Kreuzzeichen in der Kita als Atheist?

14 Antworten

Dein Problem ist absolut nicht nachvollziehbar.

Wenn Dein Arbeitgeber Dir derartige Weisungen gibt, dann wirst das ja wohl arbeitsrechtlich dürfen. Wer sollte Dir denn sonst verbieten, in Kinderköpfen religiöse Bedürfnisse zu kultivieren? Ich verstehe Deine Frage nicht. Du führst Dich hier nicht wie ein Atheist auf, sondern wie ein religiöser Fanatiker, der sich darum sorgt, ob sein Fondue koscher ist nach jüdischen Speisegesetzen, ob sein Gebet auf ungeweihtem Gebetsteppich erlaubt ist, oder ob seine Hauskatze Schweinefleisch essen darf, wenn sie in das Paradies kommen soll.

Ich erlaube Dir, Deine Arbeit zu machen nach betrieblicher Weisung oder auch bei Missbehagen zu kündigen! Und jetzt schau zu, ob es Dir einer der Antwortenden verbietet!

Ich erlaube Dir sogar, den Kindern Märchen zu erzählen, an die Du selbst nicht glaubst, für die Kinder Weihnachtsmann und Osterhase zu spielen oder Räuber Hotzenplotz.

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HAllo Andrea1099,

wenn das eine Kita in kirchlicher Trägerschaft ist, dann haben die Eltern ihre Kinder dort angemeldet, weil sie die entsprechende religiöse Erziehung wünschen. Wieso bist du denn überhaupt da?

Wenn das eine betriebliche Kita ist - wie du schreibst - , also eine firmeneigene Kita z.b eines Chemiewerkes, dann gehört die religiöse Erziehung hier überhaupt nicht hin.

Achtung, betreibliche Einrichtung heißt nicht gleich, dass sie in staatlicher/öffentlicher Trägerschaft ist. Es gibt durchaus auch Betreibskitas, die kirchliche Träger haben. (Schließlich muss "die Stadt" anderen Trägern den Vortritt lassen bei der Übernahme von Kita-Trägerschaften)

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Wenn die Direktion des Kindergartens und die Eltern damit einverstanden sind, empfinde ich es als eine gute Initiative, mit den Kindern zu singen und zu beten, zumal das auch in christlichen Familien heutzutage nicht mehr sehr oft geschieht. Allerdings dürften nicht-gläubige oder anders-gläubige Kinder nicht dazu gezwungen werden, könnten aber ruhig dabei sein, ohne mitbeten oder sich bekreuzigen zu müssen.

Evangelisch-lutherischen Kindern schadet es aber ganz bestimmt nicht, wenn sie katholische - also ebenfalls christliche - Gebete lernen und sich bekreuzigen. Zwar wird nicht in jeder christlichen Kirche das Kreuz als christliches Zeichen angesehen, bleibt aber meiner Meinung nach auf jeden Fall trotzdem ein Symbol für das Christentum. Luther selbst hatte sogar noch das Bekreuzigen beim Gebet empfohlen. Also könnten Protestanten der lutherischen Kirche sicher auch nichts dagegen haben.

Zwingen sollte man allerdings niemanden!

Deine Frage "darf ich das" hat zwei Aspekte, von denen ich nich weiß, welchen du meinst:

Aspekt 1: Darfst du es den Kindern/Eltern gegenüber?

Also: Ist es in einer KITA zulässig, den Kindern eine religiöse Erziehung "aufzuzwingen"?

In Deutschland entscheiden prinzipiell die Eltern darüber, wie das Kind religiös erzogen werden soll.

Wenn es sich um eine "normale" KITA handelt und die Eltern nichts davon wissen, dass ihre Kinder dort religiös erzogen werden, ist das, was da passiert, mindestens zweifelhaft, eher sogar unzulässig.

Wenn es sich um eine Einrichtung der Kirche handelt und die Eltern daher wissen müssten, dass die Kinder religiös erzogen werden, dann kann man an dieser Praxis nichts aussetzen.

Falls es sich um eine nicht-kirchliche Einrichtung handeln würde, die in Absprache mit den Eltern eine religiöse Erziehung der Kinder anbietet, dann ebenfalls nicht.

Aspekt 2: Darfst du es den Gläubigen gegenüber?

Also: Haben Gläubige einen Einwand dagegen, dass du als Atheistin hier ein Gebet sprichst?

Da haben verschiedene Gläubige definitiv verschiedene Meinungen. Im Endeffekt solltest du zu diesem Aspekt deine Vorgesetzten befragen.

Ein weiterer Aspekt: Bist du verpflichtet, das Ganze zu machen?

Zumindest falls du zum Zeitpunkt des Unterschreibens des Arbeitsvertrages hättest wissen können, was auf dich zukommt, wärest du auf jeden Fall dazu verpflichtet!

(Vorausgesetzt, das Ganze ist nach "Aspekt 1" zulässig!)

Wenn es sich um eine Einrichtung der Kirche handelt

Deren Zahl ist so verschwindend gering, daß man bei einem Kindergarten getrost davon ausgehen können muß, daß solche Indoktrination unterbleibt.

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hallo Andrea1099 - du sprichst hier ein wirkliches gesellschaftliches Übel an. Die beiden Staatskirchen bedienen sich mehr als üppig aus den Steuermitteln, u.a auch als Kita-Dienstleister. Sie mißbrauchen diese Funktion, um die ihnen anvertrauten Kinder kirchlich zu indoktrinieren.

Aber eine einzelne, charakterstarke Erzieherin, wie du zB, ändert an dem Übel nichts, jedenfalls nicht, indem du deinen Job aufs Spiel setzt. Sowas müßte im Rahmen einer (kündigungsgeschützten) Mitarbeitervertretung bzw Gewerkschaftsvertretung geklärt werden. Habt ihr sowas?

Es handelt sich - wie die Fragestellerin in einem anderen Kommentar geschrieben hat - NICHT um einen kirchlichen Kindergarten, sondern um einen privaten.

Der Betreiber bedient sich somit auch nicht "üppig an Steuermitteln".

Was übrigens die Behauptung angeht, die Kirchen würden sich üppig an Steuermitteln bedienen:

Alleine die EKD hat 2012 knapp 2 Milliarden Euro an Kirchensteuern für ihre Kitas ausgegeben. Falls der Staat diese Kitas betreiben müsste (er wäre gesetzlich dazu gezwungen!), würde er diese 2 Milliarden Euro zusätzlich ausgeben müssen.

Dem gegenüber stehen knapp 0,5 Milliarden Euro, die EKD und katholische Kirche zusammen jährlich ohne Gegenleistung vom Staat bekommen.

Macht 1,5 Milliarden Verlust für die Kirche und 1,5 Milliarden Gewinn für den Staat.

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@martin7812
Alleine die EKD hat 2012 knapp 2 Milliarden Euro an Kirchensteuern für ihre Kitas ausgegeben. Falls der Staat diese Kitas betreiben müsste (er wäre gesetzlich dazu gezwungen!), würde er diese 2 Milliarden Euro zusätzlich ausgeben müssen.

Komiker. Dann werden die natürlich von der Kirchensteuer genommen. Ist also ein Nullsummenspiel.

Macht 1,5 Milliarden Verlust für die Kirche und 1,5 Milliarden Gewinn für den Staat.

Diese Rechnug würde jedem Milchmädchen die Schamesröte ins Antlitz treiben.

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@realsausi2

Dann werden die natürlich von der Kirchensteuer genommen

Wie kommst du denn auf die Idee?

Über die Verwendung der Kirchensteuern entscheiden alleine die Kirchen - über die Verwendung der Mitgliedsbeiträge des örtlichen Sportvereins entscheidet schließlich auch nur der Vereinsvorstand - und nicht der Staat.

Glaubst du wirklich, die Kirchen würden im Falle der Verstaatlichung der Kindergärten noch einen einzigen Cent für Kindergärten ausgeben?

Nein. Das Geld würde dann definitiv für etwas anderes ausgegeben werden.

Der Staat könnte seine 490 Millionen Euro jährliche Zahlungen an die Kirchen zwar einstellen, das würde dann aber immer noch nicht die 2 Milliarden Euro jährlich decken, die alleine die evangelische Kirche dann nicht mehr für Kindergärten ausgibt.

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@martin7812
über die Verwendung der Mitgliedsbeiträge des örtlichen Sportvereins

Mir ist nicht bekannt, daß Sportvereine berechtige wären, Steuern zu erheben. Die Mitgliedschaft in einem Sportverein ist eine aktive, freiwillige Entscheidung und der Austritt aus einem Solchen mit einem Formbrief erledigt.

Glaubst du wirklich, die Kirchen würden im Falle der Verstaatlichung der Kindergärten noch einen einzigen Cent für Kindergärten ausgeben?

Das läßt ja tief blicken in die moralischen Abgründe der Kirche. Wenn man sie nicht alimentiert ist Schluß mit Verantwortung und Nächstenliebe.

Aber monetär fiele das kaum ins Gewicht. Es würden im Grunde nur die Schilder am Eingang ausgetauscht werden müssen. Und natürlich die Inhalte von religiösem Ballast befreit.

Der Staat könnte seine 490 Millionen Euro jährliche Zahlungen an die Kirchen

Knapp daneben. Es sind wohl so ca. 17 Milliarden. Pro Jahr. Das sind aber nur die Vergünstigungen und direkte Subventionen.

Dazu noch ca. 9 Milliarden Kirchensteuer.

Oh, ich vergaß die ca. 50 Milliarden, mit denen der Staat die sogenannten kirchlichen Hilfswerke Caritas und Diakonie bestückt.

Es ist ein Hohn, daß die Kirche in ihrer maßlosen Eitelkeit sich mit dem Geld der Steuerzahler bunte Federn an den Hut steckt und glaubt, wir müßten noch den Lorbeer herumwinden.

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@realsausi2

Die Mitgliedschaft in einem Sportverein ist eine aktive, freiwillige Entscheidung ...

Das ist die Mitgliedschaft in einer Kirche auch. Oh, du willst sagen, man meistens von seinen Eltern "angemeldet" worden ist: Das sind 100% der jugendlichen Mitglieder von Sportvereinen auch und bei Erreichen des 18. Lebensjahr bleibt man auch dort erst einemal Mitglied, wenn man die Mitgliedschaft nicht kündigt!

Da gibt es keinen Unterschied zu einer Kirche.

Bei dem Sportverein, wo ich Mitglied bin, würde mich eine "sofortige" Kündigung übrigens happige 150 Euro kosten, da es eine Kündigungsfrist gibt, während derer man noch Beträge zahlen muss. Ein Kirchenaustritt kostet nur zwischen 20 und 60 Euro.

Das läßt ja tief blicken in die moralischen Abgründe der Kirche

Frage mal bei einem örtlichen Sport-, Musik- oder Kleingartenverein nach, wie viel Geld diese Vereine pro Mitglied für soziale Zwecke wie Kindergärten ausgeben.

Dann können wir über die "moralischen Abgründe der Kirche" diskutieren!

17 Milliarden. Pro Jahr

Falls du diese Angaben hier meinst:

http://www.stop-kirchensubventionen.de/

Bereits beim ersten Durchlesen fallen einige üble Fehler auf.

Der größte Einzelposten auf der Liste ist "Zahlungen der ca. 15.000 Kommunen: 4 Milliarden Euro"

Das sind diejenigen Gelder, die der Staat für kirchliche Kindergärten ausgibt. Bereits die EKD gibt - wie ich bereits geschrieben habe - 2 Milliarden aus; selbst wenn die RKK 0 Euro ausgeben würden, fließen also mindestens 6 Millarden Euro (Steuern und Kirchensteuern) an die Kindergärten.

Der Staat zahlt also 4 Milliarden und bekommt dafür eine Leistung, die 6 Milliarden wert ist. Das ist keine Subvention des Staates an die Kirche, sondern eine Subvention der Kirche an den Staat.

(Und ja: Seit letztem oder vorletztem Jahr sind Kindergärten eindeutig eine staatliche Aufgabe, so dass der Staat dafür zahlen muss. Für die Kirche ist der Betrieb von Kindergärten freiwillig.)

Ein weiterer großer Posten sind "Steuerbefreiungen der verfassten Kirchen: 2,3 Milliarden Euro".

Die Kigas und Krankenhäuser zahlen also keine Steuern. Wenn diese Einrichtungen vom Staat übernommen werden würden, würden sie allerdings auch keine Steuern bezahlen (oder der Staat müsste die Steuern an sich selbst bezahlen - Amtsschimmel man hört dich wiehern). Der Staat hat bei diesem Punkt also auch keinen Verlust.

Ein dritter Punkt, der sofort auffällt ist "Kirchliche Ersparnis durch Einzug der Kirchensteuer: 1,8 Milliarden".

Tatsache ist, dass der Staat 2013 etwa 0,3 Milliarden Euro am Kirchensteuereinzug verdient hat. Die Kirchensteuerzahler subventionieren also den Staat und nicht der Staat die Kirche.

Zugegebenermaßen ist es zwischen Kirchen und Staat eine win-win-Situation.

Dann der zweitgrößte Posten: Die Kosten für den Religionsunterricht, 3,5 Milliarden sowie die Kosten für Theologiestudiengänge an Universitäten. Das sind keine Leistungen, die die Kirche erhält. Oder soll man deiner Meinung nach auch die Kosten für den Deutsch- und Mathematikunterricht (und das sind sicher deutlich mehr als 3,5 Milliarden) den zukünftigen Arbeitgebern der Schüler in Rechnung stellen, die am meisten davon profitieren, dass diese Fächer gelehrt werden?

Die 17 Millarden, die man dort nachlesen kann, sind einfach nur von Kirchenkritikern schöngerechnet, dass sie eine große Zahl präsentieren können. Da selbst viele Kirchenkritiker die Subventionen des Staates mit 450-500 Millionen Euro angeben, halte ich diese Zahl für glaubwürdiger.

Oh, ich vergaß die ca. 50 Milliarden

Das sind zweckgebundene Gelder, mit denen der Staat diese Hilfswerke mit bestimmten Projekten beauftragt. Er könnte natürlich auch das Rote Kreuz beauftragen oder diese Projekte im Ausland ganz sein lassen.

Die Kirche selbst bekommt von diesen Geldern aber keinen Cent.

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