Was haltet ihr von der Behauptung: „Der Sieger schreibt die Geschichte“?

8 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Was haltet ihr von der Behauptung: „Der Sieger schreibt die Geschichte“? In Bezug auf Kriege.

Ja selbstverständlich trifft das zu!

Etwas Gegensätzliches zu behaupten, würden Historiographen Lügen strafen! Welcher Sieger ließe zu, dass sein Sieg psychologisch herabgespielt würde? Das ist er seinen Untertanen schuldig, die auf seinen Befehl hin in den Krieg gezogen sind und sich in blutigen Schlachten tapfer geschlagen haben,

Siege zu dokumentieren, ist für den Sieger das Normalste von der Welt.

Daa Prinzip ist sehr gut am Beispiel Frankreichs erkennbar, und zwar in der Galerie der Schlachten im Schloss von Versailles (bei Paris). Dort hängen 33 monumentale Gemälde, welche die Siege seit Chlodwig dokumentieren. ◇ Mit ihren 120 m Länge und 13 m Breite umfasst die Galerie fast das gesamte Erdgeschoss des Südflügels des Versailler Schlosses.n

Die Galerie wurde nach vierjähriger Bauzeit am 10. Juni 1837 feierlich eingeweiht.

Bild zum Beitrag

Reich mit Marmor sowie bemaltem und vergoldetem Stuck verziert, ist 'die Galerie [...] auch als Pantheon nationaler Herrlichkeit konzipiert, da sie eine Reihe von achtzig Büsten von im Kampf gefallenen Offizieren sowie Bronzetafeln mit den Namen von Prinzen, Polizisten, Marschällen und Admiralen präsentiert, die ebenfalls getötet oder tödlich verwundet wurden für Frankreich.' (Automatische Übersetzung, Quelle)

Dies alles deshalb so ausführlich, weil es vollkommen schlüssig ist, dass Sieger aus ihrer Sichtweise ihre Siege in den Vordergrund stellen!

Dass sich in der Schlachten-Galerie allerdings keine Spur von der für Frankreich vernichtende Niederlage Napoleons in der Schlacht bei Waterloo findet, dürfte plausibel sein.

Welcher Verlierer ließe schon die Siege anderer besonders hervortreten?

https://www.chateauversailles.fr/decouvrir/domaine/chateau/galerie-batailles#visites-guidees

Dies nur als Gedankenfragment, da ich mich an diese Galerie erinnerte. Die Geisteshaltung hat sich seit den 1830er Jahren geändert, auch hat es länderspezifisch und mit wachsenden internationalen Verflechtungen unterschiedliche Herangehensweisen an dieses Thema gegeben.

 - (Deutsch, Deutschland, Geschichte)

Danke für die Auszeichnung ! 🌟 ✴️ ⭐️

0

Stimmt natürlich, hat schon früher gestimmt und wird auch in Zukunft stimmen. Z.B. Gaius Julius Caesar war ein Diktator, Völkermörder und darauf aus, sich persönlich zu bereichern, aber er wird noch heute in den Geschichtsbüchern der meisten Nationen eher positiv dargestellt. Was meinst du, wie wohl die Geschichte Russlands, der USA oder Australiens dargestellt werden würde, würde sie von den unterworfenen Völkern geschrieben?

Bertolt Brecht, "die Verurteilung des Lukullus", hat sich über das Phänomen in folgender Weise geäußert:

https://kommunistische.org/geschichte-theorie/30-jahre-konterrevolution-die-sieger-schreiben-die-geschichte/

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verurteilung_des_Lukullus

Immer noch schreibt der Sieger die Geschichte des Besiegten. Dem Erschlagenen entstellt der Sieger (manchmal ist Schläger überliefert) die Züge. Aus der Welt geht der Schwächere und zurück bleibt die Lüge.

Immerhin sind sich zeitgemäße Historiker nach über 100 Jahren einig, dass allein Serbien und seine Verbündeten die Schuld am ersten Weltkrieg tragen. In den Geschichtsbüchern deutscher Schulen ist das bis heute nicht angekommen.

Immerhin sind sich zeitgemäße Historiker nach über 100 Jahren einig, dass allein Serbien und seine Verbündeten die Schuld am ersten Weltkrieg tragen.

Welche "zeitgemäßen" Historiker sollen das denn sein und wo kann man das nachlesen?

1

Danke für diese Zusammenstellung, die ich sehr schlüssig finde.

1

Das ist richtig, aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass er sie falsch schreibt.

Das hat Deutschland - allerdings meist selbst verschuldet - zwei mal in gut 100 Jahren erlebt.

Meist? Zwei mal? Meist würde heißen öfter selbst verschuldet, als nicht, aber bei zwei Malen gibt es nur 100% 50% und 0%.

Meist ist also unmöglich!

1

Eine typische Äußerung von Verlierern.

Historiker sind nie "objektiv". Sie müssen auswählen und interpretieren. Aber gute Historiker werden versuchen, so vorsichtig wie möglich die Ereignisse zu beschreiben.