Was ist der Unterschied zwischen Kapitalismus und freier Marktwirtschaft?

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Der Unterschied liegt in den Definitionen und ist rein akademischer Natur. Allein der Begriff "Kapitalismus" hat eine Bandbreite der Definitionen, die von Inbegriff allen menschlichen Übels reichen bis hin zu einer rein ökonomisch-historischen Beschreibung. Im alltäglichen Gebrauch ist der Begriff "Kapitalismus" zur politischen Keule verkommen, die sogar von Leuten, die sich "links" bezeichnen sehr verschieden ausgefüllt sind von Ausbund moralisch-egoistischer Grundhaltung bis zu krypotmarxistischer Dogmatik. Kapitalismus gibt es in China, Saudi Arabien oder Brasilien und nirgendwo dort gibt es das, was wir hier unter "freie Marktwirtschaft" verstehen.

"Freie Marktwirtschaft" ist ursprünglich bei Adam Smith eine antifeudalistisch, bürgerlich-idealistische Theorie, die es in der Praxis nie gegeben hat. Zu Zeiten von Adam Smith steckte der Kapitalismus noch in den Kinderschuhen. Schon allein der Singular MARKT ist eine Verkürzung der Tatsache, dass es sich um ein sich gegenseitig beeinflussendes System von Märkten handelt mit produktspeziefisch unterschiedlichen Strukturen. Nachdem in fast allen als kapitalistisch bezeichneten Ländern die Staaten sehr dominante Rollen und Kontrollen übernommen haben, ist freie Marktwirtschaft fast überall auf wenige Verbrauchsgüter und Dienstleistungen beschränkt.

Insoweit ist der erfragte Unterschied eigentlich ein Unterschied zwischen Phantomen, politisch motivierten Pappkameraden, die jeder so herrichtet, je nachdem, welchen Gegner er erledigen will. In der Praxis nicht so differenzierter Definitionen spricht man in Ländern von Kapitalismus, in denen man freie Marktwirtschaft mit der Lupe suchen muss. Und nicht selten schreien die laut von "freier Marktwirtschaft", die faktisch die Henker der ursprünglichen Idee sind, die Großbanken und Globalplayer.

"Und nicht selten schreien die laut von "freier Marktwirtschaft", die
faktisch die Henker der ursprünglichen Idee sind, die Großbanken und Globalplayer."

Warum sind Großbanken und Globalplayer die Henker der freien Marktwirtschaft?

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@sophie1235

Freie Marktwirtschaft beruht auf sehr idealistischen Annahmen und nicht darauf, wie manche meinen, dass jeder schalten und walten kann wie er will. Freie Marktwirtschaft setzt Fairness voraus, vom Staat durchgesetzt, d.h. keine wirtschafliche asymmetrischen Machtverhältnisse, gleiche Information von allen usw.. Dagegen verstoßen Globalplayer, die ihre Wirtschaftsmacht ausspielen und sogar Staaten in die Knie zwingen können. Dagegen verstoßen Großbanken, die unredlich das einfache Bankgeschäft mit Hochrisikogeschäften mischen, was ihnen die Staaten verbieten müssten, wenn da nicht eine sehr unheilige Allianz bestünde. Weder die US-Großbanken noch die europäischen Schrottbanken sind marktwirtschaftlich nach 2009 (Finanzkrise) gemaßregelt worden. Statt dessen wurden die Steuerzahler herangezogen, die Banken zu retten. Das hat nichts mit Marktwirtschaft zu tun sondern ist der sanfte Weg in die staatliche Wirtschaftsverwaltung.

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Was ist der Unterschied zwischen einem Klempner und einem Installateur?

Beides bezeichnet eigentlich das gleiche. Bis zum Fall der Mauer wurde das im Westen betriebene Wirtschaftssystem entweder "Marktwirtschaft" oder "Kapitalismus" genannt, je nachdem wer sprach. Im Westen wurde es "Marktwirtschaft" genannt, im Osten "Kapitalismus", wobei letzteres als abwertendes Schimpfwort genutzt wurde und um zu Implizieren, dass das ganze eigentlich nur ein paar wohlgenährten Kapitalisten dient. Nach dem Fall der Mauer und ganz besonders nach der 2008er Krise hat sich dann der Begriff "Kapitalismus" durchgesetzt.

Ist ungefähr so, als würde man heute alle Psychotherapeuten als Seelenklempner betiteln.

Kapitalismus ist das bestreben nach mehr Macht, Reichtum, Einfluss, Anerkennung - quasi eine Form von Egoismus wenn man so will.

Freie Marktwirtschaft heißt das die Wirtschaft möglichst ohne staatliche Regulierung agieren kann. z.B. das ein Konzern 1000 Mitarbeiter entlässt und die Regierung das nicht pauschal "verbieten" kann. Die Wirtschaft steuert sich im idealfall selbst

Es gibt keinen Unterschied.

Freie Marktwirtschaft oder auch soziale Marktwirtschaft sind lediglich euphemistische Bezeichnungen, um den negativ konnotierten Begriff Kapitalismus zu vermeiden.

Unterschiede zwischen "freier" und "sozialer" Marktwirtschaft bestehen nicht dem Wesen nach, sondern nur in der Höhe der Investitionen für den Standortfaktor "Sozialer Frieden".

Eben. wer sich eine "soziale" Marktwirtschaft leisten kann, der kann es eben(meist durch Ausbeutung woanders).

Deswegen sind die Westpolitiker unter dem Tisch zur Zeit in heller Aufregung, denn wenn sie in naher Zukunft die Mittel verlieren um den sozialen Frieden zu kaufen könnte es unangenehm werden.

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Der Begriff Kapitalismus beschreibt bzw. thematisiert die sozialökonomische Grundstruktur der Gesellschaft. "Freie Marktwirtschaft" erfasst dabei begrifflich die konkrete Ausgestaltung des Wirtschaftssystems im Rahmen des Kapitalismus.

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