wieso ist Gretchen am ende von Faust I gerettet?

6 Antworten

Hey, sie wurde vom Teufel verführt und seit Jesus am Kreuz hing werden den Menschen all ihre Sünden vergeben. Und außerdem ist sie diejenige, die verarscht wurde, Goethe war halt fortschrittlicher als die meisten Männer seiner Zeit und hat nicht die Verantwortung für alles der Frau gegeben.

Gretchen, obgleich nach den irdischen Maßstäben der Zeit eine Sünderin, ist dennoch „gerettet“ (s. Schluss von Faust I), d.h., sie ist wegen ihres lauteren Sinnes und ihres edlen Wesens bereits in die „höhere Welt“ eingegangen. Die Tötung des Kindes war eine Verzweiflungstat, geschah in Anbetracht der auf Gretchen einstürzenden Schicksalsschläge im Zustand des Wahnsinns. So kann das „gerettete Gretchen“ am Ende des 2. Teils als Erlöserin bzw. als Wegbereiterin zu den göttlichen Sphären auftreten. Diese sind beständig und ewig, das Irdische dagegen ist vergänglich.Wir können die göttliche Welt nicht direkt wahrnehmen, sondern nur, indem wir die vergängliche irdische Welt betrachten und in ihr ein Gleichnis der höheren Sphären erkennen („Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis“). In diese göttlichen Sphären kann uns das Ewig-Weibliche, hier die reine weibliche Seele Gretchens, die Faust entsprechend „belehrt“ (Gretchen am Ende des 2. Teils: „Vergönne mir, ihn zu belehren...“), hinanziehen. So sagt Mater Gloriosa zu Gretchen am Ende des 5. Aktes von Faust II: „Komm, hebe dich zu höhern Sphären! Wenn er dich ahnet, folgt er nach.“ Das Ewig-Weibliche, das uns allein „hinanziehen“ kann, ist als Gegensatz zum verführerischen Eros der Frau gemeint. Dieses rein Körperliche der Frau kann uns natürlich nicht „hinanziehen“.

Weil dies der christliche Gott der Vergebung ist, und nicht der alttestamentarische rächende Gott. Meinte offensichtlich Goethe.

was hat sie denn zur Wiedergutmachung getan damit Gott ihr vergibt ?

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@sissi62

Au, da hat aber einer das Gleichnis vom verlorenen Sohn nicht richtig gelesen. Vergebung geht auch ohne Wiedergutmachung. Meint das Neue Testament.

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@Pangaea

Die Bibel als Würfelspiel. Es findet sich für jede Version die passende Stelle.

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@geschoepf

Klar. Ich habe ja auch nie behauptet, dass irgendetwas an der Bibel stimmt. Aber Goethe bezieht sich hier eben auf den neutestamentarischen, vergebenden Gott. Und das Gleichnis vom verlorenen Sohn handelt von der bedingungslosen Vergebung.

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Goethe war kein Christ, sondern ein Pantheist. Es kann also nicht um die christliche Vergebung gehen.

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@Haldor

Man kann auch als Nicht-Christ die christliche Vergebung in ein Theaterstück einbauen.

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Auch Suendern wird nach christlichem Glauben doch vergeben, oder?

Sie wurde verfuehrt und hat aus Verzweiflung gehandelt, jede Seele sollte es doch wert sein, gerettet zu werden.

Hatte das Thema auch mal im Abi, ist aber schon 30 Jahre her.

Ist doch logisch; weil Gott der Ozean der Vergebung ist.

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