Wann hört der Spaß auf?

39 Antworten

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Guten Morgen ihr Lieben!

Humor hört dort auf, wo die Schmerzgrenze des Einzelnen erreicht ist.

Mittlerweile habe ich den leisen Verdacht, dass die, die behaupten als ... müsse man dieses oder jenes Verhalten mit Humor, diejenigen sind, die sich am lautesten beschweren würden, wenn ihnen das widerfährt.

Man kann immer leicht große Reden schwingen, wenn man selbst nicht betroffen ist.

Zudem sollte man auch nicht vergessen, dass Humor auch eine Waffe sein kann. Ein Krebskranker, der sich über die Krankheit lustig macht, macht die Krankheit kleiner und sich selbst größer. In diesem speziellen Fall kann das sogar hilfreich sein die Krankheit zu besiegen.

In dem von dir geschilderten Fall kann ich verstehen, dass der oder die Lehrer*in humorlos reagiert hat. Denn das geschilderte Verhalten ist in meinen Augen respektlos. Kein Lehrer und keine Lehrerin gibt mit Betreten des Klassenzimmers die Menschenwürde.

Bestrafung würde ich jetzt aber nicht pauschal ansetzen, sondern von Alter und vorherigen Verhalten abhängig machen.

Zu Schluss kann ich nur eins sagen: Miteinander lachen, nicht über andere!

Euch allen einen schönen Dienstag!

Herzlichen Dank, liebe Catchan für deine wohldurchdachte Antwort. Deinen letzten Gedanken hatte ich bereits in einem Kommentar ebenso geäußert.

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@Arnstaedter

Gern geschehen! Ich bin noch nicht dazu gekommen alles zu lesen, merke aber schon, dass wir hier auf einer Wellenlänge sind.

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Leider hat in dem Ganzen auch die Politik groß negativ mitgewirkt, nämlich wo man die Aufgaben der Lehrer im Erziehungsbereich erweitert hat aber in ihren Rechten geschwächt hat.

Fred wünscht dir einen sehr schönen Mittwochabend und grüßt dich herzlichst aus Wien.

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@Fredlowsky

Da hast du auch heute wieder Recht, Fred. Ich wünsche dir eine gute Nacht.

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massivste bestrafung muss sein, denn

"Wer das Bewerfen eines Lehrers mit Papierbällchen als Kinderscherz wertet, beweist, dass er die Grundnormen des menschlichen Anstandes nicht kennt.

wir erinnern uns an das 317te gebot: du sollst niemals papierbällchen werfen

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@IQvsLK005

Eselsmütze,in der Ecke stehen als Strafe,Züchtigungspädagogik zurück in die Vergangenheit ?

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Guten Tag, liebe cat,

noch einen recht schönen Tag für Dich und liebe Grüße, schickt Dir das

Plawöpfchen

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@iQPlawopf

Vielen Dank Plawöpfchen. Mein Tag war heute super. Muss an die guten Wünsche hier gelegen haben...

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Guten Tag!

Ich sage mal so: Spaß hört dann auf, wenn er verletzend wird oder sich auf Kosten von Minderheiten oder erkennbar schwächeren Menschen bereichert oder sobald Gewalt jedweder Art ("Happy Slapping", das war ca. 2007 ein Thema an meiner Realschule kurz vor der Mittleren Reife) vorkommt - das gilt auch für "Humor", dessen Grenzen spätestens dann erreicht sind, wenn Diskriminierung ein Thema ist oder es "ironisch" wird -----> Ironie ist nix anderes als eine üble Beleidigung, die sich als intellektuell schmückt.

Man darf nicht überempfindlich sein, sollte aber Grenzen kennen. Man wirft mir zwar als vor, ich würde auf Altherren-Niveau und Peter Frankenfeld stehen (mag ja sein), aber ich würde mich nie in einem Witz auf Leute einschießen, die mir unterlegen sind und ich würde nie jemanden angreifen mit einem Witz. Parodien mag ich, aber nur, wenn es eine lustige Hommage ist.

Sexistisch motiviert muss "Spaß" auch nicht sein - ich kann mich noch gut an eine Stunde erinnern, die unser Sportlehrer der 7. oder 8. Klasse mal ins Klassenzimmer verlagerte, um über korrektes Benehmen in der Sporthalle und auf dem Sportplatz, die Grenzen des guten Geschmacks und Ähnliches zu berichten. Die Klasse hatte es bitter nötig, am Ende wurde ganz oft körperliche Schikanierung behandelt: Da wurden Leute u.a. fertig gemacht, weil sie dicklich oder langsam oder dünner waren oder kleiner/schwächer, es war kein Zustand.

Ich ging deswegen so ungern in den Schwimmuntericht, weil die pubertären 11-12 Jahre alten Jungs in der Sammel-Umkleidekabine grinsend an sich rumfummelten, der Sportlehrer den Drahtzieher als seinen "heiligen Michi" schier verehrte, weil er dessen Vater vom Jedermannsport gut kannte und weggeguckt hat usw. -----> ich war da im Spätherbst 2001 zwei-dreimal dabei in der Kabine und fand es ekelhaft; ein ganz netter, aber etwas dicker Junge wurde besonders begafft in der Erwartung, ein großes Glied zu haben und so gab eines das andere, ich bin dann ausgewichen in eine Einzel-Umkleide.

In der Schule fand ich persönlich "Spaß" immer dann nicht mehr spaßig, wenn jemand als gezieltes Opfer herhielt - ganz egal, weil er dick war, weil er nicht sportlich war, weil er schlechte Noten schrieb, uncoole Kleidung trug, nicht so viel Wert auf irgendwas Materielles legte oder Ausländer gewesen ist. Ich persönlich bin als "der Ausländer" immer mal wieder sogar von jungen Lehrerinnen, die sich dann cool gefühlt haben dürften, angefeindet oder zumindest mit gängigen Klischees aufgezogen worden, bis es gereicht hat und ich mal aufgestanden bin und was sagte; ich habe es bis dahin nie an die große Glocke gehängt, aber es war mehr als einmal beleidigend und nichts als das.

Man hat damals jeden Tag im Prinzip nur gewartet hat, bis wieder was passiert oder irgendeiner verbal "gehängt" oder in der Sportumkleide oder im Schwimmbad befummelt und bedrängt oder auf dem Nachhauseweg belästigt wird - ja, so war es, und das ist mal eben 20 Jahre her, spielte sich nicht mal in einer "Problemsiedlung" ab: Es waren ausnahmslos Kinder "alteingesessener, deutscher, selbstbewusster Familien mit etwas Geld", die durch solche Verhaltensweisen auffielen. Der Sexualkunde-Unterricht musste abgebrochen werden, weil diese Jungs grinsend im Zimmer an sich rumfummelten und einer vor den Mädels onanierte -----> da war Polen offen, aber die Tirade vom Rektor war so eindeutig, dass dann zumindest dahingehend halbwegs Schicht im Schacht war. Man kann sich denken, wer der schlimmste Unhold war.

Dass ich bis heute Partei für Schwächere beziehe, gern mal nach oben trete und nach unten immer für alle ansprechbar bin - ich hatte auch in der Realschule immer den Ruf des volkstümlichen Ansprechpartners aus der Oberstufe, der den Jüngeren hilft und an der Berufsschule ging das Onkel-Image grad so weiter - hängt damit zusammen.

Nun komme ich zu deinem Anliegen, da muss ich jedoch zitieren, damit die Antwort auch klar gegliedert ist.

Gestern las ich eine Meinung, dass es ein Kinderspaß ist, den Lehrer mit Papierkügelchen zu bewerfen und dabei Tierstimmen zu imitieren.. Aus dieser Erkenntnis entwickelte der Betreffende die Schlussfolgerung, dass kein Mensch auf Lehramt studieren solle, der diesen Spaß nicht akzeptiert. Da für diese Meinung auch einige Male das Prädikat hilfreich vergeben wurde, möchte ich hier die Frage stellen inwieweit diese Form des „Spaßes“ akzeptiert werden sollte.

Das ist kein Kinderspaß mehr - und die Mehrheit unserer Lehrer (Grundschule 1997-2001; Realschule 2001-2007) hätte hier mindestens einen Klassenbucheintrag und eine Zusatzaufgabe verteilt, wenn nicht sogar die Eltern zum Rapport bestellt. Ich erinnere mich an eine vergleichbare Szene von ca. 2002, wo ein Mitschüler eine Zeitlang echt permanent während jeder Stunde alle mit "Hirschröhrgeräuschen" ärgerte und zeitweiligen Unterrichtsausschluss vom Rektor angedroht bekam, weil nix half. Und das hielt ich für gerechtfertigt. Hat er Schaden davon genommen? Glaube nicht, jedenfalls hat er dann nie mehr "geröhrt".

Gute Frage, nächste Frage ------> warum die Kiddies so etwas machen? Es dürfte irgendwo in der Mitte zwischen den Folgen einer anti-autoritären "meine kleine Prinzessin"-Erziehung und Lehrern, die man nicht ernst nimmt, liegen. Ich habe beruflich (Zeitung) immer wieder Termine an Schulen, vorhin auch wieder - was da an Lehrern rumläuft, spottet teilweise jeder Beschreibung; das sind Lehrer, denen man ansieht, dass sie im Grunde selber noch Kinder sieht und ich habe auch Lehrer in meinem Bekanntenkreis, die etwa mein Alter haben (bin 28) und immer noch total kindisch drauf sind, sowohl bei Facebook als auch in Wahrheit ------> und sie wirken an Real- und Berufsschulen. Hilfe, aber da wundert mich so etwas nicht mehr; die Jungen machen's den Alten nach und man kommt sich als Pressevertreter mit Sakko, schwarzer Hose und einfarbigem "Cityhemd" zu Lederschuhen direkt wie der steinalte Onkel oder der konservative Konrektor Mitte 50 vor, wenn man vor diesen Lehrern steht, die Vorbilder sein sollten. Wo das Vorbild fehlt, muss man es schaffen, aber das ist ein anderes Thema ------> ich hätte eine Lehrerin in zerfetzter Jeans ebenso wenig ernst genommen wie einen Lehrer, der sich total anbiedert als Kumpel und sich von Oberstüflern beim Vornamen anreden lässt. Sorry, das geht doch nicht ... und Kiddies, die keinerlei Bewusstsein für die Grenzen von Humor, Spaß, dem guten Geschmack und Lockerheit haben, sind nicht Part irgendeiner Spaßgesellschaft, sondern nur das Produkt/Resultat/Spiegelbild ihres schulischen Umfelds und ihres privaten "Ambientes" mit "coolen" Eltern, die nicht alt werden wollen/können und nicht selten solche Sprüche loslassen.

Ich meine jetzt nicht Mütter, die mit Ü40 im kurzen Jeansrock über Leggings und zum "Hexe"-Print-T-Shirt über'm weißen Langarm durch die Disse stapfen, aber ich meine Eltern, die selbst nicht wissen, wann es genug ist, meinetwegen prollige Witze/Sprüche machen und dem Nachwuchs keinerlei Strenge entgegen setzen. Es muss nicht in Drill ausarten, aber Grenzen braucht der Nachwuchs, ich habe sie auch gehabt und es tat mir nicht schlecht.

Noch ein Hinweis am Rande, wie das Umfeld auch Positives bewirken kann: Unser Lehrer der 7./8. Klasse war ein von Natur aus herzlieber Mensch mit schier unbegrenzter Geduld, aber er konnte ziemlich unbequem werden, wenn irgendwo einer geärgert oder gemobbt wurde. So hat er bspw. auch die Tochter des evangelischen Pfarrers, die jahrelang intrigierte und stänkerte wo es ging in die Mangel genommen, als diese sich in der Achten weinend beklagte, niemand würde sie haben wollen -----> und er hat diverse Jungs, die als Klospanner und Kabinenfummler unfreiwillig Schulgeschichte schrieben, so eindrücklich nieder geredet, dass spätestens in der 9. Klasse damit Schluss war. Der Lehrer war zwar ein netter Typ, aber er konnte härter als hart durchgreifen und packte die Leute da, wo es ihnen am meisten schmerzte: Wo die "alte" Lehrerin nur weggeguckt hat, berief er Nachsitzen und Sonder-Elternabende ein, verteilte Klassenbucheinträge und Zusatzaufgaben oder setzte dicke Freunde, die nur am Stänkern/Mobben waren auseinander. Aber das half wenigstens alles.

Denn manchmal muss man Zeichen setzen - der Lehrer verstand Spaß und lachte gern mit, machte auch mal von sich aus Witze und war bekennender Loriot-Fan, aber er setzte Akzente und griff durch. Spaß ist für alle da, aber nur, solange niemand beleidigt wird.

In diesem Sinne viele Grüße -----> musikalisch habe ich heute etwas, das ich als "Spaß" ansehe: Den "Lila-Lederhosen-Lambada" von Peter Behrens. Der verunglimpft keinen, aber man kann lachen.

https://www.youtube.com/watch?v=DTiuNEZG3PA

Woher ich das weiß: eigene Erfahrung

Hallo, lieber rotesand, mein Dank gilt dir, der sich wieder viel Mühe für eine ausgewogene Antwort gegeben hat. Und der Humor am Ende ist ausgezeichnet :-)

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@Arnstaedter

Gerne, das Thema ist mir auch "dank" meiner Vita nicht unwichtig!

Es freut mich, dass das Lied dir zusagt - "Ich bin der Martin, ne..." von Diether Krebs finde ich auch super - und natürlich "Der Dicke und der Belgier" mit Carry Goossens. Hier ist mal was davon, DAS ist für mich Humor, wie er für mich sein muss!

https://www.youtube.com/watch?v=OI6FRgwEBQk

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Auch von mir lieber rotesand einen Guten Tag für Dich.

Du hast Dir wirklich viel Mühe gegeben mit Deiner Antwort.

Ich zupfe mir nur einen, für mich sehr kurzen aber wichtigen Satz aus Deinen Ausführungen heraus - Spaß hört auch für mich auf, wenn er verletzend wird und "der andere Teil" darüber nicht mehr lachen kann und als gezieltes Opfer herhalten muss. Das hast Du gut erkannt !!!

Noch einen recht schönen Tag für Dich, vom Plawöpfchen

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Also dass Schüler gelegentlich Scherze treiben ist ja nichts neues - das haben wir damals ja auch gemacht. Aber die Frage die du stellst ist sehr berechtigt. Wo hört der Spaß auf und ab wann wird es zum Mobbing gegenüber der Lehrkraft?

Die Papierkügelchen sehe ich da hart an der Grenze oder ggf. schon darüber.

Ich glaube aber auch, dass der Lehrer mit seiner Reaktion auf derartige "Späße" - denn anzunehmenderweise gingen den Papierkügelchen ja schon andere grenzwertige Späße voraus - sehr viel beeinflussen kann. Zeigt er sich unbeeindruckt oder humorvoll wird das den Schülern eher den Wind aus den Segeln nehmen, als wenn er sich als Weichei erweist und so den Bullies Futter gibt. Es ist doch eine altbekannte Regel, dass Mobbing / Bullying Schülern nur dann Spaß macht, wenn auch eine beleidigte Reaktion darauf erfolgt. Ignoriert man solche Aktionen oder begegnet man ihnen mit Humor - vielleicht sogar mit feinem Humor der plötzlich die Bullies lächerlich dastehen lässt - wird das schnell langweilig. So etwas sollte man als Lehrer aber wissen und auch in der Lage sein entsprechend zu reagieren, sonst hat man seinen Beruf wohl in der Tat verfehlt.

Dass du als Lehrer so etwas nie erlebt hast liegt wohl daran, dass du schon sehr viel früher richtig reagiert hast und den Bullies den Wind aus den Segeln genommen hast, als die Scherze noch viel harmloser waren. Insofern würde ich sagen hast du alles richtig gemacht.

Vielen Dank für deine Antwort.

Ich werde nicht der Einzige sein, dem sie gefällt.

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Finde ich auch dass das mit den Kügelchen schon nahe an der Grenze des Vertretbaren liegt.

Fred wünscht dir einen sehr schönen Mittwoch und grüßt dich herzlichst aus Wien.

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