Philosophen/Denker zum Thema Todesstrafe?

11 Antworten

Der Marquis de Sade hat sich gegen die Todesstrafe ausgesprochen.

Obwohl er heute meist nur noch als "Stammvater des Sadismus" bekannt ist, hat er sogar während der französischen Revolution, als er kurze Zeit als Richter eingesetzt war, das Leben seiner Schwiegereltern vor der Guillotine bewahrt. (Obwohl seine Schwiegermutter während des alten Regimes einen königlichen Haftbefehl erwirkt hatte durch den er fast 12 Jahre in Haft war.)

Später wurde er vom Revolutions-Regime als "Gemäßigter" in Haft genommen.

In seiner 1795 erschienen "Philosophie im Boudoir" gibt es einen längeren Text mit den Namen: "Franzosen, noch eine Anstrengung wenn ihr Republikaner sein wollt".
In diesem schreibt er über die Gesetze und die Todesstrafe:


"Es ist eine fürchterliche Ungerechtigkeit zu fordern, dass Menschen von verschiedenartiger Wesensart sich gleichen Gesetzen beugen: Was für den einen paßt, paßt für den andern noch lange nicht.

Ich sehe ein, man kann nicht so viele Gesetze machen, wie es Menschen gibt; aber die Gesetze könnten so mild und von so geringer Zahl sein, dass alle Menschen, welches auch ihr Charakter sein mag, sich ihnen mühelos unterwerfen können. Weiter würde ich fordern, dass diese kleine Anzahl Gesetze so beschaffen wäre, dass man sie leicht den verschiedenen Charakteren anpassen könnte; demjenigen, der sie anwendet, bliebe es überlassen, mit Rücksicht auf das Individuum, das er treffen müßte, mehr oder weniger zu strafen.

Es ist erwiesen, dass es manche Tugend gibt, deren Ausübung gewissen Menschen unmöglich ist, ebenso wie es manches Heilmittel gibt, das mancher Leibesbeschaffenheit nicht zuträglich sein kann. Also, welch ein Gipfel der Ungerechtigkeit wäre es, wenn man jemanden mit dem Gesetz bestrafe, dem es unmöglich ist, sich dem Gesetz zu beugen! [...] Aus diesen obersten Grundsätzen leitet sich, wie man sieht, die Notwendigkeit ab, milde Gesetze zu machen, und vor allem, die Abscheulichkeit der Todesstrafe für immer aus der Welt zu schaffen, weil das Gesetz, das sich an dem Leben eines Menschen vergreift, unausführbar, ungerecht, unzulüssig ist. [...] Kurz, diese Strafe muss abgeschafft werden, weil es keine schlechtere Rechnung gibt als die, einen Menschen deswegen sterben zu lassen, weil er einen anderen getötet hat, da sich doch offensichtlich aus diesem Verfahren ergibt, dass es statt eines Menschen weniger mit einem Schlag zwei weniger gibt, und weil nur Henkern oder Dummküpfen eine solche Rechenkunst einleuchten kann."

Marquis de Sade: Die Philosophie im Boudoir oder Die lasterhaften Lehrmeister. Dialoge, zur Erziehung junger Damen bestimmt. 5. Auflage. Gifkendorf: Merlin Verlag, 1995. S. 221 ff.

Ich würde über das Prinzip der Gerechtigkeit argumentieren.

Wenn es Gefängnisse gibt, muss man niemanden töten, um den Rest der Gesellschaft vor ihm zu bewahren.

Und eine Regierung, die Mord bestraft, aber ihn selber begeht, ist mehr als scheinheilig, weil sie sich nicht an ihre eigenen Regeln hält.
Mord wird ja bestraft, weil davon ausgegangen wird, dass die Mehrheit aller Bürger Mord für falsch hält. Wenn Mord aber falsch ist, wieso mordet die Regierung dann im angeblichen Auftrag der Bürger? 
Das wäre dann allerdings Logik und nicht Ethik. :D

Klar:

Kant (der sich dezidiert für die Todesstrafe einsetzt)

Fichte (interessante Position: es gebe keine rechtliche Handhabe für die Todesstrafe)

Beccaria (italienischer Philosoph: Dei delitti e delle pene - es gibt eine deutsche Übersetzung) - Voltaire beruft sich auf ihn.

Victor Hugo (Le dernier jour d'un condamné)

Albert Camus/Arthur Koestler: Réflexions sur la peine capitale

Jacques Derrida (in seinen Seminarbänden - ob sie schon übersetzt sind, Weiss ich nicht)

Vereinzelte Stellungnahmen auch bei Hobbes, Rousseau, Benjamin Constant (alle drei für die Todesstrafe, aber "in den seltensten Fallen" für Constant).

Anderes und mehr findest du wahrscheinlich bei

Hans-Joachim Pieper: Hat er aber gemordet, so muß er sterben. Klassiker der Philosophie zur Todesstrafe (Bonn, 2003).

Kant war für die Todesstrafe? Dürfte der Mensch, nach dem Kategorischen Imperativ, niemals einen anderen Menschen (als Strafe) töten?

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@DaniGGa3

Aber ja doch. Kant ist kein Wohlstands-Light-Philosoph. Der hatte auch nichts gegen die Armee Friedrich des Großen und dessen Kriege.

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@berkersheim

Kant argumentiert weitgehend gegen Beccarias Position (die vermeintliche abschreckende Wirkung / die Gesellschaftsvertrag-Perspektive).

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Hallo, ich habe leider nur Ansätze für Tips. Informier dich doch mal, über Philosophen die generell zum Thema Mord und Strafe geschrieben haben, mit etwas Glück und Geduld, findest du auch kurze Aussagen beziehungsweise Meinungen über die Todesstrafe. Da es in deinem Referat nicht um den Philosophen selbst geht, reich auch nur ein Satz, auf den du intensiv eingehen kannst. Du könntest die Aussage erläutern und/oder mit deiner Meinung vergleichen, die Meinung deiner Mitschüler einbringen. Generell das Publikum mit einzubringen, gibt extra Punkte.

Viel Erfolg!

Rein historisch betrachtet ist die Ablehnung der Todesstrafe fast ausschließlich in wohlhabenden Ländern erst eine Erscheinung der letzten 100 Jahre. Davor war sie weder ethisch noch moralisch ein Problem. Darum wirst Du in Philosophien bis zum Beginn des 20. JH keine Beiträge zum Thema Todesstrafe finden. Das oft falsch angeführte Zitat aus dem alten Testament: "Mein ist die Rache, spricht der Herr."  richtet sich nicht gegen eine staatlich angeordnete Todesstrafe als festgesetzte Strafe gegen Schwerstverbrechen, sondern gegen die Blutrache, die es in einigen archaischen Gesellschaften immer noch gibt, sodass sich ganze Familien gegenseitig auslöschen.

Sicher lässt sich darüber streiten ob die Schriften des Marquis de Sade als Philosophien zählen. Jedoch hat er bereits 1795 in der "Philosophie im Boudoir" die Todesstrafe thematisiert.
(siehe meine Antwort)

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@Solaris80

@Solaris80

Danke, habe ich mit Interesse gelesen. Hat aber auch seine historischen Gründe in seiner persönlichen Geschichte. Nichts desto trotz ein interessanter Hinweis. Aber selbst wenn wir bei über 2500 Jarhen Philosophiegeschichte den 100 Jahren nochmal 100 oder 200 zugeben, es bleibt, dass eine Diskussion über die Todesstrafe erst jetzt am Ende dieser Geschichte eingesetzt hat. Diese Diskussion hat damit zu tun, dass das Bürgertum beginnt, über den rechten und unrechten Gebrauch von Gesetzen nachzudenken, was seine Wurzeln in der Aufklärung und einigen Vorläufern hat. Davor war Kritik an der Todesstrafe eine Freveltat gegen Religion und Ade/Aristokratie.

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@berkersheim

Wusste ichs doch: Schon Jeremy Bentham hat ebenfalls die Abschaffung der Todesstrafe gefordert. Sein Utilitarismus ist ja auch bestrebt, neue nichtkirchliche Begründungen für eine bürgerstaatliche Gesetzgebung zu schaffen. Ich gehe mal davon aus, da Benthams Philosophie die Aufklärungsphilosophie von Locke und David Hume sowie die Moralphilosophie von Adam Smith fortsetzte, dass auch bei denen schon was zu finden sein könnte.

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@berkersheim

Das ist so nicht richtig. Auch im Altertum wurde von Philosophen (z.B. Sokrates, Platon, Aristoteles u.a) die Todesstrafe diskutiert. Zitate: 

Todesstrafe in der Philisophie

Auch diese Frage bewegt die Menschen seit Jahrhunderten. Will man Befürworter und Gegner der Todesstrafe miteinander ins Gespräch bringen, bietet sich ein Blick in die Philosophiegeschichte an. Für uns Mitteleuropäer erstaunlich: Die bekanntesten Vertreter der Philosophie waren für die Todesstrafe. Platon hielt die Todesstrafe in allen Fällen vorsätzlichen Mordes für angemessen. Wer nächste Angehörige umbringt, den solle man steinigen, dann über die Grenze schaffen und unbegraben liegen lassen.

Thomas von Aquin betrachtete den Verbrecher als faules Glied am Körper des Staates, das entfernt werden müsse. Nach John Locke hat ein Mörder der gesamten Menschheit den Krieg erklärt und sich auf eine Stufe mit wilden Raubtieren begeben. Von Kant stammt die Forderung: "Hat er [...] gemordet, so muß er sterben." Auch Hegel hielt die Todesstrafe bei Mord für unabdingbar. Und Arthur Schopenhauer erklärte: "Schafft erst den Mord aus der Welt: dann soll die Todesstrafe nachfolgen."

Heutige Sozialphilosophen sind immer noch geteilter Meinung.

Die härteste Aussage ist die mehrerer Asiatischer Denker. Die Todestrafe abzuschaffen hat als letzte Konsequenz zur Folge dass der Gewalttätige das Recht hat, zu tun was immer ihm beliebt, und seinem Opfer das Recht sich zu verteidigen, aberkannt wird. Damit würde die Gesellschaft nur noch das Recht des selbsternannten Stärkeren gelten lassen. Man könnte dann auch gleich alle anderen Gesetze abschaffen.

Amerikanische Waffenlobbys würden sich bestätigt fühlen und Wild West Standart begrüssen. Wer schneller zieht, und dann auch trifft, hat Recht

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