Gibt es eine absolute Wahrheit und wenn ja, was bedeutet sie?

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12 Antworten

Es gibt eine Wirklichkeit, die objektiv vorhanden ist und völlig unabhängig von uns Menschen existiert.

Aus den Wirkungen dieser Wirklichkeit, die wir beobachten und messen können, basteln wir uns ein Bild dieser Wirklichkeit (Modell) und dieses Bild ist dann unsere individuelle Realität.

Diese Realität als Abbildung/Modell der Wirklichkeit ist dann wahr, wenn sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt und sie ist falsch/unwahr, wenn sie nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt.

Diese Realität ist immer relativ bezogen auf unseren bisherigen Wahrnehmungen der Wirklichkeit. Sollten sich Wahrnehmungen ändern oder neue hinzukommen, muss unsere Realität/Modell neu angepasst werden, um wieder so gut wie menschenmöglich mit der Wirklichkeit übereinzustimmen.

Eine absolute Wahrheit würde bedeuten, dass unsere gebildete Realität zu 100% mit der Wirklichkeit übereinstimmt und es unmöglich ist, dass sie durch neue Wahrnehmungen geändert oder angepasst werden muss. Daher behauptet die Wissenschaft und die Wissenschaftsphilosophie, dass es keine absolute Wahrheit geben könnte. Gäbe es sie, bräuchte man keine Wissenschaft mehr. Dass wir aber sämtliche Wirkungen der Wirklichkeit vollständig und unverfälscht irgendwann mal erfasst haben könnten, ist aufgrund der Beschränktheit unseres Geistes und der unseren Geist übersteigenden Komplexität der Wirklichkeit prinzipiell unmöglich. Dass dies für uns als Teil der Wirklichkeit auch unabhängig von unserem Geist prinzipiell unmöglich ist, hat der Mathematiker Gödel mit seinem Unvollständigkeitssatz bewiesen.

Von Religionen hört man allerdings das genaue Gegenteil. Da behaupten einige, die absolute Wahrheit zu kennen und beschimpfen die wissenschaftliche Auffassung. Denen bleibt aber im prinzip auch gar nichts anderes übrig, denn mit der Anerkennung, dass es keine absolute Wahrheit geben kann, wären Religionen hinfällig und es könnte nur noch individueller Glauben übrig bleiben, bei dem sich jeder seine eigene Realität bastelt.

Diese Behauptung, die absolute Wahrheit zu kennen, ist die Hauptursache religiöser Gewalt. Es kann logischerweise nur eine einzige absolute Wahrheit geben, also müssen alle anderen, die ebenfalls und angeblich die absolute Wahrheit kennen, bekämpft werden. Die absolute Wahrheit duldet keinen Widerspruch und sie duldet keine verschiedenen Versionen.

Die religiöse Behauptung, die absolute Wahrheit zu kennen, leidet an einem weiteren Mangel. Die innerhalb der Religionen gebildeten Realitäten beruhen überhaupt nicht auf irgendwelchen beobachteten Wirkungen sondern ausschließlich auf der Fantasie derer, die die Religion basteln. Desweiteren ist die Behauptung der absoluten Wahrheit völlig absurd, sofern sie nicht überprüft werden kann, ob sie denn tatsächlich mit der Wirklichkeit übereinstimmt und genau diese Überprüfung verweigern religiöse Besitzer der absoluten Wahrheit. Diese Überprüfung verweigern sie aus gutem Grund, denn dann käme der ganze religiöse Schwindel ganz schnell ans Licht.

Gibt es eine absolute Wahrheit…

Ja, meine (aus meiner Sicht) bzw. Deine (aus Deiner Sicht) eigene Existenz als wahrnehmendes Wesen.

Cogito ergo sum Wenn man Klinkefiesterei betreibt (es also richtig genau nimmt), ist eigentlich das einzige, dessen mansich wirklich ganz sicher sein kann, ganz cartesisch die jeweils eigene Existenz ist.

Wäre ich nicht, könnte ich mir die Frage gar nicht erst stellen. Übrigens bin damit nur ich als wahrnehmendes, nicht meine Existenz als wahrnehmbares Wesen mit bestimmten Attibuten gemeint. Sogar das Wissen darum, dass ich ein Mensch bin und mit Vornamen Philip heiße (daher mein Nick), gehört genau genommen zur Außenwelt und könnte theoretisch Illusion sein.

Natürlich glaube ich das nicht wirklich, aber ich verwende diese Möglichkeit gern, um gleichermaßen gegen allzu klare „Gewissheiten“ wie gegen ein Alles-Zerreden sowohl in naturwissenschaftlichen als auch in geschichtlichen (Stichwort Holokaustleugnerei) oder ethischen Fragen zu argumentieren.

Naturwissenschaftliches Wissen Wenn Du die Welt nicht als Illusion betrachtest, ist es vernünftig, anzunehmen, dass die Naturwissenschaften gute und richtige Antworten auf deskriptive Fragen (also „was ist?“) geben. Ebnso vernünftig ist es, anzunehmen, dass historische Wahrheiten existiert und irgendwelche Verschwörungstheoretiker mitnichten ebenso Recht haben können.

Falsifizierbarkeit Natürlich ist naturwissenschaftliches Wissen stets unter Vorbehalt. Eine Theorie kann nur in der Geisteswissenschaft Mathematik wirklich bewiesen werden, auf der Grundlage von Axiomen. In allen anderen Wissenschaften sind Theorien nur falsifizierbar. Bestätigung einer Theorie heißt, dass Experimente, die sie gegebenenfalls falsifizieren könnten, dies nicht tun.

Dieses von Karl Popper eingeführte Kriterium zeichnet wissenschaftliche Theorien aus. Pseudowissenschaften, im Kontrast dazu, immunisieren sich gegen Falsifizierungsversuche.  

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Ansonsten kannst Du auf diese Frage keine sowohl verbindliche als auch seriöse Antwort erwarten, und zwar besonders dann, wenn es um Religion geht:

Entweder ist sie verbindlich in dem Sinne, als sei es eine Antwort wie „Rayleigh-Streuung“ auf die Frage „warum ist der Himmel blau?“. An Religionen zum Beispiel ist aber nur ein bestimmter kanonisierter Inhalt, aber nicht, ob eine Glaubensaussage wirklich zutrifft oder nicht. Daher kann eine derartige Aussage nicht seriös sein, ganz gleich, wie felsenfest überzeugt der Antwortgeber von der Richtigkeit seiner Antwort sein mag.

Oder der Antwortgeber gibt eine ganz persönliche Antwort, in der er auch direkt einräumt, dass dies seine ganz eigene Glaubensüberzeugung ist, die er nicht beweisen kann. Dann ist die Aussage zwar seriös, aber nicht verbindlich im Sinne einer Wissensaussage.

Unterschiedlich falsch Wenn man sicher gehen will, richtig zu liegen, muss man zu der Überzeugung kommen, dass praktisch jegliche Überzeugung, die Menschen jemals geäußert haben, falsch ist.

Das ergibt sich schon ganz simpel aus der Tatsache, dass einander widersprechende Behauptungen wohl gleichzeitig falsch, aber keinesfalls gleichzeitig richtig sein können.

Das ist freilich kein „Relativismus“ und auch nicht so pessimistisch, wie es im ersten Moment klingt.
Erstens ist falsch nicht gleich falsch. Das geozentrische Weltbild war falsch, das heliozentrische auch. Letzteres war aber weniger falsch als Ersteres.
Zweitens heißt „falsch“ keinesfalls „unbrauchbar“: NEWTONs Gravitationstheorie beispielsweise ist genau genommen falsch, aber im Limes kleiner Relativgeschwindigkeiten (v≪c) und Gravitations-Potentialdifferenzen (ΔΦ≪c²) funktioniert sie hervorragend.

Kein klares Richtig, aber ein klares Falsch Auch in religiösen Dingen, daran habe ich keinen Zweifel, ist niemand im Besitz der absoluten Wahrheit.
Das wir uns nicht missverstehen: Das bedeutet nicht, dass auch niemand im Besitz der absoluten Unwahrheit wäre.

So haben ideologische und Fundamentalisten jedweder Couleur nicht nur hoffentlich, sondern auch mit der größten Sicherheit Unrecht, die man in solchen Dingen überhaupt haben kann.

Schon rein logisch kann höchstens ein Fundamentalismus rein hypothetisch Recht haben: Die Fundamentalismen widersprechen einander und behaupten zudem, dass jeder zur Hölle verdammt werde, der nicht ihrer Richtung folgt, Fundamentalisten anderer Religionen also eingeschlossen.

Gott sei Dank ist das aber mehr als unwahrscheinlich: So ein Super-Stalin, wie ihn die Fundamentalisten zeichnen, hätte warmherzige und verständige Menschen kaum erschaffen können.

Die Goldene Regel Mehrere unterschiedliche Religionen kennen die sog. Goldene Regel, die in ihrer ‚negativen‘ Fassung als Merkspruch „was Du nicht willst, was man Dir tu, das füg' auch keinem And'ren zu“ bekannt ist. Es gibt auch eine positive Fassung davon: Behandle Andere so, wie Du willst, dass Du selbst behandelt wirst.

Eine einleuchtendere und schönere Regel habe ich noch nirgends gesehen - wohl bemerkt, in einer ihrem Geist gerecht werdenden Auslegung (ich kann z.B. nicht einfach Frauen begrabschen und mich auf die GR berufen, in dem Sinne, dass mir als Mann ein ähnliches Verhalten durch Frauen nichts ausmachte). Wir sind gleichwertig, aber nicht gleichartig, und beides müssen wir berücksichtigen.

Für mich ist eine Religion und auch eine Ethik umso überzeugender, je wichtiger die Rolle der GR in ihrer Ethik ist. Von „absoluter Wahrheit“ mag ich hier nicht sprechen, zumal es ohnehin eine Frage des Sein-Sollens ist, nicht des Seins.

Entsprechend würde ich mich auch dem Philosophen Gerd Ernst, der durchaus an eine naturwissenschafts-ähnliche Feststellbarkeit ethischer Werte glaubt, nur teilweise anschließen. Allerdings eher als einem Werterelativismus.

Ja, es gibt eine absolute Wahrheit, d.h. universell gültige Sätze.

Die Sache ist die: Wenn wir etwas behaupten, erheben wir für diese Behauptung Geltungsansprüche. Dazu gehört bei Aussagen über die Welt- sogenannten Konstativa- der Anspruch auf Wahrheit, bei Regulativa, also moralischen Aussagen, der zum Anspruch auf Wahrheit analoge Anspruch auf Richtigkeit.

Diese Ansprüche stellen universelle Geltungsansprüche dar, d.h. es wird der Anspruch erhoben, dass dieser Satz für jeden und zu jeder Zeit gilt.

Einlösbar sind diese Geltungsansprüche im idealen Diskurs, und zwar durch einen begründeten Konsens im idealen Diskurs, dem jeder beliebige, der neu hinzukommt, begründet zustimmen kann.

Ein Satz, dem jeder im idealen Diskurs zustimmen kann, ist universell gültig. Das ist der Fall, weil alle Menschen über ein sogenanntes "implizites Regelwissen" verfügen, also ein transzendentales Wissen darüber, ob ein Satz gültig ist oder nicht. Im tatsächlichen Leben gelingt die Anwendung dieses Wissens nicht immer; im idealen Diskurs sind aber die Bedingungen gegeben, durch die Menschen Aussagen dann als gültig einstufen, wenn sie es gemäß des impliziten Regelwissens sind.

Wenn also jemand im idealen Diskurs einer Aussage zustimmen kann, dann gilt sie für ihn, da sie gemäß seines impliziten Regelwissens gilt. Und wenn jeder beliebige im idealen Diskurs einer Aussage zustimmen kann- was möglich ist, da alle Menschen über das gleiche implizite Regelwissen verfügen-, dann bedeutet das, dass diese Aussage für jeden beliebigen, also für alle und damit universell gilt.

Es gibt also eine absolute Wahrheit, und sie ist das, worauf sich alle Teilnehmer eines idealen Diskurses einigen könnten. Wir können sie erkennen- wenn auch nicht zuverlässig- indem wir uns so einen idealen Diskurs vorstellen. In der Praxis bedeutet das nicht anders als dass wir einfach alle rationalen Argumente für und wider bestimmter Positionen ergebnisoffen abwägen. Also eigentlich das, was (idealerweise) z.B. in der Wissenschaft sowieso getan wird.

Anmerkung: Meine Ausführungen geben hauptsächlich die Ansichten von Jürgen Habermas, namentlich v.a. die Universalpragmatik und die Konsenstheorie der Wahrheit, wieder. 

Es gibt eine objektive Realität*.

Z.B. ist dem Licht einer Farbe eine Zahl + Einheit (Wellenlänge) zugeordnet. Diese Zahl+Einheit ist völlig unabhängig davon, ob wir die Farbe Rot oder Blau oder Grün nennen oder ob wir die Farbe schön oder hässlich finden. 

Das heißt es gibt absolute Wahrheiten, aber es sind nur die, die nichts mit (menschlichen) Bewertungen zu tun haben. Das sind aber Wahrheiten, die wir nicht wahrnehmen können.

Man kann nur mit einer bestimmten Genauigkeit messen und somit werden wir nie zu 100% wissen, ob ein Lichtstrahl "genau" der definierten Zahl+Einheit entspricht.

Sobald eine Wertung stattfindet, gibt es keine absolute Wahrheit.

Gar nicht. Es gibt keine absolute wahrheit da wir recht wenig wissen. Nehmen wir allein die Physik, da wird ständig alles neu entdeckt und wiederlegt, wo ist also eine absolute wahrheit.

Vielleicht gibt es sie in mehreren Tausend Jahren, jetzt mit sicherheit nicht

Die Existenz einer absoluten Wahrheit ist unabhängig davon, dass wir sie erkennen. Sonst würde es ja gar keine absolute Wahrheit mehr geben, wenn es keine Lebewesen mehr gäbe.

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@Suboptimierer

Eine Wahrheit hat immer eine aussage zur folge die von jemanden auch also solche deklariert werden muss. Ohne diese betietelung ist sie keine wahrheit sondern nur eine gegebenheit ohne beachtung.

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@MiezeKatzchen

Da triffst du einen wunden Punkt bei mir. Ich kann Wahrheit und Realität nicht so gut unterscheiden.
Sind Wahrheiten Aussagen über die Realität?

Ich glaube, ich habe es. Wahrheiten können noch viel mehr beinhalten als die Realität. "Hätte ich zwei Milliarden Euro, hätte ich doppelt so viel als wenn ich nur eine Milliarde Euro hätte." Das ist zum Beispiel auch eine Wahrheit, obwohl sie nicht real ist.

Ich glaube, die meisten meinen aber bei solchen Fragen mit "Wahrheit" die Realität.

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@Suboptimierer

Wahrheit beinhaltet immer eine Frage, oder die suche nach ihr. Sprich für eine Wahrheit braucht es jemanden der diese auch findet.

Die Realität hingegen ist gegeben, eine tatsache die weder hinterfragt noch gesucht werden muss.

Als beispiel: ich sage dass es später regnet. Mit dieser aussage werfe ich eine Hypothese in den raum. Wir müssen abwarten. Wenn es dann später regnet habe ich die Wahrheit gesagt. Realität ist wenn du aus dem Fenster schaust, du sagst das es regent und es gleichzeitig regnet.

Anderes beispiel über einen längeren Zeitraum: sagen wir ein Berg ist 1.500 Meter hoch. Es ist sowohl die Realität als auch die Wahrheit, jedoch keine absolute Wahrheit. Absolut bedeutet das sie umunstößlich sit, eine Steigerung, eine absolute Wahrheit bleibt jetzt und in aller zeit richtig. Wir haben hier durch die höhenangabe keine absolute wahrheit da wir wissen das berge wachsen und schrumpfen, sich kontinente bewegen und die Welt nicht auf ewig existieren wird.

Konnte ich dir weiterhelfen?

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@MiezeKatzchen

Achso, gut dass du das nochmal erwähnt hast, dass eine absolute Wahrheit unabhängig von der Zeit ist. 

Wenn man die Aussage so formulieren würde, dass der Berg heute, am X.X.XX um XX:XX:XX so und so hoch sei, dann wäre es wieder eine absolute Wahrheit, oder, weil auch in der Zukunft würde die Aussage sich genau auf den Zeitpunkt beziehen und somit immer wahr sein.

Muss man denn so etwas immer dazu sagen oder kann man dem Aussagenden nicht einfach unterstellen, dass, wenn er nichts anderes sagt, immer die Gegenwart meint?

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Ja, die gibt es. Nur fehlen uns manchmal die Mittel sie zu erkennen.


Auf Fakten. Alles was wissentschaftlich bewiesen wurde, ist richtig. Ist zumindest meine Denkweise :) 

Faustregel bei der Definition: Absolute Wahrheit ist das, was kein Mensch in Frage stellen kann. Beispiele: Tod, Tag & Nacht usw

Hallo Mr Gentle

Ja, es gibt eine absolute Wahrheit! Diese Wahrheit bist Du! Damit meine ich nicht dich als Person oder Koerper, sondern als ewiges Gewahrsein.

Dieses Gewahrsein, das, was du im Kern wirklich bist, ist ewig und unverletzlich.

Alles was aussen passiert, durch deine Sinneseindruecke oder Koerpergefuehle, sind eine Illusion.

Das Problem ist, dass wir uns mit dem, was aussen passiert, identifizieren und das erzeugt das allseits bekannte Leid. Also gehe nach innen, um das aussen als Illusion zu erkennen.

Es gibt sie, die absolute Wahrheit.

Was sie bedeutet, muss jeder, der ihr begegnet selbst herausfinden.

Eine absolute Wahrheit ist das 1 + 1 in der Regel 2 ist

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