Warum leuchtet der Mond so hell und was hat es mit dem Vollmond auf sich?

7 Antworten

Hallo Ninalisa04,

mystisch klingt schön geheimnisvoll und aufregend. Das macht mystische Behaupungen für viele Menschen sehr attraktiv. Leider bleibt die Frage, ob "wirklich was dran" ist, dann gerne auf der Strecke - wer mag sich schon sein "schönes mystisches Gefühl" von schnöden Fakten nehmen lassen?

Naturwissenschaftler finden den Mond toll - für das, was er wirklich ist: ein besonders schönes Exemplar von Mond. Naturwissenschaftler haben herausgefunden, dass die reale Welt viel, viel toller ist als alle möglichen mystischen Fantasien, wenn diese schlicht nicht zutreffen. Die Natur der Dinge nicht wahr haben zu wollen, weil man sie gerne anders hätte, ist halt so doll nun auch wieder nicht. Wer die Natur wirklich schätzt, der schaut in die seriösen Daten und bewundert die Natur für das, wie sie tatsächlich ist - nicht, wie sie irgendeiner mystischen Vorstellung entsprechend zu sein hat.

So viel vorab, jetzt zu Deinen Fragen. Es sind ja mehrere...

Ich frage mich schon seit einer zeit warum der mond so hell leuchtet,
für Astronauten die auf ihm landen(auf der hellen Seite des
Mondes)nicht.

Der Mond leuchtet nicht selbst. Er reflektiert nur das Sonnenlicht. Dass die Mondoberfläche nicht im Dunkeln liegt, das sieht man auch auf den Aufnahmen der Apollo Missionen. Der Mondboden liegt im Sonnenlicht.

So hell leuchtet der Mond übrigens nicht: Der Mondboden ist ein recht dunkles Material, das nur etwa 10% des eingestrahlten Lichtes wieder zurück wirft; der Rest wird verschluckt. Der Mond ist aber halt sehr groß und über seine Fläche ist er dann eben ein sehr auffälliges und auch helles Objekt am Nachtimmel.

Aber wenn das so ist, warum strahlt die Erde dann keine so starke Leuchtkraft ab?

Doch, auch die Erde reflektiert Sonnenlicht. Nur sehen wir die Erde selten von außen. Auf den Bildern der Apollo Missionen ist die Erde aber über der Mondoberfläche durchaus als helles Objekt zu sehen.

https://youtube.com/watch?v=rZj9IaYRMEk

Wir können das sogar bei Neumond in klaren Nächten ein wenig von der Erde aus erahnen: http://www.sterngucker.de/artikel/sonnensystem/erdschein/

Das Ganze nennt sich "Erdschein" - bei Neumond oder "fast Neumond" ist die dunkle Seite des Mondes deutlich vom umgebenden Nachthimmel zu unterscheiden - weil etwas des von der Erde reflektierten Sonnenlichtes darauf fällt und von dort aus wieder zurück zu uns reflektiert wird.

Ich habe nämlich mehrmals gehört das bei Vollmond viele Menschen nicht
schlafen können und das es irgendetwas Mystisches ist? Ist das wahr?

Das liest man sehr oft. Dem Mond werden alle möglichen Einflüsse auf uns nachgesagt.

Tatsächlich stimmt das nicht. Das merkt man aber nur, wenn man wirklich sauber mitzählt und aufschreibt, wie oft und wann man tatsächlich schlecht schläft.

Das Problem ist nämlich, dass uns unsere Eindrücke hier leicht täuschen. Wenn man schlecht schläft, dann bemerkt man auch leicht irgendwann in der Nacht den Vollmond. Das bleibt in Erinnerung, weil es eben etwas Auffälliges ist - und weil der Vollmond durch die kursierenden Gerüchte "verdächtig" ist. Man hakt also jede Vollmond-Nacht, in der man schlecht schläft als Bestätigung des Mythos ab.

Schläft man dagegen in einer anderen Nacht schlecht, fällt einem nichts auf. Man denkt gar nicht an den Mond. Und vergisst entsprechend auch, das Gegenbeispiel mental zu notieren. Dasselbe gilt für die vielen Vollmondnächte, in denen man bestens geschlafen hat.

Wir haben also eine verzerrte Datenbasis: Wir erinnern uns leichter an bestätigende Beispiele als an die Gegenbesipiele. Und genau das fürht zu den Gerüchten, der Mond hätte Einfluss auf unseren Schlaf und alle möglichen anderen Dinge. So sollen bei Vollmond mehr Kinder geboren werden, Operationen schlechter laufen, mehr Unfälle passieren oder Menschen mehr aggressiv sein,...

Nichts von alledem stimmt. Das belegen sehr große Untersuchungen zum Thema. Die Häufungen bestimmter Ereignisse zu bestimmten Mondphasen sind nur "gefühlt", sie verschwinden, wenn man sauber nachzählt und die psychologische Verfälschung der Datenbasis (kein erinnern der Gegenbeispiele) ausschaltet.

Zum Beispiel: Klösch, Zeitlhofer (2003) Ausgewertet wurden  die Schlaftagebuchaufzeichnungen aus über 5000 Nächten. Ergebnis:

In keiner der zur Verfügung stehenden subjektiven Schlafbeurteilungen konnte ein signifikanter Unterschied zwischen den Vollmond-/Neumondnächten, den Nächten während des zunehmenden/abnehmenden Mondes und den als "neutral" eingestuften gefunden werden. 

Noch genauer untersuchte es das Max Planck-Institut. Dort findet man:

„Wir konnten keinen statistisch belegbaren Zusammenhang zwischen
menschlichem Schlaf und den Mondphasen aufzeigen.“ Im Rahmen dieser
Untersuchungen fand sein Team weitere unveröffentlichte Analysen von
über 20.000 Schlafnächten, welche ebenfalls keinen Einfluss des Mondes
feststellen konnten."

Dass der angebliche Einfluss des Mondes nicht vom Mond kommt, das sieht man beim "Schlaf" auch daran, dass sich der Mythos zum Schlaf bei Vollmond gewandelt hat: Im 19. Jahrhundert sagte man dem Vollmondlicht noch beruhigende Wirkung nach. Schlag' hierzu mal den Text des alten Volksliedes "Guter Mond" nach... darin heißt es:

Leucht freundlich jedem Müden
In das stille Kämmerlein
Und dein Schimmer gieße Frieden
Ins bedrängte Herz hinein

Dass man bei Vollmond schlechter schlafen würde, ist also erst ein moderner "Mythos", an dem schlicht nichts dran ist.

Dasselbe gilt für andere, dem armen Sündenbock "Mond" nachgesagten Einflüssen:

Bei Vollmond werden keineswegs mehr Kinder geboren: Oliver Kuss untersuchte über 4 Millionenen Geburten - alle Geburten in Baden-Württemberg von Januar 1966 bis Dezember 2003. Die Ergebnisse sagen mit überwältigend guter Absicherung davon ausgegangen werden muss, dass kein Zusammenhang zwischen Mondzyklus und Geburtenzahl besteht.

Operationskomplikationen sind nicht von der Mondphase abhängig: Smolle untersuchte Mondphasen und Operationskomplikationen und analysierte dafür mehr als 14.000 operative Eingriffe an der Universitätsklinik Graz. Es zeigte sich, dass weder mit zu- oder abnehmendem Mond noch mit Vollmond eine signifikante Erhöhung der letalen Komplikationen auftrat und dass sich nicht einmal eine Tendenz in die behauptete Richtung abzeichnete:

"Unsere Untersuchungen weisen darauf hin, dass die behaupteten Zusammenhänge zwischen Mondphasen und Operationskomplikationen durch Beobachtung nicht bestätigt werden können und damit als Aberglaube zu betrachten sind."

Auch keine Häufung von Gewalttaten: Ausgewertet wurden mehrere 10 000 Notrufe, unter anderem 14000 wegen Einbrüchen, knapp 6000 wegen Überfällen, 2000 wegen Vergewaltigung und 82000 wegen häuslicher Gewalt. In diesen Studien zeigten sich eindeutige wöchentliche oder jahreszeitliche Schwankungen, aber keinerlei Zusammenhänge zwischen Gewalttaten und der Mondphase.

Viele weitere Untersuchungen findest Du hier beschrieben:http://www.dermond.at/index.php

Der Mond ist in jeder Beziehung unschuldig. Und ich persönlich finde es schade, dass man ihm etwas unterstellt, wo er gar nichts dafür kann. Mondkalender und Ratgeberbüchlein sind natürlich ein lukratives Geschäft - wie Horoskope ja auch. Entsprechend werden diese Dinge beworben und verkauft.

Und natürlich hat man leicht den Eindruck, dass das funktioniert: Wer regelmäßig (weil es im Kalender angeraten wird) seine Blumen gießt, putzt und zum Frisör geht, der kriegt grüne Pflanzen, ein sauberes Haus und eine schicke Frisur. Aber nicht wegen des Mondes, sondern weil nichts liegen bleibt.

Wie Shakespeare schon schrieb: "The fault lies in us, Horatio, not in the world."

Grüße

Der Mond leuchtet kein bisschen, er reflektiert nur das einfallende Sonnenlicht, zumindest einen erheblichen Teil davon. Die dunklen Mare absorbieren dagegen den meisten Teil und reflektieren nur wenig Sonnenlicht. Die Erde reflektiert auch Sonnenlicht, aber die Atmosphäre und vorallem die Meere absorbieren auch einen erheblichen Teil davon, im Gegensatz zum atmosphärenlosen Mond. Helle Anteile der Erde wie Wolken und Eiskappen reflektieren sehr viel Licht, die Erde kann also durchaus auch sehr hell erscheinen, wenn man sie von außen betrachtet. Das manche Menschen bei Vollmond nicht gut schlafen liegt wahrscheinlich nicht am Mond, daher hat er auch keinen direkten Einfluss auf den Menschen.

Zur Helligkeit des Mondes.

Ja der Mond ist sehr hell. Aber er ist nicht heller als die Erde. Wenn man den Mond richtig belichtet fotografieren will, dann braucht man die gleiche Belichtung, wie beim Sandstrand am Meer. Denn beides Mal kommt das Licht von der Sponne und wird vom Sand reflektiert.

Der Mond fällt nacht nur deshalb als "hell" auf, weil dann der Sandstrand nicht beleuchtet wird und der größte Teil des Himmels dunkel ist.

Mythos Vollmond.

Es gibt viele Menschen, die behaupten dann schlecht schlafen zu können. Aber es gibt keine Menschen, bei denen das wirklich so ist. Denn wenn diese Menschen im Schlaflabor tatsächlich auf ihre Schlafqualität untersucht werden, dann schlafen sie bei Vollmond genauso gut wie sonst.

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