Evolution Fortpflanzung?

11 Antworten

Hallo normalg,

die Vorstellung ist nicht richtig, dass es einen "ersten Vertreter" einer neuen Art gibt. Die Evolution funktioniert anders, in der Biologie stellt sich die Frage, mit wem und wie der sich fortpflanzen könnte also gar nicht.

Ich versuche es etwas anschaulich zu erklären:

Innerhalb einer Gruppe Tiere tragen alle Individuen zwar die Merkmale, die ihre Tierart ausmacht, aber alle Individuen tragen diese Merkmale in verschiedener Ausprägung. Große Ohren, kurze Beine, scharfe Augen, aber auch Fähigkeiten, genetisch verankerte Anfälligkeiten für Krankheiten, etc.

Indem immer zwei Individuen gemeinsam Nachkommen zeugen, vermischen sich ihre Gene. In der nächsten Generation sind die Ausprägungen der Merkmale deswegen neu gemischt.

Wenn die Umwelt, in der unsere Gruppe lebt nun zum Beispiel bestimmte Fähigkeiten begünstigt, dann haben die Individuen, die diese Fähigkeiten oder Merkmale in sich tragen, mehr Nachkommen. Unsere Gruppe könnte zum Beispiel gezwungen sein, den Wald zu verlassen und ihr Dasein in einer Savannenlandschaft zu bestreiten. Ab diesem Punkt werden es Individuen leichter haben, die schnell davon laufen können oder gute Augen haben.

Mit der Zeit - und damit ist gemeint über viele Generationen hinweg - reichern sich deshalb in unserer Gruppe die Merkmale an, die die Individuen zum Überleben in ihrer neuen Umgebung brauchen. Sehen wir die Nachfahren derselben Gruppe nach einer halben Million Jahre wieder an, dann hat sich deren Aussehen deswegen drastisch verändert.

Jede einzelne Generation stellt dabei nur winzigste Detailunterschiede, ein minimalstes Verschieben des Durchschnittes aller Ausprägungen. Zu jedem Zeitpunkt gehören Eltern und Kinder zur selben Tierart und sehen sich sehr ähnlich. Erst über die enorm großen Zeiträume, die die Evolution braucht, verschieben sich die Merkmale so sehr, dass wir verschiedene Spezies sehen, wenn wir Nachkommen und Vorfahr nebeneinander halten.

Es gibt also nicht den Punkt, wo ein Individuum einen ersten Vertreter einer anderen Art auf die Welt bringt. Es gibt nur minimalste langsame Veränderungen von Generation zu Generation, die immer von den Umweltbedingungen in dieselbe Richtung gedrückt werden, bis wir nach Jahrmillionen ein völlig anderes Lebewesen vor uns stehen haben.

Die Übergänge der Evolution sind minimal und fließend. Unser Bild von diesen Vorgängen ist leider mosaikhaft, weil wir nur einzelne fossile Funde haben und deshalb diesen kontinuierlichen Wandel nur punktuell verfolgen können.

Grüße

Ich verstehe die Frage mal so: Wie hat sich der erste Vertreter einer neuen Art fortgepflanzt, wenn er keine Artgenossen und damit Sexualpartner hatte?

Der Fehler liegt schon darin, dass es nicht den einen ersten Vertreter einer Art gibt. Neue Arten entstehen (zumindest bei Tieren) nicht mit einem einzelnen, völlig abweichenden Individuum, sondern mit ganzen Populationen, in denen nach und nach neue Merkmale entstehen und sich ausbreiten.

Über viele Generationen hinweg weicht diese Population damit immer stärker von ihren Nachbarpopulationen ab und kann sich auch immer schlechter mit ihnen kreuzen. Erst wenn die Fortpflanzungsbarriere vollständig oder nahezu vollständig ist, spricht man nach der gängigen Definition dann von einer neuen Art.

Es trifft den Nagel eher auf den Kopf, wenn du dir vorstellst es gibt, gab und wird natürliche Mutationen geben. Von einer Gruppe an Individuen entwickelt einer ein Kriterium der im einen Vorteil gibt (sexuell, Nahrungsbeschaffung etc.), nur ein Teil dieser Gruppe kann seine Gene (die die überlebten) an die nächste Generation abgeben, somit wächst der Anteil zur nächsten Generation in diesem Kriterium. Die Nachfahren prägen es stärker aus und können sich wieder Fortpflanzen und somit von Generation zu Generation wird der Anteil dieser Gene größer, da ein größerer Teil diesen Zweig als direkte Nachfahren aufweist. Es ist keine Verwandlung, sondern eine Selektion an förderlichen Merkmalen. Bis es zu einer eigenen Art oder gar Unterart entwickelt braucht es einige Generationen und größere eben mehrere Hundert Generationen.

Evolution ist keine abgeschlossene Sache, jede Form ist für die nächste eine Übergangsform und längst geht man weg davon, Lebewesen in der Klassifikation wie in Schubladen abzulegen.

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Danke!

Und wie entstand das erste Bakterium? In der Ursuppe?

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@normalg

Bevor es zum Bakterium kommt, müssen noch einige Prozesse vorher erfolgen, aus der Ursuppe erfolgten viel stärker die ersten biologischen Grundbausteine. Es gibt auch keinen einheitlichen Weg je nach Mikroorganismus, wobei es da diese Tiere keine Überreste hinterließen es sich mit Fossilien nicht belegen lässt, zudem kommt das Problem das durch geologische Faktoren Gesteinsschichten aus dieser Schicht schon entgegen dem Erdmantel liegen dürften, kurz es lässt sich kaum-gar nicht rekunstruieren über etwas mehr als Theorien wie sich über einen Abstammungszweig.

Mal Grundsätzlich, die Abioginese ist kein Bestand der Evolution, da diese nur über die Entwicklung von bereits bestehende Lebewesen über Generationen hinweg sich beschäftigt.

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@wonno93

Ok danke dir. Aber das Bakterium war also schon das erste Lebewesen? Woher weiß man das, wenn es keine Fossilien gibt?

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@normalg

Es, gab nicht das Bakterium. 1) Es gibt eine gewaltige Variation davon und vor allem 2)Es gab eine Fülle an ersten primitiven Einzellern, nicht nur Bakterien. Einige wenige Fossilien von Cyanobakterien aus dem Präkambrium sind entdeckt worden, jedoch keine deckende Linie und es waren auch nicht die ersten Lebensformen. Diese entstanden deutlich eher als diese Fossilien Aufschluss geben könnten.

Sie gehörten sicherlich zu den ersten. Weil es nachvollziehbar ist, das es mit dem primitivsten Leben beginnt welche die nur die elementarsten Bedingungen für ein Lebewesen abdecken, zudem sind auch die Anpassungsfähigsten mit der größten Überlebensresistenz gegenüber wiedrigen Bedingungen. Es ist die einzige Möglichkeit. Für keine heutige Lebensform oder eine ältere bekannte gab es ältere Spuren und Indizien.

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@wonno93

Danke! Ich finde das so spannend, wie sich alles entwickelt hat.

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