W124 für lange Reisen als Fahranfänger?

7 Antworten

Der W124 hat noch ne mechanische Verteiler-Einspritzpumpe, also in aller Regel bei niedrigen Temperaturen vielleicht Schwierigkeiten, den zum Laufen zu bringen. Aber wenn der läuft, läuft der. Wenn auch nur recht träge.

Problematisch ist die Karosserie, bei einem Auto, dass Du um diesen Preis bekommst (obwohl durchaus H-Zulassung im Raum stehend) dürfte die Karosserie unter starkem Rostbefall leiden. Mit dem W201 sieht es da genauso aus.

Generell würde ich ein Auto Bj Ende der 90er bis Anfang der 2000er empfehlen, um diese Preisklasse dürfte sich da auch durchaus Was mit frischer HU finden lassen. Wenn es um weite Strecken geht einen Diesel, allerdings müsste mit dem Problem hantiert werden, dass der aus vielen Städten verbannt ist.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Hallo,

der 124er ist durch - das Thema ist allein vom Alter der Fahrzeuge her beendet. Meist sind 124er schlecht oder teuer, in der Regel beides; seit alle selbsternannten "Kenner" vom "letzten echten Benz" schwadronieren, wird das immer schlimmer. Ich kann es nicht empfehlen, außerdem kommen nach 30-35 Jahren auch diese Autos an ihre Grenzen. Alle Zuverlässigkeit hat ein Ende, wenn rund um die robusten Motoren ständig was kaputt geht, Rost ist sowieso ein Dauerthema.

Wir hatten 23 Jahre lang (1989 bis 2012) einen neu gekauften Mercedes 230E Automatik. Den durfte ich als Anfänger einige Male fahren, bis ich ein eigenes Auto hatte, ich kam damit zurecht. Der Wagen war damals sehr gut auch auf Langstrecken, aber wenn man ihn heute fährt, weiß man, was sich getan hat. Der 190er ist übrigens im Vergleich zum 124er und zu moderneren Autos (sogar gegenüber seinem Nachfolger W202, den ich fahre) ein winziger Kleinwagen, eine enge Sardinenbüchse, laut und unkomfortabel; ich hatte im 190er immer den Eindruck, in einem Auto für Hobbits zu sitzen. Preislich ist es ähnlich wie beim 124er - Schrott zu Höchstpreisen. Das muss man sich nicht geben.

Wie gesagt - der Drops ist gelutscht, ich würde mir als Alternative einen W202 suchen. Der kann alles genauso gut und hat fast genauso viel Platz, ist vom Komfort und der Sicherheit her bei identischer Zuverlässigkeit aber moderner und angenehmer. Und er hat die weit besseren Sitze, die vom 124er waren nämlich bis 1993 schlecht - und dann bekam er die des W202. Wenn du an dem 200er-Motor klebst, den gibt es auch im W202, dort nennt er sich C200 Diesel und hat 75 PS. Ist selten, aber gelegentlich mal zu finden.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Der W124 als 200D ist laut, lahm, nur noch mit H Kennzeichen überall fahrbar und weiß Gott kein Auto für einen Fahranfänger der ewig durch die Gegend tingeln möchte. Zumal du für den Preis nur Autos mit gigantischen Km Ständen finden wirst oder welche mit einem wahnsinnigen Wartungs und Reparaturstau

Max von Max Speedshop ist mit einem Trabant 601 schon nach Ungarn, Kroatien und Spanien gefahren. Also ja, auch alte Autos schaffen solche Strecken. Allerdings ist mit einzelnen Problemchen zu rechnen und da sollte man jede Schraube an diesem Auto kennen.

Und dann findet jährlich auch sowas statt, wie die Rallye Allgäu Orient vom Bodensee nach Amman in Jordanien, wo die Autos alt und billig sein müssen. Die meisten kommen tatsächlich am Ziel an, wenn auch teilweise mit improvisierten Reparaturen unterwegs.

Im Grunde ist es so: Wenn du ein Auto von 2000 kaufst, was aber auch schon runtergerockt ist, und bekommst damit die zu erwartenden kleinen Probleme - ja okay, dann ziehst du das Scantool raus, das du in weiser Voraussicht gekauft hast, liest den OBD-Code aus und machst in dummes Gesicht weil irgendwas kaputt ist, was so schnell nicht zu bekommen, geschweige denn ohne das halbe Auto zu zerlegen in dem viel zu engen Motorraum irgendwie auszutauschen ist.

Wenn du ein Auto aus den 90ern, 80ern oder noch früher hast, gibt es kein OBD. Dafür viel simple Technik. Wer hier etwas Ahnung, das nötige Werkzeug und den zum Auto passenden Etzold (basierend auf dem Namen des Autors gängige Bezeichnung für die "So wirds gemacht" Reihe, die es für viele ältere Autos gibt) dabei hat, kann nahezu jedes Problem auf dem Pannenstreifen oder dem Campingplatz beheben, außer einen kapitalen Motorschaden (und selbst der wäre beim Trabbi noch leicht zu beheben, wenn man einen Ersatzmotor im Kofferraum hat - beim W124 ist der Motor aber zu groß und zu schwer, um einfach mal einen Ersatzmotor mitzunehmen und ihn ohne Hebevorrichtung auszutauschen). Notfalls mit etwas Material vom Autozubehörladen, Schrottplatz oder gar Baumarkt.

Ich würde durchaus sagen, wenn du schon etwas Erfahrung im Schrauben an älteren Autos hast und die Basis gut gewartet ist, kommst du mit einem W124 fast genauso gut ans Ziel, wie mit einem Neuwagen, unter Umständen deutlich besser, als mit einem abgerockten Gefährt aus den frühen 2000ern mit all seinen Computern und viel zu eng gebautem Motorraum.

Wenn du gerade mal weißt, wie man den Zündschlüssel umdreht und was die drei Pedale machen, ist ein längerer Roadtrip mit einem Oldtimer zum Scheitern verurteilt.

Dazu kommt gerade beim W124, dass man erst mal ein gutes Modell finden muss. Viele sind vom Rost durchfressen, das heißt der Liebhaber verbringt erst mal Wochen mit dem Schweißgerät und in der Lackierkabine, bis die halbe Karosserie ausgetauscht ist. Auch die Technik will beherrscht werden. Selbst viele Fachwerkstätten sind, aufgrund des Alters und den immer seltener werdenden Autos, mit so Dingen wie der mechanischen Einspritzung beim Diesel oder der im Grunde zuverlässigen aber viele seltsame Eigenheiten habenden KE-Jetronic beim Benziner überfordert. Einige Teile gibt es auch nicht mehr neu. Und in Deutschland bringt dich mit dem Diesel ein H-Kennzeichen überall rein (ohne bist du in den meisten Innenstädten ausgeschlossen). Im Ausland mag das anders aussehen, liegt ein Besuch in Paris auf der Route, dann viel Spaß.

Als Liebhaberfahrzeug, wo man gerne bereit ist, viel Energie und Geld in eine ordentliche Restauration reinzustecken, ein tolles Auto. Und dann gibt es kein schöneres Gefühl, als nach erfolgter Restauration damit auf einen Roadtrip zu gehen, was der auch locker schafft. Aber als Daily Driver oder blind auf einem Roadtrip als jemand, der null Erfahrung im Schrauben hat, definitiv nein.

Theoretisch ja, es kommt aber auf den Zustand des Einzelexemplars an. Die wenigsten Verkäufer sind dumm und geben einen gut erhaltenen w124 für 2000€ ab.

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