Warum sind Themen wie zb. Nacktheit, Prostitution ziemlich oft tabus in der Gesellschaft?

14 Antworten

Ein Großteil des verkrampften Umgangs mit Nacktheit haben wir unserer Erziehung zu verdanken. Abhängig vom Elternhaus bekommen die Kinder mehr oder weniger Komplexe in Bezug auf den nackten Körper mit auf den Weg. Bei manchen geht das soweit, dass sie sich selbst vor dem eigenen Körper ekeln - gerade bei Frauen ist dies leider häufiger der Fall. Ich kenne einige Frauen, die ihre Vulva "hässlich" finden und beim besten Willen nicht vorstellen können, dass ein Mann dies völlig anders sieht... .

Der Umgang mit Sexualität ist häufig deswegen so verkrampft, weil wir Menschen uns in der Rolle des modernen, vernunftgesteuerten Wesens gefallen, welches über die Triebe erhaben ist. Statt zuzugeben, dass uns körperliche Reize angesprochen haben, behaupten wir, dass uns ein "guter Character" und die "inneren Werte" ja sooooo viel wichtiger seien. Daher schämen wir uns auch zuzugeben, dass wir einen Partner erregend oder "geil" finden und trauen uns oft nicht unsere sexuellen Bedürfnisse, Wünsche und Fantasien zur Sprache zu bringen, da wir uns nicht als "triebgesteuert" outen wollen.

Auch wenn wir uns von veralteten kirchlichen Lehren, die Sex nur zur Vermehrung der Gläubigen gut geheißen haben, längst verabschiedet haben und Verhütung sowie Vaterschaftstests uns unverbindlichen Sex ermöglichen, so haben doch immer noch ein Großteil der Menschen ein Problem damit dies auch auszuleben.

Sex ohne Liebe - zum Beispiel beim Paysex, einer Freundschaft Plus oder einem One-night-Stand - wird daher gerne verdammt und die Liebesbeziehung romantisch überhöht. Gesellschaftlich akzeptiert ist eigentlich nur die "Serielle Monogamie" - d.h. man darf zwar beliebig viele Partner haben - aber bitte schön nacheinander, wobei man dem jeweiligen Lebensabschnittsgefährten natürlich unbedingt treu sein muss... .

Leider haben auch innerhalb einer Beziehung viele Menschen ein Problem damit über Sex zu sprechen und verwenden stattdessen eine Menge Energie darauf den Anschein zu erwecken, dass man sich beim Partner wohl fühlt. So spielt so manche Frau ihrem Partner jahrelang vor, wie toll sie gekommen sei - während sie in Wirklichkeit noch nie einen Orgasmus hatte... SCHADE! Womöglich möchten beide es mal mit Analverkehr versuchen - aber keiner traut sich dies zur Sprache zu bringen, weil man fürchtet vom Partner für "pervers" gehalten zu werden usw.

Ist man selbst in der Elternrolle, so kann man Nacktheit als etwas natürliches und selbstverständliches vermitteln. Kinder verstehen die Grenzen dabei schon recht bald - z.B. dass man sich innerhalb der Familie nicht zu genieren braucht, Außenstehenden jedoch angezogen begegnen sollte.

Paaren, die ihr Sexualleben bereichern möchten, können dies mit Hilfe von guter Literatur tun. Den meisten fällt es leichter gemeinsam über eine Information in einem Buch zu sprechen, als über die eigenen Sexperimente ("Schau mal: Hier steht, dass nur ein kleiner Teil der Frauen alleine durch Penetration zum Orgasmus kommt - ist das bei Dir auch so?").

Im gut sortierten Buchhandel gibt es tolle Bücher darüber, wie man so richtig "nett aufeinander" ist... .

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Woher ich das weiß:Beruf – Lange Jahre Erfahrung als Sex-Coach und Fachbuch-Autor

Du hast völlig recht. Einen großen Anteil an der verklemmten Erziehung hat aus einer Sicht vor allem die religiöse christliche Erziehung, die verklemmte, mittelalterliche Moralvorstellungen vermittelt.

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@okieh56

Aus „meiner“ Sicht wollte ich schreiben.

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@okieh56

Schon wieder Mittelalter.

Die Protestanten waren es, die in der Reformationszeitendlich den unsäglichen Zustand beendeten, dass sogenannte "Frauenhäuser" nicht nur legal existierten, sondern auch noch von der Stadt betrieben wurden- und das in einem angeblich "christlichen" Kulturraum...

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@GegenWelt

Was willst du uns damit sagen?

In einem „angeblich christlichen Kulturraum“ gab es Sklaverei, Verfolgung und Ermordung von Juden, Verbrennung von angeblichen Hexen und Zauberern, Kriege „im Namen Gottes“...

Angesichts dessen ist es lächerlich, sogenannte „Frauenhäuser“ anzuprangern. Diese gab es zu allen Zeiten, denn wo ein Bedarf ist, gibt es auch ein Angebot.

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@GegenWelt

Das Verbot von Bordellen als "Sieg" zu feiern war damals schon genauso blauäugig wie die Forderungen nach Bordellverboten aus jüngerer Zeit!

Durch die Schließung von Bordellen beendet man nicht die Prostitution, sondern nimmt den Sexarbeiterinnen die Möglichkeit in einer sicheren und (zumindest heute) hygienisch einwandfreien Arbeitsstätte tätig zu sein und zwingt sie stattdessen in den Untergrund abzuwandern, sich auf der Straße anzubieten oder sich in den Räumen des Freiers diesem schutzlos auszuliefern.

DAS ist UNCHRISTLICH!

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

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@RFahren
DAS ist UNCHRISTLICH!

DU kennst dich ja aus...^^

 und zwingt sie stattdessen in den Untergrund abzuwandern, sich auf der Straße anzubieten oder sich in den Räumen des Freiers diesem schutzlos auszuliefern.

Mit den richtigen Gesetzen könnten die noch ganz woanders hinwandern....

Man muss nur radikal genug dagegen vorgehen, dann wird so etwas gegen Null gehen. In den USA wäre der Rechtsrahmen dafür schon gegeben, je nach Bundesstaat.

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@okieh56

Sicher ist nicht alles Gold, was glänzt. Und dieser christlich geprägte Kulturraum ist und war ja auch nicht nur von Christen besiedelt, sondern auch von Atheisten und "Fake-Christen" etc.

Angesichts dessen ist es lächerlich, sogenannte „Frauenhäuser“ anzuprangern. Diese gab es zu allen Zeiten, denn wo ein Bedarf ist, gibt es auch ein Angebot.

Ohne Gottlose hätte es weder Bedarf noch Angebot gegeben.

Wenigstens hat man nach der Reformation immerhin den damals ungebildeten und unbefangenen Gläubigen suggeriert, es wäre "ok", bzw. die Kirche und der Staat fänden es okay, wenn sie dort hingehen.

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@GegenWelt

Trotzdem gibt es auch in den USA Prostitution - nur leider halt unter zweifelhaften Bedingungen, wo die Prostituierten weder vor übergriffigen Freiern noch kriminellen Strukturen geschützt sind.

Es steht Dir ja frei Dich von Prostitution fernzuhalten - aber was andere Menschen freiwillig miteinander im Bett anstellen (ob mit oder ohne Bezahlung) geht Dich nichts an!

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

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@GegenWelt

Deine verklemmte Einstellung ist deine Sache.

Aber du solltest dir nicht anmaßen, über Menschen zu urteilen, die das anders sehen als du und sich nicht von überholten religiösen Moralvorstellungen einschränken lassen.

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@okieh56
Aber du solltest dir nicht anmaßen, über Menschen zu urteilen, die das anders sehen als du und sich nicht von überholten religiösen Moralvorstellungen einschränken lassen.

Ich urteile über jeden wie ich will, über mich wird ja auch geurteilt.

Wer sagt, dass unsere guten Moralvorstellungen überholt sind? Das fliegende Spaghettimonster?

Das ist schlichtweg deine Meinung, auf die du keine Allgemeingültigkeit erheben kannst. Außerdem sind wir historisch betrachtet fortschrittlich, Atheisten dagegen wollen zurück in Zustände spätrömischer Dekadenz.

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@RFahren
aber was andere Menschen freiwillig miteinander im Bett anstellen (ob mit oder ohne Bezahlung) geht Dich nichts an!

Mich geht alles was an!

Und von Freiwilligkeit kann man bei Prostitution sowieso kaum sprechen!

Trotzdem gibt es auch in den USA Prostitution

Weil darauf nicht die dortige Maximalstrafe steht^^

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@okieh56
Deine verklemmte Einstellung ist deine Sache.

Ist eigentlich für dich jeder verklemmt, der nicht hemmungslos ist wie ein Tier?!

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@GegenWelt
Mich geht alles was an!

Kleiner Anfall von Größenwahn, wie?! Wer glaubst Du, wer Du bist, dass DU anderen Menschen vorschreiben darfst, wie sie sich zu verhalten haben - vor allem mit der Maßgabe damit Deinen eingebildeten Chef glücklich zu machen?!

Religiöse Eiferer wie Du erinnern mich stets an Menschen, die gerade eine Diät machen und daher anderen verbieten möchten, bestimmte Dinge zu essen...

Weil darauf nicht die dortige Maximalstrafe steht^^

Was sollte das sein? Steinigung, wie in Deinem Lieblings-Märchenbuch empfohlen?!

Seid nett aufeinander, liebt mehr, glaubt weniger!

R. Fahren

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  • Nein, ich empfinde das REDEN über diese Themen nicht als Tabu. Sehr viele Menschen reden, lesen, schreiben und diskutieren über Nacktheit und Sexualität.
  • Viele Menschen empfinden aber die EIGENE Sexualität als Privatsphäre und reden daher eher neutral und distanziert über das Thema. Das finde ich nachvollziehbar und teils sogar empfehlenswert. Das Sprechen über die eigene Sexualität erfordert ein Vertrauensverhältnis.
  • Was in unserer Gesellschaft tabuisiert ist, sind Nacktheit und Sexualität in der Öffentlichkeit. Bei Nacktheit hängt es recht stark von der persönlichen Erziehung und Gewohnheiten in der Familie ab, bei Sexualität gilt es pauschal für unsere Gesellschaft.
  • Zum Warum kann man sagen, dass Sexualität zur Intimssphäre gehört und das Wissen anderer über unsere Sexualität zu einem gewissen Teil angreifbar und verletzbar macht. Man spricht ja auch über Themen wie die eigenen finanziellen Verhältnisse oder Familienstreitigkeiten nur wenig mit Außenstehenden.
  • Zweitens muss man aber natürlich klar sagen, dass all diese Dinge rein kulturell bedingt sind und durch Erziehung vermittelt und etabliert werden. Andere Kulturen halten das zum Teil anders.

"Zweitens muss man aber natürlich klar sagen, dass all diese Dinge rein kulturell bedingt sind und durch Erziehung vermittelt und etabliert werden. Andere Kulturen halten das zum Teil anders." Sollte man da nicht international was allgemeingültiges durchsetzen?

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@GegenWelt

Um Gottes Willen, nein! Warum sollte es nicht verschiedene Kulturen geben? Warum müssen Buschjäger die gleiche Einstellung zu Nacktheit haben wie arabische Muslime oder deutsche Ostseeurlauber? Da sehe ich keine Notwendigkeit. Im Gegenteil ist Pluralismus doch positiv und gut.

Lass uns mal viele Kulturen, Sprachen und Denkweisen erhalten. Wer sollte denn entscheiden, was die "gute" Art und Weise ist?

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@Kajjo

Wir im Westen haben den Auftrag, uns die ganze Welt zu unterwerfen. Unsere Kultur ist die beste.

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Hallo,

Das ist Kultur bedingt und das Alter spielt auch eine Rolle. Vor allem die Länder in den die Katholische und auch etwas die Christliche Religion eine Große Rolle Spielt. Sehr Karriere Orientierte Länder Reden auch nicht gerne darüber. Wegen gewisse Hemmungen Körperliche Nähe zuzulassen oder weil sie Schwangerschaft nicht gut heißen ... In Afrika sieht das anders aus... Oder in den Tropischen Naturvölker oder Menschen die gerne FKK-Strände besuchen. Die haben mit Sex oder Nackheit kein Problem...

Vor allem Die meisten Lieben nicht ihren Körper....Was dazu führt, dass man den Sex nicht genießen kann und dann ist die Folge davon auch gleichzeitig unerfüllte Partnerschaften...Ich denke Männer haben weniger Probleme darüber zu reden als Frauen...Frauen sind glaube ich empfindlicher, wegen den Schönheitsidealen etc...

Ich denke die Religion ist ein Grund warum viele das Tabuisieren. Aber auch die Nachrichten ( Missbrauchs Fälle, ungewollte Schwangerschaften usw). Und auch gewisse Glaubensätze: " Wenn eine Frau schnell mit dem Mann ist Bett hüpft ist sie Billig". Angst ist glaube ich der Größte Grund!

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Ich habe viele Bücher gelesen und viele Menschen befragt

" In Afrika sieht das anders aus.." Das Christentum ist in Afrika stark vertreten

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Ich finde, die Themen sind nicht wirkich ein Tabu und es wird eine Menge geredet, aber meinem Eindruck nach, ist die jüngere Generation verschämter und man sieht weniger Nackte als vor 20 Jahren.

Das sehe ich anders. Ich finde, obwohl ich dieses Wort SEX ungerne ausspreche, wird darüber oft gesprochen.

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