Lohnt sich ein Astrophysik-Studium?

6 Antworten

Hallo benutzter,

die meisten Universitäten bieten Astrophysik als das an, was es ist: Ein Teilgebiet der Naturwissenschaft Physik.

Entsprechend führt der Weg dorthin über ein Studium der allgemeinen Physik. Man studiert Physik bis zum Bachelor (BSc) und dann weiter zum Master of Science (MSc). Im Masterstudiengang nimmt man das Wahlpflichtfach Astronomie und schreibt dann darin auch die Masterarbeit. Im Idealfall schließt man mindestens noch eine Promotion zum Dr. rer. nat. hinten an, wenn man in der Forschung tätig sein will.

Das Studium ist lang und recht schwer und sehr mathelastig. Unter 5-6 Jahren zum Master schaffst Du es nicht; eine Tafel voller Formeln sollte Dich begeistern; Beweise sind nicht lästiges "Nebenbei", sondern das zentrale Thema: Du wirst Beweise selbst herleiten müssen und allgemeine Aufgabenstellungen in mathematische Formulierung übersetzen müssen.

Da man prinzipiell auf den späteren Forschungsalltag vorbereitet wird, gehen die Übungsaufgaben vom Schweregrad notorisch über das Niveau der Vorlesungen. Die Idee ist also, sich die Vertiefung des Stoffes selbst zu erarbeiten. Man kann hinterher niemanden fragen, weil man an prinzipiell ungelösten Problemen arbeitet. Man muss lernen, mit Aufgabestellungen umzugehen, bei denen man erst mal keine Ahnung hat, wie man sie löst. Man muss damit umgehen können, auch einmal ein paar Stunden herumzuprobieren, wie eine Aufgabe zu lösen ist. Das liegt nicht jedem. Die Abbruchquoten sind daher recht hoch, teils knapp 50%.

Mach' Dir hier bitte nichts vor: Physik ist angewandte Mathematik. Mathe ist im Physikstudium also etwas, das man nicht "nebenher" macht, das man nicht "halt auch macht" - Mathematik ist die Sprache der Physik. Physik ist die Wissenschaft, die gesetzmäßige Prozesse der Natur in eine mathematische Form übersetzt. Deswegen ist sie neben der Programmierung "das" Werkzeug des Astrophysikers.

(Das hier wäre, um das nachvollziehbar zu machen, ein Vorlesungsskript aus dem höheren Bachelorstudium https://www.thphys.uni-heidelberg.de/~weigand/Skript-QM2011/skript.pdf)

Ich betone das deshalb so, weil Du irgendwo in einem Kommentar geschrieben hast "Mathematik ist auch kein Ding für mich"... mit der Einstellung zur Mathematik würde ich mir mindestens 2x überlegen, ob ich Physik studieren möchte... und vor allem, ob ich hinterher als Physiker arbeiten möchte:

Denn bitte mach Dir als zweites klar, dass der Astrophysiker nicht nächtens am Teleskop hängt und tolle bunte Bilder und Dokus produziert. Der Astrophysiker ist ein Schreibtischtäter, meist damit beschäftigt, irgendwelche Modellrechnungen für den Großrechner zu programmieren, um anhand der Ergebnisse der Simulationen und der Beobachtungsdaten seine Modellvorstellungen zu überprüfen. Meist beobachtet man nur wenige Tage im Jahr, wenn überhaupt. Oft beantragt man Beobachtungen und bekommt irgendwann Daten geliefert. (Einen Eindruck bekommst Du vielleicht über diesen Blogartikel eines Astrophysikers https://scilogs.spektrum.de/relativ-einfach/astroinformatik/)

Die Anstellungschancen an der Uni selbst sind nicht sehr gut. Einen Promotionsplatz ergattert man meist, eine echte Anstellung nach der Promotion ist schwierig. Die wenigen Stellen sind nahezu ausnahmslos Zeitstellen, da Projekte gefördert werden, nicht Mitarbeiter. Da ist sehr viel Flexibilität gefragt - und keine allzu großen finanziellen Ansprüche. Nicht wenige "Post-Docs", die zwischendurch ein paar Monate lang die Zeitung austrugen. (Auch hier ein Blogartikel eines anderen Astrophysikers http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2012/02/01/wie-ich-wissenschaftler-wurde-und-warum-ich-heute-keiner-mehr-bin/)

9 von 10 Physiker arbeiten in der Industrie, nicht wenige als Programmierer. Wer sich dafür nicht zu fein ist, für den sind die Chancen, einen Job zu finden allerdings recht gut. Produktentwicklung, Produkttest und Softwareentwicklung sind typische Einsatzgebiete des Physikers... und ja, bei entsprechend langjähriger Betriebszugehörigkeit kann man dann recht gut davon leben.... so lange man sein Gehalt nicht mit den Leuten in Vertrieb und Management vergleicht.

Physik sollte man nur studieren, wenn einem unweigerlich einfach jeder Mensch, der es nicht studiert, ein wenig leid tut, weil er das beste im Leben verpasst hat.

Dieser Professor sagt es sehr treffend:

https://www.youtube.com/watch?v=e05oEabNZAY

Du schreibst in einem Kommentar

Und wieviel unterscheiden sich das Studium und die Shows? Möchtest du damit sagen das das Studium langweilig ist?

Die Shows zeigen in stark vereinfachter Weise und ganz ohne jedwede Formel schöne bunte Bilder und vermitteln rudimentär die groben Ergebnisse jahrzehntelanger Forschung. Fast nirgends wird erklärt, welch minutiöse, jahrelange Detailpfrimelei und welche unglaubliche Datenmengen hinter den Erkenntnissen stecken.

Das Studium und der Beruf hat mit den Dokus in etwa so viel gemeinsam wie eine anstrengende Bergwanderung mit dem Einkehren danach.

Wenn Physik und Mathematik wirklich Deine Leidenschaft sind, dann ist das keineswegs langweilig... aber wenn Du nach einem Beruf suchst, in der Du der Mathematik eher ausweichen kannst... dann wäre Physik eher ein Studiengang, der für Dich Leiden schafft.

Im Zweifelsfall: Im Ernstfall steht Dir Astronomie übrigens erheblich einfacher als Hobby offen. Sternwarten bieten Einsteigerkurse am Teleskop. Da kann man viele schöne Stunden beobachten, ohne Mathematik, Physik,...

Und wenn Du in München wohnst (hallo, "Nachbar"), dann könntest Du mal nach Garching zur "Supernova", dem neuen Planetarium der ESA. Die Ausstellung ist kostenlos. Allein die vermittelt schon einen recht guten Eindruck von der Arbeit eines Astrophysikers. Es wuselt aber auch eine Menge Personal rum, nicht wenige davon Studenten, die man ansprechen und fragen kann... ;-) Alternativ kannst Du im Vorlesungsverzeichnis mal eine Physikvorlesung aus einem unteren Semester raussuchen und Dich leise hintenrein setzen. Das stört niemand. Auch so kriegst Du einen realistischen Eindruck und kannst beim Gehen vielleicht den einen oder anderen Studenten mal fragen, wie das Studium so ist.

Grüße

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Diplom in Physik, Schwerpunkt Geo-/Astrophysik, FAU

Und das mit dem wieviel unterscheiden sie sich denn, war auch eher ironisch gemeint weil ich mir schon denken kann, dass es nicht so einfach wird
Danke für den äußerst hilfreichen Kommentar liebe ute aus München
Mit freundlichen Grüßen Benutzer

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Ein "Astrophysik-Studium" gibt's nicht in Deutschland.

Man muss Physik studieren und kann sich dann – nach erfolgreich abgeschlossenem Physik-Bachelor-Studium – im Physik-Master-Studium auf Astrophysik spezialisieren.

Physik ist einer der schwierigsten Studiengänge, nur wenige schaffen das. Insbesondere die Mathe-Anforderungen sind heftig.
Und mit dem, was du aus Videos kennst, hat das Physik-Studium nicht viel zu tun.

Aber du hast ja noch viel Zeit bis zum Abi. Nimm in der Oberstufe auf jeden Fall Mathe und Physik als Leistungsfächer!
Viel Erfolg!

1) Du brauchst das Abi, um überhaupt was studieren zu können.

2) Beginne das Physik-Studium (vorerst als Lehramtsstudium).

3) Spätestens im 4. Semester weißt du, ob du genug Kenntnisse und Durchblick in der Mathematik hast. Anderfalls kannst du dieses Studium gleich abbrechen.

4) Wenn du den ersten Studienabschnitt erfolgreich abgeschlossen hast, kannst du dich auf eine Fachrichtung spezialisieren, was in dieser Uni angeboten wird (Dort gibt es vielleicht Festkörper-Physik, Theoretische Pysik, Quantenphysik, Atomphysik - und für Astrophysik musst du in eine andere Stadt wechseln,..

Warum empfiehlst du Lehramt?

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@Rubezahl2000

Das ist der leichtest Einstieg in die Physik. Wenn man nicht besonders gut ist, hat man meistens noch die Chance, das Physik-Studium zusammen mit einem anderen Fach positiv abschließen zu können. Als Lehrer kommt es nicht mehr darauf an, die verzwicktesten Gleichungen herzuleiten, sondern die Physik den Schülern näher zu bringen.

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Woher weißt du ob ich gut oder schlecht in Physik bin?

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Und nein in München kann man astrophysik studieren...

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"Zahlen sie sich aus?"

Wenn Geld tatsächlich ein Grund für dich ist, Astrophysiker zu werden, dann ist ein Physikstudium eindeutig die falsche Wahl.

Die Frage hat eher was mit: Lohnt sich die ganze Zeit die man aufwendet und habe ich danach ein gutes Leben oder muss für den Hungerlohn arbeiten zutun

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Es muss dir nur klar sein, dass Mathematik das Handwerkszeug eines Physikers ist.

Also das Studium hat wenig mit den Unterhaltungssendungen im TV zu tun.

München ist gut, da an der Uni wird Astrophysik als Master angeboten, wenn ich es richtig weiß.

Ja Mathematik ist auch kein Ding für mich

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Und wieviel unterscheiden sich das Studium und die Shows?
Möchtest du damit sagen das das Studium langweilig ist?

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@benutzter

Die Shows zeigen nur die optische Oberfläche. Das Studium ist gespickt mit mathematischer Theorie. Für den, der das mag, ist es auch nicht langweilig..

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