Welcher islamischen Rechtsschule (madhab) folgt ihr als Muslime?

Das Ergebnis basiert auf 33 Abstimmungen

gar keiner 52%
Hanafiya 30%
Jafariya 6%
Schafiya 6%
Hanbaliya 3%
Malikiya 3%

9 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Hanafiya

Ich folge der Ahlu Sunnah Wal Jemaat, also dem Ur-Islam, welcher vom Propheten bis heute von den meisten Muslime gelebt und praktiziert wird.

Die Gelehrten der Ahlu Sunnah akzeptieren heutzutage nur noch die Hanafitischen, Malikitischen, Shafiitischen und Hanbalitischen Rechtsschule im Fiqh und die Rechtsschulen von Imam Maturidi und İmam Ashary in der Aqida.

Ich selbst bin Hanafi, Maturidi, weil ich mich darüber am meisten auskenne, sehe aber die Meinungen der anderen von der Ahlu Sunnah akzeptierten Rechtsschulen als genauso richtig an.

Es gibt acht anerkannte Rechtsschulen, wie du Wikipedia entnehmen kannst:

Das heutige Acht-Madhhab-System basiert auf der sogenannten Amman Message des jordanischen Königs Abdullah II. bin al-Hussein. Nach Einholung von Rechtsgutachten verschiedener religiöser Autoritäten, darunter der Scheich der Azhar, Großajatollah Ali as-Sistani und Yusuf al-Qaradawi, berief er im Juli 2005 eine Konferenz in Amman ein, an der 200 Gelehrte aus 50 Ländern teilnahmen. Am Ende der Konferenz wurde die Amman Message verabschiedet, die in ihrem ersten von drei Punkten die Anerkennung der acht Madhāhib enthält.[16] Durch die Annahme der Amman Message auf der Gipfelkonferenz der Organisation der Islamischen Konferenz in Mekka im Dezember 2005 sowie durch die Internationale Islamische Fiqh-Akademie in Dschidda im Juni 2006 hat die Anerkennung der acht Madhāhib jetzt offiziellen Charakter.

Ich habe in der Frage nur die zahlenmäßig relevantesten aufgelistet.

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@verreisterNutzer

Das sind keine anerkannten Rechtsschulen, sondern eine reine Auflistung.

Die von der Ahlu Sunnah anerkannten sind die 4, die ich genannt haben.

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@ItsJustMe38

Wikipedia sagt:

Die dschaʿfaritische Rechtsschule wurde zwar 1959 von der al-Azhar-Universität (Kairo) und nochmals in der Botschaft aus Amman (2004) genauso anerkannt wie die vier traditionellen sunnitischen Rechtsschulen, aber weite Teile der Sunniten erkennen die Autorität der Rechtsschule bis heute nicht an

In einer Fatwa wird darauf hingewiesen, dass die jafaritische Rechtsschule auch anerkannt wird:

In der Fatwa von al-Azhar heißt es: [...] The Ja’fari school of thought, which is also known as “al-Shi’a al- Imamiyyah al-Ithna Ashariyyah” (i.e., The Twelver Imami Shi’ites) is a school of thought that is religiously correct to follow in worship as are other Sunni schools of thought.
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@verreisterNutzer

Weder die Al-Azhar, noch die Ammanische Botschaft ist Ausschlagsgebend für den Weg der Ahlu Sunnah Wal Jemaat.

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@verreisterNutzer

Was verstehst du unter anerkennen?

Ich sehe ihre Ansichten nicht als Richtig an, entsprechend der Ahlu Sunnah gilt sie als Ahlu-Bid'a, also eine später entstandene Strömung, die nicht der Lehre des Propheten entspricht.

Was aber nicht zwangsläufig heißt, dass es keine Muslime sind, darüber hast du meine Meinung ja vermutlich bereits gelesen..

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@ItsJustMe38

Du liegst im Irrtum. Diese Aufzählung ist nicht Jux und Dallerei. Die ist von den größten Ulama erstellt worden. Ignorieren ist nicht angebracht. Und auch schon 1959 wurde auch von Al-Azhar eine Fatwa erlassen, indem neben den vier sunnitischen Schulen auch die der Jaafariya, Ismailiya und Zaidiya als rechtgeleitet charakterisiert worden sind. Vergiss auch nicht, dass die heutigen vier sunnitischen Rechtsschulen von vielen (hab was zwischen 30 und 80 gehört) übrig geblieben sind. Und vergiss nicht, dass Malik bin Anas und Abu Hanifa Schüler von Jaafar as-Sadiq waren, auf den die Rechtschule der Jaafariya zurückgeht (12er-Schiiten).

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@ItsJustMe38

Das ist schlicht Ignoranz in Reinkultur. Und wer bestimmt das? Du? Welche Ulama? Wer maßt sich an, die größten Ulama hier völlig infrage zu stellen? Mit welchem und wessen Recht?

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@mulan2255

Mir ist klar, dass es mehrere Rechtsschulen gab, jedoch entsprechen die anderen heute gängigen Rechtsschulen nicht den Grundsätzen der Ahlu Sunnah.

Dabei Berufe ich mich nicht auf die Ulama von 1959, die womöglich solche Entscheidungen durch politisches erdrängen, in der Zeit der gespaltenen und zusammenhaltlosen Ummah, gegeben hat.

Schau dir die Abhandlungen zu dem Thema zur Zeiten an, als sich die Ummah unter einen Khalifen versammelten und die Ulema über dem Staat standen und nicht andersherum...

Es gibt etliche Werke von wertvollen Gelehrten, die beschreiben, was die Ahlu Sunnah ausmacht.

Und du verweist auf eine Fatwa aus einer Zeit, in der der Islam weltweit in Repression steht.

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@ItsJustMe38

Es ist unklar, wer die Ahlus Sunna Wal Jamaa genau sein soll, welche die vier sunnitischen Rechtsschulen anerkennen. Das bedeutet nach Adam Riese, dass wir hier von 5 Rechtsschulen sprechen? Wenn die Ahlus Sunna ... diese Rechtsschulen anerkennt, muss diese ja was anderes sein als die vier madhahib. ... Und am Ende kommt raus, wie ich in einer salafistische Predigt mal hören musste, dass die madhshib im Grunde Bid’a sind, d.h. man sei gut beraten, zu ihrer Lehre zu kommen. Also verstehen sie sich selbst als eine eigene Rechtsschule. Der Name bleibt dann unerwähnt. ... Wie nah das alles beieinander liegt!
By the way: Der Begriff Ahl as-Sunna wal Jamaa geht wohl auf Muawiya zurück und könnte ein Gegenkonzept zu den Ahl al-aql gewesen sein, zu den „Leuten der Vernunft“. Diese waren diejenigen Muslime der damals noch einheitlichen Umma, welche verschiedene Lager aufwies, wie die šī‘at 'Alī (Ahl al-Aql) oder die šī‘at Abī Bakr/'Umar/'Uthmān (Ahl as Sunna ...). Erst Muawiyas Befehl zur Verfluchung Alis und Seite Anhängerschaft von den Freitags-Kanzeln brachte die Spaltung durch diese Art Exkommunikation. ... Ab da galten die bisherigen Angehörigen der Umma als vogelfrei und wurden seither verfolgt. Und dazu gehörte natürlich, sie als Nichtmuslime oder Abgeirrte/Abtrünnige zu degradieren. Takfir nahm da seinen systematischen Anfang. Und wie man sieht, geht das so bis heute. Seit 1000 Jahren übt man Takfir. Seit 1000 Jahren sündigt man. Seit 1000 Jahren sagt man, Schiiten seinen keine Muslime, nicht rechtgeleitet. Seit 1000 Jahren werden Schiiten umgebracht. ... Ist nur komisch, dass sie jedes Jahr zahlreich bei der Hajj zu sehen sind. ... Irgendwas stimmt da also in diesem Diskurs nicht. Nichtmuslime haben keinen Zutritt zu Mekka und Medina. ...

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@ItsJustMe38

Warum versuchst du mittels bloßen Vermutungen zu verwerfen, was Großgelehrte geschrieben haben. Was soll das für ein staatlicher Druck gewesen sein, der auf Mahmud Shaltut gelastet haben soll? Vielmehr war er ein Mann der Annäherung der Rechtsschulen, welche sogar ziemlich viel Gegenwind hatten, vor allem von den Saudis. Er gehörte sogar zu den Mutigen. ... Aber schon damals wurde er massiv dafür angegriffen, weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte. Also wird er im Grunde als unmündig diffamiert.

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@ItsJustMe38
Ich sehe ihre Ansichten nicht als Richtig an, entsprechend der Ahlu Sunnah gilt sie als Ahlu-Bid'a, also eine später entstandene Strömung, die nicht der Lehre des Propheten entspricht.

Die Schia geht auf die Qadariya und Mutazila zurück. Die Qadariya ist die älteste theologische Strömung.

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@verreisterNutzer

Das ist ja gerade das Problem:

Wenn ich von Ahlu Sunnah rede, meine ich keine Strömung, die irgendwann entstanden ist, sondern den Ur-Islam, welcher bereits zu Zeiten des Propheten von seinen Gefährten gelebt wurde.

Ich sehe die Ahlu Sunnah als keine Strömung, sondern die Mitte, als den Islam selbst.

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@verreisterNutzer

Ja. Ich sag auch nicht, dass die Rechtsschulen der Ur-Islam sind, sondern die Ahlu Sunnah selbst.

Die Imame der Rechtsschulen selbst haben auch nie vorgehabt, eine Rechtsschule zu gründen.

Vielmehr waren es große Gelehrte, denen etliche Fragen gestellt wurden und diese haben dieses Thema gründlich untersucht und eine Fatwa gegeben. Außerdem hat jede Madhab auch eine Methodik, wie man zu einer Fatwa kommt (Usul al Fiqh)

Die Gesamtheit dieser Fatwas und die Methodik nennen wir heute Rechtsschulen.

Sie zeigen uns den Weg, wie wir die Ahlu Sunnah, also den Islam zu leben haben.

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@ItsJustMe38
Außerdem hat jede Madhab auch eine Methodik, wie man zu einer Fatwa kommt (Usul al Fiqh)

Das gibt es in der Schia auch.

Kurioserweise ist es Sunniten aber gleichgültig, was die Prophetenfamilie zu sagen hat. Die Jafaritische Rechtsschule geht auf Imam Jafar as-Sadiq zurück.

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@verreisterNutzer

Das Problem sind nicht die 12 Imame. Die werden ebenfalls von der Ahlu Sunnah als ehrenwerte Gelehrte anerkannt, jedoch sehen wir sie nicht als "Allwissend und Fehlerlos" wie es bei den Shia ist. Jemand, der die Ahlu Bayt nicht liebt und respektiert, kann kein Sunni sein und İmam Jafar war auch ein sehr großer Gelehrte, dessen Meinung wir akzeptieren.

Jedoch hat, genauso wie die anderen Imame, keine umfassend überlieferte Madhab, wie die Imame der 4 Rechtsschulen, die heute präsent sind.

Die größten Unterschiede haben sich mit der Zeit herauskristallisiert, welche nicht auf die 12 Imame zurückgehen, sondern durch den Einfluss anderer Gruppen wie bspw die Mutaliza.

Die heutige Jaferiyya hat nichts viel mit den Lehren Imam Jafars gemeinsam, selbst in von Schiiten akzeptierten Werken geht hervor, dass die Überlieferungen von Imam Jafar nicht authentisch sind.

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@ItsJustMe38
Jemand, der die Ahlu Bayt nicht liebt und respektiert, kann kein Sunni sein

Die Imame wurden getötet oder inhaftiert von den Kalifen. Wenn man die Ahlulbait liebt, dann tötet man sie nicht.

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@verreisterNutzer

Ich hab auch nicht gesagt, dass das was die Khalifen gemacht haben, richtig wäre. Wie bereits öfter gesagt sind Sunniten nicht wirklich Fans von Muawiya oder Yazid, wie Schiiten oft behaupten...

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So gut kennst du dich mit dem Islam anscheinend doch nicht aus, wenn du behauptest, dass Apostasie durch den Menschen bestraft werden muss.

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@ser999

Was hat das mit der obigen Diskussion zu tun?

Und wer hat sowas behauptet?

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Hanafiya

Ich bevorzuge die hanefitische Rechtsschule, aber zu 100% folgen tue ich ihr nicht, weil ich gerne einfach auch meinen eigenen Sinn und Verstand zusätzlich in meinem Glauben mit einbringen möchte, ich möchte die Dinge des Koran einfach auch selbst erforschen und verstehen lernen, in meinem eigenen Kopf.

Ich folge der hanefitischen Rechtsschule also in den Dingen, die mir sinnvoll erscheinen oder mich inspirieren und finde ansonsten meinen eigenen Weg mit dem Koran, der mein Leitfaden ist. Was ihm ganz klar widerspricht oder ihm Dinge hinzufügen möchte, die nicht existieren, lehne ich ab.

Wer garantiert mir denn schon, dass bspw. heutige Gelehrte keine Fehler in ihrer Koraninterpretation aufweisen oder das Rechtsschulen nicht doch irgendwo einen Fehler in ihrer Auffassung zu den Regeln des Islam machen?

Lieber mache ich eventuell eigene Fehler, aber kann wenigstens behaupten, dass es dann meine Fehler waren und ich mir trotzdem Mühe gegeben habe meinen Verstand zu gebrauchen, um Gott so nah wie möglich zu kommen und nicht nur blind den Fehlern anderer gefolgt bin, die eventuell auch vorhanden sein könnten.

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

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Das Problem ist, dass wir nicht annähernd soviel Wissen, wie die damaligen Gelehrten, sodass es eher schon kritisch ist, einige Interpretationen mit den dieser Gelehrten abzuwägen.

Wenn du es selbst erforschen und verstehen willst, würde ich dir empfehlen, nicht nur einfache Fiqh-Bücher oder Ilmihals zu lesen, wo alles einfach runter geschrieben ist, sondern bspw die Quellen, Meinungen und Interpretation Imam Azam Abu Hanifas bzw seiner Schüler zu lesen.

Manchmal denkst du dir, dieser Vers oder dieser Hadith klingt doch eindeutig, das muss stimmen, wenn du aber die Abhandlung Imam Azams zu diesem Thema liest, siehst du, dass er deine Quelle sehr wohl in Betracht gezogen hat, jedoch mit einer eindeutigen und scharfen Erklärung gezeigt hat, wieso man diese Quelle ganz anders Interpretieren muss.

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Nachdem all jene, die irgendeine Rechtsschule als Option ausgewählt hatten, ihre Begründungen nicht mit einfließen lassen, sind mir die Unterschiede nicht vermittelt worden.

Worin liegen deren Unterschiede?

Gruß Fantho

Das ist eine gute Frage für gutefrage.net

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@voyage

Lust, das zu übernehmen?

Gruß Fantho

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@Fantho

Die Unterschiede sind sooo viele, dass sie mehrere Bücher füllen. Hier zum Beispiel; die Frau muss Strümpfe tragen oder nicht (draußen und beim Gebet), die Körperhaltung beim Gebet unterscheidet sich bei Männern und Frauen - öder nicht, das Wechseln des Gebetsplatzes nach dem Pflichtgebet - oder nicht. Dann gibt es noch Unterschiede zwischen erlaubten, verbotenen und unerwünschten Dingen / Taten. Es ist keine Pflicht, einer Rechtsschule zu folgen. Man kann in verschiedenen Angelegenheiten dem Folgen, was einem am meisten überzeugt. Dabei darf man sich nicht für das Leichteste entscheiden, sondern muss ehrlich recherchieren.

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@voyage

Vielen Dank!

Aber mit 'Lust, das zu übernehmen?' dachte ich eher, ob Du die Frage in gutefrage.net stellen möchtest...

Gruß Fantho

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@Fantho

Ich weiß. Aber ich kenne mich etwas aus. Deshalb habe ich Dir direkt geantwortet😊

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@voyage

Dafür danke ich Dir auch...

Gruß Fantho

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Hanafiya

Hanafitische Rechtschule mit theologischer Maturidi Richtung.

gar keiner

Ich hab mich noch nicht entschieden da ich noch sehr jung bin, meine Eltern sind Hanifya aber ich möchte das für mich selbst Entscheiden.

Und wieso meinst du, das wäre jetzt was zum "Entscheiden"?

Ich meine, die 4 Rechtsschulen werden alle von einander akzeptiert, es sind alle 4 richtig.

Das heißt, es würde Sinn machen, nach dem zu gehen, mit dem man sich am besten auskennt, da man sonst eine andere Rechtsschule in ihren allen Details, wie man bspw betet, fastet oder ähnliches erlernen neu müsste.

Da deine Eltern hanafiten sind und du sehr wahrscheinlich alle Regeln bisher entsprechend dieser Rechtsschule gelernt hast, macht es nciht nur Sinn, dich auch daran zu halten, sondern du praktizierst womöglich auch schon diese Rechtsschule, ohne dich explizit dafür entschieden zu haben...

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