Was haltet Ihr von Antiautoritärer Erziehung?

Das Ergebnis basiert auf 45 Abstimmungen

Gegner von Antiautoritärer Erziehung 49%
Sonstige Meinung 29%
Befürworte Antiautoritäre Erziehung 22%

25 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Sonstige Meinung

Um darüber richtig abstimmen zu können, fehlen uns einfach noch die klaren Definitionen über autoritärer oder antiautoritäre Erziehung.

Wo der eine "antiautoriäre Erziehung" als gewaltfreie Erziehung definiert, versteht ein anderer unter dem selben Begriff quasi sowas wie ein "Laissez-Faire"-Prinzip, also die völlige Abwesenheit sozialisierender Maßnahmen den Kindern gegenüber. Schon dadurch scheiden sich hier die Geister.

Dieses Problem haben wir auch themenübergreifend, dass inhaltliche Bedeutungen von Vokabeln und Begrifflichkeiten nicht klar und sauber definiert werden, sondern deren Defintion vielmehr subjektiven Meinungen überlassen. Subjektive Meinungen haben ihre absolute Daseinsberechtigung, sind aber für die Kommunikation bei der Nutzung von Vokabeln völlig kontraproduktiv. Kurz und knapp erklärt: Wir haben z.B. 3 Teilnehmer einer Debatte mit 3 unterschiedlichen Ansichten, die allerdings exakt dieselben Begriffe benutzen, mit denen alle 3 etwas völlig anderes aussagen wollen und alle 3 zu völlig voneinander abweichenden Interpretationen gelangen. Das ist ein echtes Problem teils schlampiger Vokabelnutzung. Das nur am Rande.

Zurück zum Thema:

Ich unterscheide zwischen 2 verschiedenen Formen von Autorität:

Erstens, die traditionelle Autorität, die auf Gewalt und Zwang beruht.

Zweitens, die inspirative Autorität, die auf das Vorleben eines positiven Vorbildes beruht.

Ich persönlich mag auch schon den Begriff "Erziehung" nicht, weil dieser bisher immer wie eine Abstufung von "Dressur" verstanden und auch praktiziert wurde. Ich bevorzuge es eher, ein Kind 'anzuleiten'.

Jemand, der die urtypische Form der auf Zwang basierenden Autorität anwendet, scheint allgemein schon ein Problem damit zu haben, Authentizität, Aufrichtigkeit und Überzeugungskraft glaubhaft rüberzubringen, so dass andere dazu geneigt wären, dieser Person vertrauen entgegenzubringen. Im Gegenteil: Sie nutzen lediglich jeden verwertbaren Vorteil aus, und wenn es nur die reine körperliche Überlegenheit ist, anderen mit Gewalt Gehorsam aufzuzwingen. Dieser, von anderen meist als fadenscheinige Autorität wahrgenommene Zustand, wird meist auch schon von Kindern als Machtmissbrauch entlarvt, was völlig logischerweise auch Widerstand provoziert.

Typisches Merkmal dieser Vertreter ist, wenn ein Kind fragt, warum es dieses und jenes nicht darf und warum es dieses und jenes tun soll, sie dem Kind diese vollkommen argumentationsfreie Antwort hinklatschen: "Weil ICH es Dir sage !!!" oder schlimmer noch "Weil Du sonst welche an den Latz kriegst !!!".

Solche Erziehungsformen bringen überwiegend traumatisierte, mitläuferische Individuen hervor, die sich später auch im Erwachsenenalter schwer tun, sich im Leben durchzusetzen oder sich sonstwie zu behaupten. Diesen Effekt wollen sich viele solcher Erziehungsberechtigten nicht eingestehen. Selbst wenn ein Kind 20 Jahre mit so einem Vater aufgewachsen ist, würden viele dieser Väter noch mit Nachdruck darauf bestehen, dass SIE mit der persönlichen Entwicklung ihres Kindes REIN GAR NICHTS zu tun haben.

Gerade das Schlagen eines Kindes oder das Schlagen einer anderen Person überhaupt ist ja schon ein schwerwiegender Akt der Demütigung und eine Missachtung der Würde meines Gegenübers.

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Bei der inspirativen Autorität achte ich die Würde und Individualität des Kindes und nehme es so an, wie es ist.

Prinzipien und Verhaltensweisen, die ich von meinem Kind erwarte, muss ich auch als Vater authentisch vorleben. Wenn ich ein Kind zu etwas mahne, mich selber aber vollkommen entgegengesetzt des Gesagten verhalte, verliert das Kind sein Vertrauen in mir und folglich wird es wesentlich schwieriger, das Kind anzuleiten.

Wenn ich meinem Kind etwas verspreche, muss ich dieses Versprechen auch einhalten. Darauf wird das Kind bestehen. Nur so habe ich eine gute Voraussetzung, dass ein Kind sich ebenfalls an Zusagen. Man schafft Verbindlichkeit.

Wenn ich meinem Kind etwas Positives vorlebe, was in Nachahmung auch zu Erfolgserlebnissen beim Kind führt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass das Kind dieses beibehält.

Wenn es darum geht, Grenzen zu vermitteln, nutze ich das Prinzip der Selbstreflexion - "Du möchtest nicht, dass andere sich Dir gegenüber so verhalten, also machst Du es gefälligst auch nicht!". So kann ich durch Erleben und Erfahren die Werte "Respekt" und "Ehrlichkeit" vermitteln.

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Doch muss man trotz aller elternlichen Bemühungen auch dennoch darauf vorbereitet sein, dass Kinder und Jugendlichen im Kontakt mit Gleichaltrigen von den elternlichen Werten abzuweichen drohen, insbesondere dann, wenn es darum geht, innerhalb der Clique Ansehen zu erlangen. Schließlich möchte jedes Kind, jeder Jugendlicher von den anderen nicht als "uncool" oder "spießig" wahrgenommen werden. Das ist für Eltern immer die größte Herausforderung, den schmalen Grat zu wandern, wobei ich dem Kind seine Individualität lasse und andererseits verhindere, dass es durch falsche Freunde auf eine schiefe Bahn gelangt.

Es gibt aber auch Dinge wie zu Bett gehen - wenn das Kind einfach nicht ins Bett will, wie genau würdest Du dann vorgehen?

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@ninanewpart9

Generell muss man sich wirklich Zeit nehmen, wenn man ein Kind zu Bett bringt.

Einfach Kind ins Bett stecken und sagen "Jetzt wird geschlafen!" und dann Raum verlassen funktioniert nicht. Und dennoch verfahren viele Eltern immer wieder nach dieser Methode.

Gerade kleine Kinder haben noch ein großes Bedürfnis nach Geborgenheit. Deshalb muss man sie in den Schlaf begleiten.

Heisst, man muss sich neben das Kind legen, Geschichte vorlesen, Kind auf dem Bett noch geringfügig turnen lassen, aber darauf hinwirken, dass es runterkommt und immer mal wieder darauf hinweisen "Jetzt ist aber Schlafenszeit, jetzt wird nicht mehr getobt".

Es kann dann manchmal eben auch bis zu ner Stunde dauern, bis das Kind endlich schläft.

Ganz wichtig: Abends dem Kind kein Zucker mehr geben!

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@ninanewpart9

Dazu möchte ich sagen, wenn ein Kind partout nicht ins Bett gehen will erklärt man es dem Kind so oft mit Wörtern Dialogen und viel Geduld aber auf gar keinen Fall mit Prügel oder andere psychische Bestrafungen, so mache ich es bei meinem Sohn auch wenn er mal nicht hört erkläre ich ihm solange vernünftig und dann das klappt doch dann auch und es ist keine Gewalt nötig die ist auch nie nötig niemals er hört dann auf mich iss anständig brav und lieb ist er ja immer wenn meine Kinder nicht hören wollen meine Güte ist das so schlimm müssen wir denn gleich dann Gewalt anwenden niemals Textende

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@ninanewpart9

Gut ich bin von der alten Schule.Aber ich fände Gründe dem Kind zusagen, wenn Du nicht wioillst ,ich auch nicht..Du willst Fernsehen, Handy und und ich nicht mehr. ..nur wenn Du dich an die Regeln hälst,halteich mich ab jetzt daran..ABER KONSEQUENT BLEIBEN

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*Pfeif* Findet sich jemand der das liest?

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Sonstige Meinung

Autoritär finde ich auf jeden Fall nicht gut. Kinder müssen selbst über ihr Leben entscheiden können und nicht ihre Eltern für sie. Schläge hin oder her, die gibt es noch oft genug in Familien. Hat nicht unbedingt was mit autoritär sein zu tun.

Antiautoritär kann man auf vielen Ebenen deuten. Das bedeutet ja im Grunde nur, dass man die Kinder mitentscheiden lässt (über Beruf etc) bzw viel Demokratie macht. Mit Schlägen hat das finde ich nichts zutun. Schläge können natürlich ein Druckmittel sein, das geht aber mit Worten genauso.

Antiautoritär kann man auch mit konsequent sein verbinden. Konsequenz ist nicht gleich Autorität. Konsequenzen brauchen auch keine Strafen.

Daher bin ich der Meinung, dass antiautoritär im Grunde besser ist, da autoritär erzogene Kinder meist überhaupt keine eigenen Entscheidungen im späteren Leben treffen können und damit total Probleme bekommen können, weil sie sich evtl ständig umentscheiden und nichts zu Ende bringen, weil sie unsicher sind, ob es richtig ist. Sie brauchen evtl ständig Bestätigung einer weiteren Person. Die gute Mischung aus beidem sollte da sein.

Ich erziehe ohne Strafen, aber mit Konsequenz. Mein Sohn hatte eine Zeit, wo er nur Süßigkeiten essen wollte. Ich habe ihm erklärt (er war bereits 4), dass es Bauchschmerzen macht, wenn man nur Süßkram isst. Dann habe ich ihn 2 Tage kontrolliert machen lassen. Trotzdem normales Essen im Tagesablauf gemacht usw, aber ihn diese 2 Tage über Süßigkeiten entscheiden lassen. Natürlich hatte er schon am ersten Abend totale Bauchschmerzen. Ich habe ihm das dann nochmal erklärt und gesagt, dass er dann besser nur eine Handvoll Tag essen sollte, dann ginge es ihm am Abend nicht so schlecht. Er war einverstanden. Am nächsten Tag wollte er wieder super viele Süßigkeiten haben. Habe ihm das nochmal erklärt, er hat sich auch erinnert, und dann habe ich die Konsequenz gezogen, dass er heute weniger isst, und schaut, ob es ihm am Abend besser geht. Natürlich war es dann auch so. Die Konsequenz blieb dann mit einer Regel. Nach einigen Monaten hatten wir die Situation nochmals. Wieder mal einen Tag machen lassen. Er hat wieder gemerkt, dass es ihm schlecht geht nach zuviel Süßkram. Nach der 2. Situation sagt er jetzt immer von alleine: "Mama ich such mir jetzt 3 kleine Sachen aus und das reicht dann oder?". Lernen aus Erfahrung wäre daher mein Motto der Erziehung. Wir kommen damit super klar, ohne dass er total verzogen ist oder so 👆

Frech ist jedes Kind, Grenzen testen tut auch jedes Kind. Die nötige Konsequenz sollte da sein. Ganz ohne Konsequenz und Anleitung machen sie halt was sie wollen :)

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – wurde mit 16 Mama :)

Du bist ein wahres Vorbild !

Schade das ich nicht solche Eltern wie dich hatte.

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Sonstige Meinung

Das Problem an deiner Frage ist, dass -wie so oft, wenn es um "autoritär oder antiautoritär" geht- die Begrifflichkeiten viel zu leichtfertig benutzt werden. Landläufig herrscht so die Meinung vor, dass antiautoritäre Erziehung nichts andere bedeute, als die lieben Kleinen bedenken- und zügellos gewähren zu lassen. "Laissez-Faire-Erziehung" wird das dann auch (ebenso!) gerne genannt...

Übersehen wird nur das, was jeder erkennt, der sich mal näher mit der Theorie von A.S. Neill befasst hat; nämlich dass diese Form der Erziehung (im Idealfall) darum bemüht ist, den Kindern möglichst große Freiräume zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten zu gewähren. Es geht im Kern darum, möglichst wenig Einfluss zu nehmen, um sie nicht in eine (ihnen eventuell nicht entsprechende, nicht angemessene) Richtung zu drängen.

Die Gespräche mit den Kindern sind wichtig; sowie das Bemühen, das Verhalten der Kinder zu verstehen. Schlussendlich sollten sie nicht zu einem bestimmten Verhalten gedrängt werden, sondern es gilt, sie zu überzeugen.

Dass in der Vergangenheit dieses Konzept (zumindest in der Regel) nicht optimal umgesetzt wurde, ändert erst einmal rein gar nichts an der löblichen Grundidee, in meinen Augen.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

...dies noch eben ergänzend: Dass es also vielmehr um BEziehung als um ERziehung gehen sollte, das hat übrigens Jesper Juul (der leider vor ein paar Tagen erst verstorben ist) wunderbar deutlich gemacht. Im Grunde wurde demnach das da oben Genannte von ihm  "weitergedacht" und fortgeführt. Und zwar ebenso umfassend und schlüssig wie auch überzeugend. Hier steht mehr dazu: https://www.geo.de/magazine/geo-wissen/1473-rtkl-erziehungsstile-interview-mit-gelassenheit-erziehen

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Sonstige Meinung

Natürlich brauchen Kinder Grenzen.

Was Kinder nicht brauchen, sind Menschen, die ihren Machtgefühlen freien Lauf lassen.

Nicht jeder ist charakterlich geeignet, Kinder zu bekommen.

Eltern sollten ihre Kinder unterstützen, sie fördern.
Diplomatie ist wichtiger als Strafen, was viele nicht verstehen.

Kinder sind nicht dazu da, blind Anweisungen zu folgen.
Kinder erzieht man dazu, selbstständig zu denken, Dinge zu hinterfragen.
Wenn man das als 'autoritärer Diktator' zuhause schon nicht duldet, ist man ungeeignet.

Ein "Ich könnte Deine Hilfe gebrauchen" ist langfristig viel sinnvoller als "Mach das jetzt".
"Bitte" und "Danke" sind auch für Eltern Pflicht.

Auch Kinder haben ein Recht auf freie Entfaltung, auch gegen den Willen der Eltern.
Das bedeutet nicht man solle alles erlauben; das heißt, die Entscheidungsfreiheit muss man ab einem bestimmten Zeitpunkt dem Kind selbst überlassen.
Auch Kinder haben Privatleben.

Was ich bei vielen Eltern bemängle ist, dass sie sich lieber selbst durchsetzen, als Gespräche zu führen.
Ein Gespräch darüber, was Kinder zu jenem Handeln geführt hat, ist mitunter sinnvoller als einfach nur zu bestrafen.

Erziehung ist Psychologie - wer sich nicht auskennt, der züchtet genau das, was man täglich auf den Straßen besichtigen kann.

Das stimmt alles theoretisch - aber es gibt ja diesen Klassiker, das Kind soll ins Bett, das Kind will nicht ins Bett, man erklärt dem Kind das es schlafen gehen muss, Kind will nicht, was machst Du dann?

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@ninanewpart9

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Du musst dem Kind ja nicht sagen, dass es schlafen gehen soll.

Du kannst es ins Bett begleiten und eine Stimmung schaffen, die dem Einschlafen förderlich ist.

Ja, manchmal muss man sich selbst auch etwas investieren, damit das Kind das macht, was man richtig findet.

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@Fillin007

Ja aber ich spreche davon wenn das Kind nicht in sein Zimmer oder in sein Bett will.

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Gegner von Antiautoritärer Erziehung

Nur weil man seine Kinder "nie" schlägt, hat man keinen antiautoritären Erziehungsstil. Es gibt auch noch was dazwischen.

Ich würde meinen Kindern gewisse Freiräume lassen, in gewissen Angelegenheiten aber klare Regeln setzen. Auch davon abhängig wie es das Kind braucht.

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