Zeit vergeht immer schneller. Illusion oder Tatsache?

14 Antworten

Das ist eher Illusion und eine Frage der Wahrnehmung.

Ein zweijähriges Kind erlebt mit dem zweiten Lebensjahr 50 % seiner Lebenszeit in der obendrein alles neu ist.Mit 80 hat sich der Anteil deutlich verringert und nur wenig ist neu von dem,was man erlebt.

Wenn man sich langweilt,dehnt sich die Zeit gefühlt ,aber hinterläßt keinen bleibenden Eindruck.Passiert etwas Aufregendes,dann bleibt jede Sekunde im Bewußtsein.Das wurde mir mal besonders klar,als ich im Nachhinein versuchte nachzuvollziehen,wieviel Zeit während eines Notfalls vergangen war.Es war nicht einmal halb soviel,wie ich geschätzt hätte.

Last not least versucht man viel Zeit hinter sich zu bringen.Man lebt in der Zukunft,hofft z.B. das auf der Arbeit die Zeit schnell vergeht.Wartet auf irgendwas,was besser ist.

Ich muss meinem Vorredner widersprechen. Ich bin 59 und habe das Gefühl auch, dass die Jahre immer kürzer werden. Aber nicht, weil ich wenig erleben würde. Ganz im Gegenteil, ich erlebe beruflich und privat ständig Neuerungen (durch Neustart in anderem Beruf, Kinder, Enkel etc.) und bin noch dazu sehr aktiv und sportlich (Laufwettkämpfe etc.).

Woher das subjektive Gefühl kommt, dass die Zeit immer schneller verfliegt, kann ich nicht genau sagen. Ich glaube, es kommt daher, dass man ab Mitte 40 versteht (und zwar zum ersten Mal nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Bauch), dass das Leben endlich ist. Man sieht sozusagen erstmals den Horizont. Ab da wünscht man sich unbewusst wohl, dass die Zeit langsamer voranschreitet. Und allein das führt schon dazu, dass sie besonders schnell zu rasen scheint.

Denn das ist ja das bekannte Paradox: Wenn man sich wünscht, die Zeit möchte doch bitte schnell vergehen (weil man z.B. gerade krank ist oder etwas Unangenehmes vor sich hat), dann vergeht sie langsam. Und wenn man sich wünscht, sie möge doch bitte etwas langsamer voranschreiten, dann eilt sie.

Als junger Mensch sieht man den Horizont dagegen noch nicht. Das Leben erscheint subjektiv wie eine weite, schier endlose Ebene. So vieles hat man noch vor sich, so vieles kann man machen, tun, ausprobieren oder erreichen. Man hat einfach noch Zeit.

Ein zweiter Punkt ist sicher eine gewisse Routine. Wenn man älter ist, kennt man den Rhythmus der Monate und Jahre, weiß, was wann ansteht und getan werden muss. Nicht mehr alles ist neu und aufregend, selbst wenn man viel erlebt. Man kann es besser einordnen. Das ist zugleich auch angenehm. Probleme hauen einen nicht mehr um, weil man weiß, man schafft das, und es findet sich letztlich immer ein Lösung. Erfahrung macht gelassener.

Mein Fazit: Ja, die Zeit eilt jetzt schneller als früher. Ich bin aber zugleich auch wesentlich gelassener und glücklicher als als junger Mensch. Es ist halt wie immer im Leben: Licht und Schatten halten sich die Waage.

LG

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

SlowPhil  15.07.2025, 13:32

Sie ist nicht objektiv schneller. Wir empfinden sie als schneller, besonders im Rückblick auf unlängst vergangene Zeit.

Im Jahr 1997 – das übrigens dieselben Wochentage an denselben Daten hatte wie dieses Jahr – war ich etwa halb so alt wie heute, also hatte damals das zurückliegende Jahr einen doppelten Anteil an meiner bisherigen Lebenszeit.

Natürlich gibt es auch andere Faktoren, aber dieser scheint mir der konstanteste zu sein.

Die subjektiv empfundene Zeit wird vom biologischen Schrittmacher in unserem Zwischenhirn gesteuert. Sie kann, je nachdem was wir gerade machen oder erleben, langsam oder schnell vergehen.

Dagegen ist die objektive Zeit, die wir auf der Uhr ablesen, völlig konstant in ihrem Bewegungsablauf. Sie wird in der Braunschweiger Atomuhr durch die Schwingungen des Cäsiumatoms gesteuert. Ihre Abweichung beträgt nur 1 Sekunde in 3 Millionen Jahren (!).

An sich vergeht die Zeit immer gleich schnell, sie wird nicht schnell oder langsamer. Jedoch kann zB die Sonne diese Wahrnehmung beeinflussen, da sie im Sommer früher aufgeht und länger oben bleibt, im Winner aber nur wenig zusehen ist.

Klar kommt es auch auf die Nutzung der Zeit an, wenn man etwas macht, dass einen Spaß macht, wird die Zeit gut genutzt und vergeht "schnell". Wenn man sich nicht beschäftigt und nur langweit, kann es aber einem vorkommen, dass die Zeit langsam vergehen würde.

LG, PizzaOnFire ^^

Es ist eine reine Veränderung der Wahrnehmung. Die hat aber nichts mit dem Alterungsprozess an sich zu tun, und auch nicht mit dem "enormen Informationsfluss durch Medien und Technik heutzutage".

Unser Gehirn nimmt Zeit relativ zur Anzahl neuer Eindrücke wahr - als Kind ist alles neu, später wird vieles Routine. Weniger Neues = weniger „zeitliche Anker“ = Zeit fühlt sich kürzer an.