 7,25 $, der Durchschnittslohn 20,15 $. Liberale wollen uns also glauben machen, dass Musk 2.248.275-mal produktiver arbeitet als einer seiner Angestellten auf Mindestlohn und 808.933-mal produktiver als der durchschnittliche US-Amerikaner und trotzdem noch Zeit findet, Unsinn auf "X" (ehemals Twitter) zu schreiben?

Laut Bloomberg war Musk auch der erste Mensch, der mehr als 200.000.000.000 $ verloren hat. Sein Geld verdankt er also offensichtlich auch keinem guten Geschäftssinn, sondern er ist einfach so reich, dass er auch solche extrem risikoreichen oder unklugen Unternehmungen sich leisten kann.

Wie kam Elon Musk eigentlich zu seinem Startkapital? Sein Vater besaß Smaragdminen in Apartheidssüdafrika, und Musk ging auf eine von den Armen und Farbigen abgeschirmte Privatschule.

Musk ist nur ein Beispiel, weil er so prominent ist, und das ist auch keine reine USA-Problematik. Der reichste Deutsche, Dieter Schwarz, ist der Besitzer von Lidl und besitzt mit etwa 50.000.000.000€ etwa ein Fünftel von Musks Vermögen. So reich wird man nur durch die Ausbeutung fremder Arbeitskraft, und dafür braucht man schon vorhandenes Kapital, z.B. von reichen Eltern, reichen Gönnern oder durch einen Kredit, für den man allerdings kreditwürdig, also reich sein muss.

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So formuliert ist das wenig mehr als Küchenpsychologie.

Die politische Einstellung einer Person wird im Wesentlichen durch zwei Dinge geprägt; einmal die eigene wirtschaftliche Stellung und Klassenzugehörigkeit sowie die materiellen Interessen, die sich daraus ergeben; andererseits durch das politische Bewusstsein, das durch individuelle Erfahrungen und Zugang zu Informationen beeinflusst wird. In diesem Zusammenhang gibt es auch ein "falsches Bewusstsein", das den eigenen Interessen widerspricht, beispielsweise wenn arme Menschen neoliberalen, konservativen, nationalistischen oder religiös-fundamentalistischen Ideologien anhängen.

Angehörige der Arbeiterklasse haben das unmittelbare Interesse an besseren Arbeits- und Lebensbedingungen. Ihnen ist sehr wohl bewusst, dass ihre Arbeit nicht ihnen selbst nutzt, also entfremdet ist, und dass sie am Arbeitsplatz von ihrem Chef ausgebeutet werden. Da ihr Leben von der Arbeit bestimmt ist, können sie sich auch sehr wohl eine Arbeit vorstellen, die angenehm, sinnvoll und erfüllend ist, im Gegensatz zu ihrer momentanen Ausbeutung.

Der Sozialismus ist da eine naheliegende Lösung und verfügte deshalb auch über lange Zeit über eine millionenstarke Massenbasis aus der Arbeiterklasse. Dass das heute zumindest in den Industrieländern nicht mehr so ist, liegt nicht daran, dass etwa die heutigen Arbeiter zu blöd wären, ihre Ausbeutung zu erkennen, sondern dass der Sozialismus seine Strahlkraft durch zahlreiche Niederlagen verloren hat.

Nachdem die Faschisten hunderttausende Kommunisten ermordet hatten, diese in der BRD weiter verfolgt wurden (oft von den gleichen Nazirichtern), der Realsozialismus zusammengebrochen ist und das neoliberale Ende der Geschichte verkündet wurde, scheint es für viele keine Alternative zum herrschenden kapitalistischen System mehr zu geben. Obwohl der Kapitalismus seit Jahren in einer tiefen und multiplen Krise steckt, fehlen die sozialistischen Massenproteste von früher.

Die Arbeiter sind unorganisiert und vereinzelt und suchen deshalb vermehrt vereinzelte Lösungen für ihre Probleme, also z.B. den Rückzug ins Private oder den individuellen Aufstieg auf der Karriereleiter. Politische Lösungen scheinen unmöglich, weil man sich von keiner der herrschenden Parteien erhoffen kann, dass sie die eigenen Interessen vertritt - das stimmt auch, alle herrschenden Parteien vertreten nur unterschiedliche Verwaltungsformen des Kapitalismus, eine sozialistische Alternative muss erst aufgebaut werden. Apolitisches Denken, Perspektivlosigkeit und Verdrossenheit sind die Folge bei vielen.

Wer aus einem wirklich reichen, bürgerlichen Hintergrund kommt, ist im Gegensatz dazu bestrebt, die eigene Position abzusichern und den status quo zu verteidigen. Reiche werden deshalb natürlich den liberalen und konservativen Ideologien zulaufen, und es ist sehr selten, dass sie zum "Verräter an der eigenen Klasse" werden und sich dem Sozialismus zuwenden, wie Friedrich Engels es vorgemacht hat. In der Regel passiert so etwas nur nach intensivem Kontakt zu den ärmeren Klassen und eindrücklichen Erfahrungen von Armut und Ungleichheit abseits des privilegierten Elternhauses.

Zwischen der Arbeiterklasse und dem Bürgertum gibt es noch das Kleinbürgertum, also diejenigen, die Kapital besitzen, aber nicht genug, um sich von der Arbeit zu befreien, wie Kleinunternehmer, Selbständige, leitende Angestellte usw. Das Kleinbürgertum ist die heterogenste Klasse und hat deshalb auch die größten Widersprüche in Bezug auf die Ideologie. Nach oben hin kann das Kleinbürgertum ins Großbürgertum aufsteigen, nach unten hin droht bei schlechter Konjunktur der Abstieg in die Arbeiterklasse.

Es gibt deshalb Teile des Kleinbürgertums, die die Arbeiterklasse so sehr fürchten und verabscheuen, dass sie sich dem Faschismus zuwenden, um die Bedrohung eines Umsturzes von unten gewaltsam zu unterdrücken. Auf der anderen Seite gibt es (oft akademische) Teile des Kleinbürgertums, die ein ausgeprägtes Bewusstsein für Ungerechtigkeiten entwickeln und diesen begegnen wollen, in der Regel aber innerhalb des kapitalistischen Rahmens, sich also dem Linksliberalismus zuwenden. Repräsentation von Minderheiten, individuell angepasstes Konsumverhalten, Selbstverbesserung und Moralismus sind die Scheinlösungen dieses Linksliberalismus, und dabei wird übersehen, dass der Kapitalismus die Ursache der Probleme ist.

Genau wie beim Großbürgertum werden Kleinbürger nicht aufgrund ihrer eigenen materiellen Interessen zu Sozialisten (außer vielleicht am unteren Rand des Kleinbürgertums), sondern aufgrund von einschneidenden Erfahrungen mit den Lebensbedingungen der Ärmeren und der Einsicht, dass es zur Lösung dieser Probleme eine systematische Lösung benötigt, also den Sozialismus.

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Die aktuellen Demonstrationen sind heterogen und damit voller innerer Widersprüche.

Es stimmt, dass die Ampelparteien und die Union die Stimmung gegen die AfD zu Wahlkampfveranstaltungen für sich selbst drehen wollen. Und viel zu viele Leute haben Illusionen in Staat, bürgerliche Demokratie und in eine Brandmauer zwischen dem bürgerlichen und dem faschistischen Spektrum.

Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche linke und linksradikale Gruppen, die ihre eigenen Positionen auf die Demos tragen und die Widersprüchlichkeit aufzeigen, wenn die Ampel und Union die Politik der AfD verurteilen, aber selbst im großen Stil abschieben, Asylrechte beschneiden, soziale Kürzungen vornehmen und die Aufrüstung vorantreiben.

Auf jeder Demo wirst du diese Gruppen finden, also sprich sie an, lass dir ihre Flugblätter geben und organisier dich bei ihnen!

Hier eine kleine Auswahl von Positionierungen von Mitteilungen solcher Gruppen:

Gegen AfD und Abschiebe-Ampel! | Föderation klassenkämpferischer Organisationen (xn--fderation-klassenkampf-uhc.org)

Soziale Kämpfe stärken – Faschisten bekämpfen – DIDF

klassegegenklasse.org/3-februar-auf-die-strasse-fuer-einen-antifaschismus-von-unten/

Die neue rechte Normalität in Deutschland – REVOLUTION (onesolutionrevolution.de)

Gegen AfD und die Abschiebe- und Kürzungspolitik der Ampelregierung: Kommt zum Aktionstag am 3. Februar, 13 Uhr, Bundestagswiese! - ver.di-Betriebsgruppe (verdi-fu.de)

Hinter dem Faschismus steht das Kapital - SDAJ

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Die Wirkung von Karl Marx kann man kaum überschätzen.

Die marxistische Wirtschaftstheorie und die materialistische Geschichtsauffassung sind schlüssiger und umfassender als ihre bürgerlichen Entsprechungen und zeigen heute immer noch wie vor 150 Jahren deutlich deren blinde Flecken und Widersprüche auf.

Die enorme politische Sprengkraft von Marx' Wirken ist offensichtlich, wenn man bedenkt, dass Abermillionen von Menschen auf der ganzen Welt im Kampf gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Imperialismus durch ihn inspiriert wurden und werden.

Natürlich sind viele seiner Werke unvollendet geblieben und einige seiner frühen Ideen in seinen späteren Schriften verworfen worden, aber das sollte angesichts seines ehrgeizigen Anspruchs und seiner Pionierstellung nicht verwundern.

Heute wird die kapitalistische Krise zum Dauerzustand, aber der Widerstand von unten bleibt weitgehend aus. Ein Teil der Erklärung dafür ist sicherlich, dass der Marxismus durch das Wirken von Faschismus und Neoliberalismus weitgehend aus dem öffentlich Bewusstsein verdrängt bzw. er durch Sozialdemokratie und Stalinismus verzerrt und verfälscht wurde.

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Die Widersprüche und katastrophalen Folgen des Kapitalismus sind heute so aktuell wie vor hundert Jahren. Kapitalismus bedeutet Armut, Ausbeutung, Diskriminierung, Imperialismus, Krieg und Umweltzerstörung, er führt durch seine eigenen Dynamiken zwangsläufig zu Wirtschaftskrisen und er dringt in jeden Bereich unseres Lebens ein, um ihn zur Ware zu machen - alles für grenzenloses Wachstum zugunsten einer kleinen Minderheit.

Die Alternative ist eine bedürfnisorientierte Wirtschaft, die auf demokratischer Planung und Gemeinbesitz beruht. Nicht anderes ist Kommunismus. Für die absolute Mehrheit der Menschheit, die im Kapitalismus ausgebeutet und unterdrückt wird, wäre der Kommunismus natürlich eine bessere Alternative als das derzeitige kapitalistische System. Ein objektives Interesse an der Erhaltung des Kapitalismus hat hingegen nur die kleine Minderheit von kapitalistischen Unternehmern, die vom derzeitigen System profitiert.

Gerade weil diese Klasse der Kapitalisten aber die wirtschaftliche und gesellschaftliche Macht auf sich konzentriert, hat sie auch die Möglichkeiten, unter der breiten Bevölkerung Rechtfertigungen für ihre privilegierte und herrschende Stellung zu streuen, mit anderen Worten Ideologie und Propaganda zu verbreiten. Mit kapitalistischer Ideologie ist man z.B. in der Schule oder in den Massenmedien ständig konfrontiert und auch viele der übrigen Antworten hier geben solche Vorstellungen wieder, wie z.B. folgende:

  • dass der Kapitalismus Leistung belohnen würde und jeder reich werden könnte, wenn er sich nur genügend anstrengt. Tatsächlich basiert immenser Reichtum nicht auf der eigenen Arbeit, sondern auf der Ausbeutung der Arbeit anderer Menschen. Die Chance, tatsächlich aus bescheidenen Verhältnissen in den Club der Reichen aufzusteigen, ist verschwindend gering, trotzdem bringt diese Aussicht viele Leute dazu, sich selbst mit ihren Ausbeutern zu identifizieren und aus diesem Grund z.B. Vermögenssteuern abzulehnen, obwohl sie selbst davon profitieren würden.
  • dass der Kapitalismus schon immer existiert hätte und der menschlichen Natur entsprechen würde - hat er nicht und tut er nicht. Kapitalismus und mit ihm profitorientiertes Wirtschaften und Lohnarbeit sind in Europa erst seit wenigen Jahrhunderten vorherrschend und wurden in anderen Erdteilen noch später eingeführt. Die menschliche Natur ist eben nicht festgelegt, sondern wird von den gesellschaftlichen Bedingungen geformt. Im Kapitalismus werden Eigenschaften wie Gier und Egoismus stärker an die Oberfläche gekehrt und gefördert als Solidarität und Kooperation, zu denen der Mensch ebenfalls fähig ist. 
  • dass Kommunismus mit stalinistischer Diktatur gleichzusetzen ist - ist er nicht. Die Oktoberrevolution in Russland erzeugte eine bisher noch nie dagewesene Form der Rätedemokratie, Umverteilung des Reichtums und Rechte für Frauen und nationale Minderheiten. Dass diese Errungenschaften nicht von Dauer waren und die Rätedemokratie durch die stalinistische Diktatur abgelöst wurde, war nicht eine unvermeidbare Folge des kommunistischen Programms, sondern der spezifischen damaligen Bedingungen, d.h. der Armut Russlands, der Zerstörung und Entvölkerung des Landes nach Welt- und Bürgerkrieg und der globalen Isolation nach dem Scheitern der Revolutionen in den stärker industrialisierten Ländern wie Deutschland. Die kapitalistischen Großmächte haben durch den Versuch, die junge Sowjetunion militärisch zu zerschlagen, selbst ihren Teil dazu beigetragen, sie zu einem autoritären Staat umzuformen.
  • dass der Kapitalismus sich bändigen lassen würde, z.B. in Form einer "sozialen Marktwirtschaft". An den grundlegenden Spielregeln und Widersprüchen ändert auch ein Grundmaß von sozialer Absicherung nichts, dadurch kann die Zunahme der Ungleichheit nur verlangsamt werden, aber nicht aufgehalten oder umgekehrt, und auch Krisen und imperialistische Kriege bleiben unvermeidlich. Zudem sollte man sich vor Augen führen, dass alle sozialen Regelungen durch harte Kämpfe dem Kapitalismus abgerungen wurden und in Momenten der Schwäche der Arbeiterbewegung deshalb auch wieder verloren gehen können, wie es in Deutschland im Zuge des Neoliberalismus seit den 80er Jahren der Fall ist.
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Bis auf den Namen hat der Nationalsozialismus wenig mit Sozialismus zu tun.

Sozialisten geht es um die Aufhebung der kapitalistischen Wirtschaftsweise und der Klassengesellschaft. Internationalismus und der Gleichheitsgedanke spielen dabei zentrale Rollen, weshalb Nationalismus und Rassismus als spalterisch abgelehnt werden.

Der Nationalsozialismus ist hingegen eine Ideologie der Ungleichheit. Er propagiert nicht nur die Minderwertigkeit von anderen Nationen und Rassen, sondern auch die wirtschaftlichen und politischen Hierarchien innerhalb der Nation. Die Nazis wollten nicht die Klassen, sondern den Klassenkampf abschaffen, um eine klassenübergreifende "Volksgemeinschaft" zu schaffen, in der die Arbeiter mit ihrer unterlegenen Stellung zufrieden wären und die Position der wirtschaftlichen und politischen Eliten unangetastet bleibt.

Die Nazis und die Faschisten in anderen Ländern zogen ihr Mobilisierungspotential gerade aus der Sorge vor einer erstarkenden sozialistischen Linken und den Abstiegsängsten des Kleinbürgertums, das sich durch die Arbeiterbewegung bedroht sah.

Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter waren deshalb die ärgsten ideologischen und politischen Gegner der Nazis und wurden von ihnen massenhaft verhaftet, gefoltert und ermordet, während Liberale und Konservative sich in vielen Fällen mit den Nazis abfanden oder sie sogar aktiv unterstützten und zu ihnen überliefen. Nach Kriegsende waren es CDU/CSU und FDP, die den alten Nazikadern eine neue politische Heimat boten.

Der Antikapitalismus, der bei den Nazis vor allem in den 20er Jahren noch eine Rolle spielte (und spätestens mit der Ermordung von Ernst Röhm endete), war auf Phrasen begrenzt, inkonsequent, widersprüchlich und ging nur so weit, wie er antisemitisch ausgeschlachtet werden konnte. Deutlich wird das an dem Bild des "raffenden" Finanz- und Handelskapitals, das mit dem Judentum assoziiert wurde, und dem "schaffenden" Industriekapital, das mit Deutschtum und Tugendhaftigkeit verbunden wurde.

Die Nazis mobilisierten also lediglich gegen die abstrakten Seiten des Kapitalismus, lobten aber hingegen den sozialdarwinistischen Konkurrenzkampf auf dem freien Markt. Tatsächlich sind das nur zwei Seiten des gleichen Systems. Das Finanzwesen war auch keinesfalls nur jüdisch besetzt, und tatsächlich gehörten die meisten jüdischen Deutschen der Arbeiterklasse an. Die absurde Folge davon ist, dass nicht nur das Finanzkapital, sondern auch der Kommunismus als "jüdisch" galt.

Im Zuge dieser oberflächlich antikapitalistischen Mobilisierung wurden auch zahlreiche aus dem Marxismus stammende Begriffe völlig umgedeutet, eben auch der "Sozialismus", der zur Volksgemeinschaft umgedeutet wurde. Bei denjenigen Arbeitern, die bereits sozialdemokratisch oder kommunistisch organisiert waren, verfing diese Strategie kaum, unter den Arbeitslosen fanden die Nazis mit dieser Strategie aber eine gewisse Basis.

Nach der Machtübergabe an die Nazis zeigte sich, dass sie weder den Arbeitern noch den Kleinbürgern tatsächliche Vorteile boten, tatsächlich schlossen sie Bündnisse mit dem Großbürgertum, das nun viel hilfreicher für die Ausrichtung der gesamten Industrie auf rassistischen Vernichtungskrieg war. In der Folge wurden Monopole gefördert, Löhne auf niedrigen Niveau eingefroren, Streiks illlegalisiert, die Gewerkschaften und Arbeiterparteien zerschlagen, Banken, Reichsbahn und Metallindustrie privatisiert und Sozialleistungen gestrichen bzw. an halb-private Organisationen abgegeben und an rassische Voraussetzungen gebunden.

Auch die Führung der kleinbürgerlichen und proletarischen Nazi-Schlägertruppen, darunter Ernst Röhm und Gregor Strasser, wurde kaltgestellt, weil sie in dieser Phase der Naziherrschaft nicht mehr benötigt wurden. Den großen Kapitalisten ermöglichten die Nazis hingegen riesige Profite durch die Beschlagnahmung jüdischen Vermögens, die Plünderung der besetzten Gebiete und den Einsatz von Zwangs- und Sklavenarbeit.

Der Rassenwahn der Nazis stand aber immer an erster Stelle und machte in manchen Fällen Interventionen in die Privatwirtschaft notwendig. So wurden bestimmte Industrien zwangsweise auf die Herstellung von Rüstungsgütern ausgerichtet. Auch der Holocaust bedeutete punktuell Konflikte zwischen der Naziführung und Unternehmern, denn diese hätten mehr davon profitiert, die Arbeitskraft von ethnischen und politischen Gefangenen auszubeuten, statt sie im großen Stil zu vernichten.

Die Lenkung der Wirtschaft während des Krieges war auch kein Alleinstellungsmerkmal der faschistischen Diktatur, sondern wurde in ähnlicher Weise auch in den liberal-kapitalistischen Ländern, wie etwa England und Frankreich, praktiziert - hier wie dort aus reiner Notwendigkeit. Weder äußerten die Anführer der Nazis die Absicht, die planwirtschaftlichen Elemente nach dem Krieg beizubehalten, noch waren die deutschen Unternehmer zu irgendeinem Zeitpunkt über diese Möglichkeit besorgt. Das allein spricht Bände, da Unternehmer für gewöhnlich gegen jede Einschränkung ihrer Profitaussichten Sturm laufen.

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Die Außenpolitik Deutschlands (und der übrigen Staaten) wird nicht von menschenrechtlichen oder moralischen Überlegungen geleitet, sondern vom Streben nach wirtschaftlicher und politischer Macht (Stichwort Imperialismus). Menschenrechte oder irgendwelche Werte spielen nur dann eine Rolle, wenn sie als Rechtfertigung für das eigene Handeln ausgenutzt werden können.

Deutschland, die USA und die übrigen westlichen Staaten sind enge Verbündete Israels, das für sie einen Brückenkopf für Machtbestrebungen im nahen Osten darstellt. Deshalb ist hier auch eine klare Parteinahme und Unterstützung einer Seite möglich. Verbrechen der Hamas oder anderer Palästinenserorganisationen werden hier skandalisiert, Verbrechen und Rechtsbrüche Israels verschwiegen oder kleingeredet, sowohl aktuell als auch in der Vergangenheit.

In Ländern, die keine direkten Ambitionen in Nahost verfolgen, beispielsweise in Südamerika, sind auch die politischen Diskurse über Israel und Palästina viel ausgeglichener als in Deutschland, und dort sind sogar die Staatschefs in der Lage, die Gewalt beider Seiten zu sehen und zu kritisieren.

Auch im Ukrainekrieg verfolgen Deutschland und die westlichen Staaten klare Interessen, es geht um die indirekte wirtschaftliche Kontrolle über das Land und die weitere strategische Einkreisung Russlands. Die Verteidigung von Freiheit oder Menschenrechten ist der moralische Vorwand für das Eingreifen in diesem Krieg, das hat aber nichts mit den realen Verhältnissen in der Ukraine oder Russland zu tun.

Aktuell herrschen auch weitere Kriege, über die in Deutschland kaum berichtet wird. Aserbaidschan führt Krieg gegen Bergkarabach und führt dort eine ethnische Säuberung von Armeniern durch, und die Türkei bombardiert die kurdisch kontrollierten Gebiete in Nordsyrien (Rojava) und zerstört dabei auch gezielt zivile Infrastruktur - in beiden Fällen also Kriegsverbrechen.

Das Punkt dabei ist aber, dass sowohl Aserbaidschan als auch die Türkei enge Handelspartner und Verbündete Deutschlands sind, deshalb gibt es auch kein echtes Interesse, ihrem Treiben Einhalt zu gebieten, Menschenrechte hin oder her. Wenn man nur ein paar Jahre in die Vergangenheit geht, findet man unzählige Beispiele dafür, dass sich Deutschland nicht an Diktaturen, Kriegsverbrechen oder Völkerrechtsbrüchen stört, wenn sie von der "richtigen" Seite begangen werden.

Die Außenpolitik Deutschlands oder jedes anderen Staats ist also prinzipienlos und verlogen, aber nicht unlogisch. Die Logik folgt dem Erhalt und der Ausweitung des eigenen Einflussbereichs.

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Formale rechtliche Gleichberechtigung bedeutet noch nicht reale Gleichstellung. Auch ein Milliardär und ein Obdachloser haben auf dem Papier die gleichen Rechte, aber niemand würde ernsthaft behaupten, sie hätten auch real die gleichen Möglichkeiten.

Frauen erledigen nach wie vor den Großteil der Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit, die unbezahlt, ohne Rechtsschutz und ohne Möglichkeiten der sozialen und gewerkschaftlichen Vernetzung stattfindet. In der bezahlten Lohnarbeit werden viele Frauen in die schlechter bezahlten Berufe gedrängt, die oft auch eine Erweiterung der privaten Arbeit darstellen, z.B. Erzieherin, Putzfrau oder Krankenpflegerin.

Daraus resultiert eine finanzielle Schlechterstellung und ein geringeres Selbstbewusstsein, das viele Frauen in Abhängigkeit von ihrem Partner hält, selbst wenn dieser gewalttägig sein sollte. Frauen sind die Hauptbetroffenen von häuslicher Gewalt, aber es fehlt das gesellschaftliche Bewusstsein und die soziale Infrastruktur, um diesem Problem zu begegnen.

Ein weiterer Punkt ist, dass weibliche Körper im Kapitalismus selbst zur Ware werden, was sich z.B. in sexualisierter Werbung oder Prostitution ausdrückt. Prostituierte sind extrem gefährdet für psychische Erkrankungen, und die Objektifizierung von Frauenkörpern suggeriert, das Frauen etwas sind, das primär als Lustobjekt existiert und das man sich einfach kaufen oder auch gewaltsam nehmen könnte, was die grundlegende Ursache für sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen ist.

Da Frauenkörper als Ware behandelt werden, verlieren unattraktive Frauen an "Wert" und damit an gesellschaftlicher Achtung, viel stärker als das bei unattraktiven Männern der Fall ist, die immer noch in erster Linie über ihre Fähigkeiten und nicht über ihren Körper definiert werden.

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Vertreibung und Besatzung sind gerade erst der Boden, auf dem der gewaltsame palästinensische Widerstand wachsen konnte.

Israel hält den Gazastreifen und das Westjordanland seit 1967 besetzt, nachdem im Zuge des Palästinakriegs und der Staatsgründung 1948 bereits hunderttausende Menschen vom späteren Staatsgebiet Israels vertrieben wurden. Zwar wurde 1994 ein kleiner Teil des Westjordanlandes unter palästinensische Verwaltung gestellt und die israelischen Siedlungen im Gazastreifen 2005 geräumt, faktisch kontrolliert Israel zusammen mit seinem Verbündeten Ägypten aber die Lieferung von Wasser, Strom, Lebensmitteln und Baumaterialien in den Gazastreifen.

Es sind die Bedingungen der Besatzung, die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, die schlechte Versorgung, das Kriegsrecht, die Deportationen, Hauszerstörungen, Ausgangssperren, Kollektivstrafen, die Gewalt der israelischen Siedler, die die Palästinenser massenhaft zu den bewaffneten Widerstandsgruppen treiben. Die Hamas ist dabei erst seit den 90er Jahren bedeutsam, nachdem die zuvor dominante weltliche PLO sich durch die Kooperation mit Israel in den Augen vieler Palästinenser diskreditiert hat. Israel hat die Hamas damals ausdrücklich geduldet und teilweise gefördert, um ein Gegengewicht zur PLO zu schaffen.

Noch mehr Blutvergießen wird die Probleme nicht lösen, die erst durch Blutvergießen und gegenseitige Rache ausgelöst wurden. Ein gerechter Frieden, der die Rechte aller Menschen gleichermaßen garantiert, wäre im Interesse der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung in Israel und Palästina. Die rechte Regierung in Israel, die ihre rassistischen Expansionspläne verfolgt und mit der Verteufelung der Palästinenser von innenpolitischen Problemen ablenkt, ist dafür ebenso ein Hindernis wie die Hamas.

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Es scheint, als hättest du sowohl Sozialismus als auch Faschismus missverstanden.

Wenn im Sozialismus von Gleichheit die Rede ist, ist das eben nicht eine Verneinung der Individualität, sondern bedeutet den gleichberechtigten Zugang zu Produktionsmitteln und Konsumgütern. Der Sozialismus erkennt Unterschiede zwischen Menschen z.B. in Bezug auf die körperliche Leistungsfähigkeit explizit an, macht davon aber keine unterschiedliche Versorgung abhängig. Das wird z.B. im Motto "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen" ausgedrückt.

Der Faschismus, inklusive seiner deutschen Spielart, des Nationalsozialismus, ist hingegen gerade eine Ideologie der Ungleichheit. Faschisten wünschen sich vielleicht ein biologisch homogenes Staatsvolk, sie propagieren aber eben auch die wirtschaftlichen und politischen Hierarchien und Ungleichheiten innerhalb der Nation. Nazis und Faschisten wollten nicht die Klassenunterschiede, sondern den Klassenkampf abschaffen, um eine klassenübergreifende "Volksgemeinschaft" zu schaffen, in der die Arbeiter mit ihrer unterlegenen Stellung zufrieden wären und die Position der wirtschaftlichen und politischen Eliten unangetastet bleibt.

Daraus ergibt sich dann der Konflikt mit der sozialistischen Arbeiterbewegung, die ja die Klassenherrschaft abschaffen will. Kommunisten, Sozialisten und Gewerkschafter waren die größte politische Bedrohung für die Ziele der Faschisten und wurden als erstes zu zehntausenden verhaftet, gefoltert und umgebracht, bevor man dann zu rassistisch motivierten Morden überging.

Und genau aus diesem Grund gibt es auch starke Anknüpfungspunkte zwischen Liberalen und Faschisten: beide wollen die gesellschaftliche Ungleichheit der Klassengesellschaft gegen den Sozialismus absichern, nur benutzen sie dazu unterschiedliche Mittel. Liberale befürworteten vielerorts grausame Diktaturen, wenn das die Machtergreifung von Sozialisten und Kommunisten verhindern konnte.

Auch im Nationalsozialismus fügten sich ehemals liberale und konservative Politiker größtenteils leicht in die faschistische Diktatur ein und in der BRD wurden FDP und Union die neue politische Heimat zahlreicher Altnazis. Nachdem die faschistischen Verbrechen öffentlich bekannt wurden, kamen dann Hufeisen- und Totalitarismustheorien auf, die kapitalistische Ideologien der "Mitte" von ihrer Verantwortung freisprachen und stattdessen die Gegner und Opfer der Faschisten mit ihnen auf eine Stufe stellten.

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Krieg ist eine Folge des kapitalistischen Konkurrenzkampfes zwischen Staaten. Auch im Frieden konkurrieren die Staaten, und versuchen sich gegenseitig durch wirtschaftliche und politische Maßnahmen auszubooten, um sich Ressourcen, Handelswege und Absatzmärkte zu sichern. Die Hauptlast der Zölle, Embargos und Spardiktate tragen dabei die einfachen Leute. Der Krieg ist dazu kein Gegensatz, sondern die Fortsetzung der wirtschaftlichen Gewalt durch physische Gewalt.

Die wehrfähige Bevölkerung eines Staates wird im Krieg für ihn zum Verschleißmaterial, das er hin- und herschieben und gegen das Verschleißmaterial des verfeindeten Staates werfen kann, um seine Ziele durchzudrücken. In einem Krieg verteidigen die Soldaten darum nicht ihr eigenes Haus und ihre Familie oder irgendwelche abstrakten Ideale und Werte, sondern den eigenen Staat und seine Interessen.

Jetzt ist es ein weitverbreiteter Irrglaube, dass der Staat alle Mitglieder einer Gesellschaft gleichermaßen repräsentieren würde, und dass man deshalb ruhig sein eigenes Leben für diesen Staat auf Spiel setzen kann, weil man am Ende selbst davon profitiert.

Die Gesellschaft ist nämlich entlang von wirtschaftlichen Grenzen gespalten und der Staat ist in erster Linie der Staat der Reichen. Wenn von Wirtschaftsinteressen eines Staates geredet wird, dann sind damit die Interessen seiner größten Konzerne gemeint, und der Gewinn dieser Konzerne landet am Ende in den Taschen einer kleinen Minderheit.

Die Soldaten sind aber keine Unternehmer, sondern einfache Leute, die für die Profite ihrer eigenen Bosse ihresgleichen abschlachten und abgeschlachtet werden. Es sind gerade Mitgefühl und Menschlichkeit, die den Soldaten während ihrer Ausbildung ausgetrieben werden, damit sie dazu fähig sind, und durch Lügen vom nationalen Zusammenhalt, von moralischer Rechtfertigung und von der Dämonisierung des Gegners werden sie und die Zivilbevölkerung bei der Stange gehalten.

In der deutschen Kriegspropaganda wird beispielsweise der Ukrainekrieg als Verteidigung der Freiheit und der Demokratie gegen die russische Aggression gerechtfertigt. In der russischen Propaganda wird der Krieg ebenso als Verteidigungskrieg präsentiert, und zwar zur Verteidigung der Freiheit Russlands gegen die drohende weitere Einkreisung durch die NATO. Solange genügend Leute auf beiden Seiten diese Darstellungen glauben, geht das Morden weiter.

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Der Rechtsextremismus ist schlimmer...

Der Extremismusbegriff und die damit verbundene Hufeisen- und Totalitarismustheorien sind ganz grundsätzlich kritisch zu sehen, weil sie völlig gegensätzliche Weltanschauungen anhand von oberflächlichen Ähnlichkeiten auf eine Stufe stellen, während die unvereinbaren Unterschiede zwischen ihnen ignoriert werden. "Extremismus" ist vor allem ein politisches Werkzeug, das bevorzugt gegen Linke eingesetzt wird, und keine sachliche Beschreibung.

Grundsätzlich wird unter Extremismus alles verstanden, was weit abseits des "gewöhnlichen" Meinungsspektrums liegt und damit ist schon klar, dass es höchst subjektiv und orts- und zeitabhängig ist, welche Meinung als extremistisch eingestuft wird.

Der Extremismusbegriff dient deshalb vor allem den Mächtigen, die politische Gegner kriminalisieren und gesellschaftliche Umwälzungen verhindern wollen. In einem autoritär regierten Land wie Russland werden z.B. auch liberaldemokratische Oppositionelle und seit neuestem auch LGBT-Gruppen als extremistisch bezeichnet, und in der Vergangenheit wurden im Westen auf diese Weise Gruppen gebrandmarkt, die z.B. gegen Kolonialherrschaft oder Rassentrennung gekämpft haben.

In Deutschland wird unter alles als Extremismus gefasst, was sich in irgendeiner Weise gegen das Grundgesetz richtet. Aus welchen Motiven das geschieht, findet keine weitere Beachtung; linke Ideologien, die fehlende Gleichheit und Mitbestimmung im Parlamentarismus anprangern und die kapitalistische Ausbeutung beenden wollen, werden effektiv gleichgesetzt mit rechten Ideologien, die Menschen unterschiedlichen Wert zuordnen bis zu dem Punkt, dass bestimmte Menschengruppen vertrieben und vernichtet werden sollen.

Liberale Ideologien, wie sie derzeit in Deutschland und der westlichen Welt vorherrschen, befürworten ebenso wie die Rechte Ungleichheit und Hierarchien, mit dem geringfügigen Unterschied, dass sie sie durch angebliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit rechtfertigen statt über biologische oder kulturelle Merkmale.

Liberale standen historisch und stehen immer noch der extremen Rechten viel offener gegenüber als der Linken, denn erstere hinterfragt nicht die kapitalistischen Machtverhältnisse, und deshalb unterstützten und befürworteten Liberale vielerorts grausame Diktaturen, wenn sie die Machtergreifung von linken Kräften verhinderten. Während des Nationalsozialismus beispielsweise fügten sich ehemals liberale und konservative Politiker größtenteils leicht in die faschistische Diktatur ein und in der BRD wurden FDP und Union die neue politische Heimat zahlreicher Altnazis.

Auch ist Gewalt kein Alleinstellungsmerkmal von angeblich extremistischen Bewegungen, denn auch ein liberaler Staat und seine Eliten sind für ihren Machterhalt auf Gewaltanwendung angewiesen, sowohl physisch (Polizei und Militär) als auch wirtschaftlich (Ausbeutung und Sanktionen).

All diese Verbindungen zwischen liberalen und rechten Ideologien werden durch den Extremismusbegriff und die Hufeisentheorie völlig verschleiert; die hauptsächliche Funktion dieses Begriffes ist und bleibt die Delegitimierung von linken Ideen und Absicherung der bestehenden kapitalistischen Verhältnisse.

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