Kant ist ein Philosoph, der - quasi als Gottesersatz - auf die reine Vernunft baut. Für Kant ist der Mensch nicht nur ein vernunftbegabtes Wesen, sondern für ihn sind Emotionen Ausdruck einer niederen Natur.

Für Schiller ist da die Bruchkante. Für Schiller als Dichter, hat das Gemüt einen eigenen, den Menschen schöner machenden Wert. Die reine Vernunft ist strohtrocken und gibt keine Spannungen her, die in der Literatur dargestellt werden könnten. Vernunft hat in der Klassik in der Nachfolge der griechischen Klassik einen hohen Stellenwert, doch immer auch in der Auseinandersetzung mit den emotionalen Antrieben der handelnden Figuren. Du kannst alle Theaterstücke Schillers nehmen, immer ist die Auseinandersetzung mit emotionsbeladenen Werten Quelle der Spannung.

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Geschichte entwickelt sich nicht immer - wie z.B. Hegel und Marx meinten - geradlinig zum Höheren und Besseren. Das Wissen der Spätantike zur Zeit des Marc Aurel z.B. ist erst mit der Renaissance wieder langsam zurückgekehrt. Zu dessen Zeit existierten in römischen Städten nicht nur Badeanstalten und Kanalisation (typisch, dass wieder nur die Technik im Blick ist) sondern jede Stadt hatte mindestens eine öffentliche Stadtbibliothek. Es gab überall die Vertreter der philosophischen Schulen deren Angebote privaten Universitäten gleich kamen, was mit dem Christentum alles platt gemacht wurde.

Der Vater des Kirchenlehrers Origenes z.B. führte in Alexandria eine solche noch stoisch ausgerichtete Philosophenschule, die Origenes dann fortgeführt hat. Der wiederum lag im Clinch mit seinem Studienkamerad Plotin und dessen Neoplatonismus, einer heidnischen Philosophie, die im Kern die Hl. Dreifaltigkeit erfunden hat, was dann Augustinus ins Christliche übernahm. Origenes, der Gott, Sohn Jesus und Hl. Geist noch stoisch als Hierarchie interpretierte, fiel dann als Dreifaltigkeitsleugner in Ungnade.

Die herrschenden römischen Eliten bekamen dann aus vielen Gründen die germanische Völkerwanderung nicht in den Griff, was den religiösen Eliten besser gelang. Wenn man dann die Bauten der Kaiser des röm. Reiches deutscher Nation mit denen in Konstantinopel vergleicht, war der Unterschied gewaltig. Jemand wie Theophanou, die byzantinische Gemalin Otto II. die das zu überwinden suchte, hat das rauhe Klima samt niederer Kultur nicht länger als 31 Jahre überlebt.

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Es gibt nicht DEN NIHILISMUS. Die Kyniker der Antike und die sokratisch ausgerichteten Schüler der Akademie waren auch schon "nihilistisch". So neu ist das nicht und wurde auch nicht von Nietzsche erfunden. Der hat eher über die Figur des "tollen Menschen" den religiösen Funktionären vorgeworfen, dass sie Gott und die in ihm begründeten Werte verraten und die Menschen in einen wertelosen Nihilismus treiben. Interessant diese Erzählung des "tollen Menschen", die sehr stark angelehnt ist an die Erzählung über Diogenes von Sinope (Kyniker), der am hellichten Tag mit einer brennenden Lampe auf den Markt von Athen gerannt ist und gerufen hat, ich suche einen Menschen.

Selbstzweifel und Zweifel, worin die lebensleitenden Werte begründet sein können, hat viele Philosophen umgetrieben, z.B. auch Augustinus, Descartes, David Hume, Schopenhauer usw.. Was Nietzsche vor allem kritisiert hat war, dass die christliche Moral lebensfeindlich ausgerichtet ist. Dagegen war er der Meinung, dass die Moral der antiken Religionen und Philosophien lebensstützend und lebensaufbauend waren, da vor allem der Epikureismus, der ihm aber dann nicht radikal genug war. Dennoch - wenn man Epikur kennt - entdeckt man viele Vorstellungen Nietzsches, die dem Epikureismus entlehnt sind, so z.B. seine Sprachkritik.

Die gesamten antiken Philosophien, so unterschiedlich sie waren, waren im Kern immer eine Lebensphilosophie, wie sie erst in der Neuzeit wieder aufgegriffen wird (Foucault, Expressionisten, Wilhelm Schmid, Schule der praktischen Philosophie). Sie suchten Wege, das aktuelle Leben sinnvoll selbst zu gestalten. Das Christentum hat dann über ein Jahrtausend die Menschen mit falschen Hoffnungen auf ein (erfundenes) jenseitiges Leben in die Irre geführt und abgelenkt davon, das diesseitige, aktuelle Leben zu gestalten. Das vor allem wollte Nietzsche überwinden, weil es im Kern auch die Quelle von Lüge und Heuchelei war.

Erst mit der Überwindung der religiösen Dogmatik, der Befreiung von Philosophie und Wissenschaft aus den Fesseln der Theologie, sind die Erkenntnisgewinne und Erfindungen zur Lebenserleichterungen der fortschrittlichen Antike wieder aufgegriffen worden. Das begann in der Renaissance (u.a. mit der Entdeckung Epikurs) und führte dann vor allem über die Aufklärung (viele Epikureer) in die Neuzeit. Nietzsche war auf diesem Weg ein wichtiger Denker. Doch die christlich-kirchlichen Fesseln sind noch lange nicht endgültig abgestreift.

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Colberts Wirtschaftstheorie und -politik entsprach den Machtverhältnissen des Feudalismus, speziell des franz. Absolutismus. Alle Macht und Reichtum der Ländereien war dem Adel von Gott gegeben und nur daraus floss der gesamte Wirtschaftsreichtum eines Landes. Vermehren konnte der König dies, indem er heimische Produkte möglichst teuer im Ausland verkaufte, um z.B. in Spanien oder England Gold abzuschöpfen, was die aus den Kolonien holten. Diese Sicht der Welt wurde in der Aufklärung radikal in Frage gestellt und als einer der ersten, der die Wertschöpfung durch Arbeit in den Blick rückte, war Adam Smith, der als erster Klassiker der Volkswirtschaftslehre gilt.

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Buddha soll um 500 v.Chr. gelebt haben, eine Zeit, in der in Griechenland z.B. Heraklit und Parmenides lebten und evtl. Pythagoras. Nach unseren heutigen Maßstäbe ist diese Überlieferung genauso unsicher wie die, dass Jesus gelebt hat oder Heraklit oder Sokrates. Relativ sicher und auch so überliefert ist, dass sich Buddha selbst nicht als Gott im monotheistischen Sinn aufgefasst hat. Zu seiner Zeit gab es auch in Europa nur in Israel und teilweise in Ägypten monotheistische Überzeugungen. Auch in Europa herrschte 500 v.Chr. weitestgehend ein Polytheismus. Das wurde in Griechenland zur Zeit des Buddha auch von Xenophanes von Kolophon in Frage gestellt, wie auch Buddha die Welterklärungen über die unterschiedlichen Göttervorstellungen in seinem Nordindien in Frage gestellt hat. Ähnlich wie später Epikur erkennt der Buddhismus kein dominant göttliches Wirken, wohl aber die Anerkennung, dass viele Menschen personifizierte Göttlichkeitsvorstellungen brauchen, um sich an Vorbildern und Regelgebern festhalten zu können. Darum haben die Buddhisten klugerweise die Verehrung vielfältiger Volksgottheiten in ihrem Einflussbereich nie verboten.

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Wenn Du Dich etwas mit Geschichte und Religionsgeschichte beschäftigst, wirst Du feststellen, dass im Altertum alle Völker davon überzeugt waren, dass IHR Gott sie auserwählt habe. Das Christentum steht in der Tradition des jüdischen Glaubens und Gottes, erhebt aber den Anspruch, dass mit Jesus und seiner Auferstehung diese besondere Zuwendung Gottes auf die Christen übergegangen sei. Die Juden sind demnach das verstoßene Volk, eine Grundlage für die Judenverfolgungen im Mittelalter.

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Von den drei Begriffen ist "Selbstdenken" noch das einfachste, sich fast selbst erklärende Wort. Dabei haben philosophisch informierte die Worte von Immanuel Kant im Ohr, dass zum "Selbstdenken" Mut gehört, vor allem, wenn es nicht im Trend mitläuft. Für Kant gehört zum "Selbstdenken" auch der Mut, dazu zu stehen und mit Selbstdisziplin und Verantwortung die Konsequenzen daraus zu ziehen. Darum ist für ihn "Selbstdenken" das Gegenstück zum Mitläufertum aus Bequemlichkeit.

Der Begriff "Kritik" wird heute eher als negative Bewertung, Beanstandung, Bemängelung verstanden. Auch noch zu Kants Zeit bedeutete Kritik, eine Gegebenheit oder Idee einer Prüfung zu unterziehen, unabhängig ob dann das Ergebnis positiv oder negativ ausfällt. Noch in den Kritiken zu Kunst, Theater oder Dichtung wird eher eine begründete Stellungnahme und Wertung erwartet, die nicht unbedingt negativ sein muss. Kritik hat etwas mit "selbst" zu tun, indem man das zu kritisierende Kunstwerk selbst gesehen, gelesen oder gehört hat, um dann eine eigene Wertung dazu abzugeben. Kritik setzt zum "Selbstdenken" auch die Selbsterfahrung voraus, also keine bloße Weitergabe fremder Urteile.

Das Schwierigste ist der Begriff Vernunft, weil da die Definitionen auseinander gehen, auch in der Aufklärung. Das Licht der Vernunft hat so z.B. für Kant etwas Abgehobenes, etwas quasi Göttliches, etwas menschliches Denken Übersteigendes. Hier kippt Kant vom Empiristen zum Idealisten. Ganz anders ist es bei David Hume, der fest auf dem Boden der Empirie steht. Da ist alles Wissen ein Ergebnis von Erfahrung, aber eine Erfahrung, die das Wissen und die Erfahrungsmöglichkeit eines einzelnen Individuums übersteigt. Vernunft ist die nutzbare Erfahrung einer ganzen Kultur, der gemeinsame Erfahrungspool einer Zeit. Der ist aber nicht sakrosankt, denn was hat nicht schon in früheren Zeiten als "vernünftig" gegolten, was in neuerem Licht als überholt abgelehnt wird.

Wir denken auch beim "Selbstdenken" nicht ausschließlich aus uns heraus. Die Sprache, die tradierten Werte usw. wurden uns ja vermittelt und sind teil der je aktuellen Vernunft. Zu einer kritischen Wertung selbst zu denken braucht manchmal Mut, sollte aber nicht egozentrisch sein sondern das Wissen der Zeit einbeziehen, dann ist eine Kritik für andere wertvoll, für manche evtl. auch unbequem.

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In beiden Begriffen geht es um die Kombinationsmöglichkeiten von Produktionsfaktoren.

Beim Isogewinn geht es um alle Kombinationen von Produktionsfaktoren, die einen gleichen Gewinn erzielen.

Bei Isoquanten geht es um alle Kombinationen von Produktionsfaktoren, die einen gleichen Mengenoutput erzielen. Das ist größtenteils eine andere Kurve von Faktorkombinationen als beim Isogewinn.

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Man muss zwei Dinge unterscheiden: Einmal die Praxis und zum anderen die Theorien. "Freie Marktwirtschaft" oder "Soziale Marktwirtschaft" sind wissenschaftliche Konzepte, Ideenkomplexe der "reinen Art", von jeder Praxis unbeleckt und in der Absicht, etwas Licht in die zerfahrene Praxis zu bringen. Unsere Wirtschaften sind im Fluss befindliche Prozesse ohne saubere Abgrenzung. Diese versucht Wissenschaft zu durchleuchten, Haupttriebkräfte und Nebenwirkungen herauszuarbeiten als Orientierung und Anleitung zu geeignetem politischem Handeln. Soweit die wissenschaftlichen Erkenntnisse prozessrelevant sind, kann ein gewisses Maß an Steuerung des wilden Prozesses erfolgen. Meist aber werden die guten Absichten von der Komplexität der Prozesse überrollt.

Bewegt sich die Realität der Prozesse von den Idealen der Theorien weg, wird eine neue Bestandsaufnahme fällig. Nach Gründen für die Abweichungen wird gesucht und eine korrigierte Theorie vorgelegt. Die Theorie der "Sozialen Marktwirtschaft" ist eine Korrektur der Vorstellungen von einer "Freien Marktwirtschaft", die in der Praxis längst nicht mehr die erwarteten Ergebnisse lieferte. Es werden neue Ziele gesetzt, dem Staat eine neue Rolle zugewiesen, neue Instrumente der Beeinflussung und Lenkung der Wirtschaft empfohlen. Insgesamt aber herrscht in der Vorstellungswelt der "Sozialen Marktwirtschaft" noch die Dominanz abgegrenzter Volkswirtschaften vor. Das ist seit der Globalisierung längst überholt und auf Volkswirtschaften bezogene Politikvorschläge verlieren an Wirkungskraft. Nach neuen Theorien und wirtschaftspolitischem Handeln wird gesucht.

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Da sind zwei fundamentale Missverständnisse:

Adam Smith ist zuerst einmal ein Moralphilosoph der Aufklärung und Freund von David Hume, Philosoph der engl. Aufklärung. Sein Buch "Wealth of Nations" heißt "Wohlstand der Nationen" und nicht "Wohlstand der besten Egoisten". Es ist 1776 erschienen und war als allererstes eine aufklärerische Kampfschrift der Bürger gegen die Streitschriften der Merkantilisten, der Wirtschaftsexperten der Feudalherren und Kirche, die erklären wollten, dass das willkürliche wirtschaftliche Schalten und Walten der Feudalherren die beste Wirtschaft sei. Zu dieser Zeit steckte der Kapitalismus noch in den Kinderschuhen. Die Aufklärung hat die Wissenschaft erst von den Zwängen des Feudalismus und der kirchlichen Dogmen befreit, als dessen Resultat dann Stück für Stück in Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse die Industrialisierung begann.

Es geht in "Wohlstand der Nationen" um den Nachweis, dass frei handelnde Käufer, Verkäufer und Produzenten für die Nationen einen größeren Wohlstand bringen als die willkürlichen Vorschriften und Maßnahmen des Feudalismus. Es geht also nicht nur um freies Verkaufen sondern generell um freien Warenverkehr, als auch um nicht reglementiertes Kaufen und nicht von Feudalherren willkürlich festgesetzte Güterverteilung nach dem Motto: Das Schloss für mich und für den Rest die ärmliche Hütte.

Es geht erst recht nicht darum, dass kein Staat einschreitet. Es geht darum, dass die willkürliche Herrschaft der Feudalherren durch eine gewählte, demokratische Regierung ersetzt wird. Diese demokratische Regierung freier Bürger muss natürlich dafür sorgen, dass für alle faire Bedingungen des Warenhandels eingehalten werden. Schon bei Smith wird in private und öffentliche Güter unterschieden. Märkte sind bei Smith NUR für die PRIVATEN Güter zuständig. Öffentliche Güter sollen in demokratischen Prozessen entschieden werden. Es geht bei Smith immer um die beste Form, wie private und öffentliche Interessen zum Wohl aller austariert werden können. Es geht bei Smith weder darum, wie nur private Interessen durchgesetzt werden können noch nur allgemeine Interessen.

Richter und Exekutive dieses Interessenausgleichs soll ein demokratisch gewählter Staat der freien Bürger sein. Natürlich wusste der Moralphilosoph Smith sehr wohl, dass Menschen keine Heiligen sind und dass es einer Regulierung bedarf, dass für alle ein fairer Handel möglich wird. Anders als ihm unterstellt wird, hat Smith mit "Wohlstand der Nationen" nicht in Aussicht gestellt, dass die Welt damit von allen Übeln und Schwächen erlöst wird. Er hat gezeigt, dass die Freiheit des Handelns für freie Menschen in einer fair regulierten Gesellschaft weitaus besser ist als die willkürlichen Reglementierungen der Feudalherren. Von Sozialisten wird Smith deswegen angegriffen, weil die spüren, dass auch ihre Wirtschaftsvorstellungen auf eine reglementierte Wirtschaft hinauslaufen, diktierte Massendisziplin statt Eigenverantwortung.

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Leben als Prozess ist keine Einbahnstraße und kein monokausaler Trip. Wie sagte schon ca. 500 v.Chr. der Philosoph Heraklit: Wir steigen nicht als dieselben aus dem Fluss. Nicht nur der Fluss fließt und verändert sich, wenn wir hineingestiegen sind. Auch wir sind, wenn wir dem Fluss entsteigen würden, Veränderte. Wir gestalten nicht nur auf Grund von Erfahrungen, d.h. sind einseitig aktiv, sondern wir werden selbst von Erfahrungen gestaltet, reagieren darauf und agieren nicht mehr als dieselben wie vor der Erfahrung.

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Epikur hat wie alle antiken Philosophen in einer ganz anderen Zeit gelebt wie wir heute. Das Leben war unendlich beschwerlicher, risikoreicher, in der Regel viel kürzer (Durchschnittsalter 35) und man war in ganz anderem Maße selbst für ein gelingendes Leben verantwortlich. Relative Sicherheit gab es nur hinter den Mauern der Polis. Erst recht für Frauen und Kinder. Es gab keine künstliche Beleuchtung. Wenn es dunkel wurde, gab es Funzellicht. Das nur als Andeutung, wie bereits die Umfeldbedingungen ganz andere Maßstäbe setzen, was heute gern übersehen wird. Glück haben, keinem Räuber oder Gewalttäter zum Opfer zu fallen war damals existentieller. Mit Lebensmitteln kenntnisreich und sicher umzugehen war eine Tugend der Hausverwaltung. Alles war viel verderblicher.

Glück war damals, ein glückendes Leben führen können. Sich selbst ein Umfeld von Familie und Freunden aufzubauen, in dem man Halt hatte, auch wenn man angegriffen wurde. Wie man ein glückendes Leben erreichen konnte, war noch zu Senecas Zeiten die Frage. Dass politische Abentheuer eine Rutschbahn ins Unglück sein konnten, wie Epikur gewarnt hat, hat Seneca erst erfahren, als ihm Nero mit Leibgardisten den Befehl zur Selbsttötung geschickt hat. Für Epikur konnte man von einem glückenden Leben sprechen, wenn man sich in den Wechselfällen des Lebens mit seinen ständig neuen Herausforderungen möglichst viel Authentizität, persönliche Freiheit bewahren konnte und die Fähigkeit, Lebensprobleme zu lösen.

Über die Erfahrung, dass man das gut im Griff hat, stellte sich dann ein wichtiges Ziel ein, die Gelassenheit. Gelassen kann man nur sein mit der Erfahrung, dass man die Wechselfälle des Lebens im Griff hat und alle Grundbedürfnisse auf absehbare Zeit als gesichert gelten können. Dazu gehörte für Epikur auch ein stabiler Freundeskreis, in dem die Lebensprobleme und ihre Lösungen reflektiert wurden. Für Epikur gab es zwei Gefahrenquellen, die ein solches Leben bedrohten. Einmal die übertriebene, künstliche Angst, von Priestern und Politiker verbreitet, um sich die Menschen mittels Angst wie Marionetten dienstbar machen zu können. Das wird in der Literatur vielfach ausgeführt. Weniger ausgeführt wird die zweite Quelle: Die Sucht, sich eine dauerhafte Sicherheit zu schaffen durch Reichtum, durch Macht, auch politische Macht. Das führt zur Abhängigkeit der anderen Art, die wir heute als Gier oder Sucht kennen, als Verdrängung.

Darum ist es der größte Blödsinn, wenn man die höchste Lust als Glücksziel von Epikur ausgibt. Wenn Epikur sagt, wenn man Menschen glücklicher machen will, soll man ihnen einige ihrer übertriebenen Wünsche kürzen, wird deutlich, dass er eher in der Bescheidenheit, in der Selbstbeherrschung die Grundlagen eines gelingenden Lebens sah und nicht in sinnloser Prasserei. Sehr schön beschreibt das Prof. Michael Erler, ein Epikur-Kenner:

http://www.zeit.de/1999/27/Leben_wie_ein_Gott_auf_Erden

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Das Ziel des Epikureismus, der kein Hedonismus war, war die Gelassenheit und die möglichst große persönliche Autarkie. Selbstgenügsamkeit war ein Mittel auf dem Weg. Anders als bei der Stoa war Selbstgenügsamkeit bei den Epikureern kein Selbstzweck. Das hat sich in der späteren römischen Stoa auch gelockert. Selbstgenügsamkeit bedeutete, dass man seine Wünsche im Griff hat und nicht von ihnen getrieben wird. Es ist ein Mittel der Selbstkontrolle. Für die Epikureer war ein selbstbestimmtes Leben von zwei Seiten gefährdet: Von vielfältigen unnatürlichen Ängsten, die uns zu Marionetten der Ansterzeuger wie Politiker oder Klerus machen und auf der anderen Seite von Gier und Sucht, wenn man im Streben nach Lust keine Grenzen findet. Dazu zählte auch die Machtgier.

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Da sieht man, dass die Beliebigkeitsideologie der sog. Postmoderne weder modern und schon gar nicht "post" ist. Wie es aussieht hat Friedrich von Logau in voller Distanz das Desaster des 30jährigen Krieges erlebt, das Chaos und die Explosionskraft dogmatisch verfahrener Ideologien (katholisch, lutherisch und abgespaltene Heilsideologien im Missbrauch der Macht) und die orientierungslose Zeit danach. Daran gemessen sind wir in Deutschland mit der Selbstzerstörung noch nicht durch. Keine positive, pragmatisch-ausgerichtete Weltorientierung und alles mit aufgeblasenen Begriffen kaputtreden birgt auch kein Heil. Das bietet nur Masken für die Machthungrigen, die sich hinter den schwammigen Begriffen der Beliebigkeit verstecken und einfache Geister hinters Licht führen können.

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Zur den vier Schuldbegriffen von Jaspers:

https://www.zum.de/Faecher/G/BW/abbl/nationalsozialismus/jaspers.htm

Für meine Begriffe ist diese metaphysische Schuld des Karl Jaspers das Theodizee-Problem heruntergebrochen auf uns Menschen und genauso unlösbar, schon allein, weil wir nicht allwissend, nicht allmächtig sind und aus Unwissenheit auch nicht All-überall-gut sein können.

Schuld zuzuweisen ist nach den zunehmenden Erkenntnissen der Humanwissenschaften immer schwieriger. Da hat man sich früher leichter getan - was vielen Unschuldigen zum Verhängnis wurde. Wie schlimm, wenn das gut gemeinte aus Unfähigkeit und Selbstüberschätzung schlecht gemacht wird und zum Ende Ursache des Bösen wird. Je abstrakter die Schuldfrage wird, desto größer ist diese Gefahr.

Was hab ich von Leuten, die am PC jede Menge Petitionen zur Rettung von diesem und jenem Weltproblem unterschreiben oder dazu aufrufen, aber keine Zeit haben, in einem Heimatverein konkret mitzuwirken und im eigenen Umfeld das gesellschaftliche Leben angenehmer, friedlicher zu machen. Sie kommen mir vor wie Leute, die von Bochum aus Steine um die halbe Welt werfen wollen, um im Amazonas eine heilende Wellenbewegung auszulösen, doch einen Stein in den Teich vor der Nase zu werfen, dass überhaupt mal eine KONKRETE Welle in Gang gesetzt wird, fällt ihnen nicht ein.

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Bei Epikur geht es um Lebensphilosophie, um eine Philosophie ohne Rückbezug auf Göttliches und göttliche Gebote, sondern um eine Lebenseinstellung aus Vernunft mit realistischem Blick auf die Welt und die Menschen, wie sie nun mal sind. Epikur ist darum allen "philosophischen Idealisten" verhasst, speziell den Christen, weil er auch noch ein Leben nach dem Tod und Verdammnis geleugnet hat, womit sie gern Macht via Angst über die Menschen ausgeübt haben. Epikurs Werke sind verboten und vernichtet worden. Von 400 Büchern und Schriften sind durch Zufall gerade mal 4 Briefe und einige aus dem Zusammenhang gerissene Zitate - oft nicht mal von ihm selbst - übrig geblieben. Man hat ihn als Hädonist, als Schlemmer, Säufer und Hurenbock verunglimpft und ihm als oberstes Ziel die unendliche Steigerung der Lust angehängt. Das Zitat oben zeigt, dass das reine Lüge ist.

Epikur hat eine sehr differenzierte Lebensphilosophie, in der die Freude eine positive Rolle spielt, die auf ein gelingendes Leben abzielt. Eine wichtige Einstellung dazu ist die Gelassenheit gegenüber den Schwankungen des Lebens. Dazu empfielt er, seine eigenen Bewertungen mit Vernunft in Grenzen zu halten. Wer den Hals nicht voll bekommt, wird nie glücklich. Im Gegenteil: So wie die Menschen abhängig werden können durch Angst, so können sie auch durch Gier abhängig werden und verfehlen ein möglichst selbstbestimmtes Leben, weil dann die Gier über ihr Leben bestimmt. Epikur ist ein Philosoph des vernünftigen Mittelmaßes und in dieser Hinsicht dem Aristoteles durchaus ähnlich.

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