Welche gesellschaftlichen Nachteile hat ein Austritt aus der (katholischen) Kirche?

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Ich bin in einem katholischen Ort aufgewachsen und auch ausgetreten, sobald ich den Brief erhalten habe, der genau dazu da ist. Also nicht um aus zu treten, sondern um darüber zu informieren, dass man nun offiziell Mitglied ist, sofern man nicht Einspruch und austritt bekundet.

Im Ort selbst hatte das keine Folgen. Die Menschen sind so selbstverständlich katholisch, dass sie das auch von allen anderen annehmen. Gleichzeitig wundert es niemanden, wenn man als Junger Mensch nicht in die Kirche geht. Außerdem war das Pfarrheim gleichzeitig das Veranstaltungszentrum im Ort. Damit hatte man auch ohne Kirchenbesuch immer Kontakt zum Pfarrer, und die Welt war in Ordnung.

Man hat mich aber damals im Bekannten- und Verwandten-Kreis bereits gewarnt, dass ich es dann schwerer haben würde, wenn ich für Einrichtungen arbeiten möchte, die von der Kirche finanziert werden. ( Dass das oft nur ein Bruchteil ist, war nicht bekannt. ) Das hat mich nicht gestört, weil ich in solchen Einrichtungen nie arbeiten wollte.

Davon abgesehen, gilt Religionsfreiheit. Das ist ein Menschenrecht. Niemand sollte sich für oder gegen eine Religion entscheiden, weil er / sie gesellschaftlich dazu gezwungen wird. In solchen Fällen gilt es für den Erhalt der Freiheit zu kämpfen.

Also es wird garantiert kaum gesellschaftliche Nachteile für dich geben, außer du möchtest ein Stipendium von einem katholischen Träger^^.

Mal ehrlich, wenn du nicht sehr gläubisch bist, dann sehe ich ebenfalls keinen Grund Mitglied dort zu sein und satte Steuern zu zahlen. 

Du kannst auch ohne Religion standesamtlich heiraten. In der katholischen Kirche wird das natürlich dann eher nicht gehen. 

Ein Begräbnis ist natürlich sogar auf kirchlichen Friedhöfen möglich, du musst halt sehr wahrscheinlich auf einen Trauergottesdienst verzichten. Es gibt natürlich auch konfessionslose Trauerredner, wenn du das möchtest. 

Und nein, du wirst zu 99% keine beruflichen Nachteile haben. Wir leben in einer modernen Zeit! Kein Mensch interessiert sich auf der Arbeit für deine Konfession. 

Grüße


Liebe Kerstin!

Einer meiner Freunde ist aus der kath. Kirche vor etwa fünf Jahren ausgetreten. Gesellschaftliche Nachteile hat er deswegen keine. Geheiratet hat er standesamtlich.

Zum Thema Begräbnis kann ich aus eigener Erfahrung was sagen: Mein Großonkel war aus der Kirche schon vor rd. 40 Jahren ausgetreten & starb dieses Jahr mit über 80... der katholische Pfarrer hielt bei der Urnenbeisetzung im Familienkreis eine kurze Ansprache & betreute meine Familie, aber das kam echt nur aus reinem Goodwill zustande, was der Pfarrer auch mehrfach betonte! So hängt es extrem von der "Liberalität" eines Pfarrers ab, wie das laufen wird... aber auch hier gibt es IMMER eine Lösung. Zumal auch die katholische Kirche sich zusehends öffnet! 

Mein Großonkel war übrigens ein hier durchaus geachteter Mensch ---------> ich weiß aber nicht, ob es viele wussten, dass er aus der Kirche ausgetreten ist. Ich z.B. habe es erst erfahren, als ich die Beerdigungsgeschichte in die Hand genommen habe.

Allgemein noch ein Rat: Man muss ja damit nicht hausieren gehen, dass man aus der Kirche ausgetreten ist :)

Außerdem gibt es noch andere Arbeitgeber als solche, die in irgendeiner Weise mit der Kirche zu tun haben. Zur CDU muss ich sagen, dass das "Christliche" dort einen immer geringeren Stellenwert hat.. so wie die SPD schon lange nicht mehr "Sozial" ist.

Hallo,

meines Wissens nach, gibt es in Deutschland nur den Nachteil, dass Du in kirchlichen Einrichtungen keine Arbeitsstelle bekommst.

Das trifft auf Schulen, Kitas, Jugendhäuser und Altenheime zu. Wenn Du also nicht im sozialen Bereich arbeiten möchtest, dann ist dein Austritt kein Problem.

Zu Schulen gibt es ohnehin staatliche Schulen als Alternativen. Falls Du sozialpädagogisch arbeiten möchtest, so gränzt sich das Feld dann ein (reginalabhängig),es gibt aber auch Träger, bei denen die Konfession keine Rolle spielt...

Da du aber schreibst, dass Du es durchziehst, wenn du spätestens die Kirchensteuer zahlst, wirst du zu dem Zeitpunkt deinen beruflichen Werdegang und auch die Einstellungsmöglichkeiten bereits kennen.




In Österreich liegt der Anteil der Katholiken bei bei 59,9%, in Deutschland bei 29,5%, in der Schweiz bei 38%. Also bestimmende Mehrheiten sehen anders aus!

Für die meisten Branchen kann ich mir gut vorstellen, dass du Unverständnis erntest, wenn du dich als gläubig outest. Gesellschaftliche Nachteile würden mich wundern. 

Der ÖVP generell eine besondere Nähe zum Christentum vorzuwerfen halte ich für originell.

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