Wie am besten die Bibel lesen?

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Fängst Du beim Alten Testament an oder beim Neuen Testament?

Ich schlage vor, dass Du das, was man wörtlich nehmen kann, einfach wörtlich nimmst. Da es ein Buch ist, das von gläubigen Menschen geschrieben wurde, glauben sie, dass es Gott gibt.

Beispiel: Wenn da steht "im Anfang schuf Gott Himmel und Erde", dann solltest Du (als Atheist) nicht gleich denken, "Gott gibt es nicht, also muss ich das anders interpretieren"! Du solltest also möglichst von dem Denken der Menschen, die es geschrieben haben, ausgehen, um zu verstehen, wie sie es meinten.

Desweiteren gibt es in der Bibel einige Prophetien. Oft ist es so, dass Menschen (Propheten) eine Vision oder einen Traum hatten und einfach beschreiben, was sie sahen. Dabei ist es gut, ein wenig die Symbole, die in der Bibel immer wieder auftauchen zu kennen oder kennenzulernen.

Ein Beispiel ist der Begriff "Sauerteig". Er kann an manchen Stellen wörtlich genommen werden, an anderen sollte er symbolisch verstanden werden.

Wenn also einfach beschrieben ist, dass die Israeliten Brot aus Sauerteig buken, so ist das wörtlich zu verstehen. Wird der Begriff in einer Prophetie, einem Traum oder einem Gleichnis verwendet, ist er (und vermutlich auch eine Reihe anderer Begriffe) symbolisch zu verstehen. Dann steht Sauerteig durchgängig für Sünde.

Ich fange beim AT an. Danke für deine Gedankenanstöße, das hat mir geholfen :)
Nur ist das AT ja kein Buch, dass durch ein paar Autoren, die in einem Gremium saßen, verfasst wurde. Es sind ja (soweit ich weiß, bitte korrigieren, falls ich falsch liegen sollte) Geschichten, die gesammelt und erst später zusammengefasst wurden. Die Sintflut z.B. wird ja schon im Gilgamesch-Epos erwähnt.

Da frage ich mich dann halt, ob man wirklich davon ausgehen kann, dass die Erzähler streng gläubig waren und bestimmte Aussagen nicht doch metaphorisch meinten. Verstehst du was ich meine? Es kann aber auch sein, dass ich mich zu wenig auskenne und meine Sicht vorne und hinten nicht stimmt, deswegen würde ich mich auf eine Antwort freuen :)

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@DagwoodBarry

Um mal ein konkretes Beispiel zu nennen. Wenn ich beispielsweise lese "Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.", dann könnte ich mir natürlich denken, dass Gott halt das Licht geschaffen hätte. Man könnte aber auch interpretieren, dass mit Licht z.B. Erkenntnis oder Wissen gemeint sein könnte. Es gibt doch bestimmt Religionsgemeinschaften, die solche Sachen eben auf eine andere Art und Weise interpretieren und nicht wortwörtlich nehmen, oder?
LG

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@DagwoodBarry
Um mal ein konkretes Beispiel zu nennen

dann guckst du zB auf bibelwissenschaft.de nach, was sie über Licht schreiben:

https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/licht-dunkelheit-at/ch/8d90440c4ce6190475a00f18e76245ed/

interpretieren und nicht wortwörtlich nehmen,

manche sagen zB, dass der Tag in der Genesis nicht ein gewöhnlicher Kalendertag ist.

in der Bibel wird aber ein Tag (Singular, nicht Plural) in Kombination mit einem Zahlwort, immer als gewöhnlicher Tag verwendet.

Was aber nicht bedeutet, dass man diesen Kalendertag auch zwingend als historisch sehen muss.

Es gibt mehr als eine Wahrheit. Und auf verschiedenen Ebenen.

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@DagwoodBarry

Du hast Recht, das AT (auch das NT) ist eine Sammlung von Schriften, die über einen recht großen Zeitraum entstanden sind.

Nur ist das AT ja kein Buch, dass durch ein paar Autoren, die in einem Gremium saßen, verfasst wurde.

Stimmt. Und das ist gut so, sonst läge der Vorwurf nahe, dass es einfach gezielt ausgedacht wäre. Dadurch, dass die Schriften in deutlich über tausend Jahren entstanden sind, halte ich diesen Gedanken für sehr viel unwahrscheinlicher.

Die Sintflut z.B. wird ja schon im Gilgamesch-Epos erwähnt.

Nicht nur dort. So ähnliche Geschichten gibt es in mehreren alten Kulturen. Dies lässt bei mir die Frage aufkommen, ob da nicht doch was dran ist :)

"Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.", dann könnte ich mir natürlich denken, dass Gott halt das Licht geschaffen hätte. Man könnte aber auch interpretieren, dass mit Licht z.B. Erkenntnis oder Wissen gemeint sein könnte.

Stimmt. Ich bin aber überzeugt, dass die Menschen damals tatsächlich an Gott oder Götter glaubten und dass sie überzeugt waren, dass die Welt erschaffen wurde. Daher meine ich auch nicht, dass sie "erschaffen" symbolisch meinten. In ihrer Vorstellung war das durchaus wörtlcih gemeint - unabhängig davon, was moderne Menschen anderer Kultur und anderen Glaubens davon halten.

Ich finde, beim Lesen der Bibel gibt es zwei wesentliche Schritte oder Fragen:

  1. Was will der Autor sagen?
  2. Was glaube ich bzw was bedeutet das für mich?

Mit Deiner Aussage:

Man könnte aber auch interpretieren, dass mit Licht z.B. Erkenntnis oder Wissen gemeint sein könnte.

liegst Du auch ganz gut - was eine wörtliche Interpretation nicht ausschließt.

Im Johannesevangelium wird das Thema "Licht" aufgegriffen und wird dort auch mit Erkenntnis (über Gott) interpretiert.

Ich finde, Du hast ein sehr interessantes Beispiel gewählt.

In Vers 1 steht tatsächlich das Verb "erschaffen". In Vers 3 steht es nicht, sondern es steht dort, Gott sprach... und es wurde.

Insbesondere werden Sonne, Mond und Sterne erst am vierten Tag (Vers 14 geschaffen). Für unser deutsches, heutiges Verständnis ist es eher schwierig oder ungewöhnlich, sich Licht ohne Sonne (oder entprechende natürliche Lichtquelle) vorzustellen. Daher wird in diesem Punkt sofort ein Widerspruch bzw ein Fehler gesehen und gefolgert, das könne nicht von Gott inspiriert oder die Wahrheit sein. Für die Menschen damals war es nicht unbedingt ein Widerspruch. Das wäre ihnen sicher aufgefallen.

Wenn man nun annimmt, es gibt keinen Gott, ist es klar, dass man darin einen Fehler sieht. Nimmt man aber an - oder rechnet zumindest mit der Möglichkeit - dass es Gott gibt, so ist dies kein Widerspruch. Es ist dann vielmehr eine Offenbarung: Aha, es kann also Licht ohne Sonne (o.ä) geben!
In der Bibel steht übrigens die Prophetie, dass es wieder eine Zeit geben wird, in der Gott selbst unser Licht (bzw. Lichtquelle) sein wird - wörtlich gemeint.

Jesus, der unter Christen als der Mensch gewordene Gott erkannt wird - sagte von sich selbst, dass er das Licht der Welt ist. Auch dies kann man wörtlich oder symbolisch verstehen - oder beides. Man kann verstehen, dass er der Welt das Licht (Erkenntnis über Gott) bringt. Man kann auch verstehen, dass er das Licht für die Welt ist, durch das man buchstäblich (später) sehen kann. Die beiden Interpretationen widersprechen sich nicht, sondern ergänzen einander.

Ich würde Dein Beispiel tatsächlich zunächst wörtlich verstehen: Gott sprach - und es wurde Licht.

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Dann steht Sauerteig durchgängig für Sünde

Nicht immer:

Lk 13: 20 Und wiederum sprach er: Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen?

21 Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und heimlich in drei Scheffel Mehl hineinmischte, bis das Ganze durchsäuert war.

Hier ist der Sauerteig nicht negativ gemeint.

Lg

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@SurvivalRingen
Hier ist der Sauerteig nicht negativ gemeint.

Ja, an dieser Stelle bin ich mir nicht ganz sicher.

Da das Gleichnis in der Reihe der Gleichnisse steht, die das Himmelreich beschreiben (Mt 13), denke ich, kann es sehr wohl negativ gesehen werden.

Dabei finde ich die positive Deutung sehr schön. Wenn ich aber konsequent bin, muss ich das wohl eher negativ sehen.

Warum?

Jedes (muss noch mal nachsehen, ob es wirklich bei jedem so ist) der Gleichnisse enthält etwas, das nicht gut ist.

  • Mt 13,3ff Das Gleichnis vom Sämann: Saat wird von Vögeln (Satans Handlanger) gefressen, kommt unter die Dornen etc. Nur was auf guten Boden (Menschen die offen sind für Jesus) kommt, geht auf.
  • Mt 13,24ff Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen: Unkraut ist vom Satan gesät. Weizen sind die gläubigen Christen, Unkraut sind die, die äußerlich wie Christen erscheinen, es aber nicht sind, sondern Irrlehre etc bringen.
  • Mt 13,31ff Das Gleichnis vom Senfkorn: Das Senfkorn ist die Saat Jesu, ist erst kleiner als alle anderen Gewächse des Gartens (Religionen), wird aber dann übernatürlich groß (Christentum ist größer als jede andere Religion), aber in seinen Zweigen nisten die Vögel (Handlanger Satans) mit Irrlehren etc.
  • Mt 13,33: Das Gleichnis vom Sauerteig: Eine Frau hat Sauerteig (symbolisch etwas schlechtes, sündiges), den sie heimlich(!) unter drei Scheffel Mehl (Weizenmehl, ungesäuert => Gläubige) mischt. Die Frau macht das heimlich, weil es schlecht ist! Wäre es gut, müsste sie es nicht heimlich machen.
  • Mt 13,44: Das Gleichnis vom Schatz im Acker: Hier sehe ich tatsächlich nichts negatives. Das Gleichnis beschreibt aber auch Gottes Aktion: Gott gab alles, was er hatte (seinen Sohn) und verkaufte es, damit er den Acker kaufen konnte.
  • Mt 13,45f: Das Gleichnis von der kostbaren Perle: Auch hier sehe ich nichts negatives, aber auch dieses Gleichnis beschreibt Gottes Aktion. Das Gleichnis vom Schatz im Acker bezieht sich mehr auf Israel und das Gleichnis von der kostbaren Perle bezieht sich mehr auf die Nationen (Perle kommt aus dem Meer, welches symbolisch für die sündige Welt steht).
  • Mt 13,47ff: Das Gleichnis vom Fischnetz: Hier haben wir wieder etwas negatives, denn da sind faule Fische, die aussortiert werden. Es bezieht sich auf die Endzeit.

So, nun habe ich nachgesehen: Alle Gleichnisse, die nicht nur Gottes Aktion enthalten, haben negative Aspekte. So auch das Gleichnis vom Sauerteig. (Bin mir jetzt sicher - im Gegensatz zu vorher, daher danke für die Anregung.)

LG

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Am besten macht man sich nicht schon vorher Gedanken darum, aus welchen Blickwinkel man die Bibel lesen sollte.

Das ist, mit Sicherheit der falsche Weg.

Es ist ebenso falsch, sich ein wunderschönes Landschaftsbild anzusehen mit dem Hintergrund, erfahren zu wollen, was der Maler damit zu Ausdruck bringen wollte.

Dem Interpretationsspielraum sind damit Tür und Tor geöffnet. Es ist dann sehr lustig zu hören was für Theorien dabei herauskommen.

Erinnerst du dich an das Musikstück "Hurz". Eine sehr schöne Demonstration.

Nein, die Bibel einfach als Bericht lesen. Ist der beste Weg, und mehrere Bibelübersetzungen dabei als Vergleich heranziehen.

Meist wird empfohlen, zuerst mit einem der 4 Evangelien anzufangen (z. B. mit dem Evangelium des Johannes) und danach den Römer- oder Epheserbrief zu lesen.

Hilfreich zum Textverständnis können gute Bibelkommentare sein, wie z. B. den MacDonald-Bibelkommentar, die Ryrie-Studienbibel, der Walvoord-Bibelkommentar oder die MacArthur-Studienbibel, die es hier kostenlos als PDF gibt: https://www.sermon-online.de/search.pl?lang=de&id=9146&title=&biblevers=&searchstring=&author=0&language=0&category=0&play=0&tm=2

Diese Übersetzung von Buber und Rosenzweig besitze ich auch. Man kann sie neben einer guten anderen Übersetzung wie der Schlachter2000 lesen und wird dann einen Gewinn daraus haben. Allerdings muss es einen nicht wundern, dass bei Buber manche Passagen ideologisch jüdisch - aber nicht dem Evangelium gemäß - übersetzt sind, denn er ist kein JesusGläubiger und auch kein messianischer Jude gewesen. Beispiel ist Psalm 2 - vor allem der letzte Vers 12:

„Küsst den Sohn, damit er nicht zornig wird und ihr nicht umkommt auf dem Weg; denn wie leicht kann sein Zorn entbrennen! Wohl allen, die sich bergen bei ihm!“

‭‭Psalmen‬ ‭2:12‬ ‭SCH2000‬‬ https://www.bible.com/157/psa.2.12.sch2000

„Jüdische Ideologie" hahaha was ist denn bei dir falsch. Pass auf, der Mossad beobachtet dich...

Buber hat so übersetzt, wie's dasteht. Daneben kann man durchaus „Küss den Sohn" übersetzen, was nicht Schlachter erfunden hat, sondern von den Rabbinern kommt (בר aramäisch für Sohn, aber eher untypisch im sonst hebräischen Text). Das Original lässt beides zu, darum ist es so wichtig, die Tradition und die Sprache zu kennen. Aber in der Welt des Christentums geht meistens nur das, was den Christen gefällt. Wenn jüdische Gelehrte sich für eine gewisse nicht falsche Übersetzung entscheiden, dann ist es natürlich deren „Ideologie" hahaha

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Du hast dir jüdische Übersetzungen besorgt und da du Atheist bist, empfehle ich dir, beginne mit den Psalmen, da kannst du am ehesten den Geist erfassen.

In Wirklichkeit kannst du mit dem "Alten Testament", den hebräischen Schriften, alleine nichts anfangen. Auf den ersten Seiten wird beschrieben, wie die Menschheit (das erste Menschenpaar als Ureltern) ihr gutes Verhältnis zu ihrem Schöpfer verlor und auf den letzten Seiten der Heiligen Schrift z.. B. Offenbarung 21, 22) wird beschrieben, wie das verlorene Paradies auf der Erde wieder hergestellt worden ist.

Thema der gesamten Bibel, so kann man sagen: wie ein roter Faden - "vom verlorenen zum wieder gewonnenen Paradies". Das Reich, die Herrschaft Gottes, wird alle Probleme der Menschheit von Grund auf und für immer lösen. Allerdings werden dann nur Menschen am Leben sein, die sich gerne und freiwillig der Herrschaft des Schöpfergottes JHWH (Jehova) unterordnen.

Jehova wird allen Schaden, den der Lügner, das rebellische Geistgeschöpf, Satan der Teufel in Eden angerichtet hat, wieder gut machen. Nur er hat die Macht und die Weisheit, Gerechtigkeit für alle zu gewährleisten.

Jehova, der geniale und allmächtige Schöpfer des gesamten Universums und Erschaffer allen Lebens, hat Satan nur eine gewisse Zeit (inzwischen sind es bisher Jahrtausende gewesen) eingeräumt, zu beweisen, daß er als Gott dieser Welt (2. Kor. 4:4) unabhängig vom Schöpfergott der Menschheit mehr Freiheit und Glück bringen kann. Er ist kläglich gescheitert und wird in Kürze seine Stellung als Gott dieser Welt verlieren. Jehova wird wieder die Herrschaft übernehmen und sein Reich, die Herrschaft des wahren Gottes, wird endgültig und unzerstörbar aufgerichtet werden.

Im übrigen wird ein flüchtiges Überlesen der Heiligen Schrift ohnehin nichts bringen. Die Wahrheit erschließt sich nur aufrichtigen Menschen, sie liegt nicht wohlfeil für Spötter und Gegner Jehovas auf der Straße.

In Offenbarung 1:1 heißt es zum Beispiel "eine Offenbarung von Jesus Christus, DIE GOTT IHM GAB um seinen SKLAVEN ZU ZEIGEN; WAS IN KÜRZE GESCHEHEN SOLL"

Eine demütige Bereitschaft zum Gehorsam muß vorhanden sein, sonst wird es nie Frieden geben auf der Erde. Der arrogante Satan und diejenigen, die sich von ihm und seinem Geist leiten lassen, kennen keine Demut.

Das ist ein sehr sinnvoller Hinweis

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