Warum werden Juden seit je her gehasst?

25 Antworten

Die Frage ist falsch fomuliert. Es müsste heißen: Warum hassen manche oder viele Menschen die Juden seit je her?

Deine Frage unterstellt nämnlich so nebenbei, dass Juden automatisch gehasst werden oder gar hassenswert sind.

Der Judenhass ging aber fast immer von ihren Mitmenschen aus, mit denen sie zusammenlebten oder auch heute noch zusammenleben. Und nur selten haben Juden einen richtigen Grund für diese Abneigung geliefert. Denn meistens waren es die bekannten drei Ursachen: Neid, Sündenbock und Unverständnis.

Das jüdische Volk begreift sich von je her als Volk des einen, nämlich ihres Gottes. Das macht dieses Volk zu einer exklusiven Gesellschaft, die gerne unter sich bleibt und ihre jahrtausendealten Glaubensgebote und Riten praktiziert.

Das stieß schon den Römern sauer auf, die an sich gegenüber den Götern der unterworfenen Völker recht tolerant waren, solange ihre Götter mit ins Pantheon (Göttergesellschaft) aufgenommen wurden. Die Juden hatten aber keine Götter, sondern mmer nur den einen und sie sahen auch gar nicht ein, daran etwas zu ändern.

An diesem Phänomen ist auch ein gewisser Jesus gescheitert, der eigentlich nur für ein erneuertes Gottesbild eingetreten ist - nämlich Gott als liebenden, aber auch strengen Vater aller Menschen. Für die jüdischen Theologen war das aber Gotteslästerung, denn JAHWE war nur der Gott Israels und keines anderen Menschen Gott. Sie verzichteten auch darauf, andere Menschen zu missionieren, was Jesus wiederum seinen Jüngern aufgetragen hat.

Dieser jüdische Eigensinn, gepaart mit dem Streben nach Unabhängigkeit von Rom (die Zeloten), führte auch zur Zerstötrung Jerusalems und die Zerstreuung der Junden nach ganz Europa, Kleinasien und Nordafrika. Dort befanden sich schon lange jüdische Gemeinden, die für sich ganz gut funktionierten, aber auch überall immer wieder von ihren Nachbarn und Mitmenschen angegriffen wurden.

Die jüdischen Gemeinden waren nicht nur gewohnt, halbwegs autark zu leben und ihre Religion zu zelebrieren, sie trieben auch regen Handel und waren in der ganzen damals bekannten Welt miteinander vernetzt. Das machte ihren Handel effizient und erfolgreich. erfolg macht aber Neider. Und diese Neider plünderten immer wieder das angesammelte Hab und Gut ihrer jüdischen Mitbürger.

Als Vorwand dienten gerne die für sie unverständlichen Riten der jüdischen Religion. Während sich Christen mit einem einfachen Kreuz zum Beten begnügten und Moslems ein Teppich und eine Handvoll Wasser ausreichten, mussten bei jüdischen Männern eine Mütze getragen werden, ein Gebetsriemen, ein Gebetsschal und ihre "Liturgie" kam vielen Menschen aufwendig und fremd vor; sie wurde ja auch nicht öffentlich, sondern nur untereinander zelebriert.

Dazu kam die "fatale" Neigung der Juden, sich ziemlich sauber zu halten - ebenfalls als Folge religiöser Vorschriften. Sogar das Essen wurde nach vergleichsweise modernen Standards zubereitet (koscher). Wenn Juden dadurch wesentlich weniger von Epidemien heimgesucht wurden, galt das vielen ihrer schnutzigen und ungebildeten Nachbarn als Zauber, den es zu verfolgen galt. Das dabvei natürlich auch regelmäßig der Wohlstand der Juden geplündert und dem Kirchenschatz einverleibt wurde, war sozusagen ein angenehmer Nebeneffekt.

Dadurch, dass den Juden im christlichen Abendland auch das Ausüben vieler Berufe verboten war, waren sie auf das Treiben von Handel und Geldgeschäften angewiesen und spezialisiert, da ihre Religion eben kein Verbot von Zinshandel umfasste und auch diesbezüglich nie aktualisiert wurde.

Mit Einsetzen der Judenemanzipation in Europa galt zwar die Berufsfreiheit, aber jahrhundertelange Übung drängte auch hier wieder die Juden in den Handel, in das Bankwesen, in akademische Berufe (Anwälte, Ärzte) und in die Kunst.

Und auch der Neid, die Missgunst und all die anderen Vorbehalte gegen das jüdische Volk bleiben und konnten auch durch die fortschreitende Assimilierung (Anpassung) nicht ausgerottet werden.

Als Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg dann zusammenbrach, musste wieder ein Sündenbock her und wer war es? Richtig! Wieder mal die Juden.

Sicherlich gab und gibt es auch unter ihnen Verbrecher, Betrüger, Schurken, Vollpfosten und Taugenichtse. Aber mit Sicherheit prozentual auch nicht mehr als in anderen Teilen der Weltbevölkerung.

Was lernen wir daraus? Juden wurden meist deswegen gehasst, weil sie Juden waren oder sind. Einen richtigen Grund dafür gibt es nicht.

... "da ihre Religion eben kein Verbot von Zinshandel umfasste" ...

aber:

Die Psalmen, Kapitel 15

Die Bedingungen für den Eintritt ins Heiligtum

Ps 15,1 [Ein Psalm Davids.] Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt, / wer darf weilen auf deinem heiligen Berg?

Ps 15,2 Der makellos lebt und das Rechte tut; / der von Herzen die Wahrheit sagt /

Ps 15,3 und mit seiner Zunge nicht verleumdet; der seinem Freund nichts Böses antut / und seinen Nächsten nicht schmäht;

Ps 15,4 der den Verworfenen verachtet, / doch alle, die den Herrn fürchten, in Ehren hält; der sein Versprechen nicht ändert, / das er seinem Nächsten geschworen hat;

Ps 15,5 der sein Geld nicht auf Wucher ausleiht / und nicht zum Nachteil des Schuldlosen Bestechung annimmt. Wer sich danach richtet, / der wird niemals wanken.

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@Kneisser

Das Judentum ist eine Religion von Juden für Juden, wie ich oben schon dargelegt habe. Fremdgläubigen darf man problemlos Zins abnehmen und "Wucher" ist ein schwammiger Begriff. Gerade im mittelalterlichen und spätmittelalterlichen Geldwesen war das Risiko enorm hoch und die Zinsen auch. Es gab keine Bankensicherungsfonds und staatliche Hifen fü notleidende Geldhändler so wie heute. Und Christen war es im Mittelalter definitiv verboten, Zins zu nehmen, eine Regel, die sich durch sehr viele Religionen zieht. Es war Christen aber zumindest zeitenweise nicht verboten, Juden totzuschlagen und sich ihr Hab und Gut anzueignen.

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Die Frage stimmt historisch einfach nicht. Dass sich die Juden als das auserwählte Volk ihres Gottes empfanden und propagierten, war in der Antike nichts besonderes. Das machten alle Völker. Jedes hatte seinen Gründungs- und Schutzgott, seine Gründungsmythen. Der Hass auf die Juden, die sich nicht zum Christentum bekehren lassen wollten, kann in den Schriften des Neuen Testaments nachgelesen werden. Die sind aber entstanden und geschrieben, als Juden in den jungen christlichen Gemeinden bereits in der Minderheit waren.

Die sind auch eine Reaktion auf eine historische Tatsache, die bis heute verschwiegen wird: Die Antreiber und Ankläger während den sog. Christenverfolgungen waren Juden, die den abtrünnigen Christen den Garaus machen wollten. Das hat nicht geklappt und dann hat sich die ganze Sache ins Gegenteil verkehrt. Vor der Judenverfolgung gab es die Christenverfolgung - teils in Abständen gut 150 Jahre lang. Nur bei Paulus, der sich selbst der heftigen Christenverfolgung immerhin bis Damaskus, also über das jüdische Herrschaftsgebiet des Herodes hinaus, bezichtigt hat, wird das wegen der dann folgenden wundersamen Bekehrung nicht verschwiegen. Dass das nur Teil einer gesamtjüdischen Verfolgung der jungen Christengemeinden war, wird nirgendwo thematisiert.

Der Hass auf Juden wurde dann im Mittelalter besonders vertieft, als Juden nur in wenigen Berufen (meist Handel und Bankwesen) ihren Lebensunterhalt verdienen durften. Da wurden sie Opfer einer Sündenbockpolitik: Die Fürsten lebten weit über ihre Verhältnisse, ließen sich das von den jüdischen Geldhäusern finanzieren und setzten Judenprogrome in die Welt, um ihre Gläubiger los zu werden. Je dümmer das Volk, desto leichter die Sündenbockzuweisung. Eine schmutzige Politik, die es auch heute noch gibt. Da gibt es dann die scheinintellekturellen Speichellecker, die dann mit tollen Theorien bei der Hand sind bis hin zu faustdicken Lügen im Mainstream. Wenn es alle glauben, muss es doch wahr sein. Das ist bis heute die einfachste Form der Wahrheitsbestätigung. Und irgendeiner ist Opfer.

Man kann sich aber auch verkalkulieren. Als vor allem die Juden sich als Hätschelkinder der englisch-französischen Kolonialpolitik sahen und mitwirkten, die arabischen und palästinensischen Völker für dumm zu verkaufen, um sich als Preis ein vor 4.000 Jahren versprochenes und 2.000 Jahre verlorenes Land wieder zu gewinnen, da fühlten sie sich stark, nicht ahnend, dass die Macht der Engländer und Franzosen in Nordafrika ihrem Ende zuging. Nun sind sie in der arabischen Welt verhasst und wer als undifferenzierter Linker hier den Rechten ans Bein pinkeln will, wirft halt schnell mal den alten Antisemitismus und den neuen Judenhass der Willkommensmigranten in einen Topf. Mal gespannt, wie diese Verwirrung ausgeht, wenn die Willkommensjubler fundamental blind bleiben gegenüber kulturellen Einpflanzungen ihrer Hätschelkinder.

Aufschluß gibt, was die Intellektuellen des Römischen Reiches – Tacitus, Seneca, Juvenal – an den Juden auszusetzen hatten: Daß es bei ihnen ein arbeitsfreies Wochenende gab, den Sabbat, an dem niemand irgendetwas tun mußte, auch nicht die Sklaven und nicht einmal die Haustiere. Die Römer der Oberschicht schalten die Juden daher als Faulpelze – diejenigen Römer, wohlgemerkt, die selber überhaupt nicht zu arbeiten pflegten, sondern sich 24/7 von ihrem Hauspersonal bedienen ließen. Bei der arbeitenden römischen Bevölkerung hatten die Juden nicht wenig Bewunderer und Freunde – für die Herrschenden jedoch waren sie Provokateure, die die Ordnung der Klassengesellschaft in Frage stellten.

Im Jahre 135, unter der Herrschaft des Kaisers Hadrian, kam es zu einer Judenverfolgung, während der die Ausübung des jüdischen Glaubens im Röm. Reich zur Straftat wurde, einschließlich des arbeitsfreien Sabbats. Während dieser Verfolgung begannen die Christen Roms, sich von den Juden zu distanzieren, als deren internationale, für jeden offene Version sie bis dahin verstanden worden waren. Unter anderem schafften sie nun den Sabbat, den sie bis dahin, wie Jesus selbst, als Feiertag gehalten hatten, ab und ersetzten ihn durch den Sonntag. Und zu eben dieser Zeit nahm in den Schriften christlicher geistlicher Führer, der Kirchenväter, eine Welle antijüdischer Lehraussagen und Hetzparolen ihren Anfang, die nicht mehr abreißen sollte.

Die psychologische Dynamik dieses Vorgangs liegt auf der Hand: Der Treuebruch gegenüber dem Volk Jesu ließ das Gewissen nicht ruhen und es blieb nur die Wahl zwischen Reue und Umkehr einerseits oder victim blaming, Selbstrechtfertigung durch Hass und Verleumdung, andererseits. Der Zweite Weg ist der, der von da an für die kommenden zwei Jahrtausende von der Mehrheit der Christenheit beschritten wurde. Diejenigen Christen, die hiergegen als Minderheit Widerstand leisteten, wurden als "Judaisierer" nun selbst zum Ziel der Verfolgung.

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