Wieso zahlen die Leute Kirchensteuer?

21 Antworten

Allgemeine Rechtsgrundlage: Bei einer Enteignung muss eine Entschädigung gezahlt werden.

Unter Napoleon wurden Kirchengüter enteignet. Diese Besitztümer hat sich die Kirche aber nie selbst angeeignet, sondern sie wurden mit dem Reichskirchensystem unter Otto dem Großen vom Kaiser gegeben.

Im sog. Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde dann festgelegt, dass als Ersatz für die Enteignung in Zukunft der Staat für Kosten der Kirche aufkommt, entweder durch eine Einmalzahlung oder durch laufende Zahlungen. Die Einmalzahlung wurde jedoch nie geleistet.

Also hat sich im Lauf der Zeit in Verträgen zwischen Staat (und den Ländern) und Kirche entwickelt, dass nicht die Kirche selbst, sondern der Staat für die Kirche Steuern einzieht, aber dies nur bei den Angehörigen der jeweiligen Konfession.

Wenn jemand dafür ist, die Kirchensteuer abzuschaffen, dann muss er wissen: Der Staat käme dann aus seiner Verpflichtung, für Kirchenkosten aufzukommen, immer noch nicht heraus, und dann würden über den allgemeinen Steuertopf alle mitbezahlen.

Woher ich das weiß:Recherche

Laut Wikipedia:

Die Kirchensteuer in Deutschland ist eine Steuer, die Religionsgemeinschaften von ihren Mitgliedern zur Finanzierung der Ausgaben der Gemeinschaft erheben. In der Bundesrepublik Deutschland wird die Kirchensteuer von den Finanzämtern der jeweiligen Länder eingezogen, die dafür eine Aufwandsentschädigung einbehalten.

Basis ist Artikel 140 Grundgesetz.

Die Gesetzgebung für die konkrete Umsetzung der Kirchensteuer liegt bei den einzelnen Bundesländern.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Das ist eine gute Frage....

Einerseits, weil die Leute das möchten oder aus Unkenntnis, dass sie austreten könnten...

Meiner Meinung nach sollen Staat und Kirche völlig getrennt sein, also auch keinerlei Kirchensteuer.... wer möchte kann Spenden, Mitglied werden wie bei jedem normalen Verein auch und seinen Beitrag zahlen. Warum der Staat dies übernimmt, entbehrt sich in sinem solch modernen und fortschrittlichen Staat jeder Logik.

Warum der Staat dies übernimmt, entbehrt sich in sinem solch modernen und fortschrittlichen Staat jeder Logik.

Der Staat ist bei vielen Aufgaben schlicht über fordert, der Bau des Berliner Flughafen Instandhaltung von Straßen, Schienen, Wasserwegen, etc.

Durch die Verlagerung von Aufgaben an die Kirchen befreit der Staat sich von Verpflichtungen.

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@WalterMatern
Durch die Verlagerung von Aufgaben an die Kirchen befreit der Staat sich von Verpflichtungen.

Der Staat sollte sich lieber mal von den Verpflichtungen der Kirche gegenüber befreien, und nicht mehr die Gehälter von X Kirchenangestellten und ihrem Gefolge zahlen, nicht mehr auf Millionen Steuereinnahmen verzichten, und die Sonderrechte der Kirchen abschaffen.

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@Deamonia

Der Staat profitiert von der Sozialarbeit der Kirchen !

Der Bauer schlachtet auch keine Kuh die Milch liefert.......

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@Horus737

Da hast du recht, und in einigen landlichen Regionen sind es grade Pfarrer, die dort die wichtige Arbeit für die Dorfgemeinschaft machen. Obwohl nicht gläubig helfe ich dennoch mal in der Kirche aus...

Aber: Als Staat kann man auch die Sozialarbeit gezielt fördern und dabei auch andere gemeinnützige Träger gleich behandeln.... ganz davon abgesehen, dass Leistungen wie Pflege, Besuchsdienste, Jugendheime etc... auch vom Staat entlohnt werden, Kirche oder nicht.

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@Horus737

Die Kirche gibt nur wenige Prozent ihrer Einnahmen für gute Zwecke aus, den Löwenanteil zahlt eh der Staat, dafür hat die Kirche aber zahlreiche Sonderprivilegien, die das doppelt und dreifach ausgleichen.

Wenn die Kuh kaum Milch gibt, dem Bauern aber die Haare vom Kopf frisst, wird sie sehr wohl geschlachtet.

Mal im Ernst, in der Heutigen Zeit DARF es einfach nicht mehr sein, das jemand entlassen wird, weil er homosexuell ist, unverheiratet mit seinem Partner zusammenlebt, oder ein uneheliches Kind hat!

Oder man stelle sich mal vor, ne Krankenversicherung würde einen Verein gründen, und jeder Angestellte müsste zahlendes Mitglied sein, unvorstellbar, warum dürfen die Kirchen das?

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@Deamonia

Jeder Arbeitgeber darf sich seine Mitarbeiter aussuchen. Die Kirche nicht ?

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@Horus737

Die Kirche auch, genau wie andere Arbeitgeber, ohne Sonderrechte.

Die Kirche durfte bisher Bewerber aufgrund ihrer Religion ablehnen, was kein anderer Arbeitgeber durfte. Erst ein Gerichtsurteil des EuGH und BAG zwang sie zum Einlenken.

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@DerSchokokeks64

nur teilweise ! Arbeiten die mit dem Glauben im Bereich der Kirchenverwaltung nichts zu tun haben, können auch von Atheisten gemacht werden...is doch klar..

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@Horus737

Das ist Stand heute. Vor 1 Jahr war das noch anders, da war der Glaube manchnal auch für die Krankenschwester etc... Kriterium. Bis zum genannten Gerichtsurteil ist die Kirche auch nicht freiwillig davon abgerückt.

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@Horus737

Ich von Seite der Kirche auch. Aber der Staat hätte da ohne Gerichtsurteil eingreifen müssen...

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@Horus737

Der Staat hat der Kirche aber Rechte eingeräumt, die nach Grundgesetz nicht möglich gewesen wären...

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@Horus737

Selbstverständlich, aber nur die Kirche darf dabei so sehr ins Private gehen, und ganz offen diskriminieren, was sie auch extrem genutzt hat.

Jeder andere Arbeitgeber würde verklagt werden, wenn er aus den selben Gründen wie die Kirche Leute entlassen würde.

Es gibt Lesbische Kita Leiterinnen, die ihre Beziehung verheimlichen müssen, weil sie sonst ihren Job los sind.

Bis letztes Jahr wurden teils sogar Putzfrauen entlassen, aus teils absurden Gründen, und der Konzern Kirche hat mit allen Mitteln versucht, daran festzuhalten.

Verschafft(e) der Kirche nämlich einen enormen wirtschaftlichen Vorteil: Sie hatte es viiiiel leichter unbequeme Mitarbeiter zu entlassen, schließlich reichte bereits eine uneheliche Beziehung dazu aus.

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@Horus737

Von wegen, das sind Fälle die teils vor Gericht gelandet sind, also von wegen Gerüchte!

Kündigung wegen neuem Partner:

Wenn die Kirche einem erneut verheirateten Mitarbeiter kündigt, kann das laut EuGH unrechtmäßig sein. Karlsruhe hatte das bisher anders gesehen.

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/urteil-zu-katholischem-chefarzt-eugh-kuendigung-durch-kirche-wegen-wiederheirat-kann-diskriminierung-sein/23052678.html

Weil die Leiterin eines katholischen Kindergartens in Rauschendorf ihren Mann verließ und mit einem neuen Partner zusammenzogen ist, hält der Pfarrer sie für nicht mehr tragbar. "Wo katholisch drauf steht, muss auch katholisch drin sein", schreibt der von Schiffers geleitete Kirchengemeindeverband in einer Stellungnahme.

Mit dieser kompromisslosen Position hat die Provinzgemeinde eine Debatte über den Einfluss der Kirchen auf ihre rund 1,3 Millionen Angestellten und auf die Gesellschaft insgesamt ausgelöst. Denn "Dienst ist Dienst, privat ist privat" - das gilt nicht für Angestellte kirchlicher Arbeitgeber.

https://www.spiegel.de/karriere/katholische-kirche-kuendigt-kindergaertnerin-kommune-kuendigt-kirche-a-823317.html

Kündigung wegen Homosexualität:

Ein katholischer Kindergarten des Bistums Essen hat eine Putzfrau entlassen, weil sie eine Lebenspartnerschaft eingegangen ist.

https://www.queer.de/detail.php?article_id=13152

Wenn es darum geht, ihre Sonderrechte durchzusetzen, müssen die Kirchen noch nicht einmal das Grundgesetz bemühen: Weil sie schon zu Zeiten bestanden, in denen die Bundesrepublik Deutschland noch nicht einmal angedacht war, hilft ihnen bereits die Weimarer Reichsverfassung: Die gesteht den Kirchen und Religionsgemeinschaften das Recht zu, frei von staatlicher Einflussnahme ihre Angelegenheit zu regeln – und zwar selbst dann, wenn die kirchlichen Vorstellungen nicht mit den Wertungen der staatlichen Gesetze übereinstimmen.

Für Verwaltungsangestellte, Kindergärtnerinnen und Sozialarbeiter in kirchlichen Diensten bedeutet dies konkret: Ihr Arbeitgeber darf von ihnen nicht nur verlangen, dass sie ihren beruflichen Pflichten sorgfältig nachkommen. Er kann auch darauf pochen, dass seine Mitarbeiter sich in jeder Lebenslage gemäß der christlichen Moral- und Sittenlehre verhalten. Tun sie das nicht, laufen sie Gefahr, ihren Job zu verlieren.

https://www.focus.de/finanzen/karriere/arbeitsrecht/tid-16756/arbeitgeber-kirche-was-recht-ist-bestimmt-die-kirche_aid_468470.html

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Gute Frage. Wahrscheinlich, weil sie getauft -und deshalb ein Teil der Kirchengemeinschaft sind. Dann wachsen sie so auf und später, wenn sie Berufstätig werden, halten sie sich an ein "Gesetz", welches nur für sie gilt, aber nicht gelten muss.

Diejenigen, die sich von dieser "religiösen" Masche veralbern lassen, zahlen noch drauf, weil sie Angst vor dem Teufel (den sie sich alle selbst erschaffen) haben oder einfach nicht schlecht vor den Angehörigen dastehen wollen.

Andere (wache) Menschen, kommen auf die Idee, ihr hart verdientes Geld nicht mehr aus dem Fenster zu schmeissen und treten aus der Kirche aus.

Und werden danach hoffentlich nicht vom Satan heimgesucht ^^

Die sogenannte "Kirchensteuer" ist eigentlich der "Mitgliedsbeitrag" von Christen an ihre Kirche. Er dient zur Bestreitung der Kosten welche die Gemeinschaft für die Unterhaltung der gesamten Organisation hat. Dazu gehören neben den Gehältern der Bediensteten die Unterhaltskosten von Gebäuden und Unterstützungen von bedürftigen Menschen und vieles mehr. Das ist grundsätzlich nicht zu beanstanden.

Anders als bei kleinen freien christlichen Gemeinden sind die Spenden der Gläubigen keine freiwillige und in ihrer Höhe selbst wählbaren Beiträge, sondern werden aufgrund alter Verträge bei den großen Kirchen vom Staat (den Finanzämtern) über einen vorbestimmten festen Prozentsatz von der Einkommensteuer eingezogen und abgeführt. Der Staat ist negativ ausgedrückt also der "Geldeintreiber" der Kirchen.

Das ist es was mich eigentlich am System stört. - Die Beiträge an christliche Gemeinschaften sollten nicht verpflichtend, sondern stets auf freiwilliger Basis erfolgen, wie dies auch in vielen anderen Ländern der Erde geschieht und funktioniert. - Siehe auch innerhalb Deutschlands bei allen "freien evangelischen Gemeinden"!

Siehe auch innerhalb Deutschlands bei allen "freien evangelischen Gemeinden"!

Das mag im Prinzip so sein.

Wieviele Krippen, Kita's, Kiga's, Schulen, Krankenhäuser, Altenheime, Sozialstationen, etc unterhalten die " freien evangelischen Gemeinden "?

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@WalterMatern
Wieviele Krippen, Kita's, Kiga's, Schulen, Krankenhäuser, Altenheime, Sozialstationen, etc unterhalten die " freien evangelischen Gemeinden "?

Das können sie aufgrund ihrer geringen Mitgliederzahlen und damit begrenzten finanziellen Mittel zumeist gar nicht. Dennoch spenden dort die Gläubigen zumeist mehr, als das gewöhnliche "Kirchensteuer-Mitglied" in den großen Kirchen monatlich berappt! 

Deine Frage war also nicht sonderlich intelligent!

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@bonamie

Wie stellt du dir dann vor das Zweidrittel aller Einrichtungen organisiert werden?

Circa ein Drittel aller Kindertagesstätten sind unter öffentlicher Trägerschaft. Das heißt, sie sind Einrichtungen der Stadt oder des Landkreises.
Auf der anderen Seite gibt es freie Träger. Circa zwei Drittel aller Einrichtungen sind unter freier Trägerschaft. Durch das Subsidiaritätsprinzip sollten zunächst einmal immer freie Träger für den Bau bzw. die Gründung einer Kita angefragt werden. Nur wenn sich niemand findet, der weitere Betreuungsplätze schaffen könnte, werden überhaupt öffentliche Einrichtungen geschaffen.

https://m.eltern.de/kleinkind/kinderbetreuung/kindergarten-typen.html

Das sind nur die Kitas keine Krippen, Kigas, Schulen, etc.

Welche Lösung schüttelst du dafür aus dem Ärmel?

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@WalterMatern

Ich denke, wir bewegen uns was die eigentliche Frage betrifft inzwischen auf einem "Nebengleis". Ich möchte darüber keine Diskussion eröffnen und verabschiede mich deshalb.

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