Hallo zusammen,
ich habe leider das Problem, dass ich mit meiner Angst nur sehr schwer umgehen kann.
Ein Beispiel: Letztes Jahr hatte ich einen eingewachsenen Zehennagel. Ich bin ganze 8 Monate damit herumgelaufen, bis er schließlich operiert wurde musste. Schon eine Woche vor der Operation hat die Angst komplett übernommen: Ich habe abgenommen, konnte kaum noch schlafen oder essen, habe nur noch Zigaretten geraucht, und war kurz davor, die OP abzusagen. Gleichzeitig hatte ich aber auch Angst, dass mit meinem Zeh etwas Schlimmes passieren könnte, wenn ich es nicht machen lasse, also bin ich letztlich zur OP gegangen.
Bei mir wurde eine Emmert-Plastik gemacht. Im Internet habe ich dazu fast nur negative Berichte gelesen und erfahren, dass die Infektionsrate nach der OP bei etwa 10 % liegen soll. Ich hatte große Angst eine Infektion zu bekommen und dass mir im schlimmsten Fall der Zeh amputiert werden müsste oder noch etwas Schlimmeres passiert. Nach der OP habe ich das Antibiotikum Clindamycin bekommen und drei Wochen lang jeden Tag Durchfall gehabt. Ich war deswegen auch beim Arzt und habe mich völlig verrückt gemacht, weil ich Angst hatte, eine pseudomembranöse Kolitis zu haben (eine mögliche Nebenwirkung von Clindamycin).
Jetzt, ein Jahr später, wächst der Nagel wieder ein. Die Haut ist ständig leicht gerötet. Es tut aber nicht weh. Der Nagel ist dicker als vorher und wächst schief, nach unten. Mental macht mich das total fertig. Ich schneide den Nagel alle vier Wochen vorsichtig zurück und habe danach meistens eine Entzündung, die nach paar mal Fußbad wieder weggeht. Nach 3 Wochen geht das Ganze aber von vorne los. Es ist keine Infektion, sondern immer wiederkehrende Entzündungen, zum Glück nicht so schlimm wie vor der OP.
Ich war bei meiner Ärztin, und sie meinte, wenn er wieder richtig einwächst, müsste erneut operiert werden. Ich weiß, dass es bei solchen Operationen häufiger zu Rezidiven kommt, aber ich denke mir trotzdem, dass meine Ärztin vielleicht nicht so gut ist, weil sie bei mir diese Emmert-Plastik gemacht hat, und ich gelesen habe, dass diese Methode immer seltener angewendet wird, weil sie sehr radikal ist und mit Komplikationen verbunden sein kann. Gleichzeitig ist meine Ärztin aber sehr nett und einfühlsam und weiß, dass ich große Angst habe. Sie ist menschlich einfach top.
Ich war auch einmal (vor der OP) bei einem anderen Arzt in meiner Stadt. Nachdem ich ihm 3–4 Fragen gestellt hatte, meinte er, er habe keine Zeit, und gab mir nur eine Überweisung in eine Klinik, wo ich mich operieren lassen solle. Im Grunde hat er mich also wegen meiner Angst abgewiesen. Andererseits habe ich gehört, dass er ein sehr guter Chirurg sein soll.
Meine Angst kommt davon, weil ich Zugang zu wissenschaftliche Informationen habe. Ich habe kostenlosen Zugang zu vielen Studien. Wenn ich etwas habe oder mich etwas interessiert, lese ich dazu wissenschaftliche Artikel und eigne mir immer mehr Wissen an. Ich lese mich tief in die Themen ein und weiß dadurch oft, was alles schiefgehen kann und dieses Wissen macht mich übervorsichtig.
Geht es jemandem ähnlich?