Sind Autisten sowas wie die Übermenschen?

Das Ergebnis basiert auf 27 Abstimmungen

Nein 89%
Ja 11%

12 Antworten

Vom Beitragsersteller als hilfreich ausgezeichnet

Ja, was aber nutzlos ist. Meistens enden wird als Spergcels.

Nein

Haha, süß, dass du denkst, wir wären so.

Klar sind manche von uns sehr intelligent, aber dadurch ist man kein Übermensch. Außerdem stellt sich die Frage, wie man "Intelligenz" denn nun definiert.

Lass dir aber bloß nichts von den Leuten hier einreden, die meinen, wir hätten keine/weniger Empathie. Das Double-Empathy-Problem und auch Dinge wie Alexithymia (deutsch: Alexithymie) sowie Hyperempathy sind da sehr interessant. Wenn du mehr dazu wissen möchtest, kannst du dich auf englischsprachigen Seiten dazu belesen. (Object personification ist z.B. auch lesenswert.)

Manche Leute hier (Ich meine damit nicht unbedingt dich) sollten lernen, dass nicht jeder seine Empathie auf die gleiche Art und Weise zeigt oder dass nicht jeder sie immer zeigen kann. Nicht wenige Leute (auch Autisten) spüren so viel, dass sie davon Meltdowns oder Shutdowns bekommen können oder generell sich einfach zurückziehen müssen, weil sie davon so überreizt sind.

Darüber hinaus zeugt es nicht gerade von Empathie, uns Empathielosigkeit zu unterstellen. Doch daaaas ignorieren viele, jaja.

Wir Autisten haben übrigens auch nur in den allerseltensten Fällen Inselbegabungen. Kurze Erklärung:

Savants haben Inselbegabungen. Die Hälfte aller Savants sollen auch Autisten sein. Der Haken? Weltweit gibt es nur geschätzt 100-200 Savants weltweit. Autisten? Viel, viel mehr und viele, viele die noch immer undiagnostiziert sind. Der Prozentsatz von Autisten mit tatsächlichen Inselbegabungen ist also verschwindend gering. Viele von uns haben Spezialinteressen (Verwirrender Begriff - Das heißt nämlich nicht, dass unser Interesse speziell sein muss, sondern nur, dass die Intensität außergewöhnlich sein muss), die manchmal Inselbegabungen nachahmen können, doch das sind trotzdem zwei völlig unterschiedliche Dinge und wenn man näher hinschaut, erkennt man oft leicht die Unterschiede.

Zurück zum eigentlichen Thema: Ich wünschte mir, ich wäre ein Übermensch - Oder zumindest intelligent. Aber ich bin dümmer als ein Toastbrot. Und sehr tollpatschig. Ich weiß nicht, ob du denkst, wir hätten ein fotografisches Gedächtnis oder wir hätten alle gute Mathematikkenntnisse, doch ich habe kein fotografisches Gedächtnis und ich kann nicht einmal das Kleine 1x1, ohne länger überlegen bzw. die Finger verwenden zu müssen.

Ich liebe Vögel (Ist - neben Autismus - mein Spezialinteresse) und ich könnte dir einige Vogelarten aus dem Kopf heraus aufsagen (Genaue Bezeichnung, also nicht nur "Krähe" etc.), aber heißt das, ich weiß viel über Vögel? Nah. Ich weiß ein paar nette Funfacts über einzelne Vögel, aber Ornithologen, Vogel-Experten, selbst Leute, die das alles nur, wie ich, als Hobby ansehen, wissen viel mehr als ich.

Mein Autismus behindert mich, der Ableismus behindert mich. Wenn ich könnte, würde ich meinen Autismus nicht weghaben wollen. Ich finde, man kann seinen Autismus auch akzeptieren, wenn er einem keine Vorteile bringt, aber meine Güte, wünschte ich mir manchmal, ich hätte Vorteile, die direkt durch meinen Autismus kommen ... Keine Ahnung, ich kann mich gut in Themen vertiefen, die mich interessieren? Aber das können andere Autisten viel mehr und selbst einige Nicht-Autisten. Hm.

Ich sehe es nicht als Übermenschlichkeit an, bereits von solch simplen Tätigkeiten wie Einkaufen oder Aufräumen o.Ä. fast keine Energie mehr für den Rest der nächsten Tage zu haben. Ich sehe es auch nicht als Übermenschlichkeit an, nicht einmal eine halbe Stunde, nachdem ich vor die Haustür getreten bin, einen Sensory Overload (nicht zu verwechseln mit Meltdowns sowie Shutdowns) zu haben. Ich sehe es ebenfalls nicht als Übermenschlichkeit an, dass ich niemals einen Job haben können werde, da die Dinge, die durchweg eingehalten werden müssten, damit ich diesem nachgehen könnte (und selbst das maximal 2 Stunden die Woche oder so), absolut nicht durchführbar wären und sich an manchen Stellen auch widersprechen. (Beispiel: Absolut null sozialen Kontakt - Weder Treffen, noch Telefonate, noch E-Mails - andererseits jemanden, der mich immer von Punkt A nach Punkt B bringt, weil ich mich sonst verlaufe und mich auch nicht traue, jemanden zu fragen) Ich sehe es nicht als Übermenschlichkeit an, meine Energie ausgesaugt zu bekommen, während ich wortwörtlich Dinge tue, die mir Spaß machen, die ich toll und faszinierend finde. Deshalb stört es mich auch, wenn Leute sowas sagen wie "Du saßt doch eh nur den ganzen Tag vorm PC und hast Videos geschaut. Wie kannst du da keine Energie getankt haben?"

Ich werde niemals alleine (über)lebensfähig sein.

Es ist halt so, dass die wenigsten von uns Autisten wirklich extrem intelligent oder extrem unterintelligent sind. Außer es gibt als Co-Diagnose eine geistige Behinderung. Selbst intelligente Autisten schaffen oft nicht die Schule, oder zumindest nicht ohne starke Einbuße der psychischen Gesundheit. IQ-Tests sind auch nicht immer gut, um unsere Intelligenz zu messen, denn die Standard-IQ-Tests sind nicht auf unsere Neurologie aufgelegt. (Deshalb werden bei der Autismus-Diagnostik spezielle, auf Autismus angepasste IQ-Tests verwendet. War zumindest bei mir so, aber meine Diagnose ist auch schon gut 15 Jahre her und damals war ich 9/10 Jahre jung.)

Da das hier manche leider immer noch tun: Der ICD-11 ist seit 2022 offiziell (der DSM-5 bereits seit 2013, wohlgemerkt) und spätestens seitdem wird nicht mehr zwischen den einzelnen Autismus-Formen unterschieden. Der Grund dafür ist, dass Experten über Jahrzehnte hinweg keine klaren, einheitlichen, konsequent anwendbaren Unterschiede zwischen den Unterformen finden konnten und weil die Grenzen oft ineinander verschwimmen.

Viele machen den Fehler, zu denken, Menschen mit z.B. dem Asperger-Syndrom (übrigens war der Kerl ein Nazi, der im 2. Weltkrieg autistische Kinder töten lies und Grunya Sukhareva beschrieb Autismus lange vor Hans Asperger und Leo Kanner und viel besser, als die beiden, aber lassen wir das) hätten "leichten" Autismus (That's called Masking, Sharon!) und Menschen mit z.B. frühkindlichem Autismus, hätten "starken" Autismus. Nur so funktioniert das Autismus-Spektrum nicht und ich werde es immer wieder sagen (müssen).

Wenn du draußen die Vögel beobachtest, wenn du eine Meise siehst und einen Spatz, dann sagst du auch nicht, dass die Meise "mehr Vogel" ist, als der Spatz, oder? Hat die Meise mehr Ornithologismus oder Vogeloismus in sich oder wie? Wohl kaum. Aber jeder Vogel hat seine individuellen Stärken und Schwächen und genauso hat auch jede autistische Person ihre Stärken und Schwächen.

Man, ich hätte mir echt nicht vorher die anderen Antworten durchlesen sollen, doch ich kann es nicht leiden, wenn Fehlinformationen oder Verallgemeinerungen über uns Autisten verbreitet werden - Am besten noch von Leuten, die selber keine Autisten sind (oder höchstens welche kennen/kannten).

Sorry, ich schweife ab.

Also um zum Punkt zu kommen: Nein, sind wir nicht.

Symbolbild:

Aber jetzt stell' dir vor, wir Autisten hätten wirklich so ein Megabrain. Die Autismus-Diagnosen kämen schneller reingeflogen, als wir blinzeln könnten und niemand würde jemals zu hören bekommen "Was? Du siehst aber gar nicht autistisch aus!" (Kann es sein, dass manche Leute Autismus und Down-Syndrom/Trisomie 21 hin und wieder miteinander verwechseln?)

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung – Ich bin diagnostizierte Autistin (Keine Selbstdiagnose)👽
Nein

Authisten fehlt - in unterschiedlicher Ausprägung - die Fähigkeit zur sozialen Interaktion, weil sie einfach nicht erkennen können, welche Reaktionen ihr eigenes Verhalten bei anderen auslöst oder die Grenzen ihres Verhaltens nicht wahrnehmen (z.B. wenn sie drauflosplappern merken sie nicht, wann ihr Gegenüber genug hat).

Diese fehlenden Fähigkeiten steht dann oft eine sehr ausgeprägte Begabung in anderen Bereichen gegenüber, auf die sie sich komplett fokussieren. Ob das dann in den Bereichen Musik, Wissenschaft, Technik oder wo auch immer verortet ist und wie hoch die jeweilige Begabung dann ist ist so individuell, wie es der Grad der authistischen Störung auch ist.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung
Nein

Hi,

Ich bin selbst ein "Verdachtsfall" und kann sagen, dass es nicht so ist. Bei mir ist es z.B. so, dass meine Fähigkeiten sehr ungleich verteilt sind, und ich daher etwas als "Übermensch" wahrgenommen werde.

Beispielsweise kann ich ich im Schulunterricht frei in fast korrekter naturwissenschaftlicher Fachsprache reden und verstehe Dinge sehr schnell. Im Leistungskurs Chemie werde ich daher leider schon manchmal als Übermensch betrachtet.

Auf der anderen Seite scheitere ich schon an einfacher zwischenmenschlichen Kommunikation, wirke meistens komplett fehl am Platz und teilweise sogar unhöflich, ohne es zu wollen. Hab deshalb auch mein Leben größtenteils ohne Freunde verbracht.

Es ist auch so, dass ich bei Dingen die mich Interessieren voll dabei und konzentriert bin, während es mir schwer fällt Sachen die mich nicht interessieren überhaupt anzufangen.

Zu den ebenfalls nicht so tollen Seiten zählt auch, dass ich schnell überfordert bin, egal ob von vielen Leuten oder Geräuschen. Ebenso fällt es mir extrem schwer Emotionen zu kommunizieren und zu deuten, was aber nicht heißt, dass ich keine hab. Es kann auch schlimm sein, dass ich manchmal Sachen überhaupt nicht nachvollziehen kann, die für andere selbstverständlich sind. Ein Extrembeispiel hierfür wäre bei mir, dass ich es überhaupt nicht nachvollziehen kann, warum Menschen rauchen. Wenn ich dann mit der Realität konfrontiert werde löst das in meinem Gehirn eine Art "Kurzschluss" aus. Mir geht es dann so ähnlich wie Greta Thunberg, wenn sie überhaupt nicht nachvollziehen kann warum die Menschheit ihre eigene Lebensgrundlage zerstört.

Du kannst dir es am besten so vorstellen, dassdas Gehirn eines Autisten einfach anders funktioniert als das normale, und sie deshalb oft missverstanden werden.

Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen,

Mfg Jan

Nein

Mein kleiner Cousin hat so ein „Abzweig“ von Autismus und ist sehr in Mathe begabt. Aber dafür hat er natürlich ein paar Sozialeprobleme und kann man Freundschaft oder sowas gar nichts anfangen.

Ich würde nicht sagen,das solche Menschen etwas Übermenschliches sind.