Ist " Goethe,s Faust " zu schwere Kost für deutsche Abiturienten?

19 Antworten

Hallo!

Es liegt nicht an Goethe selbst, sondern an der alten Sprache - und das betrifft auch andere "Literaturklassiker". Letztlich sind diese "Klassiker" vielen auch schlicht zu weit weg und zu alt ------> wenn man den Abiturienten Werke präsentieren würde, die nicht vor Jahrhunderten irgendein Literaturpapst geschrieben hatte, würden sie auch mit Spaß lesen und sicherlich Werke verstehen und analysieren, die deutlich über dem Niveau des Faust und vergleichbarer Werke liegen.

Für dererlei Literatur muss man ein Faible haben, das man in jungen Jahren eben noch nicht hat. Es ist wie mit klassischer Musik ------> auch da kommt man oft im vorgerückten Alter erst auf den Trichter, weil man die Reife und die Zeit braucht, um diese Musik genießen zu können. Ich bin mir sicher, dass viele, die Faust und Ähnliches heute loben, vor 20-30 Jahren auch nicht auf ihn erpicht waren.

Es wird seltenst Stoff präsentiert, mit dem die jungen Leute was anfangen können. In der Regel sind das Werke in schwer verständlicher, alter Sprache und das dazu von Leuten, die schon viele Jahre tot sind und die vielleicht allen Literaturexperten bekannt sind bzw. von Selbigen gefeiert werden, aber der Jugend nichts vermitteln. Es ist also nichts Greifbares, nichts, was einen Jugendlichen ansprechen würde.

Ich habe Faust freiwillig privat gelesen, kam aber erst so richtig hinter die Handlung, als ich eine Theateraufführung von "Urfaust" gesehen habe, die modern und klar gegliedert war. Das Publikum hier war übrigens sehr jung für eine solche Aufführung - nicht durch Schulklassen.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Man hat in all den Jahren einiges erlebt.

Hi, ich komme aus Polen, dann habe ich so lange die "alten" Schriften gelesen, bis ich alles verstanden habe. Auch in Fraktur und Kurrentschrift. Aber es ist alles aus andere Zeiten und dazu Poesie - es ist nicht so einfach. Für mich waren es ca. 40 Jahre :-)

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dt. Abiturienten sollten den Faust lesen und verstehen können. Ok. das heutige Abitur ist nicht mehr das, was es mal war oder sein sollte. Aber über das Harry Potter Niveau sollte man hinaus sein.

(NIchts gegen Harry Potter, ich habe die Bücher sehr gerne gelesen. Aber mit Goethe und Shakespeare sind sie doch nicht zu vergleichen.)

Es ist alles immer eine Frage der Lehrkraft ob etwas schwere Kost, interessant, oder langweilig ist. Ich habe beispielsweise in meiner Abiturzeit Faust regelrecht zu hassen gelernt. Es war einfach tödlich langweilig, wir haben permanent Stellen durchanalysiert und ich kann dadurch den Monolog von Faust ("Ach hätt ich doch...") deswegen immer noch auswendig. Dazu sollte ich eventuell noch sagen, dass ich ansonsten ein absoluter Leser war und mich auch nie an älterer Literatur gestört habe.
Ein Freund von mir war auf einer anderen Schule, andere Lehrkraft, anderes System. Die Klasse dort hat Faust regelrecht gefeiert, was für mich zu dem Zeitpunkt absolut unverständlich war. Also alles eine Sache des Lehrers, wie das Material rübergebracht wird. Von meinem Jahrgang wollte jedenfalls niemand mehr etwas von Faust hören

Ein Freund von mir war auf einer anderen Schule ...

Auf einer Waldorfschule?

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@Cockadoodledoo

Gymnasiale Oberstufe so wie ich, sonst wäre der Vergleich bei einer Frage, bei der es um Abiturienten geht, ja wohl selten dämlich gewesen. Die Sinnhaftigkeit der Frage nach der Schulart sehe ich da im Zusammenhang jetzt übrigens auch nicht so ganz

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Nein, bisher gab es mit Faust weniger Probleme als mit anderen Inhalten oder Fächern im Abi (Mathe z.B.).

Nicht mehr gelitten? Du meinst, dass es keinen praktischen Bezug gibt im Alltag, sodass sie das nicht nachvollziehen können.

Sehe ich nicht so, Effi Briest wäre demnach auch zu schwer, da es keine standesgemäßen Hochzeiten mehr gibt.

Die Gesellschaft hat sich verändert, dennoch sind für die Schüler die Aspekte nachvollziehbar.

Des Pudels Kern hat doch keine andere Bedeutung? Wird nur angelehnt an Faust als Kern der Sache verwendet, genau wie “Gretchenfrage“.

Ich habe Faust in der Q1 gelesen, bevor ich im Sommer abgegangen bin in meine Ausbildung.

Ich lese sehr ungerne, hatte trotzdem Deutsch LK und fand das Buch/die Thematik/die Ausssgen sehr interessant und finde es unmöglich, dass dieses Buch nicht mehr Pflichtlektüre sein soll.

Btw...im Abi hat man 3 Vorschläge und muss sich nicht für Faust entscheiden (wobei es ja meist eine Szenenanalyse ist und gut machbar)!

Ich denke, unser Gym wird dies Buch trotzdem lesen lassen, abirelevant hin oder her und ich hoffe, andere Schulen machen dies auch weiterhin.

Bei uns in der Zeitung stand ja auch, dass die abirelevanten Lektüren alle paar Jahre wechseln und dass dies den Wechsel begründe. Also besteht die Hoffnung, dass irgendwann wieder Faust zum Leben erweckt✌.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Schul. Teil der FH Reife

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