„Im stürzenden Flugzeug gibt es keine Atheisten“

19 Antworten

Ich arbeite seit 1995 in der Altenpflege und habe hunderte von Menschen in ihrer Sterbephase begleitet. Und in der Tat, haben auch alle Atheisten in der Sterbephase zu irgendeiner Form des Glaubens gefunden.

Ich erinnere mich an einen alten Mann, der in einem Altenheim lebte, der nicht nur Atheist sondern Antitheist war. Wenn der Pastor auf den Wohnbereich kam, beschimpfte er diesen als Schmierenkomödianten.

Als dieser alte Mann im sterben lag, kam der Pastor und fragte, ob er ihn besuchen dürfe. Ich sagte, dass ich ihn fragen würde, ob er ihn sehen wolle. Dann ging ich in das Zimmer des Sterbenden und sagte: "Der Pastor ist gekommen. Möchten sie ihn sehen?"
Er konnte nicht mehr reden, aber er lächelte ganz selig und nickte mit dem Kopf.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Rapunzel324  20.06.2024, 11:29

Das kann man nicht verallgemeinern!

Auch in Altenheimen gilt die palliative Situation, falls eine Erkrankung kurativ nicht mehr therapierbar ist. Wenn alle palliativmedizinischen Maßnahmen nicht ausreichen, steht für die Finalphase eine tiefe, palliative Sedierung zur Verfügung. Der sterbende Patient spürt nichts mehr und schläft, ohne jegliche Symptomatik in den Tod hinein. Keine Kommunikation möglich!

Sehr viele Menschen haben Angst vor dem Tod, egal ob jung oder alt. In solchen Fällen wird sediert, überwiegend mit Tavor - Lorazepam, sublingual. Tavor verfügt über eine hohe Anxiolyse. Keine Kommunikation möglich, je nach Dosierung.

Fakt, egal ob in der Finalphase zu Hause, im Altenheim, Hospiz, im Krankenhaus oder auf einer Palliativstation! Bei bis zu 92 Prozent der Patienten kommt es zu einer Rasselatmung, da ein Abhusten nicht mehr möglich ist und das Sekret sich sammelt. Unter der Rasselatmung ist das Bewußtsein extrem vermindert, es kommt zur Bewußtlosigkeit. Keine Kommunikation möglich!

In diesem Thread geht es allerdings um Atheisten an Bord, eines abstürzenden Flugzeuges:

https://www.gutefrage.net/diskussion/im-stuerzenden-flugzeug-gibt-es-keine-atheisten#answer-550218976

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Vanaheim  20.06.2024, 11:45
@Rapunzel324

"Götter" - Abhängige lassen auch nichts unversucht, sind sich für nichts zu schade um ihre absurde "Religion"/Affinität zu solchen Phantasiefiguren als jedem Menschen zu eigen zu verkaufen.

Das widert mich an !

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PachamamaSquaw  21.06.2024, 11:09

Geschichten aus dem Paulanergarten.

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LUCKY1ONE  09.07.2024, 14:23

Gutes Beispiel für anekdotische Evidenz

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Ja, sehe ich genauso.

In unausweichlichen Situationen klammert sich doch jeder an den letzten noch so hypotetischen Strohhalm.


PachamamaSquaw  21.06.2024, 11:33
klammert sich doch jeder 

Nein!

Das ist ne dreiste Unterstellung❗️

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vanOoijen  21.06.2024, 11:41

Absolut nicht.

Siehe meine Antwort mit der Schilderung des Todes meines Vaters. Und der hatte sogar ein knappes Jahr Zeit sich zu überlegen wieder gläubig zu werden, wenn er denn je gläubig war.

CMML ist ein Todesurteil ohne Hoffnung im Vergleich zu CML, woanders wenigstens noch auf eine Knochenmarkspende hoffen kann. Es gibt nicht nur eine Art Leukämie.

Der blieb jedenfalls Atheist bis zu seinem letzten Atemzug. Auch im Angesicht des Todes.

Ich persönlich bin übrigens kein Atheist und halte die Einstellung meines Vaters für einen schweren Fehler - wie so Vieles.

Aber er war eben so.

Daher weiß ich, dass das möglich ist und Deine Antwort nicht auf alle Menschen zutrifft.

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Das ist übetrieben.

Eine Tatsache ist, dass wenn ein Flugzeug in eine verzweifelte Lage kommt, viele Nicht-Gläubige das Gebet entdecken.

Hachja.

Wo dieses entlarvende Scheinargument seinen Ursprung findet, wurde ja unten schon erklärt. Dieses Scheinargument wird gerne von indoktrinierten Menschen gebracht und zeigt in meinen Augen auch sehr gut auf, wie Indoktrination eigentlich funktioniert. Es geht natürlich einzig um Kontrolle, die durch Angst erreicht werden soll. Typisch für Religion. Es wird davon ausgegangen, dass Menschen durch Angst zu einem Glauben motiviert werden können, weil die Indoktrination selbst so bei den Gläubigen stattgefunden hat, vermutlich bereits in der Kindheit: Du glaubst nicht, dann kommst du in die Hölle, du tust dies und das (oder nicht) dann kommst du in die Hölle. Angst ist klar der motivierende Faktor. Traurig, dass diese Menschen das selbst nicht (mehr) realisieren können.

Warum das aber ein Scheinargument ist, wurde ja unten auch schon erklärt, anhand der Situation der Soldaten oder anderen Beispielen. Trotzdem möchte ich noch eine Geschichte aus meinem eigenen Leben hinzufügen, die das nochmal unterstreicht. 2013 erkrankte ich an einer Krankheit, die Stress Kardiomyopathie heißt, einer akut lebensbedrohlichen Herzerkrankung. Die Krankheit kann in der Akutphase zu schweren Herzrhythmusstörungen bis hin zu einem kardiogenen Schock führen. So war es dann auch bei mir. Nachdem ich mit Symptomen eines Herzinfarktes wach wurde, schleppte ich mich ins Krankenhaus. Auf dem Weg erlebte ich eine Sauerstoffmangel, bedingte neurologische Störungen namens Akinetopsie, die Unfähigkeit, Bewegungen wahrzunehmen. Menschen, Autos, Lichter teleportieren wie in einem langsamen Daumenkino an mir vorbei in bewegungslosen Bildern. An dem Punkt war es mir bewusst, dass ich das hier nicht überleben werde. Ich wusste nicht, was es war, aber mir war vollkommen klar, dass ich sterben werde.

In der Aula des Krankenhauses bin ich dann mit einem Herzstillstand zusammengebrochen. Ich habe nicht in einer Sekunde gebetet, nicht in einem Moment an die Existenz eines Gottes gedacht. Ich hatte Gedanken an schöne Momente, an Freunde, Personen die ich liebe, an gemeinsame Momente, an Familie und meine Tiere und dass ich hoffe, dass es allen gut gehen wird, wenn ich nicht mehr hier bin.

Der einzige Grund, warum ich das ohne dauerhafte Schäden überlebt habe, ist, weil es in einem Krankenhaus passiert ist. Ich konnte sofort reanimiert und medizinisch versorgt werden. Da war auch kein Gott involviert.

Also - Ich halte von der Aussage nicht viel. Ehrlich gesagt, gar nichts.

Das basiert auf dem Argument "There are no atheists in foxholes" (es gibt keine Atheisten im Schützengraben), das von einige Theisten vorgebracht wird.

Diese Theisten glauben, dass Atheisten bei genügend Angst und Verzweiflung auch an Götter zu glauben beginnen.

"There are no atheists in foxholes" is an aphorism used to suggest that times of extreme stress or fear can prompt belief in a higher power.[1] In the context of actual warfare, such a sudden change in belief has been called a foxhole conversion.

https://en.wikipedia.org/wiki/There_are_no_atheists_in_foxholes

Welchen Gott sollte ein Atheist so plötzlich hernehmen? Zeus, Shiva, Manitu?

Soll Angst die Grundlage für Götterglauben sein?

Hier atheistische Soldaten:

Bild zum Beitrag

 - (Angst, Religion, Islam)

Rolajamo  20.06.2024, 10:13

Ich glaube nicht, dass man in solchen Siutationen plötzlich anfängt zu "glauben" und einen bestimmten Gott anzubeten.

Aber ich glaube durchaus, dass man dann Gedanken hat wie "Bitte, ich will nicht sterben etc..."

Und an wen soll sich so eine Bitte wohl wenden? Es muss ja eine höhere Macht sein, die man anfleht.

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Mayahuel  20.06.2024, 10:17
@Rolajamo
Und an wen soll sich so eine Bitte wohl wenden?

1) Mantras funktionieren so. Und Mantras können problemlos atheistisch sein.

2) Das sind Redewendungen. So wie "Bitte, lass das jetzt nicht wahr sein." Oder glaubst du, dass ein Atheist bei "Himmel Herr Gott" wirklich an Gott denkt?

Es muss ja eine höhere Macht sein, die man anfleht.

Kann Karma sein. Oder Pantheismus. Ein persönlicher Gott ist nicht zwingend notwendig.

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Vanaheim  20.06.2024, 10:23
@Rolajamo

Nein, nicht jeder hat wie Du in Lebensgefahr das Bedürfnis irgendwas "anzuflehen". Zudem Du als Soldat im Kriegseinsatz keinerlei Zeit und Gedanken an "höhere Mächte" verschwendest.

Lies mal meinen Kommentar zu dieser Antwort.

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Sturmtaucher2  20.06.2024, 10:23
@Rolajamo
Und an wen soll sich so eine Bitte wohl wenden? Es muss ja eine höhere Macht sein, die man anfleht.

Das Schicksal, die Vorsehung, das Glück, meinetwegen auch magische Elfen, das Universum, Karma oder auch Superhelden.

Sind aber alles keine Götter, ich wäre noch immer Atheist.

Ich würde sogar eher sagen, Gläubige verlieren in einem abstürzenden Flugzeug ihren Glauben. Ich denke nicht dass da ein Theist grinsend sitzt und sich schonmal aufs Paradies freut - oder seelenruhig da sitzt, weil sein Gott ihn schon noch retten würde.

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Rolajamo  20.06.2024, 11:55
@Sturmtaucher2

Ich bin nicht gläubig.

Und ich erwarte auch nicht, dass Atheisten plötzlich zu einem Glauben bekehrt werden, wenn sie in so einer Situation sind.

Wie ich geschrieben habe gibts nicht "den einen Gott", den viele Religionen ja für sich beanspruchen.

Aber es wird sich an eine höhere Macht geklammert, auch wenns nur in diesem Moment ist.

meinetwegen auch magische Elfen

Das meine ich ja, magische Elfen könnte irgendwo auch Götter sein :D

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Vanaheim  20.06.2024, 10:19

👍👍👍👍👍

Ich bin so ein Atheist im Schützengraben. Erster Kriegseinsatz als Fallschirmjäger des 2°RÉP im Mai 1978 in Kolwezi, Kongo.

Deine Antwort unterschreiben ich aus persönlicher Erfahrung.

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Anastasia65  20.06.2024, 13:42

Mit Schützengraben ist wohl eher die "Hölle von Verdun" gemeint, und nicht so ein Foto-Termin.

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