Wieso vollbringt Gott keine Wunder in der heutigen Zeit?

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27 Antworten

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Weil wir heute für fast alles logische und wissenschaftliche Erklärungen haben. Oder wenigstens Hypothesen. Zu Zeiten der biblischen Wunder war diese Haltung noch nicht so verbreitet, und etwas Unerklärliches wurde eher Gott zugeschrieben.

Passiert heute etwas Ungewöhnliches, Auffälliges, schreiben wir es der "selektiven Wahrnehmung" zu oder suchen so lange, bis wir wenigstens eine vage logische Erklärung dafür haben. Daher nehmen wir viel weniger als Wunder wahr.

Sollte man tatsächlich mal ein Wunder erleben, wird man es höchstwahrscheinlich als subjektive Einschätzung, Fantasie, selektive Wahrnehmung oder Zufall erklären, also nicht als Wunder definieren. 

Allerdings reden sehr viele Menschen von "ihrem Schutzengel". Diese Art "Wunder" - Autounfall, aber man ist unverletzt, Haus brennt ab - aber Ehepartner und Kinder waren zufällig nicht zu Hause  etc. - kommt tatsächlich immer wieder im kleinen oder großen vor, wird aber sehr, sehr selten mit Gott in Verbindung gebracht. Fast jeder kennt doch so eine Situation, in der eine kleine Änderung viel Unglück hätte bewirken können, man aber "Glück" hatte, dass die Situation doch gut ausging.

Wenn man Glück hatte, braucht man Gott nicht dafür danken. Wenn es nämlich einen gütigen Gott gäbe, brauchte man kein Glück (im Sinne von positvem Zufall)

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@Georg63

Wird nicht allgemein angenommen oder sogar von der Bibel impliziert, dass Gott den Menschen sehr viel Freiraum für Gutes und Böses - richtige und falsche - Entscheidungen gibt?

Innerhalb dieses Freiraum kann man doch auch Glück (oder Pech) haben. Man kann seine Tasse nahe an die Tischkante stellen und vielleicht bleibt sie stehen, vielleicht kippt einem der Kaffee über den Latz. Das wäre beides nicht Gottes Schuld, sondern die eigene oder eben Zufall, weil man die Tasse gerade dahingestellt hat. Meines "Wissens", oder nach dem, was ich (weniges) aus der Bibel mitbekommen habe, kann man Gott für die großen "Gefüge" des Lebens danken (man hat den richtigen Job, liebt seinen Partner bzw. hat den richtigen gefunden usw.) und eher dafür, dass er einem Kraft gibt, bestimmte Situationen zu überstehen, aber ihm keine Schuld geben am Unglück des Lebens.

Ja, das klingt unlogisch und ich selbst bin aus u.a. diesem Grund auch nicht wirklich gläubig im christlichen Sinne. Ich stelle mir das so vor wie ein psychologisches oder physikalisches Experiment: Jemand  (Gott) schafft einen Rahmen, in dem sich die Versuchspersonen oder -objekte (wir ;-)) frei bewegen können und verschiedene Handlungsmöglichkeiten haben. Den Rahman kann der Experimentator beeinflussen, die Handlungen der VP jedoch nicht oder wenig. Nach der Chaostheorie kann alles Mögliche unser Leben nachhaltig beeinflussen, und wir selbst wissen nicht, immer, was was beeinflusst hat. Vielleicht weiß das der "Experimentator". Der kann uns bspw. eine Rampe hinstellen, damit wir schneller ans Ziel kommen (wenn das unterhalb unseres Ausgangspunktes liegt), aber wenn wir die nicht nutzen, darf er nicht eingreifen. 

Wäre jedenfalls meine Interpretation dessen, was ich so im Gottesdienst mitbekommen habe. Bibellesen war nichts für mich, weil sich das in der Tat am Anfang nur langweilig, verwirrend und unlogisch anfühlte...

Andere Analogie: Man hat ein Haustier, für das man "Gott" ist: Man kann Futter, Freilauf, Partner, Tag und Nacht (Licht etc.) bestimmen. Man kann versuchen, das Haustier zu beschäftigen mit Spielzeug und ihm Futter hinstellen, in der Hoffnung , dass es das mag. Wenn das Haustier sich wohl fühlt, ist der Mensch verantwortlich. Wenn es aber einen Tumor entwickelt oder einen Unfall hat, den der Mensch nicht verhindern konnte, ist das keine Strafe des Halters an das Tier sondern einfach Schicksal. Dann kann man das Tier zum Tierarzt bringen, was es evtl. als Strafe ansieht (unangenehme Behandlung), aber wenn der TA nicht mehr viel machen kann und das Tier evtl. nach unangenehmer Behandlung (Spritzen, Kragen, Bewegungseinschränkung etc.) stirbt, dann hat nicht der Mensch entschieden, das Tier so zu bestrafen, sondern einfach keine andere Handhabe, kein Wissen und keine Möglichkeiten für ein besseres Ende gehabt. Oder für die Verhinderung der Ursachen.

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Hallo Resozial,

ich kann Deine Frage sehr gut verstehen! Auch ich würde gerne ein Wunder Gottes mit eigenen Augen sehen. Denkst Du jedoch nicht, dass, wenn das Gott als notwendig und nützlich ansehen würde, es nicht ganz bestimmt auch tun würde?

Beachte auch bitte, dass Gott in der Vergangenheit von Wundern nicht wahllos Gebrauch machte. Wenn er durch Menschen Wunder wirken ließ, hatten diese jeweils ihren ganz bestimmten Zweck. Als ein Beispiel von vielen möchte ich Moses anführen. Er wirkte eine ganze Anzahl sehr beeindruckender Wunder, die dem Zweck dienten, ihn als den von Gott bestimmten Führer des Volkes Israel kenntlich zu machen und sie sollten offenbaren, dass dieser Gottes Unterstützung hatte.

Oder denke an die vielen Wunder, die Jesus Christus vollbrachte. Sie sollten unmissverständlich zeigen, dass er der von Gott verheißene Messias war. Auch hinter der Fähigkeit mancher der ersten Christen, durch den Geist Gottes Wundertaten zu vollbringen, steckte ein tieferer Sinn; dadurch sollte bewiesen werden, dass nun nicht mehr die Juden in der Gunst Gottes standen, sondern Gott mit einem neuen Volk, der Christenversammlung, handelte.

All das, was durch frühere Wunder bezweckt werden sollte, ist erreicht worden. Um wirklich glauben zu können, brauchen wir keine Wunder mehr, denn wir haben heute ja das vollständige Wort Gottes. Sich damit intensiv und ernsthaft zu beschäftigen reichtvöllig aus, um all das zu glauben, was darin verheißen ist. Der Apostel Paulus schrieb einmal über den eigentlichen Wert des Wortes Gottes: " Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in [der] Gerechtigkeit,  damit der Mensch Gottes völlig tauglich sei, vollständig ausgerüstet für jedes gute Werk" (2. Timotheus 3:16,17).Man braucht also, um Gott dienen zu können, nicht noch zusätzlich Wunder. Durch die Bibel ist man, wie Paulus schreibt, "vollständig ausgerüstet".

Wenn es auch gegenwärtig keine Wunder mehr gibt, heißt das jedoch nicht, dass es sie nie mehr geben wird. Ganz im Gegenteil! Die größten Wunder kommen erst noch. Eines davon wird zweifellos die Auferstehung der Toten sein. Stell Dir vor: Menschen, die schon vor langer Zeit verstorben sind, werden von Gott neu erschaffen, mit einem neuen Körper, den wir jedoch wiedererkennen werden. Gott wird auch dafür sorgen, dass niemand je wieder krank oder sterben wird. Diese Wunder werden u.a. im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, wie folgt beschrieben:"Dann hörte ich eine laute Stimme vom Thron her sagen: „Siehe! Das Zelt Gottes ist bei den Menschen, und er wird bei ihnen weilen, und sie werden seine Völker sein. Und Gott selbst wird bei ihnen sein. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch wird Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz mehr sein. Die früheren Dinge sind vergangen" (Offenbarung 21:3,4).

In vielen Texten der Bibel ist von weiteren Wundern die Rede, die sich in der Zukunft abspielen werden. Um diese erleben zu können, ist eines erforderlich: Gott heute schon kennenzulernen, an ihn zu glauben, ihn aus ganzem Herzen heraus zu lieben und ihm zu dienen.

LG Philipp

Egal wie du Wunder definierst und was du glaubst:
In den letzten Jahrhunderten wird genauso von Wundern berichtet wie in biblischen Zeiten wie heute.
Manchmal hat sich halt die Form der Wunder etwas verändert.

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