Darf man im Buddhismus Pflanzen und Pflanzensamen essen?

12 Antworten

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Religionen kümmern sich grundsätzlich nicht um moderne Erkenntnisse, insofern ist die Frage einfach zu beantworten: Man darf Pflanzen essen, weil es bei der "Schaffung" der Religion/Philosophie nicht verboten wurde.

Ein salomonischer Kompromiss. Aber die Wissenschaft hat sich weiter entwickelt.

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@Balurot

Die Religion aber nicht und das ist der Punkt. Oder glaubst du das die Bibel (oder andere religöse Werke) aufgrund neuer Wissenschaftlicher Erkenntnisse umgeschrieben werden?

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@qwase

Nein, natürlich nicht. Aber was soll ich dann für richtig erachten?

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Entgegen der allgemeinen Auffassung sind nicht alle Buddhisten automatisch Vegetarier, auch wenn dies aufgrund der Regel des "Nicht-Tötens" von Lebewesen nahe liegend ist.

Mönche und Gaben: Tatsächlich müssen zumindest buddhistische Mönche nach traditioneller Auffassung, alles nehmen, was ihnen als Gabe in ihre Bettelschale gelegt wird.

Da die Bevölkerung in den entsprechenden Landstrichen natürlich die Gebräuche und Regeln der Mönche in diesem Punkt kennt, wird niemand ein halbes Schwein in die Schale drücken.

Auch gibt es unter anderem die Auffassung, dass Fleischverzehr für Mönchnur dann abzulehnen ist, wenn der Verdacht besteht, dass das Tier eigens für den Verzehr durch den Mönch getötet wurde (als Beleg hierfür gilt das Jivaka-Sutra)

Mahayana-Buddhismus: An anderer Stelle sind die Auslegungen und Schriften strenger und wirken in ihrer Heftigkeit für jemanden der "milde Sanftheit" im Buddhismus erwartet, durchaus überraschen.

So soll es angeblich den "Keim des großen Mitgefühls zerstören" bzw es käme dem gleich, "sein eigenes Fleisch zu verzehren" (Quelle soll das Mahaparinirvana-Sutra bzw das Angulimaliya Sutra sein. Auch das Lankavatara-Sutra ist ein beliebtes Argumentationsmittel)

Wie in einer meiner Antworten zum Thema "Vegetarismus in Japan" schon geschrieben, hat man dort eine andere Auffassung von Vegetarismus als so mancher Buddhist im Westen.

So ist etwa der Verzehr von Speisen, bei denen Dashi-Brühe die Grundlage ist (die auf Fischflocken basiert) in japanischen Tempeln kein Problem - zumindest habe ich weder davon gelesen, noch habe ich selbst erlebt, dass es diese Bedenken gibt.

Grundsätzlich wird aber beispielsweise in Zen-Klöstern auf die Einhaltung der Regeln geachtet, die auf dem "Kaidanseki" (戒壇石) genannten Stein (oft neben dem Tor) zu finden sind.

Neben Fleisch und Alkohol wird dort, wie von @dohlebonnied bereits gesagt auch das Mitbringen der "Gokun" (五葷) genannten fünf Lauchgewächse untersagt.

Vielleicht ebenfalls zu bedenken ist, dass Vegetarismus mit Elite-Denken, Selbstgerechtigkeit und künstlicher Erhöhung gegenüber seinen Mitmenschen verbunden sein kann: "ICH bin moralisch höherstehend als ihr, weil ICH kein Fleisch esse - ihr Mörder!!!"

Letztlich bleibt es - Sutras, Gebote und Regeln hin oder her - letztlich die Verantwortung des Einzelnen, in welchem Maß er die Regel des "Nicht-Tötens" auch auf seine tägliche Ernährung anwendet.

Oder, wie es in dem hinduistisch geprägten Lied "Bow Down Mister" von Boy George ganz passend heisst:

"If you do not take the vow, you can eat the sacred cow, you'll get Karma anyhow...." ;-)

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Seit mehr als 30 Jahren praktizierender Buddhist

Danke für die ausführliche Antwort. :-)

Ich habe nach der Frage "Vegetarismus in Japan" mit der Suchfunktion von GuteFrage gesucht, aber da erscheint bei mir nur die Meldung "loading", ohne dass ein Suchergebnis aufscheint.

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@Enzylexikon

Oh, danke. Ich habe mir die Frage und die Antworten durchgelesen.

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Pflanzen haben keinerlein Nerven, können keinen Schmerz empfinden. Sie sind zur Fortpflanzug dringed aufs gegessenwerden angewiesen.

Kannst Du ein Beispiel nennen?

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@Balurot

Die Samenkörner von Feigen, Tomaten und Melonen werden großteils nur oberflächlich verdaut, sind dadurch erst richtig keimfähig.

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@Rheinflip

Jede Pflanzliche Substanz muss irgendwann mal abgebaut werden, das schaffen Tiere mit Hilfe von Mikroben sehr gut. Das wird dann wieder Humus, Dünger. Ein Komposthaufen ist also ein besseres Anschauungsmaterial für das Werden und Vergehen als man so Buch-Buddistisch meinen wird. :)

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Im Buddhismus darf man Pflanzen uneingeschränkt essen.

Die Jains (eine Religion, die ungefähr orts- und zeitgleich mit dem Buddhismus ent­standen ist) haben die extremsten Essens­einschrän­kungen: Sie dürfen keine lebenden Wesen töten, daher sind Fleisch oder wurmige Früchte natürlich ganz verboten. Da auch pflanzliches Leben Schutz verdient, essen sie darüber­hinaus keine Wurzeln (Yams, Kartoffeln, Rettich etc. fallen auch darunter), sondern nur Blätter und Früchte.

Ich glaube,weiter kann man nicht mehr gehen.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Lebe seit einigen Jahren meist in Indien, Nepal etc.

"Im Buddhismus darf man Pflanzen uneingeschränkt essen."

Stimmt so nicht. Wie bereits weiter unten gesagt wurde sind in manchen buddhistischen Schulen bestimmte Arten von Pflanzen wie z.B. Lauchgewächse also Zwiebeln, Lauch und auch so Sachen wie Knoblauch und Ingwer verboten.

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@Manusoptus

Das habe ich noch nie gehört, allerdings war das im Hinduismus früher so (und in Bengalen wird das immer noch teilweise praktiziert). Vielleicht haben einige Buddhisten diese Regel übernommen — der Buddhismus ist ja historisch ein Art extremst reformierter Hinduismus.

Das Ziebel- und Knoblauchverbot im Hinduismus ist allerdings ganz anders begründet als das Fleischverbot (oder das Wurzelverbot bei den Jains): Es geht nicht darum, daß hier die Rechte der Zwiebel- und Knoblauchpflanzen hochgehalten werden, sondern diese Pflanzen gelten als unrein, „anr"uchig“ und luststeigernd. Gewissermaßen als giftig für die Seele des Essenden.

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Natürlich sind Pflanzen auch Lebewesen. Aber wenn du noch nicht mal Pflanzen ißt, was ißt du dann? Wenn du verhungern würdest weil du sagst Pflanzen sind auch Lebewesen also darf ich sie nicht essen... ja dann stirbt ein Mensch. Und ich würde mal sagen wenn ein Mensch stirbt wäre das noch schlimmer als wenn du ein paar Früchte essen würdest, die eh zum essen da sind und von der Natur so konzipiert wurden. Viele Pflanzen sind darauf angewiesen das ihre Früchte von Menschen gegessen werden, weil das die Art und Weiße ist wie sie ihre Samen verbreiten. Wenn du sie nicht essen würdest könnten weder du NOCH sie leben.

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